Thunderbird, das Mailprogramm des Mozilla-Projektteams, ist der weniger bekannte Bruder des populären Webbrowsers Firefox. Zu Unrecht, denn die für den Winter geplante Version 3 bringt neue Features, die ihn einmal mehr als Standardmailer empfehlen .
Thunderbird 2 ist die aktuelle Version des Mailprogramms aus dem Hause Mozilla, ehemals Netscape. Während das alte Universaltool Mozilla unter dem Namen Seamonkey noch ein wenig weiterlebt, setzen die meisten Anwender auf Firefox und Thunderbird. Version 2 des Mailers ist im April 2007 erschienen und damit ein wenig in die Jahre gekommen. Die Entwickler veröffentlichen allerdings gelegentlich Updates. Seit Anfang 2008 ist der große Nachfolger, Thunderbird 3, in der Mache und Ende September legte das Team die vierte Betaversion auf die FTP-Server. Die endgültige Fassung soll im Winter 2009/10 erscheinen.
Mail-Tabs statt Fenster
Bisher war das Feature in erster Linie von Webbrowsern bekannt: Tabs integrieren bequem die Anzeigen mehrerer Webseiten oder Dokumente in einem einzigen Programmfenster. Das beherrscht auch die neue Thunderbird-Version: Per Doppelklick auf eine Nachricht öffnet das Mailprogramm diese nicht wie bisher in einem neuen Fenster, sondern erzeugt einen Tab. Wer seine neuen Mails schnell durchsieht, kann so bequem wichtige Nachrichten in Tabs öffnen und damit fürs spätere Lesen vormerken.
Neue Tabs dürfen Anwender auch im Hintergrund öffnen, um den aktuellen Reiter, also die Übersicht der Nachrichten, im Vordergrund zu behalten. Direkt mit den neuen Tabs verbunden ist, dass Thunderbird jetzt auch eine Session-Verwaltung enthält: Schließt der Anwender das Programm, während mehrere Tabs geöffnet sind, erscheinen diese beim nächsten Start automatisch wieder.
Power-Suche
Deutlich verbessert präsentiert sich die Suchfunktion, und das gleich mehrfach. Wo bei Firefox die Eingabebox für die Google-Suche liegt, gibt es jetzt auch bei Thunderbird ein Eingabefeld. Trägt der Anwender hier einen Begriff ein, startet das Mailprogramm eine Suche, und zwar in allen eingerichteten Accounts. Das mehrfache Wiederholen einer Suche für verschiedene Empfangsadressen findet damit ein Ende. Das Suchen-Eingabefeld bietet in begrenztem Umfang sogar eine Auto-Completion: Tippt der Nutzer Teile einer aus dem Adressbuch bekannten Mailadresse ein, schlägt Thunderbird 3 sie als Kriterium vor (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ist der Suchbegriff eine Mailadresse, schlägt Thunderbirds Suchfunktion via Auto-Completion bekannte Adressen vor.
Richtig komfortabel wird es dann, wenn Thunderbird die Ergebnisse der Suche präsentiert. Sie erscheinen in einem neuen Tab, und neben den wichtigsten Header-Informationen wie Betreff, Datum, Sender und Empfänger stehen auf der Ergebnisseite auch jeweils die ersten fünf Zeilen der Mails (Abbildung 3). Links von den Treffern zeigt das Programm zudem eine Liste von Adressen und Ordnern an, ein Klick auf einen dieser Einträge definiert einen neuen Filter, den es auf die gefundenen Mails anwendet. So bleiben nach wenigen Klicks nur noch die relevanten E-Mails übrig. Wählt der Anwender einen der Treffer aus, öffnet sich ein weiterer Tab, der die Nachricht anzeigt.

Abbildung 3: Suchergebnisse zeigt Thunderbird übersichtlich an und erlaubt dabei, mit einfachen Mausklicks Filter zu Absendern und Ablageorten zu erstellen, die die Trefferzahl reduzieren.
Rechts oben im Suchergebnisse-Tab gibt es ein kleines Icon in Form mehrerer Säulen. Klickt der Anwender darauf, erscheint eine übersichtliche Zeitleiste, die darstellt, in welchem Zeitraum wie viele der gefundenen Mails eingegangen sind. Diese Anzeige beschränkt sich nach weiteren Klicks auf bestimmte Zeiträume, etwa Jahre, Monate oder Wochen; Abbildung 3 zeigt eine Jahresübersicht. Gehört das ausgewählte Ergebnis zu einer längeren Konversation, zeigt Thunderbird den gesamten Thread an: Das macht es leichter, die gefundene Nachricht im Zusammenhang zu sehen. Den klassischen Suchdialog, der auch Einschränkungen wie ein bestimmtes Alter der Nachrichten erlaubt, gibt es weiterhin.
Weitere Neuigkeiten
Beim Einrichten eines Mailaccounts hilft Thunderbird 3 mit einem verbesserten Wizard: Er überträgt den Domainnamen einer neuen Mailadresse an einen Mozilla-Server, um in der dort abgelegten Datenbank nach Informationen zu IMAP-,POP- und SMTP-Servern zu suchen. Im Test gelang dies allerdings nur bei der Ersteinrichtung (Abbildung 2), der Dialog fragte wie versprochen lediglich Name, Mailadresse sowie Passwort ab und präsentierte dann die richtigen Server. Richtet der Anwender später noch einen zweiten Account ein, erscheint der ältere Wizard, der diese Funktion nicht bietet.
Thunderbird bietet in der neuen Version an, für jeden Mailaccount einen Archivordner anzulegen. Dorthin verschieben Anwender E-Mails, die sie nicht mehr in der Inbox belassen wollen, für die es aber noch keinen passenden Ablageort gibt. Bei einer globalen Suche nach Mails findet das Programm solche Nachrichten noch. In der Anzeige einer Mail erlaubt ein neuer Button »Archiv« das schnelle Verschieben, das Gleiche bewirkt ein Druck auf [A]. Beim Einsatz eines Google-Mailaccounts (wo es auch ein Archivkonzept gibt) nutzt Thunderbird für diese Funktion automatisch den passenden Google-Ordner und kennt auch Googles Lokalisierungen für verschiedene Sprachen.

Abbildung 2: Der Account Wizard findet selbstständig die richtigen Angaben zu STMP- und IMAP- oder POP-Server heraus – leider nur bei der Ersteinrichtung.
Ein nettes Detail am Rande betrifft die Anzeige der Header-Informationen: Hier erkennt Thunderbird jetzt den Inhaber eines Mailaccounts. In den Feldern »Von« und »An« zeigt das Programm darum statt des eigenen Namens oder der E-Mail-Adresse einfach ein kurzes »Ihnen« oder »Sie« an.
Neue Addon-Verwaltung
Ganz neu ist auch der Addon-Manager, der jetzt genauso funktioniert wie beim großen Bruder Firefox. Wie dort ist er für Erweiterungen, Themes und Plugins zuständig. Dank der integrierten Suchfunktion für Plugins ist es jetzt nicht mehr nötig, im Webbrowser Erweiterungen herunterzuladen.
Die neue Thunderbird-Version zitiert bei Antworten auf eine Mail nur markierte Textstellen, sodass es nicht länger erforderlich ist, große Textteile aus der Antwort manuell zu entfernen, um Full-Quotings zu vermeiden. Ein neuer Aktivitätsmanager protokolliert den Austausch zwischen Mailclient und Mailserver, stört dabei allerdings mit etlichen Einträgen zu frisch indizierten Nachrichten. Auswahl und Größe der Spalten in der Nachrichtenliste, etwa Absender, Betreff und Datum, merkt sich das Programm für jeden Ordner separat.
Die Performance verbessert Thunderbird 3, indem es IMAP-Downloads im Hintergrund erledigt. Das Feature wirkte im Test allerdings verwirrend, weil die Statuszeile sich permanent mit Informationen zu neu heruntergeladenen oder indizierten (in der Thunderbird-Übersetzung: indexierten) Mails füllte. Weitere Änderungen verraten die Release Notes [1]. Für den kompletten Überblick sind auch die Beschreibungen älterer Beta- und Alphaversionen lesenswert.
Fazit
Noch ist Thunderbird 3 nicht fertig, aber die Features in der aktuellen Betaversion lassen auf einen baldigen Abschluss der Entwicklung hoffen: Das Programm wird an so vielen Stellen leistungsfähiger, dass sich ein Update lohnen wird.
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Infos |
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[1] Release Notes zu Thunderbird 3 Beta 4: [http://www.mozillamessaging.com/en-US/thunderbird/3.0b4/releasenotes] |





