Freie Software sah sich schon vielen Vorwürfen ausgesetzt, aber verstößt sie gegen Waffenexport-Regularien? Sourceforge hat mit juristischen Problemen zu kämpfen, während Jajuk sich als DJ und Statistikexperte betätigt. Zu essen gibt es diesmal Polenta mit Shiitake-Pilzen.
Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein – mit dieser Forderung versuchen Politiker immer wieder, sich bei ihrer weniger Cyber-affinen Klientel beliebt zu machen. Sie bedienen sich eines uralten populistischen Tricks: Angst schüren. Das Internet sei ein chaotischer Raum, in dem sich der Starke durchsetzt und der Schwache schutzlos verliert.
Bei Zuhörern, die sich mit der Materie etwas besser auskennen, erntet der Slogan meist Kopfschütteln. Offenbart er doch nicht nur einen mehr oder weniger bewussten Manipulationsversuch, sondern inhaltliche Inkompetenz – nicht weil die Behauptung falsch wäre, sondern weil sie den Status quo als spektakuläre Forderung darstellt. Das Internet war noch nie ein rechtsfreier Raum, vielmehr gelten online dieselben Gesetze wie offline.
Vertriebswege, die den Staatsgrenzen kaum Beachtung zollen, gibt es für Publikationen, Dienstleistungen und Waren aller Art zwar schon seit Langem, doch das Besondere am Internet ist die damit verbundene Leichtigkeit: Eine Homepage kann innerhalb von Minuten auf einen Server im Ausland umziehen, ohne dass sich für ihre Besucher etwas ändert. Es findet ein Im- und Export statt, ohne dass der traditionelle Zoll etwas davon mitbekommt.
Schmiede unter Druck
Diese einfache Exportmöglichkeit ist es, die seit Anfang des Jahres dem US-amerikanischen Webportal Sourceforge ([1], siehe Abbildung 1) und seiner Betreiberfirma Geeknet Inc. [2] juristische Probleme bereitet. Sourceforge bietet Programmierern einen kostenlosen Raum zur gemeinschaftlichen Entwicklung und Dokumentation sowie zur Veröffentlichung von freien Softwareprojekten an. Einen Zugang zum CVS-Versionverwaltungsserver, zu den Diskussionsforen, einen Bugtracker und Webspace gibt es gratis dazu. Mit diesem umfangreichen kostenlosen Angebot hat sich der Dienst zu einer der populärsten Seiten für Open-Source-Entwickler und -Nutzer gemausert.
Gezielte Blockade
Dass das Internet tatsächlich alles andere als ein rechtsfreier Raum ist, bekamen nun auch die Betreiber von Sourceforge bestätigt. US-Recht verbietet den Export von Waffen und von Technologie, die sich möglicherweise zum Bau von Waffen eignet, in Staaten wie Kuba, Iran, Nordkorea, Sudan und Syrien.
Unter dieses Embargo fällt auch sicherheitsrelevante Software, wobei die Verwendung von Verschlüsselungsalgorithmen schon ausreichen kann. Das bekannteste Beispiel für einen solchen Rechtsfall ist die Software PGP (Pretty Good Privacy, [3]). Der US-Zoll verdächtigte ihren Entwickler Phil Zimmermann des Verstoßes gegen das Waffenexportgesetz, nachdem er das Programm 1991 kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.
Sourceforge-Mitarbeiter Lee Schlesinger gab im Januar dieses Jahres bekannt, dass sich der Portalbetreiber gezwungen sehe, Kontakte von IP-Adressen aus sanktionierten Staaten grundsätzlich zu blockieren [4]. Zwar hat der Dienst die auf seinen Servern beheimateten Projekte nicht entwickelt und viele stammen nicht einmal aus den USA, aber der Download von dem in den Vereinigten Staaten stehenden Server gilt trotzdem als US-Export, unabhängig von der Vorgeschichte der Software.
Für die Open-Source-Gemeinschaft ist Sourceforge ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Die Community reagierte daher entsprechend aufgebracht und warf den Betreibern Zensur und Verstoß gegen die Grundsätze von freier Software vor. Aber auch andere Stimmen wurden laut und warben darum, die Vorwürfe an den wahren Schuldigen, nämlich den Gesetzgeber, zu richten, da auch die Firma Geeknet an die Gesetze ihrer Regierung gebunden sei. Die Sourceforge-Verantwortlichen betonten von Anfang an, mit der Regelung unglücklich zu sein, sahen aber zunächst keine andere Möglichkeit.
Es waren wohl nicht nur die teils heftigen Vorwürfe ihrer Nutzer, die die Maßnahme sogar mit der Zensur in China gleichsetzten, die Sourceforge zur Suche nach Alternativen bewegte.
Eigenverantwortung
Im Februar präsentierte Schlesinger eine Lösung [5]: Die Projektadministratoren sollen die Exportbeschränkungen von nun an selbst festlegen. Dazu haben die Sourceforge-Entwickler die Webplattform um die Funktion »Export Control« erweitert und sie standardmäßig für jedes Projekt aktiviert. Befindet der jeweilige Admin, dass sein Projekt keinen Exportbeschränkungen nach US-amerikanischem Recht unterliegt, deaktiviert er die Funktion, und auch die Bürger aus den so genannten Schurkenstaaten haben daraufhin freien Zugriff auf die veröffentlichten Dateien.
Auf den ersten Blick scheint es, als machten die Sourceforge-Betreiber es sich mit dieser Lösung leicht, indem sie die Verantwortung weiterreichen. Sie gehen damit jedoch einen mutigen Schritt, denn sie betreten eine rechtliche Grauzone. Es erscheint unklar, ob sie als Webanbieter nicht trotzdem juristisch zur Rechenschaft gezogen würden, wenn es zu einem Rechtsstreit wegen eines illegalen Software-Exports käme.
Insbesondere für ausländische Projektadministratoren scheint es kaum realistisch, diese Verantwortung zu übernehmen, da sie die Rechtslage in den USA nicht unbedingt kennen und für die amerikanischen Behörden ohnehin nicht greifbar wären. Dennoch scheint der Frieden zunächst wieder eingekehrt zu sein und die Sourceforge-Nutzergemeinde gibt sich mit der Neuregelung zufrieden.
Der Fall bestätigt jedenfalls: Das Internet war und ist kein rechtsfreier Raum, es gelten lediglich in verschiedenen Staaten unterschiedliche Gesetze. Der deutsche Ruf nach mehr Recht und Gesetz im Internet entpuppt sich damit de facto als die Forderung, deutsches Gesetz solle weltweit gelten. Dies scheint zwar im Einzelfall durchaus wünschenswert, da beispielsweise über das Netz verteilte rassistische Propaganda auch in Deutschland direkt menschliches Leid verursacht und somit anders als in der analogen Welt kaum als lediglich internes Problem des betreffenden Landes gelten kann.
Dennoch ist es schlicht unrealistisch, ein weltweites Netz zu betreiben, in dem zugleich alle Gesetze der teilnehmenden Einzelstaaten zum Tragen kommen. Da keine weltweit einheitliche Gesetzgebung existiert, scheinen Zwischenlösungen nach dem Sourceforge-Modell passabel – jedenfalls im Vergleich zu anderen Ideen, die das Internet mit Filtern in Staatengrenzen zurückdrängen wollen.
Jukebox für den Desktop
Ob beim Aufbau jeder privaten digitalen Musiksammlung alles mit rechten Dingen zugegangen ist, bleibt meist ein Geheimnis. Tatsache ist, dass viele User mit einer musikalischen Datenflut kämpfen. Durch diese zu navigieren stellt oft ein größeres Problem dar als die martialischen Drohungen der Unterhaltungsindustrie gegen ihre potenziellen Kunden [6]. Das Lieblingslied wiederzufinden bildet meist eine kleinere Hürde, aber wie erinnert man sich zu gegebener Zeit an die vergessenen Diamanten, die in den Untiefen der heimischen Festplatte schlummern?
Große Datenmengen rufen geradezu nach einer statistischen Lösung. Der Musikplayer Jajuk [7], eine Abkürzung für Java-Jukebox, erinnert mit seiner Herangehensweise an die KDE-Klassiker Amarok [8] und Juk [9]. Das Programm bietet eine Vielzahl so genannter Perspektiven, also unterschiedlicher Blickwinkel auf die Musikkollektion.
Die Standardansicht (Abbildung 2) bietet die Basisfunktionalität: Der Benutzer sieht eine Liste verfügbarer Titel, die er per Doppelklick abspielt. Im oberen Fensterbereich macht das Programm Vorschläge, beispielsweise zu den beliebtesten, neuesten oder selten gespielten Titeln. Optional schaut sich Jajuk bei Last.fm [10] nach Musik um, die dem eigenen Geschmack ähnelt.
Zwei Baumansichten geben direkten Zugriff auf das Dateisystem oder auf eine nach Künstlern und Alben hierarchisch geordnete Struktur. Alternativ zeigt die Jajuk-Oberfläche bestehende Alben nebeneinander an. Auf Wunsch legt der Player automatisch Wiedergabelisten mit den am häufigsten gespielten Songs, aktuellen Neuzugängen oder Titeln eines bestimmten Genres an. Alternativ stellt der Anwender die Sammlung von Hand zusammen. In der »Player«-Ansicht präsentiert Jajuk den Text und das Albumcover für das aktuell gespielte Lied. Nach dem Cover sucht der Player im Netz oder auf der Platte; Bilder aus ID3-Tags stehen zurzeit nicht zur Verfügung.
Auch an den integrierten Wikipedia-Zugriff haben die Jajuk-Entwickler gedacht. Der Reiter »Information« zeigt die Seite zur aktuell laufenden Band oder zum Album aus der freien Enzyklopädie an. Die »Statistik«-Ansicht schließlich präsentiert eine grafische Analyse der Musiksammlung (siehe Abbildung 3). Alle Ansichten kann der Anwender frei anordnen und miteinander kombinieren.
Statistik am Plattenteller
Jajuk greift die Idee der vollautomatischen Playlistgestaltung auf und versucht neue Wege zu gehen. Der Benutzer legt so genannte DJs an, die sich um die musikalische Unterhaltung kümmern. Sie kreieren dazu Wiedergabelisten nach dem Zufallsprinzip, jedoch unter Beachtung einiger Regeln. Grundsätzlich legt der Benutzer einen Qualitätsstandard für die Lieder fest. Dieser entspricht dem Jajuk-internen Wertungssystem, das sich wiederum aus einer Kombination von manuell und automatisch gesetzten Beurteilungen zusammensetzt. Es zieht zahlreiche Faktoren in Betracht, etwa wie oft ein Lied läuft oder ob der Benutzer die Wiedergabe eines Titels abbricht.
Verschiedene DJ-Typen richten ihre Listen nach benutzerdefinierten Maßstäben ein. Dem übergangsbasierten DJ teilt der Anwender genau mit, welche Lieder aus welchen Genres er in welcher Reihenfolge hören möchte. Alternativ legt der Musikfreund nur fest, wie hoch der Anteil der angegebenen Stilrichtungen sein soll – die Reihenfolge bleibt dem DJ überlassen. Der Ambience-DJ schließlich hat nichts mit der gleichnamigen Musikrichtung zu tun, sondern spielt einfach Lieder eines bestimmten Musiktyps ab. Die Ambiences lassen sich wiederum definieren, indem man ihnen einzelne Genres zuordnet.
Die Jajuk-Entwickler legen Wert auf die Plattformunabhängigkeit ihres Players. Das Java-Programm läuft unter Linux, Windows und Mac OS X. Zum Ausprobieren gibt es eine Java-Webstart-Version, die ganz ohne Installation läuft. Das Jajuk-Team sucht nach Hilfe, um das Programm weiterzuentwickeln. Derzeit mangelt es an Mac-OS-X-Usern, die die automatische Jukebox auf ihrem System testen, aber auch Linux-Anwender sind aufgerufen beispielsweise Pakete für ihre Distribution zu erstellen, die teilweise spärliche Dokumentation auszubauen oder das Programm zu übersetzen.
Polenta-Terrine mit Pilzen
Zutaten für vier Personen: 1 Liter Milch, 1 Liter Sahne, etwas geriebener Parmesankäse, 250 g Polentagrieß, 200 g Shiitake-Pilze, acht große Frühlingszwiebeln, eine Knolle Knoblauch, zwei große weiße Zwiebeln, ein Strauch roter Mangold, Estragon, Thymian, etwas Olivenöl und Butter.
Für die Polenta zunächst die Milch und die Sahne in eine große Pfanne geben. Eine halbe Knolle Knoblauch und vier geschälte und halbierte Frühlingszwiebeln hinzugeben. Alles fünf Minuten köcheln, dann vom Herd nehmen und eine Stunde ziehen lassen. Anschließend zurück auf den Herd stellen, aufkochen, den Polentagrieß hinzugeben und hartschlagen. Zehn Minuten köcheln lassen, den Parmesan hinzugeben und weitere zehn Minuten köcheln.
Halbierte und in Scheiben geschnittene Zwiebeln und eine halbe Knolle Knoblauch (in Zehen gespalten) in Olivenöl anbraten. Die Pilze putzen (nicht waschen!), in große Stücke schneiden, dazugeben und mit Salz, Pfeffer, einer großzügigen Dosis Estragon und einer Prise Thymian abschmecken. Mit kalter Butter abbinden. Die restlichen Frühlingszwiebeln zusammen mit der Pilz-Mischung im Mixer vermengen.
Weitere fünf Minuten kochen, dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Anschließend in Frischhaltefolie einwickeln und für 30 Minuten in den Kühlschrank legen, bis die Mischung außen fest ist. Die Hälfte der Polenta in eine Suppenschüssel geben, die Pilz-Mischung mittig anrichten und mit der restlichen Polenta bedecken – guten Appetit. (hej)
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Infos |
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[1] Sourceforge: [http://www.sourceforge.net] [2] Geeknet: [http://geek.net] [3] PGP Corporation: [http://www.pgp.com] [4] Sourceforge-Mitteilung zur Blockade von IP-Adressen: [http://sourceforge.net/blog/clarifying-sourceforgenets-denial-of-site-access-for-certain-persons-in-accordance-with-us-law] [5] Sourceforge-Blogeintrag zur Lockerung: [http://sourceforge.net/blog/some-good-news-sourceforge-removes-blanket-blocking] [6] Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher”: [http://www.hartabergerecht.de] [7] Jajuk: [http://www.jajuk.info] [8] Amarok: [http://amarok.kde.org] [9] Juk-Homepage: [http://developer.kde.org/~wheeler/juk.html] [10] Last.fm: [http://www.last.fm] |




