Aus Linux-Magazin 03/2011

Server-based Computing und Remote-Desktops

© Rainer Junker, 123RF.com

In virtuellen Desktop-Infrastrukturen verwalten Admins die Desktops ihrer Anwender zentral und unabhängig von der Clienthardware auf leistungsfähigen Servern. Das Linux-Magazin testet sechs sehr unterschiedliche Produkte für den zentral verwalteten, Server-basierten Büroarbeitsplatz.

Mit Terminalservices und auf Servern virtualisierten Desktops brauchen Administratoren nicht mehr von einem Büro zum nächsten zu hetzen, weil die Clients Probleme bereiten. Die Hersteller von Software für virtuelle Desktop-Infrastrukturen schwören ohnehin ganz und gar auf die Private Cloud und stillen das Bedürfnis der Anwender mit immer neuen Versionen.

Sechs Remote-Desktops

Sechs davon hat das Linux-Magazin im Folgenden getestet. Nomachine [1] bringt die NX-Version 4.0, Teamviewer ist schon bei 6 angekommen [2]. Das freie X2go [3] veröffentlicht einen Windows-Client, bietet Desktopsharing und ein Browser-Plugin. Die Hersteller komplexer Virtualisierungs-Umgebungen wie Citrix [4] und Red Hat [5] beschleunigen sogar Videos und 3-D-Anwendungen – alles ganz im Sinne der neuen Cloud-Leitkultur, so wie sich diese auch auf der CES 2011 präsentierte [6]. Und Virtualisierungs-Marktführer VMware hat die Version 4 seiner VDI-Lösung VMware View auf dem Markt.

Tabelle 1 trägt die wichtigsten Features zusammen. Da hätte der Open-Source-Anteil noch vor wenigen Jahren ganz anders ausgesehen, als die Linux-Community meist nur den beiden Platzhirschen Microsoft und Citrix hinterherhecheln konnte.

<a href="#article_t1" class="table">Tabelle 1</a>: Terminalserverlösungen im Vergleich

Tabelle 1: Terminalserverlösungen im Vergleich

Die Redmonder hatten mit dem RDP-basierten Windows-Terminalserver [7], Citrix mit dem ICA-Protokoll [8] und den darauf aufbauenden Terminalserver-Clustern schier unerreichbare Standards gesetzt. Lange Zeit galten Nomachines NX und dessen freies Pendant Free NX als die einzigen Kandidaten, die Desktop-Sitzungen auch über schmale Leitungen performant ausliefern konnten.

Doch das Blatt wendete sich. Citrix übernahm Xensource [9] und stieg damit auch in den Linux-Markt ein, VMware definierte mit V-Sphere die Virtualisierung neu [10]. Red Hat brachte seine Enterprise-Virtualisierung RHEV auf den Markt, und Virtualbox integrierte Enterprise-Features und einen eigenen RDP-Server für den Remote-Zugriff auf virtuelle Maschinen [11].

Terminalserver oder Virtualisierung?

Im Zeichen der alles virtualisierenden Wolke verschwimmen die Grenzen zwischen reinen Terminalservern und den virtualisierten Infrastrukturen für Desktopclients. Linux als Betriebssystem spielt dabei zwar eine zunehmend wichtige Rolle, aber die professionellen Managementoberflächen stehen meist nur dem Windowsler zur Verfügung.

Seinen neuen Multicore-Server macht der Linux-Admin heute im Idealfall einfach per Software-Installation zur Desktopzentrale, zum Beispiel mit dem umtriebigen X2go oder dem ebenfalls noch frei erhältlichen NX. Für den Remote-Support taugt proprietäre Software wie das kostenlose Teamviewer, das den Zugriff auf Linux, Windows und den Mac von vielerlei Systemen aus ermöglicht.

Oder er nutzt die Hypervisoren von VMware, Xen oder KVM/Qemu, um jedem Anwender einen virtuellen Rechner mit klar umrissenen Ressourcen als (Remote-)Image zur Verfügung zu stellen, auf das die Anwender mit Terminalserver-Software zugreifen und das der Admin bei Bedarf einfach schnell wieder einspielt. Wer das nötige Kleingeld hat, kriegt das auch ausfallsicher mit jederzeit möglicher Live-Migration, zum Beispiel von VMware, Citrix oder Red Hat.

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