Aus Linux-Magazin 09/2010

Bücher über Linux-VPN sowie Shellskripting

Außendienst und Heim-PC-Arbeit sind ohne VPN kaum denkbar. Das Linux-Magazin bespricht Ralf Spennebergs neues Buch zum Thema. Daneben gibt es einen enorm dicken Wälzer übers Shellskripting.

Sicherheit und Linux sind seit jeher eng miteinander verbunden. Neben einem ausgereiften Firewallstack hat Linux auch für Virtual Private Networks (VPN) Erstaunliches zu bieten. Einen umfassenden und detaillierten Einstig in das Thema bietet das Buch “VPN mit Linux” von Ralf Spenneberg, einem bekannten Autor und Trainer in Sachen Linux und Sicherheit.

VPN lesefreundlich

Kurze Einführungen in die jeweiligen Kapitel machen den Einstieg leicht. Für eilige Querleser gibt es nützliche Fazits am Ende der Kapitel. Schade ist nur, dass diese Zusammenfassungen im zweiten Teil des Buches wegfallen.

Aus technischer Sicht begeistern Spennebergs ausführliche VPN-Betrachtungen zu Open BSD und Windows. Das BSD-Derivat ist eine feste Größe im PC-Unix-Sicherheits-Sektor und Windows-Maschinen gibt es wohl überall. Schön sind ebenfalls die detaillierten Überlegungen zu X.509-Zertifikaten und deren Nutzung im Zusammenhang mit VPNs. Dieses Thema ist essenziell für die Verwaltung großer Rechenzentren.

Passend dazu zeigt der Autor Möglichkeiten, wie der Linux-Admin die VPNs mit Bordmitteln hochverfügbar auslegt. Der mit Linux-HA vertraute Leser vermisst aber Informationen über den Heartbeat-Nachfolger Pacemaker – ein Pflichtthema für eine künftige Auflage?

Der prinzipielle Aufbau des Buches ist schlüssig. Der Titel von Kapitel IV “Fortgeschrittene Konfiguration und Fehlersuche” ist aber etwas irreführend, da sich nur ein Zehntel des Textes wirklich mit der Fehlersuche beschäftigt. Es würde auch nicht schaden, die X.509-Zertifikate schon weiter vorn im Buch ausführlich zu beschreiben.

Ralf Spenneberg präsentiert dem Leser viele Beispiele samt Erläuterungen. Bei den Listings würden Zeilennummern die Referenzierung im Text erleichtern und die Verständlichkeit verbessern. Trotz dieser kleinen Mängel ist das Buch jedem Leser zu empfehlen, der sich ernsthaft mit VPNs und Linux beschäftigt.

Info

Ralf Spenneberg:

VPN mit Linux

Addison-Wesley, 2010

530 Seiten

60 Euro

ISBN 978-3-8273-2515-0

Shell-Wälzer

Shell- und Skripting-Kenntnisse sind für jeden Sysadmin unerlässlich und stehen zu Recht am Anfang jeder Linux-Ausbildung. Um den 810 Seiten starken Band “Shell-Programmierung” von Jürgen Wolf zu bezwingen, ist allerdings großes Durchhaltevermögen nötig. Diese Hürde könnte fallen, würden sich Autor und Verlag entschließen, die Kapitel über Gnuplot, Tcl/Tk und die Linux-Befehlsübersicht wegzulassen. Diese Themen gehen, ebenso wie die beschriebenen “Dialog” und “Xdialog”, weit über den Fokus der Shell-Programmierung hinaus.

Detaillierte Anleitungen zum interaktiven Umgang mit der Shell sind wesentlich nützlicher und sollten auf jeden Fall mehr Raum im Buch finden. Gut gefällt, dass die Kapitel recht unabhängig voneinander sind. So kann der Leser das Buch als Nachschlagewerk verwenden. Wolf bringt viele und leicht verständliche Beispiele, das Thema “E/A-Kanäle” beispielsweise ist sehr gut mit Hilfe von Grafiken erklärt.

Die lange Einführung über Terminals ist allerdings unnötig. Immer wieder stößt der aufmerksame Leser auf Stolpersteine: Die Berechnung der Fakultät einer Zahl ist ein Standardbeispiel für Rekursion – da sollte das Ergebnis im Beispiel auch stimmen. Das C-Programm, das sich über zwei Seiten erstreckt, ist eine Spielerei des Autors und hilft nicht beim Erlernen der Shell-Programmierung.

Sehr gut ist die konsequente Umsetzung eines einheitlichen Shellprompts in den Beispielen gelungen, hier scheitern viele andere Bücher. Doch auch die Freude an diesem Punkt bleibt nicht ungetrübt – der Pfad »/home/tot« ist recht gewöhnungsbedürftig. Dennoch, der Leser bekommt ein umfangreiches Werk zur Shell-Programmierung, das sich auch für Einsteiger eignet. Die beschriebenen Mängel sind einfach nur ärgerlich, aber vielleicht bei einem Seitenpreis von 5 Cent zu verkraften. (mhu)

Info

Jürgen Wolf:

Shell-Programmierung

Galileo Computing

810 Seiten

40 Euro

ISBN 978-3-8362-1650-0

Der Autor

Dr. Udo Seidel ist eigentlich Mathe-Physik-Lehrer und seit 1996 Linux-Fan. Heute ist er Leiter eines Linux/Unix-Teams bei der Amadeus Data Processing GmbH in Erding.

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