Das Linux-Magazin hat einen Reporter nach Finnland geschickt, auf der Suche nach Gründen für das Phänomen Linus Torvalds. In Helsinki, auf einer schmettlingsförmigen Insel nahe Schweden und – dank gutem GPS – im waldreichen Nirgendwo wurde er fündig.
Linus Benedict Torvalds ist am 28. Dezember 1969 in Helsinki als erstes Kind von Anna und Nils Torvalds geboren. Beide Eltern waren noch Studenten an der Universität Helsinki und Teil der dortigen 68er-Studentenbewegung. Die Familie des Linux-Erfinders gehört zu der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland.
Ein Großvater war der Journalist und Dichter Ole Torvalds, der andere, Leo Waldemar Törnqvist, Statistikprofessor. In dessen Computer durfte der kleine Linus erste Basic-Programme tippen. 1971 bekam Anna Torvalds noch eine Tochter, Sara. Als Linus acht Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden.
Der Langzeitstudent kauft sich einen teuren Rechner
1988 beendete Linus seine Ausbildung am Gymnasium und begann an der Universität Helsinki zu studieren, anfangs noch ohne Hauptfach. Später entschied sich der Langzeitstudent für Informatik mit den Nebenfächern Physik und Mathematik. Anfang 1991 kaufte sich Linus für die ungeheure Summe von 18 000 Finnmark (rund 3 300 Euro) einen 386er IBM-PC, auf dem er kurze Zeit später Minix installierte.
Die Terminal-Emulation des Tanenbaum-Betriebssystem funktionierte aber nicht wie von Linus gewünscht, weshalb er an langen Winterabenden eine neue schrieb. Es folgten ein Festplatten- und ein Dateisystemtreiber – der Code nahm betriebssystemähnliche Züge an. Ari Lemmke, der als Assistent an der technischen Universität von Helsinki arbeitete, bot Torvalds an, den Code auf den FTP-Server der Hochschule zu legen. Der Rest der Linux-Geschichte ist allgemein bekannt.
Ein Weggang mit leichtem Herzen
Im Februar 1997 verließ Torvalds zusammen mit seiner Frau Tove und der zwischenzeitlich geborenen Tochter Patricia Miranda Finnland – und damit Uni und Eltern. Er zog nach Santa Clara, Kalifornien, um bei Transmeta einen Interpreter zu entwickeln. Im April des Folgejahres brachte Tove eine zweite Tochter zur Welt, Daniela Yolanda; im November 2000 kam Celeste Amanda.
Die Dotcom-Zeit bescherte der Familie dank Aktienoptionen reichlich Geld und damit ein großes Haus. Mitte 2003 verließ Linus Transmeta, um zu der Non-Profit-Organisation Open Source Development Labs (OSDL) zu wechseln. Ein Jahr später siedelte Familie Torvalds in die Nähe von Portland über, damit Linus es näher zur Arbeit hat.
Wer Torvalds Biografie liest und wie Magazin-Reporter Feilner in langen Gesprächen mit beiden Elternteilen die familiäre Situation verstehen lernt, kann Linus’ Weggang aus dem malerischen Finnland auch ein wenig als Flucht vor einer Familie begreifen, die er selbst als “dysfunktional” bezeichnet. Dafür spricht auch die auffallend lose Bindung, insbesondere zum Vater, der in Linus’ Kindheit und Jugend meist im Ausland war.
Drei Reiseberichte
Die zwei folgenden Reportagen über Anna und Nils Torvalds legen erstmals einige Wurzeln des betont öffentlichkeitsscheuen Linux-Erfinders frei. Beide Eltern sind Journalisten und traten dem Reporter aus Deutschland gegenüber zum Glück viel aufgeschlossener auf als der zurückhaltene Sohn.
Der dritte Reisebericht dagegen führt zu Ari Lemmke, dem schon erwähnten FTP-Admin der Uni Helsinki, der heute seine Freizeit im finnischen Nirgendwo verbringt. Durch sein ungefragtes Benennen eines FTP-Verzeichnisses schuf er seinerzeit einen Fakt, der auf ewig nachwirken wird: Linux ist “Linux” und nicht etwa “Freaks”.





