Aus Linux-Magazin 05/2008

Im Test: Firefox 3 Prebeta 4

Nach fast anderthalb Jahren Firefox 2 schicken die Mozilla-Entwickler die dritte Generation des Browsers ins Rennen. Eine Nightly Build zwischen Beta 3 und Beta 4 musste sich einer Leistungsprüfung stellen.

Einige wichtige Neuerungen vorweg: Firefox 3 nutzt native GTK-Widgets zur Anpassung an die Desktopumgebung und elementare GTK-Funktionen wie den Datei- und Druckdialog. Dank Cairo und verbessertem Speichermanagement geht Firefox 3 flotter und Ressourcen-schonender zu Werke. Der Browser arbeitet zudem mit einer verbesserten Adresszeile. Er zeigt zum Beispiel von Webseiten, die er über HTTPS anspricht, Informationen zum Zertifikatsinhaber. Klickt der Benutzer auf die Adresszeile, verrät Firefox 3 Zusatzinformationen wie die Zertifizierungsstelle.

GTK statt QT

Die nativen GTK-Widgets sind die augenfälligste Neuerung. Schaltflächen, Scrollbalken und Buttons zeichnet der Browser nun passend zu allen GTK-basierten Umgebungen wie Gnome oder XFCE. Es gibt leider anscheinend einige Animositäten zwischen den Entwicklern von Mozilla und KDE [1], sodass nach wie vor keine QT-Variante von Firefox existiert. KDE-Anwendern entgeht daher die grafische Integration des Browsers in ihre Desktopumgebung.

Beim Drucksystem haben die Entwickler die bisher brachliegenden Funktionen von GTK und Cups komplett neu implementiert. Dem Benutzer stehen mit den Druckfunktionen von GTK – wie bei allen anderen Gnome-Programmen – die gewohnten Optionen zur Verfügung, zum Beispiel die Anzahl von Seiten pro Druckblatt zu bestimmen, Duplexdruck oder die Beschränkung auf gerade und ungerade Seiten. Ein Umweg etwa über Gtklp entfällt.

W3C-Standards

Als allgemeine Verifikation für eingehaltene Webstandards dient die Webseite des Acid2-Tests [2]. Sie überprüft die Kompatibilität eines Browsers zu den Standards des World Wide Web Consortium (W3C) hinsichtlich HTML 4, CSS 1 und 2 sowie des PNG-Formats und der Daten-URLs. Stellt der Browser Smiley und Text sauber dar, ist der Test bestanden. Firefox 2 hat die Seite bislang nicht korrekt rendern können. Firefox 3 hingegen hält sich nach Maßgabe des optischen Tests offensichtlich an die Standards (Abbildung 1). In diesem Punkt schließt der Feuervogel endlich zu Konqueror und Opera auf.

Abbildung 1: Beim Firefox 2 im Vordergrund sind noch deutlich Fehler im Acid2-Test zu erkennen. Im Hintergrund sind die nativen GTK-Widgets zu sehen.

Abbildung 1: Beim Firefox 2 im Vordergrund sind noch deutlich Fehler im Acid2-Test zu erkennen. Im Hintergrund sind die nativen GTK-Widgets zu sehen.

Unter der Haube hat sich ebenfalls viel getan. Firefox 3 nutzt die freie 2D-Grafikbibliothek Cairo [3] zum Darstellen aller Seiteninhalte sowie zum Zeichnen der Programmoberfläche. Da Cairo die Funktionen moderner Grafikprozessoren zur Hardwarebeschleunigung von Zeichenoperationen direkt nutzt, geht Firefox 3 bei aufwändigen Webseiten deutlich flotter zu Werke [4].

Setup und Ladezeiten

Als Performance-Test diente ein Vergleich zwischen Firefox 2.0.0.12 und der Nightly Build [5] vom 04.03.2008. Als Referenzbrowser waren Opera 9.26, Opera 9.50 Beta, Konqueror 3.5.8 und Konqueror 4.0.2 aus KDE 4 im Rennen. Beim Firefox fiel die Wahl auf die Nightly-Build-Version Prebeta 4 statt Beta 3, da sie Änderungen an der Javascript-Engine erfahren hat, die der Beta 3 fehlen. Damit ist die Performance beim Ausführen von Javascript deutlich gestiegen [6]. Die Tests liefen auf einem 32-Bit-System mit einem AMD Athlon 64 X2 AM2 3800+ sowie 2 GByte RAM und Ubuntu Gutsy Gibbon 7.10. Die Testergebnisse sind Mittelwerte aus mehreren Testläufen.

Der erste Test zeigt, wie lange der Browser braucht, um eine Webseite mit aufwändigem CSS darzustellen. Die lokal gespeicherte Testseite CSS Rendering Benchmark [7] misst dafür per Javascript die Zeit bis zur vollständige Darstellung der Seite. Ergebnis: Firefox 3 rendert CSS schneller als Firefox 2, liegt jedoch in diesem Testcase hinter allen anderen Browsern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Diagramm zeigt die gemessenen Werte für Ladezeit und RAM-Verbrauch. Der höchste gemessene Wert pro Test dient als 100-Prozent-Wert. Je länger der Balken, desto schlechter also das Testergebnis im Vergleich zu den anderen. Fehlender Balken: Der Konqueror aus KDE 4 stürzte beim Javascript-Benchmark ab.

Abbildung 2: Das Diagramm zeigt die gemessenen Werte für Ladezeit und RAM-Verbrauch. Der höchste gemessene Wert pro Test dient als 100-Prozent-Wert. Je länger der Balken, desto schlechter also das Testergebnis im Vergleich zu den anderen. Fehlender Balken: Der Konqueror aus KDE 4 stürzte beim Javascript-Benchmark ab.

Die Zeit zum Aufbauen einer durchschnittlichen Webseite misst als zweite Prüfungskategorie die Testseite Stopwatch [8] von Numion. Als Referenz dient die Seite Linux-Magazin Online. Hier schnitt Firefox 3 deutlich besser ab als sein Vorgänger. Er braucht im Mittel nur rund 578 Millisekunden, während sich Firefox 2 rund 826 Millisekunden mit dem Seitenaufbau beschäftigt, ein Gewinn an Performance von rund 30 Prozent. Firefox 3 ist in diesem Test auch schneller als alle anderen Browser. Besonders der Konqueror 4.0.2 erweist sich als ziemlich träge.

Javascript und RAM-Bedarf

Als Drittes steht die Javascript-Engine auf dem Prüfstand. Zum Einsatz kommt hierfür der Javascript-Benchmark von Sunspider [9]: Er arbeitet eine Reihe von nicht Browser-spezifischen Routinen ab und misst die Zeit. Auch hier zieht der Neue an seinem Vorgänger vorbei und geht laut Sunspider dreimal so schnell zu Werke. Ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, dass er Opera deutlich hinter sich lässt – und wieder trägt Konqueror die rote Laterne. Das dürfte sich besonders bei Webseiten mit Ajax-Elementen (beispielsweise Gmail) bemerkbar machen.

Zuletzt prüft ein Test den Speicherbedarf des Browsers. Dafür starten die Testkandidaten mit einem sauberen Profil und laden zehn datenreiche Webseiten in Tabs. Auch hier scheinen die Entwickler bei Firefox 3 ganze Arbeit geleistet zu haben. Statt 100 MByte wie Firefox 2 braucht der Neue nur noch 70 MByte. Damit ist er sparsamer als Opera oder der neue Konqueror aus KDE 4. Die beiden Konkurrenten erhöhen ihren RAM-Bedarf sogar noch, wenn die nächsthöhere und also bessere Version zum Zuge kommt.

Fazit

Firefox 3 legt auch in der Performance mächtig zu. In allen untersuchten Punkten haben die Mozilla-Entwickler ganze Arbeit geleistet. Erstmals hält er die HTML- und CSS-Standards ein. Er rendert umfangreiche CSS-Anweisungen nicht nur korrekt, sondern auch schneller als vorher. Auch durchschnittliche Webseiten baut er schneller auf und führt Javascript dreimal so schnell aus. Darüber hinaus sinkt der Speicherverbrauch. Die Konkurrenten Opera und Konqueror schlägt er in fast allen Kategorien. Lediglich beim CSS-Rendering ist er langsamer.

Schick fügt sich der Neue grafisch in Gnome-Umgebungen ein. Benutzer, die KDE als Desktop bevorzugen, müssen jedoch nach wie vor auf einen reinen QT-Firefox verzichten und GTK-Bibliotheken installieren. (ake)

Infos

[1] Mozilla vs. QT: [https://bugzilla.mozilla.org/show_bug.cgi?id=297788]

[2] Acid2: [http://www.webstandards.org/action/acid2]

[3] Cairo: [http://cairographics.org]

[4] Grafik im Mozilla: [http://blog.vlad1.com/2007/12/11/graphics-in-mozilla/]

[5] Nightly Builds von Firefox 3: [http://ftp.mozilla.org/pub/mozilla.org/firefox/nightly/latest-trunk]

[6] Javascript in Prebeta 4: [http://ejohn.org/blog/revenge-of-the-timers]

[7] CSS-Performance: [http://www.howtocreate.co.uk/csstest.html]

[8] Numion Stopwatch: [http://www.numion.com/Stopwatch]

[9] Test Javascript-Engine: [http://webkit.org/perf/sunspider-0.9/sunspider.html]

Der Autor

Christoph Langner arbeitet im Testmanagement der PTV AG Karlsruhe.

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