Aus Linux-Magazin 03/2010

So gehts: Benutzeroberflächen modern und portabel gestalten

Diesmal gehts im Linux-Magazin um das Gestalten ergonomischer, moderner Software, die ihre Benutzer weder nervt noch überfordert. Denn Oberflächendesign hat bei einer Applikation wenig mit schönem Schein zu tun, sondern entscheidet über deren Nutzbarkeit und damit ihrem Nutzen .

Inhalt

36 Moderne Benutzerführung Von Uralt-Windows und Ein-Tasten-Maus zum Zehnfinger-Touchscreen.

40 Anwendungen sanieren KDE-Geburtshelfer Mathias Kalle Dalheimer erklärt, worauf es bei der Toolkit-Migration ankommt.

46 Qt 4.6 Animationen und Touchscreen-Apps für Plasma-Widgets programmieren.

49 GTK+ 3.0 Der große Versionssprung bringt weniger Ballast und Objektversiegelung.

52 Toolkit-Exoten Unbekannt, aber leistungsfähig: FLTK, Wx-Widgets und EFL.

Einen Plan zu haben, ist immer gut, oft zwingend. Zum Beispiel entsteht jedes Linux-Magazin anhand eines Seitenplanes, auch Heftstruktur genannt, der jedem Artikel und jeder Anzeige ein geeigneten Platz zuweist. Die Redaktion benutzt dafür Xfig [1], also ein vektororientiertes Zeichenprogramm für X11 (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Damit ein Linux-Magazin nicht als ungeordneter Haufen Papier an den Kiosk kommt, braucht es einen Seitenplan. Der entsteht in Xfig, ein Paradebeispiel für schlechte Softwareergonomie.

Abbildung 1: Damit ein Linux-Magazin nicht als ungeordneter Haufen Papier an den Kiosk kommt, braucht es einen Seitenplan. Der entsteht in Xfig, ein Paradebeispiel für schlechte Softwareergonomie.

Die Software geht auf das Jahr 1985 zurück und liefert ein schönes Beispiel für mangelhafte Ergonomie, beispielsweise weil sie dem Benutzer eine werkzeug- und nicht objektorientierte Bedienung vorschreibt: Zuerst ein Werkzeug auswählen, zum Beispiel Kopieren, dann das Objekt anklicken, Maustaste loslassen und das Objekt verschieben und abermals klicken zum Platzieren. War die Stelle nicht ganz korrekt, muss man Move in der Werkzeugleiste anklicken, dann wieder das Objekt und so weiter. Xfig-Einsteiger müssen das und viele andere Eigenheiten erst mühsam lernen. Letztlich passt der Bediener sein Verhalten an das des Programms an, freundlich zum Benutzer ist Xfig jedenfalls nicht.

Ohne Handbuch und helfenden Profi

Zum Glück gehen moderne Oberflächen wie KDE und Gnome anders als Xfig auf ihre Benutzer zu. Das trifft auch auf die Oberflächen der (Linux)-Mobiltelefone zu. Einsteiger brauchen gewöhnlich keine dicken Handbücher wälzen oder einen Spezialisten konsultieren, der ihnen die Bediengrundlagen Stück für Stück einbläut. Intuition reicht, um zu Ergebnissen zu kommen. So soll’s im Sinne der Usability sein.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Modernität ein Garant für Ergonomie ist: Wabernde Fenster und auf 3D-Würfel projizierte virtuelle Desktops, die Linux im Portfolio führt, sind reine Eyecatcher. Schön, um Außenstehenden die Leistungsfähigkeit freier Software zu demonstrieren, aber keine Werkzeuge, um schneller zu Arbeitsergebnissen zu kommen.

Der Schwerpunkt dieses Magazins bricht zwar in jedem Artikel eine Lanze für moderne Oberflächen, geschrieben mit neuester Software, vertieft sich aber in funktionelle Aspekte, angefangen bei der aufkeimenden Gestensteuerung, über Migrationsprojekte hin zu den anstehenden Qt- und GTK+-Versionen. Die beeindruckenden, aber unnützen 3D-Effekte bleiben während dessen wo der Vorführ-Pfeffer wächst.

Altbackene Programme wie Xfig empfehlen die folgenden Artikel natürlich auch nicht, obwohl es sich bei jeder Linux-Magazin-Produktion bewährt. Zwischen beiden Extremen bleibt aber genug Raum für diesen Schwerpunkt, und für Heerscharen von Programmierern freier Software.

Infos

[1] Xfig: [http://www.xfig.org]

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