
Abbildung 1: Offene Standards wie XML-FO (Formatting Objects) sind wichtig, um Daten zwischen Anwendungen auszutauschen und etwa PDFs zu erzeugen. Das Format ist jetzt ein ISO-Standard.
Keinem Anwender ist geholfen, wenn er ein Programm findet, das sein Problem löst, aber das übliche Format nicht versteht. Mit ihren Software-Angeboten mögen sich Anbieter gegenseitig messen, aber eine gemeinsame Sprache ist wünschenswert. Ein Plädoyer für offene Formate.
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Den Unterschied zwischen offen zugänglich und frei erleben Anwender, wenn sie zum Beispiel PDF-Formulare ausfüllen möchten. Trotz öffentlicher Spezifikation war lange Zeit kaum ein Reader dazu in der Lage, diese PDF-Erweiterung zu interpretieren – außer dem Adobe Reader vom gleichnamigen Erfinder und langjährigen Wächter über das Format. Kritiker werfen dem Unternehmen allerdings vor, es jeweils so gestaltet zu haben, dass die eigenen Produkte besonders gut damit zurechtkommen.
Das hat seit Anfang Juli ein Ende – zumindest theoretisch. Adobe hat das Format bei der ISO eingereicht und ihr damit auch die Kontrolle übertragen. Bleibt zu hoffen, dass sich das Standardisierungsgremium rasch von seinem Image-Schaden erholt, den es im Umfeld der OOXML-Standardisierung – ebenfalls nun offiziell ein freies Dokumentenformat – erlitten hat.
Das Angebot unterstützter Formate hat maßgeblichen Anteil am Erfolg oder Misserfolg eines Programms. Ein Beispiel: Erst seit Open Office auch das verbreitete, wenn auch proprietäre Word-Format lesen kann, gilt das freie Office-Paket als echte Alternative. Und – Hand aufs Herz – welcher Admin hat nicht schon einmal die Liste der geplanten Neuanschaffungen im Excel-Format verschickt, nachdem sich beratungsresistente Vorstandsbüros das dritte Mal über angeblich nicht lesbare Dateien beschwert haben?
PDF als ISO-Standard
Es ist zu begrüßen, dass Adobe mit dem neuen Standard ISO 32000-1:2008 alias PDF 1.7 in die richtige Richtung geht [1]. Offenheit eines Standards allein reicht aber nicht aus, um Anwender zufriedenzustellen. XML ist ein anderes Beispiel: Von einigen gepriesen als Lösung aller Probleme in Formatfragen, sind es oft die XML-Dialekte, die einer Umsetzung in Anwendungen harren. XML-FO ist eine plattformunabhängige Darstellungsform im XML-Gewand (Abbildung 1). Zwar konvertiert das Apache-Projekt FOP XML-FO-Dateien etwa nach PDF, das aber so lückenhaft und unvollständig, dass kaum jemand das Tool nutzen mag [2].
Ist dies eine Einschränkung im Open-Source-Entwicklungsmodell? Das geht ja davon aus, dass ein Entwickler ein passendes Programm schreibt, wenn es nur genug Bedarf gibt. Unklar bleibt, wieso es keinen vollständigen XML-FO-Konverter gibt: Interessiert sich keine kritische Masse für das Thema oder lassen sich manche Programmarten nicht ohne den kommerziellen Anreiz einer proprietären Lösung entwickeln? An der Kompetenz freier Entwickler kann es nicht liegen, dazu haben sie schon zu viel geleistet.
Über den Tellerrand
Offene Standards sind dem wichtig, der aus dem reichen Fundus von Open-Source-Bausteinen schöpft und sie zu Lösungen integriert. Wer etwa eine Vielzahl von Dokumenten verwalten, sie in druckfähige Form bringen möchte, um daraus ein Magazin oder ein Buch zu publizieren, ist nicht nur auf leistungsfähige Programme, sondern auch auf gut dokumentierte Schnittstellen angewiesen. So schaffen Software-Architekten greifbaren Mehrwert, einer der Vorteile freier Software. Der zahlt sich aus – dass auch Scribus PDF-Formulare erzeugt, ist ein Beleg dafür.
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Infos |
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[1] ISO 32000-1:2008, Portable Document Format: [http://www.iso.org] [2] Apache XML Formatting Objects Processor: [http://xmlgraphics.apache.org/fop/] |





