Aus Linux-Magazin 02/2010

Sechs Blade Chassis von sechs Herstellern im Vergleich

© Alena Yakusheva, 123RF.com

Blade-Server sind die Bastion der Hardware-Ritter von IBM, HP, Sun, Intel, Fujitsu und Dell. Im Gegensatz zum restlichen Markt lassen sich hier noch Dukaten verdienen. Das Linux-Magazin hat sich in einen Schaukampf je ein Modell der wichtigsten Produzenten vorgenommen.

Der Kampf ist hart auf dem Hardware-Markt. Zwar schneidet das Segment der Bladeserver derzeit nicht annähernd so schlecht ab wie klassische Hardware, aber gerade deshalb bekriegen sich auch hier die Produzenten mit harten Bandagen (siehe Kasten “Der Krieg der Hersteller”). Den Kunden überschwemmen sie mit einer Flut von Informationen, Begriffen und Abkürzungen. Wer die Anschaffung eines Bladeservers plant, und neutrale Informationen will, steht vor einer echten Herausforderung.

Der Krieg der
Hersteller

Heftig: Auf den Webseiten der Hersteller finden sich ganze Rubriken mit “Aufklärung” über fehlende Features oder Schwächen der Konkurrenten. Marketing-Spezialisten klären auf, was es mit den Vorwürfen der Konkurrenz auf sich hat, und wo deren Schwachstellen liegen.

So will zum Beispiel IBM Kunden in seiner “Get the Facts”-Kampagne mit abschreckenden Bildern von der minderen Qualität von Dells Verpackungsmaterial überzeugen. Man sollte meinen, wer dem auf den Leim geht, ist selbst Schuld, genauso wie der, der Dells Papp-Trageschlaufen wirklich nutzt, um den schweren Server zu bewegen. Das dürfte schon angesichts der Zentner, die hier zu stemmen sind, nicht oft vorkommen. Angesichts der hochwertigenHardware haben die Hersteller solcherlei FUD eigentlich nicht nötig

Da hilft in der Regel nur eins: Selbst Hand anlegen. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, hat sich das Linux-Magazin vier Blade-Chassis der wichtigsten Hersteller ins Haus bestellt und unter die Lupe genommen.

Schweres Gerät

Mit den Erfahrungen und Herstellerangaben ist dabei die Übersicht in Tabelle 1 entstanden, wobei hier zum Vergleich auch zwei Server von Sun und Intel gelistet sind. Egal, ob es der Hersteller Blade Center, Chassis, Enclosure, Rack- oder Modularserver nennt, im Prinzip handelt es sich immer um ein Gehäuse im 19-Zoll-Format, das die Techniker entweder in einem Standard-Serverrack im Rechenzentrum oder Serverraum verbauen oder aber, das wie bei IBMs Blade Center S oder HPs Modell mit einem speziellen, optionalen Gehäuse kommt. Die 50 (Dell) bis 450 Kilo (HP) schweren Geräte gibts auf Palette per Kurierdienst oder speziell umgebauten Firmenwagen.

Tabelle 1: Bladeserver

Tabelle 1: Bladeserver

In der Teststellung, die alle Hersteller anbieten, ist selbstverständlich auch eine ausführliche Einführung eines Servicetechnikers enthalten, man will schließlich was verkaufen und die Preise sind nicht ohne. Für das umfangreiche Verpackungsmaterial macht sich übrigens ein eigener Raum gut.

Abbildung 1: Links Fujitsus Bladeserver, rechts der Einschub von HP, mit den Prozessoren unter den Festplatten. Als einziger Hersteller im Vergleich verbaut Fujitsu die CPUs hintereinander.

Abbildung 1: Links Fujitsus Bladeserver, rechts der Einschub von HP, mit den Prozessoren unter den Festplatten. Als einziger Hersteller im Vergleich verbaut Fujitsu die CPUs hintereinander.

Abbildung 2: Dell und IBMs Blades glänzen mit parallelem Design. Sowohl die beiden Prozessoren als auch die RAM-Slots sind sauber aufgeteilt. Im hinteren Bereich liegen die Anschlüsse zur Midplane und die Sockel der PCIe-Karten.

Abbildung 2: Dell und IBMs Blades glänzen mit parallelem Design. Sowohl die beiden Prozessoren als auch die RAM-Slots sind sauber aufgeteilt. Im hinteren Bereich liegen die Anschlüsse zur Midplane und die Sockel der PCIe-Karten.

Das Testfeld

Abbildung 3 zeigt die Geräte in den Räumen der Redaktion. Von links nach rechts: IBMs Blade Center S [1] mit Office Enablement Kit (OEK), Fujitsus BX 900 [2], Dells M1000e [3] und die HP C-Class C7000 [4].

Abbildung 3: Vier Hersteller lieferten dem Linux-Magazin Testgeräte im Gesamtwert von annähernd 200000 Euro. Ganz links IBMs Office Enablement Kit für Unternehmen ohne Serverraum. Daneben Fujitsus BX900, Dells M 1000e und das fahrbare Rack von HP mit der eingebauten C7000.

Abbildung 3: Vier Hersteller lieferten dem Linux-Magazin Testgeräte im Gesamtwert von annähernd 200000 Euro. Ganz links IBMs Office Enablement Kit für Unternehmen ohne Serverraum. Daneben Fujitsus BX900, Dells M 1000e und das fahrbare Rack von HP mit der eingebauten C7000.

Der besondere Charakter des IBM-Gerätes fällt schon beim Auspacken auf, Das optionale OEK beinhaltet ein eigenes Gehäuse für das Blade Center S mit Front- und Backdoor und Schallschutz. Auch eine so genannte Media Blade mit DVD-Laufwerk und USB-Anschlüssen sowie ein eigener Einschub für Tastatur und Display sind enthalten. Das IBM-Gerät nimmt damit ein Sonderrolle ein, Big Blue zielt auf Kunden ohne Rechenzentrum oder Serverraum ab, die aber dennoch die Rechenkapazitäten benötigen.

Ganz auf das Datencenter und für den Einbau im Standard-19-Zoll-Rack maßgeschneidert sind dagegen die Modelle der anderen Hersteller. Selbstverständlich bietet IBM, zum Beispiel mit den Chassis der H-Klasse, vergleichbare Systeme an, aber kein anderer Hersteller ein Einsteiger-Kit wie das OEK.

Ausstattung

An die Vorderseite packen die Hersteller die Compute Blades, also sechs (IBM) bis 32 (HP) Einschübe mit bis zu vier Multicore-CPUs, 256 GByte RAM, SAS- oder SATA-Harddisks im 2,5 Zoll-Format und bis zu vier PCI-Express-Mezzanine-Karten (Abbildung 1 und 2).

Sowohl Storage-Blades als auch Compute-Blades ohne HDs für High-Performance-Computing sind möglich. In den von IBM und HP gelieferten Geräten steckten auch Storage Blades, Dell und Fujitsu dagegen lieferten reine Bladeserver. Intel [5] verbaut nach eigener Aussage keine Festplatten in die Compute-Blades, sondern integriert die HDs im Chassis in ein zentrales Management. Ähnlich verfährt Sun [6] mit seinen I/O-Modulen, die es allerdings in einer komplett externen Einheit verbaut.

An der Vorderseite der Geräte von Fujitsu, Dell und HP finden Admins zusätzlich zur webbasierten Management-Oberfläche kleine LCD-Displays mit Tasten für das Basissetup oder eine Fehleranzeige. Diese Displays zeigen dem Admin beispielsweise die IP des einzurichtenden Chassis, in roter oder grüner Farbe den Gesundheitszustand der Einschübe. Bei HP kann ein Benutzer am Webinterface darüber sogar mit dem Admin chatten.

Die Hardware bestimmt dann auch den Einsatzort: Wer viel RAM braucht, greift wohl zu HP oder Sun, wer CPU-Vielfalt will, landet sicher nicht bei Intel. IBM, HP und Sun bieten die meisten Prozessor-Architekturen an, Big Blue verbaut auf Wunsch sogar Cell- oder über Partner auch Suns Sparc-Prozessoren in seine Blades.

Mehr CPUs

Ist die Anzahl der CPUs das Maß aller Dinge, dann greift der IT-Leiter zu HP oder bald auch zu Fujitsu, denn nur die können bereits vier CPUs in ein Blade einbauen. In HPs Full-Height-Blades passen dann auch drei PCIe-Karten, erst nächstes Jahr überholt da Fujitsu wieder und bietet vier Mezzanine-Daughterboards. “Full Height” bedeutet übrigens doppelte Höhe, ebenso wie ein “Full Width Blade” zweimal so breit ist wie eine normale Klinge. Alle Hersteller verbauen mindestens zwei, meistens vier Ethernet-NICs pro Blade.

Abbildung 4: Auch die Einschübe für die I/O-Switches entsprechen der Blade-Logik. Sie sind hot-swappable und meist redundant vorhanden. Von oben nach unten: Ein IBM Raid-Controller, die einander sehr ähnlichen FC-Switches von HP und Fujitsu und der Ethernet-Switch von Dell.

Abbildung 4: Auch die Einschübe für die I/O-Switches entsprechen der Blade-Logik. Sie sind hot-swappable und meist redundant vorhanden. Von oben nach unten: Ein IBM Raid-Controller, die einander sehr ähnlichen FC-Switches von HP und Fujitsu und der Ethernet-Switch von Dell.

Die Server-Blades stecken mit ihren Pins in der Mid- oder Backplane, einer senkrecht eingebauten High-Tech-Platine, die in der Regel Durchsatzraten im mittleren Terabyte-Bereich schafft und I/O-Module und Server-Blades miteinander und mit der Aussenwelt verbindet. Optionale Raid-, Infiniband- oder Fibre-Channel-Module und Gigabit-LAN-Switche (Abbildung 4) bauen alle Hersteller auf die Rückseite. Hinter vorgehaltener Hand sind sich die Firmen einig: Das schnelle Infiniband findet keine Kunden, trotzdem haben es alle (noch) im Portfolio. Auch auf der Rückseite finden sich das oder die Management-Blades mit der Firmware und die Lüfter und Netzteile fürs individuell ausgetüftelte und teilweise futuristisch designte Kühlkonzept (Abbildung 5). Hier fallen Dell und HP auf, letzterer setzt auf Aluminium-Turbinen im Flugzeug-Look, während Dells Lüfter an das Endrohr eines Sportwagens erinnert. Als einziger kombiniert Fujitsu Netzteil und Lüfter, alle Einschübe sind im laufenden Betrieb wechselbar, wie viel Redundanz der Kunde hier möchte, ist meist nur eine Frage des Geldbeutels.

Abbildung 5: Einer der größten Vorteile eines Blade Servers sind die zentralen Netzteile und Lüfter. Während Fujitsu und IBM beim Gebläse eher traditionell daher kommen, setzen HP und Dell auf futuristische Optik (von links nach rechts). Eingebaute Lüfter in den einzelnen Blades gibt es nicht, nur Fujitsu (ganz links) verbaut kombinierte Fan/Power-Units.

Abbildung 5: Einer der größten Vorteile eines Blade Servers sind die zentralen Netzteile und Lüfter. Während Fujitsu und IBM beim Gebläse eher traditionell daher kommen, setzen HP und Dell auf futuristische Optik (von links nach rechts). Eingebaute Lüfter in den einzelnen Blades gibt es nicht, nur Fujitsu (ganz links) verbaut kombinierte Fan/Power-Units.

Lüfter, Kühler, Netzteile

Die Dichte der Rechenleistung in einem Blade-Chassis ist enorm. Möchte ein Kunde beispielsweise ein vollausgestattetes HP C 7000 mit 32 Blades einsetzen, in denen jeweils zwei Quadcore-Nehalem-CPUs werkeln, dann ist langfristige Planung bei Stromversorgung und Kühlung notwendig. Zwar ließen sich alle Geräte im Test an normalen Steckdosen betreiben. Mit den üblichen 16-Ampere-Sicherungen wird es da aber bedrohlich eng. 32 Ampere sollten es schon sein, mehrere Stromkreise empfehlen sich unbedingt bei allen halbwegs ausgestatteten Bladeservern.

Vollausgestattet und unter Vollast kühlen beispielsweise zehn Lüfter mit bis zu 17 000 Umdrehungen HPs Maschinchen mit seinen sechs Netzteilen a 2500 Watt. Ein Strombedarf bis zu 65 Ampere ist hier möglich, bei Fujitsu vielleicht sogar noch etwas mehr. Aber im Leerlauf reichen normale, mit 16 Ampere abgesicherte Steckdosen. Dell rühmt sich, das effizienteste System zu bauen, der Hersteller spricht von 15 Prozent weniger Leistungsaufnahme und 30 Prozent weniger Abwärme.

Namen, Namen, Namen

Auch bei den Themen I/O und Management haben sich die Hersteller einiges einfallen lassen. Die Switches von Fujitsu, Dell, IBM, Intel unterstützen Portgroups, Portmapping und VLANs, HP setzt auf Technologien namens Virtual Connect oder Flex10. Fujitsu verwaltet die Blades über die Integrated Remote Management Console (IRMC), Dell mit seinem Integrated Dell Remote Access Controller (IDRAC) und Open Manage, HP und Sun auf Integrated Lights Out Management (ILO), IBM auf den System Director, Sun außerdem auf den XVM Ops Center. Natürlich bringt jeder Hersteller umfangreiche Dokumentation mit. Positiv hervor tut sich dabei IBM mit gedruckten Handbüchern.

Alle Chassis lassen sich bequem vom Browser aus fernsteuern, wobei die Detailtiefe beispielsweise bei den Systemen von IBM und HP deutlich größer ist als bei Dell oder Intel (Abbildung 6 bis 10). Bei der Anzeige von Stromverbrauch, Lüfterleistung und Hardwarefehlern sind die Hersteller auf hohem Niveau nah beieinander, das Monitoring kommt zwar an einen dedizierten Nagios-Server nicht heran, bietet jedoch ausgereifte Funktionen wie Alarmierung, Policies, History und Rollenmodelle für die Administration, auf Wunsch im LDAP oder Active Directory.

Abbildung 6: Die Managementkonsole des IBM Blade Center S startet und sucht die eingebaute Hardware. Drei Blades hat sie bereits gefunden, jetzt analysiert die Software die dort verbauten Komponenten.

Abbildung 6: Die Managementkonsole des IBM Blade Center S startet und sucht die eingebaute Hardware. Drei Blades hat sie bereits gefunden, jetzt analysiert die Software die dort verbauten Komponenten.

Abbildung 7: Alle Blades lassen sich vom Browser aus überwachen und steuern. Allerdings fehlen unter Linux im Firefox häufig einige Funktionen, hier bei Fujitsu zum Beispiel die für die Remote Console.

Abbildung 7: Alle Blades lassen sich vom Browser aus überwachen und steuern. Allerdings fehlen unter Linux im Firefox häufig einige Funktionen, hier bei Fujitsu zum Beispiel die für die Remote Console.

Abbildung 8: Der Chassis Management Controller von Dell sieht zwar etwas weniger professionell aus, bringt aber annähernd die gleichen Funktionen mit.

Abbildung 8: Der Chassis Management Controller von Dell sieht zwar etwas weniger professionell aus, bringt aber annähernd die gleichen Funktionen mit.

Abbildung 9: ILO, Integrated Lights Out nennt HP seine Remoteverwaltung. Schade, dass diese nur mit dem Internet Explorer funktioniert.

Abbildung 9: ILO, Integrated Lights Out nennt HP seine Remoteverwaltung. Schade, dass diese nur mit dem Internet Explorer funktioniert.

Abbildung 10: Die Managementoberfläche eines SUN Blade 6000 Modular System mit der Power History der letzten vier Wochen.

Abbildung 10: Die Managementoberfläche eines SUN Blade 6000 Modular System mit der Power History der letzten vier Wochen.

Natürlich zählt im Alltag auch der subjektive Eindruck: Die großen Griffe der Dell-Blades fühlen sich handlicher an als die kleinen Hebelchen bei IBM, Fujitsu und HP. Dafür gestaltet sich der Einschub etwas hakelig, wenn der Admin die Schiene nicht genau trifft. Alle Blades quittieren den Wechsel mit einem vernehmlichen Klicken beim Einrasten, nur bei HPs C7000 verbleibt der Admin mangels Feedback zunächst unsicher. Auf der Rückseite ist meist wenig Platz, sodass das Verkabeln manchmal eng wird, vor allem bei Dell (Abbildung 12) betätigt der Finger immer wieder unabsichtlich die Verriegelung des Switch-Moduls.

Abbildung 11: Ausgeräumt: Ein leerer Modular Server von Intel von hinten mit Blick auf die Steckplätze der Midplane. Links landen die Lüfter, rechts die Netzteile und in der Mitte I/O-Module.

Abbildung 11: Ausgeräumt: Ein leerer Modular Server von Intel von hinten mit Blick auf die Steckplätze der Midplane. Links landen die Lüfter, rechts die Netzteile und in der Mitte I/O-Module.

Abbildung 12: Die Rückseite eines Dell Blade Chassis erinnert dank der Luftauslässe eher an einen Sportwagen als an einen Server fürs Rechenzentrum..

Abbildung 12: Die Rückseite eines Dell Blade Chassis erinnert dank der Luftauslässe eher an einen Sportwagen als an einen Server fürs Rechenzentrum..

Für den Käufer gibt sicher nicht nur der Preis den Ausschlag, sondern Ausstattung und das Einsatzszenario. Interessenten ohne eigenes Rechenzentrum freuen sich über IBMs Einsteigermodell mit dem OEK, wer schon ein 19 Zoll-Rack hat, greift zu günstigen Dell- oder Intel-Systemen, wer aber Power und Flexibilität für sein Rechenzentrum braucht, ist bei den Modellen von HP, Fujitsu oder Sun oder IBMs Highend Blade Centern richtig.

Infos

[1] IBM Blade Center S:[http://www-03.ibm.com/systems/de/bladecenter/hardware/chassis/blades/index.html]

[2] Fujitsu BX900: [http://de.fujitsu.com/products/standard_servers/blade/bx900/primergy_bx900_index.html]

[3] Dell M 1000e: [http://www1.euro.dell.com/content/topics/topic.aspx/global/products/pedge/topics/de/emea/pedge_m1000e_landing?c=de&l=de]

[4] HP C-Class C 7000: [http://h18000.www1.hp.com/products/blades/components/enclosures/c-class/c7000]

[5] Intel Modular Server: [http://www.intelmodularserver.com/]

[6] Sun Blade Server: [http://www.sun.com/servers/blades/]

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