Debian-Projektleiter Stefano Zacchiroli dreht auf. Im September machte er Torsten Werner zum Mitglied des Ftpmaster-Teams, das sich um Debians FTP-Archiv kümmert. Mitglieder dieses Teams sind so genannte Delegates im Sinne des Paragrafen 8 der Debian-Verfassung, also Projektmitglieder, die der Projektleiter mit speziellen Aufgaben betraut. Im Oktober gab der umtriebige Italiener dann gleich die nächste Personalie bekannt: Er ernannte Martin Michlmayr zum Auditor des Debian-Projekts [1].
Debians Auditoren sind so etwas wie die Schatzmeister. Sie sind dafür verantwortlich, Debians Besitztümer zu verwalten, zum Beispiel die Hardware der verschiedenen Aufgabenbereiche. Bisher war Luk Claes der einzige Auditor, der im Debian-Universum vor allem als Release-Manager bekannt ist. Auch Michlmayr ist kein unbeschriebenes Blatt: Der gebürtige Österreicher war selbst schon Debian-Projektleiter und hat in seiner Doktorarbeit das Release-Management verschiedener Open-Source-Projekte erforscht [2].
Während seiner Entwicklerkarriere war Michlmayr zeitweise auch für Debians New Maintainer Process verantwortlich [3]. Dieser Prozess ist eine Art Incubator für Developer-Aspiranten. Er soll mittels diverser zu erfüllender Bedingungen vermeiden, dass Einfaltspinsel Pakete in das Debian-Archiv hochladen.
Wachstumsprobleme
Bei diesem Prozess vollzieht sich demnächst – eventuell – eine kleine Revolution. Im Oktober entschieden die Debianer per Generalabstimmung darüber, ob künftig auch solche Entwickler Debian-Projektmitglied heißen dürfen, die kein Paket im Debian-Archiv betreuen [4].
Bisher war die Pflege “eigener” Pakete Pflicht. Aufgrund der wachsenden Zahl derer, die sich auch anders am Projekt beteiligen, bildet diese Regel aber mittlerweile die Realität nicht mehr ab. So investierten zwar viele Menschen im Dunstkreis des Projekts große Mengen Zeit in Debian, aber der offizielle Status, Projektmitglied zu sein, blieb ihnen verwehrt.
Bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis der Abstimmung noch nicht fest. Der Tenor auf verschiedenen Mailinglisten des Projekts war aber eher zustimmend. Sollte die Entscheidung tatsächlich positiv ausfallen, würde das vieles ändern.
Dreierlei Debianer
Der New Maintainer Process würde – so sieht es der Text der Generalabstimmung vor – ausgebaut und Aspiranten könnten den technischen Teil überspringen. Anwender müssen sich allerdings keine Sorgen um die Sicherheit ihrer Systeme machen. Diese neue Art Projektmitglieder, die keine eigenen Pakete betreuen, dürfen auch keine Pakete in das Debian-Archiv hochladen.
Die spürbare Veränderung wäre allerdings, dass Debian die Arbeit der Nicht-Paketmaintainer deutlicher anerkennt als bisher. Diese Entwicklung würde mit der schon im Jahr 2007 beschlossenen Einführung der Debian-Maintainer harmonieren ([5], Abbildung 1). Damals stellte das Projekt fest, dass nicht jeder, der Pakete pflegt, Projektmitglied sein muss. Ein weiterer Schritt nach vorn wäre nun die Anerkennung der Tatsache, dass nicht jedes Projektmitglied Pakete pflegen muss. Auf lange Sicht wird Debian davon profitieren. (ake)

Abbildung 1: Alle für eines. Womöglich gibt es in Zukunft dreierlei Beziehungen, in denen ein Entwickler zum Debian-Projekt stehen kann: Maintainer, Mitglied und Mitglied ohne Maintainerschaft.
| Infos |
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| [1] Martin Michlmayr wird Auditor: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2010/10/msg00004.html]
[2] Artikel über Michlmayrs Doktorarbeit: [https://www.linux-magazin.de/Heft-Abo/Ausgaben/2007/08/Diktat-des-Kalenders] [3] New Maintainer Process: [http://www.debian.org/devel/join/newmaint] [4] Generalabstimmung: [http://www.debian.org/vote/2010/vote_002] [5] Beschluss des Maintainer-Status: [http://www.debian.org/vote/2007/vote_003] |
| Der Autor |
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| Martin Gerhard Loschwitz ist Senior Technical Consultant bei Linbit und seit vielen Jahren Debian-GNU/Linux-Entwickler. |







