Aus Linux-Magazin 10/2010

Wiki-Engines im Praxistest

© Josef Muellek, 123RF.com

Sie sind duldsame Datenspeicher, Sammelstellen für Ideen oder Dokumentationen und wahre Fundgruben für Wissen aller Art. Wiki-Programme bieten faszinierende Werkzeugkästen und sind – dank Wikipedia – aus dem Internet nicht mehr wegzudenken. Sechs dieser Engines beweisen sich im Praxistest.

Wikis (Hawaiisch für “schnell”) sind schon lange Bestandteil des privaten und beruflichen Alltags. Familien und Freunde sammeln ihre leckersten Rezepte, Fans tauschen sich über Fernsehserien aus, Linuxer schreiben gemeinschaftlich Artikel zu ihrer Lieblingsdistribution, und auch in vielen Unternehmen ersetzen sie teure Knowledgebase-Software. Wikis eignen sich ideal, um die eigenen Gedanken und Worte zu weben, und erleichtern das Texten im Team.

Das Handwerkszeug besteht aus einem Browser auf Anwenderseite und einer Wiki-Software auf dem Server. Die Zahl dieser Engines ist inzwischen ins Dreistellige gewachsen, und so ist es an der Zeit für einen Test, wer die schönsten Seiten webt.

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Wikis sind fast so alt wie das Web selbst. Bereits 1994 erkannte Ward Cunningham die Notwendigkeit, den Inhalt vom HTML-Code einer Webseite zu trennen und gleichzeitig den Nutzern eine vereinfachte Textauszeichnung an die Hand zu geben, damit sie gemeinsam auf einer Plattform arbeiten und Wissen ohne lästige Zeitverzögerung verwalten können. Revolutionär in seinem Wikiwikiweb [1] war sicherlich auch die Idee der “WikiWörter” (CamelCase), die automatische Verlinkung durch Wörter mit Binnenmajuskel zu den gleichnamigen Wiki-Seiten.

Bis Ende der 1990er fristeten Wikis eher ein Schattendasein und kamen hauptsächlich bei Software-Entwicklern zum Einsatz. Erst mit dem inzwischen wohl bekanntesten Wiki-Projekt, der Wikipedia, traten sie mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt war das Ur-Wiki schon wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Ein Grund lag sicherlich im eingeschränkten Markup, aber auch die offene Struktur früher Wiki-Engines ist inzwischen überholt.

Heutzutage ist Wiki-Software entweder gegen Internetphänomene der zerstörerischen Art gerüstet oder sie stirbt aus. Eine Übersicht der letzten Änderungen samt Versionskontrolle, Benutzerverwaltung und Spamschutz sind inzwischen ein Muss. Waren die ersten Wikis noch in Perl geschrieben, so ist laut Wikimatrix [2] die beliebteste Programmiersprache jetzt PHP, dicht gefolgt von Java und C. Etwa die Hälfte aller Wiki-Engines speichert Inhalte in einer Datenbank, viele andere nutzen das Dateisystem zur Ablage, nur eine Minderheit verwendet für diesen Zweck ein Versionskontrollsystem.

Im Test treten Mediawiki, Moinmoin, Dokuwiki, Twiki, Tikiwiki und Tiddlywiki gegeneinander an und zeigen, was sie in puncto Usability und Administration zu bieten haben. Die letzten beiden Kandidaten laufen außer Konkurrenz – Tikiwiki ist weit mehr als nur eine Wiki-Engine, sondern eher eine ausgereifte Community-Plattform, und Tiddlywiki eignet sich als “Wiki on a stick” nicht für große Datensammlungen und viele Benutzer.

Mediawiki

Am Platzhirsch kommt keiner vorbei: Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht eines der unzähligen auf Mediawiki [3] basierenden Wiki-Projekte nutzt – selbst wenn er die Wikipedia vermeidet. Hobbyköche tauschen sich im Rezepte-Wiki [4] aus und Trekkies befragen die Wissensdatenbank Memory Alpha [5]. Wer kurz nachschlagen möchte, welche Sherlock-Holmes-Anspielung in der letzten Folge von “Dr. House” vorkam, landet garantiert beim Dienst Wikia [6], der unter anderem zu vielen Fan-Wikis beliebter Fernsehserien verlinkt.

Mediawiki entstand 2002 und wurde gemeinsam mit der Wikipedia groß. Die Engine ersetzt das in Perl geschriebene Usemod [7], auf dem das Wikipedia-Projekt von 2000 bis 2002 aufbaute. Für Usemod bedeutete der Umstieg das Ende, die Entwickler stellten ihre Arbeit im Jahr 2003 ein. Mediawiki ist in PHP implementiert, als Datenbank-Backend dienen wahlweise MySQL, PostgreSQL oder SQLite.

Die aktuelle Version 1.16.0 zeigt sich deutlich performanter als ihre Vorgänger. Ein Administrator mit sehr guten MySQL-Kenntnissen ist allerdings Voraussetzung für den Betrieb dieser Engine. Soll das Wiki öffentlich zugänglich sein, ist nicht nur die Pflege der Datenbank aufwändig. Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen Sicherheitslücken in Mediawiki auf. Diese schließt der Admin besser zügig, da unter anderem Botnetze in Wiki-Installationen nach diesen Schwachstellen suchen. Mediawiki leidet also ein bisschen an der eigenen Popularität.

Altbewährt oder altbacken?

Die Installation ist unproblematisch. Pakete für die gängigen Betriebssysteme stehen bereit. Alternativ reicht es, die Quellen von der Projekt-Homepage auf dem eigenen Webspace zu entpacken und das Verzeichnis im Browser aufzurufen. Dort macht der Admin im Prinzip nur noch Angaben zur Datenbank, um die Einrichtung abzuschließen.

Dass der Wiki-Betreiber die Hauptkonfigurationsdatei »LocalSettings.php« danach von Hand umkopieren muss, mag begründet sein – lästig ist es dennoch. Unschön ist ebenfalls, dass saubere URLs (also solche, die nichts über die dahintersteckende Technologie preisgeben, [8]) ohne Apache-Kenntnisse nicht möglich sind. Andere Softwareprojekte machen seit Jahren vor, dass es auch einfacher und benutzerfreundlicher geht, während bei Mediawiki zumindest in diesem Punkt Stillstand herrscht.

Wenig Bewegung gibt es auch in Sachen Markup (Listing 1). Zwar bietet kaum eine andere Wiki-Engine so viele Möglichkeiten, wenn es darum geht, komplexe Darstellungsvorlagen für ganze Seiten oder Seitenteile zu erstellen. Demgegenüber steht allerdings eine stellenweise unintuitive und unübersichtliche Basis-Syntax. Unsinnigerweise unterscheiden sich interne und externe Verlinkungen immer noch im Markup, selbst einfache Tabellen ohne Sonderwünsche für Zeilen- und Spaltenbreite sind nicht ohne Blick ins Handbuch zu erstellen.

Listing 1:
Mediawiki-Markup

01 ==Hallo Welt==
02 Wikis sind eine '''fette Sache''', aber manchmal auch ganz schön ''schräg''.
03 [[Intern|Drinnen]] gibts viel zu sehen, [https://www.linux-magazin.de/ Draussen] aber auch.
04 {|
05 |Übersichtlichkeit
06 |in Tabellen
07 |-
08 |ist nicht immer
09 |gegeben.
10 |}

Plugins für Editoren und Textverarbeitungen oder Firefox-Addons helfen über die Stolpersteine hinweg, eine bessere Dokumentation wäre aber schön. Das Handbuch wirkt oft an der Zielgruppe vorbeigeschrieben – die Mediawiki-/Wikipedia-Community schafft es nicht, über den Tellerrand der eigenen Begrifflichkeiten hinwegzuschauen.

Neueinsteiger verwöhnt Mediawiki also nicht – Poweruser dagegen bekommen mit Templates, Parsing Instructions, Includes und Variablen einen Werkzeugkasten mit mächtigen Tools an die Hand. Look & Feel des eigenen Wiki passt der Admin mit Skins an. Das Netz ist eine wahre Fundgrube für diese Oberflächen. Dennoch nutzen viele Mediawiki-Installationen den Standard namens Monobook (siehe Abbildung 1), was allerdings schnell zu Verwechslungen mit der Wikipedia führt.

Abbildung 1: Verwechslungsgefahr: Es sieht aus wie Wikipedia, ist aber eine frische Mediawiki-Installation mit der Standard-Skin Monobook.

Abbildung 1: Verwechslungsgefahr: Es sieht aus wie Wikipedia, ist aber eine frische Mediawiki-Installation mit der Standard-Skin Monobook.

Bei aller Kritik bleibt Mediawiki eine gute Engine. Fast alle Wiki-Fans haben schon eine Mediawiki-Installation genutzt oder zu einem mit Mediawiki betriebenen Projekt beigetragen und sich dabei an Look & Feel und auch an das unhandliche Markup gewöhnt.

Moinmoin

Zu Unrecht hat das Wiki mit dem plattdeutschen Namen [9] den Ruf, ein selten genutzter Exot oder eine rein deutsche Entwicklung zu sein. Zahlreiche Open-Source-Projekte und Firmen auf dem ganzen Globus setzen auf diese Engine im Intra- oder Internet, darunter Dropbox, Open Office und Edubuntu.

Moinmoin ist in Python geschrieben und legt die Wiki-Inhalt als normale Textdateien ab. Die Engine speichert Revisionen nicht inkrementell, sondern erstellt für jede Änderung eine neue Datei. So kann eine über Jahre ungepflegte Moinmoin-Installation schnell zum Platzfresser werden. Die Wiki-Software liefert daher mit dem Kommandozeilentool Moin [10] einen zuverlässigen Administrations-Helfer aus, der solche und andere Missstände beseitigt.

Moinmoin bietet zwei Installations-Szenarien an: eine Quick-Install- und eine Server-Variante. Erstere setzt lediglich den Download des Tarball voraus, bietet einen eingebauten Webserver, der anstelle oder parallel zu einem laufenden arbeitet, und eignet sich daher ideal für das Einrichten im eigenen Homeverzeichnis. Die zweite Variante setzt Root-Rechte voraus; eine Anleitung zur Modifikation der entsprechenden Konfigurationsdateien findet sich im Handbuch der Wiki-Software.

Eine bequeme Einrichtung über den Browser ist auch in der aktuellen Version 1.9 nicht möglich, sodass die Konfiguration zur Frickelei ausartet, wenn kein Shellzugriff und nur ein FTP-Zugang zum Server besteht. Moinmoin entschädigt den Anwender mit einer übersichtlichen Konfigurationsdatei »wikiconfig.py«.

Um das Wiki zu erweitern, kann der Nutzer Makros in normale Seiten einbinden, global zusätzliche Funktionen mit Actions bereitstellen oder auf Themes zurückgreifen. Im Angebot der Zusatzsoftware sind Parser, Formatter und XML-RPC-Funktionen. Alle Addons richtet der Admin auf der Shell ein, eine Installationsmöglichkeit über ein Webinterface sucht er auch hier vergebens.

Unscheinbarer Star?

Verglichen mit der Fülle an Erweiterungen für Mediawiki ist das Angebot von Moinmoin eher überschaubar. Mit ein wenig technischem Sachverstand und minimalen Programmierkenntnissen sollte es aber problemlos möglich sein, bestehende Addons zu patchen und an eigene Bedürfnisse anzupassen.

Wer mit Moinmoin mehrere Wiki-Instanzen auf einem Server betreiben möchte, installiert die Software ein Mal und vervielfältigt das Verzeichnis, auf das die User übers Web zugreifen. Dazu ist nicht mehr als ein halbes Dutzend Handgriffe nötig, die schnell in ein Skript verpackt sind. Moinmoin leistet darüber hinaus auch gute Dienste als Contentmanagement-System. Access Control Lists erlauben eine gezielte Rechtevergabe für die gesamte Installation oder für einzelne Unterseiten.

Die Moinmoin-Entwicklung schreitet extrem schnell voran. Allein im Jahr 2008 gab es drei große Versionssprünge. Die Programmierer arbeiten momentan auf Hochtouren an Version 2.0, die viele neue Features mitbringen soll [12]. Ein Testwiki mit Sandbox lädt zum Experimentieren ein (siehe Abbildung 2). Eine Überarbeitung großer Teile des Code ist vorgesehen. Anstelle von Seiten und Attachments kennt die Engine dann nur noch Items verschiedenen Typs. Außerdem integriert sie über ein Backup-API verschiedene Datenspeicher. Auch wollen die Moinmoin-Mitarbeiter stärker auf den Code anderer Projekte zurückgreifen, zum Beispiel auf Jinja2 [13] als Template-Engine.

Abbildung 2: Die Moinmoin-Entwickler versprechen zahlreiche Neuerungen für die nächste Release. Einen Vorgeschmack auf Version 2.0 gibt's bereits auf der Projekt-Webseite.

Abbildung 2: Die Moinmoin-Entwickler versprechen zahlreiche Neuerungen für die nächste Release. Einen Vorgeschmack auf Version 2.0 gibt’s bereits auf der Projekt-Webseite.

Auf den ersten Blick scheint Moinmoin nur eine durchschnittliche Wiki-Engine ohne große Besonderheiten zu sein. Schaut man etwas genauer hin, stellt sich die Software jedoch als flexibel und leistungsstark heraus. Moinmoin bleibt selbst bei hohen Zugriffszahlen performant, durch die Theme-Schnittstelle passt der Admin das Wiki mit verhältnismäßig geringen Aufwand an eigene Bedürfnisse an und die Hilfeseiten sind tatsächlich hilfreich.

Bereits seit Version 1.6 ist mit Hilfe des Creole-Projekts [14] ein grundlegend überarbeitetes und vereinfachtes Markup entstanden (siehe Listing 2). Die Engine punktet mit einem guten Spamschutz, nachdem in der Vergangenheit Spambots viele der mit Moinmoin betriebenen Wiki-Projekte attackierten und unbenutzbar machten.

Listing 2:
Moinmoin-Markup

01 = Hallo Welt =
02 Wikis sind eine '''fette Sache''', aber manchmal auch ganz schön ''schräg''.
03 [[Intern|Drinnen]] gibts viel zu sehen, [[https://www.linux-magazin.de/|Draussen]] aber auch.
04 || Übersichtlichkeit  || in Tabellen ||
05 || ist nicht immer  || gegeben. ||

Dokuwiki

Von allen getesteten Engines gewinnt Dokuwiki [15] den Preis für die schnellste und problemärmste Installation. Das System eignet sich ideal für Anwender, die nicht für jede kleine Konfigurationsänderung auf die Shell wechseln können oder wollen. Das in PHP geschriebene Wiki speichert seine Inhalte genau wie Moinmoin in Textdateien und bewahrt alte Versionen ebenfalls vollständig auf – allerdings in gepackter Form.

Die Einrichtung über ein Webinterface ist in Sekundenschnelle erledigt, über diese Schnittstelle nimmt der Admin auch Feineinstellungen wie die Einrichtung von ACLs und Plugins vor (Abbildung 3). Lediglich zur Installation von Templates ist ein Shellzugriff nötig. Diese lädt der Wiki-Betreiber von Hand auf den Server und entpackt sie im Verzeichnis »lib/tpl/«.

 

Auf den ersten Blick scheint Dokuwiki sogar in der Lage zu sein, mit einem einzigen Klick saubere URLs zu aktivieren. Von dieser Option sollten Anwender jedoch tunlichst die Finger lassen oder zumindest vorher gründlich die Anweisungen der Rewrite-Dokumentation [16] gelesen haben. Andernfalls ist die Gefahr groß, mit einer unbenutzbaren Installation zu enden.

Das Dokuwiki-Markup ist angenehm durchdacht und ähnelt dem von Moinmoin (Listing 3). Beide Engines sind spürbar vom Creole-Markup beeinflusst, das sie zusätzlich zur hauseigenen Auszeichnung unterstützen. Dokuwiki benötigt dazu ein entsprechendes Plugin.

Listing 3:
Dokuwiki-Markup

01 ====== Hallo Welt ======
02 Wikis sind eine *fette Sache*, aber manchmal auch ganz schön //schräg//.
03 [[Intern|Drinnen]] gibts viel zu sehen, [[https://www.linux-magazin.de/|Draussen]] aber auch.
04 | Übersichtlichkeit | in Tabellen |
05 | ist nicht immer | gegeben. |

Außer mit der einfachen Administration trumpft die Engine vor allem durch ihr Template-System auf. Eine Suche im Netz führt den User zu vielen schicken Looks, auch die Anleitung zur Erstellung ist gut verständlich. Während fast alle Mediawiki-Installationen gleich aussehen und direkt als Wiki identifizierbar sind, steckt hinter manch aufwändig gestalteter Webseite kein sündhaft teures CMS, sondern Dokuwiki [17].

Twiki

Verglichen mit der reibungslosen Installation von Dokuwiki gerät die Einrichtung von Twiki [18] zu einer Bergwanderung ohne Geländer. Böse Zungen behaupten, das sei man ja von Perl und seinen Entwicklern gewohnt: bloß nicht zu einfach und bequem. Auch die Dokumentation ist für Normalsterbliche kaum zu erfassen, ohne dass das Gehirn automatisch in den Bildschirmschoner-Modus schaltet. Aber was ein echter Programmierer ist, der liest keine Anleitungen, der weiß einfach, wie es geht.

Trotzdem – oder möglicherweise genau aus diesem Grund – erfreut sich Twiki der vielleicht größten Nutzergemeinde neben Mediawiki. Es ist die älteste der getesteten Wiki-Engines und hat über die Jahre die Businesswelt für sich eingenommen. Unternehmen wie Motorola oder Disney nutzen Twiki als interne Wissensdatenbank oder Dokumentenverwaltung und setzen es sogar als Projektmanagement-Tool ein.

Bodenständig stabil

Twiki benötigt neben Perl (5.6.1 oder neuer, Version 5.8.4 oder neuer wird empfohlen) eine Reihe von CPAN-Modulen, welche die Dokumentation auflistet. Darüber hinaus verwendet die Engine einige GNU-Tools wie Diff, Patch und Egrep/Fgrep. Cron und ein Webserver (Empfehlung der Entwickler: Apache) sind ebenfalls Voraussetzung. Ist Twiki erst einmal installiert, dann läuft und läuft es und erfreut den Verwalter mit zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten innerhalb des Wiki (siehe Abbildung 4). Aber bis dahin geht nichts ohne Perl-kundige Hände.

Abbildung 4: Vor die Twiki-Engine haben die Entwickler Perl gesetzt. Danach überzeugt das System aber durch komfortable Einrichtungsmöglichkeiten, die alle auf einer Seite versammelt sind.

Abbildung 4: Vor die Twiki-Engine haben die Entwickler Perl gesetzt. Danach überzeugt das System aber durch komfortable Einrichtungsmöglichkeiten, die alle auf einer Seite versammelt sind.

Twiki gehört zu den Engines im Test, die auf eine Datenbank verzichten und die Inhalte im Dateisystem des Servers ablegen. Die Versionskontrolle ist in Perl im Wiki selbst implementiert, optional kann der Admin aber auch RCS [19] verwenden.

Ähnlich wie bei Dokuwiki existieren zahlreiche Erweiterungen für die Engine. Zu den interessantesten Plugins gehört sicherlich Twiki Draw [20], mit dem der Benutzer gleichzeitig Text, Grafiken und Diagramme innerhalb des Wiki bearbeiten kann. Auch wenn das Markup kein Creole unterstützt, ist es doch relativ intuitiv (siehe Listing 4).

Listing 4:
Twiki-Markup

01 ---+ Hallo Welt
02 Wikis sind eine *fette Sache*, aber manchmal auch ganz schön _schräg_.
03 [[InTern][Drinnen]] gibts viel zu sehen, [[https://www.linux-magazin.de/][Draussen]] aber auch.
04 | Übersichtlichkeit | in Tabellen |
05 | ist nicht immer | gegeben. |

Twiki verwaltet die Metadaten einer Seite mit Formularen, während Mediawiki auf Kategorien setzt. Dient ein Wiki beispielsweise als Projektmanagement-Tool, kann der Nutzer jeder Task innerhalb eines Projekts auch eine eigene Seite zuordnen und über ein eingebettetes Formular den Status der Aufgabe verändern.

Twiki erlaubt darüber hinaus eine schnelle Suche über diese Meta-Informationen und gibt auf Knopfdruck beispielsweise alle Tasks aus, deren Status auf »erledigt« gesetzt ist.

Tikiwiki

Tikiwiki [21] präsentiert sich als eierlegende Wollmilchsau und versammelt alles unter einer Oberfläche: Wiki, Blog, Forum, Terminverwaltung, Bildergalerie, CMS, DMS, Groupware, Community – Lebensmittelpunkt. Vom Look & Feel her erinnert Tikiwiki an PHP Bulletin Board [22]. Mit einem normalen Wiki hat die Engine eigentlich nichts mehr gemein und die Benutzerfreundlichkeit leidet schwer unter der “Featuritis im Endstadium”.

Dafür gibt es an der Installationsprozedur wenig zu meckern. Wie die meisten Community-Tools ist Tikiwiki in PHP geschrieben und fordert als Backend eine MySQL-Datenbank. Das Einrichten per Webbrowser läuft tadellos – von Grundfunktionen über Plugins bis hin zur Auswahl verschiedener Themes ist alles drin (siehe Abbildung 5). Auch das Markup ist relativ einfach zu erlernen, auch wenn es sich durchaus von der Auszeichnung der anderen Wikis unterscheidet (siehe Listing 5).

Abbildung 5: Die Administrations-Oberfläche von Tikiwiki sucht ihresgleichen. Aussehen, Sprache, Plugins, RSS-Feeds, Blogs und Foren richtet der Wiki-Betreiber an zentraler Stelle ein.

Abbildung 5: Die Administrations-Oberfläche von Tikiwiki sucht ihresgleichen. Aussehen, Sprache, Plugins, RSS-Feeds, Blogs und Foren richtet der Wiki-Betreiber an zentraler Stelle ein.

Listing 5:
Tikiwiki-Markup

01 ! Hallo Welt
02 Wikis sind eine __fette Sache__, aber manchmal auch ganz schön ''schräg''.
03 ((Drinnen|Intern)) gibts viel zu sehen, [https://www.linux-magazin.de/|Draussen] aber auch.
04 ||Übersichtlichkeit | in Tabellen
05  ist nicht immer | gegeben. ||

Tikiwiki eignet sich ideal, um schnell eine kleine Community-Plattform zusammenzuzimmern. Sind allerdings vor allem Wiki-Grundfunktionen gewünscht, sollte der Admin lieber zu einer anderen Engine greifen, da die Fülle der Möglichkeiten schnell überfordert und die Wiki-Funktionalität nur Beiwerk ist.

Tiddlywiki

Ebenfalls außer Konkurrenz startete Tiddlywiki [23] im Test. Der Grund: Das Wiki für die Hosentasche besteht aus einer einzigen HTML-Datei mit einer eingebetteten Javascript-Anwendung, welche die Wiki-Funktionalität implementiert. Eine Installation ist daher nicht nötig – der Anwender lädt einfach die Datei »empty.html« herunter, benennt sie entsprechend um und öffnet sie im Browser.

Tiddlywiki ist nicht dafür gemacht, zahlreiche Benutzer oder Änderungen beziehungsweise Seiten zu verwalten. Strenggenommen eignet sich das Wiki nur zum Arbeiten auf dem lokalen Rechner und nicht über eine Internetverbindung hinweg. Es deaktiviert nämlich die Bearbeitungsfunktion, wenn der Nutzer über HTTP darauf zugreift.

Und doch hat das kleine Tool einen Sinn: Auf einem USB-Stick am Schlüsselbund kann man das persönliche Notiz-Wiki mit auf Reisen nehmen und Informationen handlich ablegen sowie durch Tags sortieren (Abbildung 6). Es spricht auch nichts dagegen, Programmhandbücher oder FAQs mit Tiddlywiki zu erstellen. Die einzelne HTML-Datei können Entwickler problemlos mit einer Installations-CD/-DVD ausliefern.

Abbildung 6: Tiddlywiki ist immer bereit und braucht nicht mal eine Internetverbindung. Damit eignet sich die Software ideal für Offline-Ideensammlungen.

Abbildung 6: Tiddlywiki ist immer bereit und braucht nicht mal eine Internetverbindung. Damit eignet sich die Software ideal für Offline-Ideensammlungen.

Tiddlywiki kooperiert mit den meisten modernen Browsern. Lediglich der Konqueror sperrt sich, wenn es darum geht, die HTML-Datei zu verändern. Das Markup ist relativ überschaubar (siehe Listing 6), vom Creole-Projekt beeinflusst und unterstützt diese Auszeichnungsform auch.

Listing 6:
Tiddlywiki-Markup

01 ! Hallo Welt
02 Wikis sind eine ''fette Sache'', aber manchmal auch ganz schön //schräg//.
03 [[Drinnen|Intern]] gibts viel zu sehen, [[Draussen|https://www.linux-magazin.de/]] aber auch.
04 | Übersichtlichkeit | in Tabellen |
05 | ist nicht immer | gegeben. |

Fazit

Ein vollständiger Überblick über alle Wiki-Engines würde Bücher füllen – zu groß ist das Angebot und zu unterschiedlich sind die Anforderungen der Nutzer. Alle Testkandidaten waren mehr oder weniger komfortabel im Hinblick auf Installation und Einrichtung. Die Engines, die ins Dateisystem schreiben, zeigten sich im Test zunächst performanter. Das Bild wandelt sich allerdings, wenn der Datenbestand wächst.

Tabelle 1: Feature-Übersicht der getesteten Wiki-Engines

Tabelle 1: Feature-Übersicht der getesteten Wiki-Engines

Die größten Unterschiede zwischen den Wikis bestehen nach wie vor im Markup. Die Entscheidung für oder wider eine Software fällt selten nach technischen Gesichtspunkten – ausschlaggebend ist vielmehr, mit welchem System die Nutzerzielgruppe umgehen kann und will. Nicht-übertragbares Markup macht einen späteren Umstieg auf ein anderes Wiki unattraktiv und arbeitsaufwändig. Das Creole-Markup [14] kann dabei helfen, Inhalte ohne Anpassung der Auszeichnungssprache zwischen Wikis zu übertragen.

Unter einem Manko leiden alle getesteten Programme gleichermaßen: Sie wurden von Techies für Techies entwickelt. Wysiwyg-Editoren oder Export-Plugins für Fremdformate verschleiern die Markup-Probleme nicht. Solange sich Anwender mit einer Fülle von Symbolen, Includes und Variablen herumschlagen müssen, zwischen denen sich der eigentliche Text versteckt, bleiben Wikis das Werkzeug der IT-Abteilungen und technikaffiner Datensammler. Es fehlt an Oberflächen, die wirklich intuitiv zu bedienen sind. (hej)

Infos

[1] Wikiwikiweb: [http://c2.com/cgi/wiki?WelcomeVisitors]

[2] Vergleich von Wiki-Software: [http://www.wikimatrix.org]

[3] Mediawiki: [http://www.mediawiki.org]

[4] Rezepte-Wiki: [http://www.rezeptewiki.org]

[5] Star-Trek-Enzyklopädie: [http://memory-alpha.org]

[6] Wikia: [http://www.wikia.com]

[7] Usemod: [http://www.usemod.com]

[8] Saubere URLs in Mediawiki: [http://www.mediawiki.org/wiki/Manual:Short_URL]

[9] Moinmoin: [http://moinmo.in]

[10] Kommandozeilentool Moin: [http://moinmo.in/HelpOnMoinCommand]

[11] Moinmoin 2.0: [http://moinmo.in/MoinMoin2.0]

[12] Ankündigung der Moinmoin-2.0-Features auf der Europython 2010: [http://europythonvideos.blip.tv/file/3980887/]

[13] Jinja2: [http://jinja.pocoo.org/2/]

[14] Creole-Projekt: [http://www.wikicreole.org]

[15] Dokuwiki: [http://www.dokuwiki.org]

[16] Saubere URLs in Dokuwiki: [http://www.dokuwiki.org/rewrite]

[17] Liste von Dokuwiki-Websites: [http://www.dokuwiki.org/users]

[18] Twiki: [http://twiki.org]

[19] Revision Control System: [http://www.gnu.org/software/rcs/rcs.html]

[20] Twiki Draw: [http://twiki.org/cgi-bin/view/Plugins/TWikiDrawPlugin]

[21] Tikiwiki: [http://www.tikiwiki.org]

[22] PHP BB: [http://www.phpbb.com]

[23] Tiddlywiki: [http://www.tiddlywiki.com]

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