So dick wie ein Bleistift, nicht viel größer als ein Zwei-Euro-Stück, in zehn Minuten startklar und leistungsfähig wie manche schrankfüllende Installation – so präsentiert sich ein innovatives Fileserver-Modul, das jeden Rechner via USB im Handumdrehen in einen ausgewachsenen Fileserver verwandeln will.
Man steckt den Winzling auf einen USB-Konnektor des Motherboards, wählt im Bios das Modul als Quelle für den Systemstart aus und kann nach wenigen Sekunden damit beginnen, sich einen fertig installierten Fileserver zurechtzukonfigurieren.
So weit jedenfalls die Theorie, in der Praxis allerdings stießen die Tester der Redaktion bereits hier auf eine kleine Startschwierigkeit: Auf dem Motherboard des ersten Versuchsrechners war direkt neben dem USB-Konnektor ein Kondensator aufgelötet, der zwar genug Raum für den üblichen Stecker lässt, nicht aber für das breitere Modul. Es empfiehlt sich also, im vorgesehenen Rechner die Platzverhältnisse zu prüfen, der USB-Konnektor sollte rechts und links wenigstens einen Zentimeter Ellenbogenfreiheit haben.
Ist aber erst einmal ein passendes Motherboard gefunden, funktioniert tatsächlich alles wie versprochen. Der Rechner bootet in kurzer Zeit in eine Textkonsole, die sich über ein Ascii-Menü bedienen lässt. Hier ist zunächst das Netzwerk zu konfigurieren, damit der Anwender anschließend die meisten der folgenden Einstellarbeiten über ein bequemeres Browser-GUI (siehe Abbildung 1) vornehmen kann.

Abbildung 1: Eine detaillierte Übersicht über unterschiedliche Fehlerraten der Festplatten via SMART-Interface ermöglicht die Früherkennung von Plattenproblemen.
Manche kritischen Konfigurationsschritte, zum Beispiel das Überprüfen und gegebenenfalls Reparieren der Volumes, ein mögliches Laufwerks-Tuning oder das Einrichten des Fernwartungszugangs bleiben jedoch der Textkonsole vorbehalten, die bei Bedarf auch von einem entfernten Rechner aus erreichbar ist.
Mit Browser-GUI
Alles andere lässt sich von einem beliebigen Rechner via Browser erledigen. Das GUI macht einen aufgeräumten Eindruck. Ein paar Schönheitsfehler gibt es: So lässt die Namenswahl offen, was wohl der Unterschied zwischen den mit »Setup« beziehungsweise »Konfiguration« überschriebenen Reitern sein soll, und Rechtschreibfehler in einem Hauptmenüpunkt (“NAS-Resourcen” mit deutschem Plural und englischem Einzel-S) überzeugen auch nicht völlig.
Zwar gibt es keinen Wizard für die Konfiguration, trotzdem gehen die Einstellarbeiten jedem halbwegs versierten Admin leicht von der Hand. Zunächst fasst er die Platten auf Wunsch zu Raid-Gruppen zusammen. Ist ein Raid-Controller im Einsatz, kann und sollte er diesen Job übernehmen, andernfalls geht das auch mit Hilfe der Software. Im nächsten Schritt kreiert der Installateur logische Volumes, die sich dann entweder als Blockdevices via ISCSI oder über alle gängigen Filesharing-Protokolle den Anwendern andienen.
Die Vielfalt beeindruckt: Die freigegebenen Volumes lassen sich sowohl über NFS [2] mounten als auch via Appletalk [3] erreichen, über jeden Browser publizieren, sind per FTP [4] zugänglich und stehen Windows-Rechnern oder neueren Macs per SMB-Protokoll [5] offen (Abbildungen 2 bis 6).
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Open-E DSS |
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Hersteller: Open-E GmbH [1] Preis (UVP) inkl. MWst.: 760 Euro bis 4 TByte, 920 Euro bis 8 TByte, 1185 Euro bis 16 TByte |
Zugangsvielfalt
Alle diese Zugangswege sind gleichzeitig gangbar, doch ergeben sich dann auch die zu erwartenden Probleme mit unterschiedlichen Zeichensätzen, Zugriffsrechten, Filesystemen und parallelen Zugriffen. Immerhin bemüht sich der Server etwa darum, in seinen SMB-Volumes die Mac-typischen System- und Resourcefiles per File-Attribut »hidden« zu verstecken und das Handbuch empfiehlt, Sonderzeichen in Dateinamen zu vermeiden. Damit sollten sich die ärgsten Probleme umschiffen lassen.
Ebenso problemlos wie der Export von Volumes mit Filesystemen gestaltet sich auch die Konfiguration des ISCSI-Targets, das im Netzwerk ein Blockdevice zur Verfügung stellt. Unter Novells SLES 10 lässt sich das Pendant, der so genannte ISCSI-Initiator, besonders einfach einrichten, denn der Suse-Server bringt dafür ein Yast-Modul mit. Bei anderen Linux-Distributionen ist der Admin auf äquivalente Kommandozeilentools angewiesen, die aber auch nicht schwer beherrschbar sind. Wer ISCSI verwendet, konfiguriert auf Wunsch in der Textkonsole Ethernet-Jumbo-Frames, was der Performance zugutekommt.

Abbildung 2: Das NAS-Volume des Testservers, via Appletalk am Mac gemountet. Es steht gleichzeitig auch Windows- und Linux-Usern offen.
Komplett ausgestattet
Nicht nur bei den Exportmöglichkeiten trumpft der Data Storage Server mit reichhaltiger Ausstattung auf, auch den Ansprüchen des Administrators kommt er mit seinen Funktionen weit entgegen. So ist ein lokales Backup möglich, während zugleich auch die Agenten gängiger zentralisierter Backupsysteme vorinstalliert sind (Veritas Backup Exec, Dantz Retrospect und CA Brightstor). Zusätzlich lassen sich Snapshots der Volumes lokal erzeugen und es gibt eine eingebaute, automatisierbare Replikationsfunktion. Viele dieser Prozesse kann ein integrierter Taskmanager zu beliebigen Zeitpunkten starten.
Der Verfügbarkeit kommt zugute, dass der Server das Bonding von Netzwerkinterfaces erlaubt und zudem mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung kommunizieren kann. Seine Platten überwacht er auf Wunsch via SMART-Interface (Abbildung 1).

Abbildung 3: Das NAS-Volume via SMB unter Linux eingebunden: Die Mac-Applikation »chess« erscheint als das Verzeichnis, das sie tatsächlich ist.

Abbildung 4: Ein FTP-Listing des Test-Volume. Neben der im Screenshot gezeigten Möglichkeit eines anonymen Zugangs lässt sich auch SFTP mit Passwort einsetzen.
Grenzen der Integration
Die Logs aller Systemdienste präsentiert ein eigener Logviewer übersichtlich in einer Auswahlliste. Als kleiner Minuspunkt an dieser Stelle erweist sich die fehlende Möglichkeit, einen zentralen Loghost zu verwenden. Das Gleiche trifft für das Monitoring zu: Da man auf dem nicht beschreibbaren DSS-Modul keine zusätzliche Software installieren darf, bleibt nur die vorgegebene Statusübersicht. Sie bietet zwar viele Informationen, die aber lassen sich nicht ohne Weiteres in eine eventuell vorhandene Monitoring-Infrastruktur integrieren. So bleibt der Data Server jedenfalls in dieser Beziehung ein Stück weit eine Insel. Zumindest kann sich der Administrator aber bei Problemen per E-Mail-benachrichtigen lassen.
Sehr gut zentralisieren wie integrieren lässt sich dagegen die Authentifikation der Benutzer. Dafür stehen neben einem lokalen LDAP-Server alternativ auch noch externe LDAP-, NIS- und Active-Directory-Systeme oder Windows-Domain-Controller zur Auswahl. Sie können jeweils Benutzer und Gruppen verwalten, für die sich bei Bedarf fein granulare Zugriffskonzepte einschließlich Access Control Lists und Quotas vorgeben lassen. Ganz besonders der Windows-Welt kommt bestimmt auch der eingebaute Virenscanner zugute.

Abbildung 5: Das Test-Volume in Gestalt eines NFS-Share im Gnome-Filebrowser Nautilus. Welche Rechner berechtigt sind das Volume zu mounten, lässt sich selbstverständlich konfigurieren.

Abbildung 6: Das Volume im Browserfenster. Hier tauchen die Mac-typischen System- und Resourcefiles ebenfalls auf, die andere Zugangswege sonst eher zu verstecken versuchen.
Fazit
Fraglos kann man sich einen Fileserver, wie ihn das DSS-Modul bietet, mit dem entsprechenden Know-how und Linux auch selber einrichten. Alle nötigen Komponenten dafür sind frei verfügbar. Was dabei allerdings auf der Strecke bleibt, ist die unschlagbare Bequemlichkeit, die sich hier auf das Einstecken des Moduls und ein paar Konfigurationshandgriffe beschränkt. Auch eine vergleichbar konsistente, zentrale und menügestützte Systemverwaltung wäre nicht automatisch zu bekommen.
Außerdem ist der Data Storage Server auf seinem Read-only-Medium nur schwer korrumpierbar. Obendrein braucht der Admin sich selbst kaum darum zu kümmern, das System aktuell zu halten: Die Firma Open-E GmbH pflegt die Software und bietet registrierten Käufern regelmäßige Updates an.
All diese Vorzüge mögen manchen Anwender überzeugen, sich mit dem kleinen Modul und notfalls auch schon etwas älterer Hardware einen Fileserver aus der Westentasche zu zaubern, der mit Blick auf die Leistung alles andere als ein Zwerg ist: Er kann bis zu 16 TByte Plattenplatz verwalten und unterstützt sogar Fibre Channel und Infiniband. Zum Ausprobieren gibt es auf der Homepage des Herstellers [1] eine kostenlose, auf ein TByte beschränkte Light-Version für USB-Sticks.
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Infos |
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[1] Open-E Data Storage Server: [http://www.open-e.de] [2] RFC 1094, NFS:[http://www.faqs.org/rfcs/rfc1094.html] [3] Appletalk: [http://developer.apple.com/networking/index.html] [4] RFC 959, File Transfer Protocol: [http://www.faqs.org/rfcs/rfc959.html] [5] SMB/CIFS, Technical Reference: [http://www.snia.org/tech_activities/CIFS/CIFS-TR-1p00_FINAL.pdf] |






