
Abbildung 1: Was die Optik angeht, beschränkt sich die Tiny-Heb-Startseite lediglich auf das Notwendigste – dafür bleibt die Übersichtlichkeit gewahrt.
Hebammen kämpfen mit dem Amtsschimmel, Parteien gegen die Politikverdrossenheit der Bürger und Benutzer mit der Synchronisierung ihrer Daten. Drei Open-Source-Tools treten an, die Probleme dieser Welt zu lösen. Als unproblematische Leckerei gibt’s diesmal fein Gewebtes aus Asien.

Abbildung 1: Was die Optik angeht, beschränkt sich die Tiny-Heb-Startseite lediglich auf das Notwendigste – dafür bleibt die Übersichtlichkeit gewahrt.
In der Einkommensstruktur des Gesundheitswesens gehören die Hebammen eindeutig zu den Schlusslichtern. Schuld daran sind vor allem die hohen Ausgaben der meist selbstständigen Geburtshelferinnen. Erst im Juli 2010 wurden die Haftpflichtgebühren für niedergelassene Hebammen, die Hausgeburten anbieten, so stark erhöht, dass viele von ihnen um ihre Existenzgrundlage bangen müssen.
Zumindest bei der Abrechnungssoftware können Hebammen sparen. Tiny Heb [1] bietet sich als freie und kostenlose Alternative zu vielen kommerziellen Programmen an. Die unter der GPL stehende Software erblickte bereits 2003 das Licht der Welt. Seit dem 10. August dieses Jahres steht die neue Release (Version 1.5.0) zum Download bereit.
Laut Aussagen des Entwicklers entstand Tiny Heb aus einer persönlichen Motivation heraus. Thomas Baum schreibt auf der Projekt-Homepage, dass im eigenen Haushalt nur Linux-Rechner zu finden seien und er darüber hinaus nicht einsehe, dass seine als Hebamme tätige Frau Geld für eine Abrechnungssoftware ausgibt.
Starthilfe für Hebammen
Zu den Features von Tiny Heb gehören die Erfassung von Kundinnendaten, eine umfangreiche Plausibilitätsprüfung von Rechnungsposten, eine automatische Anwahl von Materialpauschalen sowie Funktionen, welche die Schlüsseldateien der Datenannahmestellen und die Kostenträgerdateien mit allen Krankenkassen einlesen.
Laut Aussagen des Programmierers (und seiner Frau) sei das Tool einfach zu bedienen. Zumindest was die Web-basierte Oberfläche der Software betrifft, überfordert diese nicht durch zu viele Optionen und gestaltet sich eher spartanisch (siehe Abbildung 1). Die mitgelieferte CSS-Datei, die sich für das Look & Feel von Tiny Heb verantwortlich zeigt, enthält gerade mal sechs Zeilen Code und definiert lediglich die Textfarbe sowie die bevorzugte Schriftart – hier besteht durchaus Nachholbedarf.
Auch die Betextung der verschiedenen Programmteile kommt oft etwas holprig und nur wenig professionell daher. Selbst wenn die Kundschaft von Hebammen weiblich ist, hinterlassen Bezeichnungen wie »Frau suchen« anstelle von »Patientin suchen« einen leicht unausgewogenen Eindruck. Außerdem bietet Tiny Heb in der aktuellen Version noch keine Unterstützung für das gesamte Bundesgebiet. Die Auswahl zeigt nur zwölf der 16 Bundesländer an (siehe Abbildung 2) – allerdings bietet der Programmierer an, weitere bei Bedarf kurzfristig einzupflegen.

Abbildung 2: Auf der Todo-Liste des Entwicklers steht es schon: Die Liste der Bundesländer will er noch vervollständigen. Dies kann nach eigenen Aussagen auch kurzfristig geschehen.
Tiny Heb generiert elektronisch signierte Rechnungen, die den Paragrafen §301a und §302 des Sozialgesetzbuchs gerecht werden. Diese übermittelt die Software auf Wunsch direkt an die Krankenversicherungsträger.
Vor- und Nachsorge
Tiny Heb arbeitet auf einem Apache-Server und ist in der aktuellen Form für den Einsatz auf einem lokalen Webserver konzipiert. Eine MySQL-Datenbank verrichtet im Hintergrund ihren Dienst. Um die Software auf einem öffentlich zugänglichen Server zu hosten, fehlen ihr derzeit Mechanismen zur Zugangskontrolle. Aber auch beim Einsatz im LAN empfiehlt es sich, über die Absicherung der Patientinnendaten mittels »mod_auth« und »mod_ssl« nachzudenken.
Ein fertiges Paket steht nur für Debian zur Verfügung; laut Dokumentation [2] soll es aber möglich sein, es auch unter Ubuntu einzuspielen. Die Installation aus den Quellen [3] ist auch auf anderen Systemen und sogar unter Free BSD zu bewerkstelligen. Auch für Windows XP [4] und Windows 7 [5] bietet die Projektseite Anleitungen.
Das Frontend besteht aus mehreren Perl-Skripten. Tiny Heb verlangt daher nach einer Reihe von Perl-Paketen, darunter »Date::Calc«, »File::stat«, »Tk«, »Mail::Sender« und »PostScript::Simple«. Diese dürften auf einem durchschnittlichen Linux-System nicht von vornherein installiert sein – hier muss der Nutzer also Hand anlegen. Die Abrechnungssoftware benötigt außerdem Open SSL und Ghostscript sowie Mozplugger für die optionale Rechnungsvorschau im Browser.
Für Fragen, Wünsche und zur Diskussion von Problemen hat der Tiny-Heb-Entwickler eine Mailingliste [6] eingerichtet. Dieser sehr direkte Support und das ausführliche Handbuch trösten durchaus über den einen oder anderen Geburtsfehler des Programms hinweg.
Flüssige Demokratie
Moderne Demokratie ist die Möglichkeit, alle vier Jahre an der Bundestagswahl teilzunehmen und – je nach Bundesland – hin und wieder per Bürgerentscheid über etwas abzustimmen. Im Berufsleben spielt Demokratie jedoch eher selten eine Rolle, denn Entscheidungen fällt nicht jeder Einzelne, sondern ein (fachkundiger) Vorgesetzter. Auch bei großen Organisationen wie etwa Greenpeace, bei denen man eigentlich demokratische Abstimmungen zu Initiativen und Aktionen erwarten könnte, bestimmen wenige Funktionsträger den Kurs vieler Basismitglieder.
Eine direkte Beteiligung an Entscheidungen ist ab einer gewissen Organisationsgröße schon rein logistisch kaum machbar und Diskussionen sind nur in kleinen Gruppen ein sinnvolles Mittel zur Urteilsfindung. Hier kommt Liquid Feedback [7] ins Spiel, ein Onlinesystem, das Unterstützung bei demokratischen Entscheidungsprozessen verspricht und genau da ansetzt, wo Lime Survey [8] und Doodle [9] an ihre Grenzen stoßen. Das Tool des Public Software Group e.V. tritt mit keinem geringeren Anspruch an, als direkte Demokratie auf technisch sichere Füße zu stellen.
Der Name ist Programm: Liquid Feedback setzt das Konzept der “Liquid Democracy” konsequent um. “Flüssige Demokratie” ist eine Form der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung, die einen Mittelweg zwischen direkter und repräsentativer Demokratie einschlägt. In diesem Delegiertensystem können Teilnehmer entweder selbst wählen oder ihre Stimme einem Bevollmächtigten zur Abstimmung übergeben, den sie für kompetenter halten.
Auch ein Präferenzwahlsystem ist implementiert. Es ermöglicht, nicht nur mit Ja oder Nein abzustimmen. Stattdessen ordnen die Wähler die Liste nach ihren Vorlieben an, das heißt, die am meisten bevorzugte Möglichkeit erhält eine 1, die nächste eine 2 und so weiter.
Politik für alle
Jeder kann im Onlinesystem Anträge einstellen, damit eine Mehrheit sie beschließt. Einen solchen Antrag bringt der Teilnehmer ein, indem er eine Initiative gründet – entweder zu einem neuen Thema oder als Konkurrenz zu einem bestehenden. Die Initiative sammelt daraufhin Unterstützerstimmen. Mitglieder haben hier die Gelegenheit, Änderungen für den Antragsentwurf einzubringen und ihre Kooperation davon abhängig zu machen.
Es liegt nun an den jeweiligen Initiatoren, die Vorschläge in ihr Konzept einzuarbeiten oder abzulehnen. Alle Themen und ihre Initiativen durchlaufen auf diese Weise die Stadien »Neu«, »in Diskussion«, »Eingefroren«, »Abstimmung« und »Abgeschlossen«. Ein Testsystem auf der Projekt-Homepage lädt zum Ausprobieren ein (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: In der Übersicht (im Bild das Liquid-Feedback-Testsystem) ist gut zu erkennen, in welchem Stadium sich ein Thema gerade befindet.
Liquid Feedback ist in PL/pgSQL implementiert und speichert alle Vorgänge in einer PostgreSQL-Datenbank. Das einzige derzeit verfügbare Frontend verwendet die Skriptsprache Lua [10] und ein darauf basierendes Webapplikations-Framework namens Web MCP [11] – eine Eigenentwicklung, die genau wie der Liquid-Feedback-Kern selbst unter der MIT/X11-Lizenz steht.
Wie ein Blick ins Changelog verrät, schreitet die Entwicklung von Liquid Feedback zügig voran. Das dürfte nicht zuletzt mit dem aktuellen politischen und öffentlichen Interesse an der Abstimmungsplattform zusammenhängen. Das Studierenden-Parlament der Universität Potsdam verwendet Liquid Feedback bereits erfolgreich. Darüber hinaus beobachten mehrere Parteien den Fortgang des Projekts und denken über den Einsatz der Software nach, darunter auch die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestags [12].
Aber nicht nur in der Politik ist der Einsatz von Liquid Feedback denkbar. Unternehmen, die gemeinsame Standards mit Zulieferern oder Mitbewerbern diskutieren, können die Abstimmungssoftware ebenso als Hilfsmittel einsetzen, etwa wie eine Kammer, die Ausbildungsbetrieben die Möglichkeit geben will, Einfluss auf die Lehrpläne zu nehmen.
Die Suche nach dem perfekten Sync
Die US-Firma Dropbox [13] ist den meisten Anbietern von Datenspeichern- und Sharing-Diensten in puncto Nutzerfreundlichkeit, Stabilität und Funktionsumfang weit voraus. Clients gibt es für alle gängigen Betriebssysteme sowie für Smartphones, und das Webinterface glänzt durch Übersichtlichkeit. Anwender greifen von nahezu überall auf ihre Daten zu und lokale Kopien überbrücken Zeiten mit fehlender Internetverbindung.
Eine integrierte Versionskontrolle schützt gegen ungewolltes Löschen und gegenseitiges Überschreiben von Änderungen, die Anwender tauschen mit wenigen Klicks Dateien mit dem Team oder der Familie aus. Dropbox gleicht automatisch jede veränderte Datei sofort ab, sodass kein Nutzer mehr zu Hause missgelaunt feststellen muss, dass er im Büro vergessen hat die Synchronisierung anzustoßen.
Geschäftsdaten einem Server in den USA anzuvertrauen ist allerdings der Alptraum vieler Benutzer und Datenschützer. Im April dieses Jahres traten daher der Niederländer Hylke Bons und sein Team an, um eine Lösung für das Dropbox-Dilemma zu entwickeln. Sparkle Share [14] nennt sich der Open-Source-Nachbau, der anstrebt genauso bequem und benutzerfreundlich wie Dropbox zu werden. Noch befindet sich das Projekt in einer frühen Entwicklungsphase, aber die am 2. August erschienene Version 0.2 Alpha lässt bereits ahnen, dass hier ein neuer Stern am “Synchronisations-Himmel” aufgeht.
Es glitzert und funkelt
Während Dropbox die Daten seiner Nutzer in der Amazon S3 Cloud [15] speichert und HTTP(S) zur Datenübertragung nutzt, setzt Sparkle Share auf ein Git-Repository [16] und eine sichere SSH-Verbindung. Die Entscheidung für Git schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe – das Distributed Version Control System beherrscht von Haus aus Versionskontrolle und Sharing. So können sich die Sparkle-Share-Programmierer auf die Entwicklung von Clients konzentrieren, die die Git-Fähigkeiten auch für den Laien benutzbar machen.
Die aktuelle Alphaversion steht für verschiedene Linux-Systeme zum Download bereit und ist mit wenigen Handgriffen installiert. Mit »sparkleshare start« nimmt der Dienst seine Arbeit auf und präsentiert eine grafische Oberfläche sowie ein orangefarbenes Icon im Systray.
Nach Eingabe des Namens und der E-Mail-Adresse wählt der Anwender das Git-Repository aus. Im Angebot sind ein selbst betriebener Git-Server sowie die beiden Anbieter Github [17] und Gitorious [18] (siehe Abbildung 4). Der letzte Konfigurationsschritt ist schlecht dokumentiert: Bei der ersten Verbindung zum Git-Server verlangt Sparkle Share nach einem Passwort – ohne preiszugeben, welches gemeint ist. Um die initiale Konfiguration abzuschließen, muss der Anwender hier als Kennwort die eigene Mailadresse eingeben.
Nach Abschluss der Einrichtung lädt das Programm alle Dateien aus dem lokalen Sparkle-Share-Ordner ohne weitere Nutzereingriffe auf den Git-Server. Der Alphastatus zeigt sich hier recht deutlich, denn die Datensynchronisation funktioniert derzeit nur im Blinkermodus: geht – geht nicht – geht – geht nicht.
Über veränderte Dateien informiert Sparkle Share in einem eigenen Dialog. Damit sind die Funktionen, die auch technisch unbedarfte Anwender erreichen, bereits erschöpft. Nur Entwickler oder Admins dürften derzeit in der Lage sein, eine Verbindung zu einem Git-Server aufzubauen, ohne technischen Support in Anspruch nehmen zu müssen. 0.2 Alpha ist ein guter Anfang, aber noch nicht reif für den produktiven Einsatz.
Sparkle Share steht unter der GPLv3 und ist in C# geschrieben. Die Software benötigt weiterhin Git, GTK-2-Sharp, Mono und Monodevelop, Python-Nautilus und Ndesk-Dbus. Der Linux-Client ist ebenso wie bei Dropbox eine Erweiterung des Gnome-Dateimanagers Nautilus. Windows- und Mac-OS-X-Clients sind geplant, haben aber noch nicht das Teststadium erreicht. Gegenwärtig funkelt Sparkle Share also noch aus großer Entfernung, aber das könnte sich rasch ändern. Wie ein Blick auf das Gitorious-Repository [19] verrät, laufen die Arbeiten auf Hochtouren.
Tee-Eier
Sie passen zur Web-2.0-Party genauso wie zum DVD-Abend mit Spiderman Triple Feature, dabei entstammen sie der traditionellen chinesischen Küche: Tee-Eier. Die Zubereitung gelingt am besten mit Eiern, die schon vier bis fünf Tage im Kühlschrank ruhen durften. Bei ganz frischen Eiern vom Markt haftet das äußere Schalenhäutchen fest am inneren, was das Pellen schwierig macht.
Zutaten: 6 Hühnereier oder 12 bis 20 Wachteleier (frisch, nicht eingelegt), 2 Teelöffel Schwarztee Orange Pekoe, 2 Esslöffel Sojasauce, 1/4 Teelöffel Kreuzkümmelpulver, 1 Stange Zimt, 3 ganze Nelken, 1/2 Teelöffel Chilipulver oder 1 getrocknete Chilischote, etwas Salz und Wasser.
Die Eier hart kochen (Hühnereier zirka 8 bis 10 Minuten, Wachteleier zirka 4 bis 5 Minuten). Die Eier mit einem Küchentuch greifen und die Schale mit Hilfe eines kleinen Löffels sehr vorsichtig rundherum anknacksen. Es dürfen keine Schalenteile abfallen, und die Schale muss in sich noch zusammenhalten. Die angeknacksten Eier zusammen mit Tee, Sojasauce und Gewürzen in einen Topf geben und so viel Wasser dazugeben, dass die Eier bedeckt sind. Den Sud zum Kochen bringen, dann die Temperatur reduzieren und die Eier 2 Stunden darin köcheln lassen. Bei Wachteleiern ist 1 Stunde ausreichend. Anschließend den Topf vom Herd nehmen und die Eier im Sud weitere 8 Stunden ziehen lassen.
Zum Schluss die Eier pellen. Bei den Wachteleiern besondere Vorsicht walten lassen, um das Eiweiß nicht zu zerpflücken. Guten Appetit! (hej)





