Wie die Ausgabe, so die Eingabe: Linux verlässt sich auch bei der Systemkonfiguration auf Plaintext-Dateien, die sich mit einfachsten Mitteln lesen, auswerten und bearbeiten lassen. Windows dagegen verwendet die Registry, eine datenbankähnliche Struktur im Binärformat.
Stefanie Kühnast findet, die Registry verwende teilweise “faszinierend kryptische Namen”. Sie schränkt ihre Kritik allerdings ein: “Microsofts ursprüngliches Konzept sah vor, das weder Admins noch User die Registry jemals nackt zu Gesicht bekommen sollten. Statt dessen sollten sie mit GUIs arbeiten, deren Backend die vorgenommenen Einstellungen in die Registry schreibt.”
Die KRZN-Mitarbeiterin findet die Fehlersuche im Windows-System ungleich aufwändiger als unter Linux, zudem neige die Registry zu “schleichender Verfettung” – sie werde immer umfangreicher, da manche Software alte Einträge hinterlässt.
Klaus Wiest, selbstständiger IT-Dienstleister aus München, fühlt sich in der Registry etwas mehr zu Hause. Er arbeitet seit 1995 mit Windows, seit 2002 auch mit Linux und meint: “Größenprobleme mit der Registry hatte ich seit Windows 2000 nicht mehr.” Wiest findet nur wenige Bezeichnungen dort kryptisch, es gäbe schließlich auch sprechende Namen. »HKEY_LOCAL_MACHINESYSTEMCurrentControlSetServicesW32TimeParametersNtpServer« beispielsweise nimmt als Wert eine Liste von Zeitservern entgegen. Zur Arbeit an der Registry verwendet er den Editor »regedit.exe« und das etwas leistungsfähigere »regedt32.exe«, mit dem man auch Berechtigungen auf Registry-Schlüssel setzen kann. Beides liefert Windows mit.
Von Utilities, die versprechen, die Registry automatisch aufzuräumen, hält der erfahrene Windows-Admin gar nichts: “Wenn ich ein massives Windows-Problem zu hören bekomme, wenn gar nichts mehr geht, dann war meistens vorher so ein Programm am Werk.”
Prozess-Archäologie
Falls Anwendungen abstürzen, bevor sie eine Meldung ins Log schreiben können, analysiert er den Speicherdump mit Hilfe der Debugging-Tools for Windows [2]. Damit das funktioniert, muss er vorher die passenden Symbol-Dateien zur Software installieren. Sie stehen für Windows und viele Microsoft-Programme zur Verfügung, bei Software anderer Hersteller häufig nicht. Hier sind die Anwender von quelloffenen Programm ganz offensichtlich im Vorteil.
Daneben können die Freunde freier Betriebssysteme etwas tun, was Windows-Anwendern versagt bleiben wird: Das System mit allen Komponenten sowie die Anwendungen aus den Quellen selbst übersetzen und zusammenstellen, wie es das Projekt Linux From Scratch (siehe Kasten “Linux-System im Eigenbau”) vormacht [3].
Wer das Selbstbauprojekt absolviert hat, durchschaut das System besser denn je. Mehr Transparenz gibt es vermutlich nur beim selbst Programmieren. Ein Windows From Scratch dagegen gibt es nicht. Der normale Anwender oder Systemadministrator bekommt auch den Windows-Quelltext niemals zu Gesicht.
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Infos |
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[1] Schaltsekunden-Bug im Linux-Kernel: [http://kml.org/kml/2009/1/2/373] [2] Debugging-Tools for Windows: [http://www.microsoft.com/whdc/devtools/debugging/default.mspx] [3] Linux From Scratch: [http://www.linuxfromscratch.org] |





