Groupware, Handy, Mailclient, PDA, Webmailer – alle haben Adressbücher und Kalender. Wer sie nutzt, dem droht nach Murphys Law, dass die benötigte Datenquelle gerade dann nicht erreichbar ist, wenn es drauf ankommt. Synchronisation wäre ein Ausweg – das Linux-Magazin versucht ihn zu gehen.
Auf dem Papier ist alles ganz einfach: Statt manuell kreuz und quer Daten auszutauschen, wobei die Übersicht verloren geht und der Fehlerteufel beim Abtippen lauert, gleichen alle beteiligten Geräte und Programme ihre Termine, Aufgaben und Kontakte elektronisch mit einer zentralen Instanz ab, für die sich der Standort Internet aufdrängt.
Auf jeder Seite lassen sich neue Einträge hinzufügen und alte ändern oder löschen – mit dem nächsten Abgleich sprechen sich die Korrekturen herum und der Benutzer hat stets die neuesten Daten zur Hand, egal ob er nun im Büro, am heimischen Schreibtisch oder in der Eisenbahn sitzt. Nebeneffekt: Auch bei Defekt oder Verlust des Handys überleben die Daten.
Einerseits gibt es für ein solches Szenario mit SyncML (Synchronization Markup Language, [1]) einen anerkannten, von vielen Herstellern unterstützen und plattformunabhängigen Standard. Andererseits existieren Anbieter, die größtenteils kostenfrei entsprechende SyncML-Server im Internet jedermann zur Verfügung stellen (Tabelle 1). Wo also liegt das Problem? Im Detail.
Das Linux-Magazin hat fünf dieser Anbieter von SyncML via Internet verglichen: Mobical [2], Memotoo [3], Scheduleworld [4], Anywr [5] und Zyb [6]. Außerdem bieten manche Mobilfunkanbieter, beispielsweise O2, gleichartige Dienste an. Ganz Ähnliches offeriert zudem Plaxo [7], der aber nur amerikanische Telefonprovider unterstützt und deshalb hierzulande wenig interessant sein dürfte. Schließlich gibt es noch Goo Sync [8], eine Variante, die etwas aus der Art schlägt, weil sie nur Kalenderdaten – und nicht mal eigene – synchronisiert. Sie gleicht nur einen Google-Kalender mit anderen Partnern ab.
Jeder dieser Synchronisationsdienste hat seine Stärken und Schwächen (Tabelle 1). Kein Anbieter kann mit allen möglichen Features aufwarten. Die Grundaufgabe Synchronisation mit einem Handy bewältigen allerdings die meisten anstandslos. Das größte Problem ergibt sich auf Linux-Seite: Brauchbare, universell verwendbare SyncML-Plugins für Mail- oder Groupware-Clients sind absolute Mangelware, von Zuverlässigkeit oder Usability nicht zu reden.
| Tabelle 1: Features im Vergleich |
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Noch bevor man sich aber nach einem Plugin umsieht, gilt es, einen Dienste-Anbieter auszuwählen. Auch dabei gibt es schon einiges zu bedenken.
Memotoo
Memotoo sticht aus dem Kreis der Testkandidaten durch die meisten Funktionen und Schnittstellen hervor. Daten lassen sich in jedem erdenklichen Format im- und exportieren. Adressen kann der Dienst auch als LDAP-Quelle weitergeben, die sich dann wieder in das Adressbuch eines Mailclients auf dem Desktop einbinden lässt. Das vermag sonst kein Mitbewerber. Der Ablauf der Synchronisation ist im Browser anhand eines Logfile Datensatz für Datensatz nachvollziehbar, auch das ist einmalig und im Problemfall nützlich.
Nicht ganz so gut gefällt das Webinterface, dem es im Vergleich zur Konkurrenz an modernem Design und Web-2.0-Funktionen fehlt, mit denen sich anderswo beispielsweise Termine im Kalender per Drag&Drop verschieben lassen. Zum Ausgleich wartet der Dienst aber mit einer anderen Webspezialität auf: Für die Google-Startseite gibt es eigene Gadgets, die dort Termine, Adressen, Aufgaben, Notizen und Bookmarks aus dem zentralen Datenbestand einblenden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Memotoo blendet Termine, Adressen, Aufgaben, Notizen und Lesezeichen aus dem zentralen Datenbestand auf der Google-Startseite ein..
Ein Manko, das sich Memotoo leider mit vielen Kandidaten teilt, ist die fehlende selektive Synchronisation. Wer sehr viele Kontakte hat, will vielleicht im Adressbuch seines Handys nur jene mit sich herumtragen, mit denen er tatsächlich öfter telefoniert. Dafür müsste der Anwender entweder verschiedene Adressbücher anlegen oder innerhalb eines Adressbuchs Gruppen definieren können, die allein mit einem bestimmten Endgerät zu synchronisieren sind. Memotoo handelt dagegen nur nach der Devise “Alles oder nichts”.
Außerdem gab es mit einem der Test-Handys Verbindungsprobleme, die sich auch im Kontakt mit dem Betreiber nicht aus der Welt schaffen ließen. Die Synchronisation startete, brach aber regelmäßig mittendrin ab. Immerhin antwortete aber ein Supporter auf den Hilferuf und gab sich zumindest Mühe, funktionierende Einstellungen zu finden. Das jedoch durfte man erwarten, ist Memotoo doch der einzige Kandidat im Test, der nur eine eingeschränkte Version kostenfrei anbietet, sonst aber ein – wenn auch moderates – Entgeld verlangt.
Mobical
Ebenfalls einen sehr ansehnlichen Funktionsumfang bietet Mobical. Besonders nützlich und einmalig im Testfeld ist hier die Möglichkeit, auf dem SyncML-Server manuell oder automatisch Backups des Datenbestands anzulegen. Damit ist der Benutzer auf der sicheren Seite, selbst wenn die Synchronisation einmal aus dem Ruder laufen sollte. Auch gibt es einen Papierkorb, aus dem versehentlich gelöschte Einträge rückholbar sind.
Zudem glänzt Mobical mit intimer Kenntnis seiner Kommunikationspartner und markiert bereits in den Eingabemasken jene Felder rot (Abbildung 2), die mit dem eingestellten Gegenüber nicht abzugleichen sind. Das Ergebnis gibt allerdings zuweilen Anlass für Verwunderung. Etwa wenn ein bestimmtes Telefon sehr wohl mehrere Adressen pro Kontakt verwaltet, Mobical aber dennoch nur eine für abgleichbar hält.

Abbildung 2: Felder, die sich nicht mit dem eingestellten Gegenüber abgleichen lassen, markiert Mobical rot.
Das Log ist nicht so ausführlich wie bei Memotoo, aber immerhin vorhanden. Das Webinterface mutet dafür moderner an. Die Termine lassen sich – auch nicht selbstverständlich – zusätzlich in Listenform darstellen und dort sortieren und grob filtern, allerdings nicht nach Schlagworten durchsuchen. Neben Terminen und Kontakten verwaltet Mobical auch Aufgaben, Notizen, Telefon-Bookmarks und SMS, was deutlich über dem Durchschnitt liegt.
Anywr
Anywr gehört zu einer speziellen Unterart der Synchronisationsprogramme, die sich durch eine Social-Networking-Komponente auszeichnen. Hier ist das persönliche Profil für andere Anwender sichtbar, der Benutzer kann seinerseits nach Bekannten suchen, diesen Nachrichten schicken oder sie zu Terminen einladen. Auch kann er sie mit einer automatisch generierten Mail dazu auffordern, ihre eigenen Angaben zu vervollständigen. Der Eingeladene erhält dann einen Link zu seinem Adressbucheintrag, den er selbst komplettieren darf. Als weitere Besonderheit findet sich bei Anywr die Option, Kontakte direkt aus den Adressbüchern verbreiteter Webmailer wie Gmail, Hotmail, Yahoo oder America Online zu importieren.
Dazu kommt der übliche SyncML-Abgleich für Kalender und Adressen. Das Webinterface macht einen bedienfreundlichen Eindruck (Abbildung 3), beherrscht aber kein Drag&Drop. Die Kontakte sind durchsuchbar, die Termine nicht. Auch sonst ist der Funktionsumfang eher Mittelmaß: kein Log, wenige Schnittstellen, keine zusätzlich abgleichbaren Daten.

Abbildung 3: Der Kalender von Anywr präsentiert sich im ansprechenden Outfit. Termine per Drag&Drop zu verschieben, gestattet er aber nicht.
Aber eine besondere Eigenschaft zeichnet Anywr vor seinen Konkurrenten aus: Nur hier kann der Benutzer für jeden Kontakt und jeden Termin einzeln explizit festlegen, ob dieser in die Synchronisation einzubeziehen ist. Ein nützliches Feature, das man sonst vergeblich sucht.
Zyb
Auch Zyb verschreibt sich dem Social Networking, es kennt sogar Freunde zweiten Grades im Stil von Xing oder LinkedIn. Zyb-Benutzer werden unter den vorhandenen Kontakten automatisch identifiziert, es gibt außerdem eine Vervollständigen-Funktion. Der Bekanntenkreis oder jedermann kann Einblick in den eigenen Kalender erhalten und es ist sogar möglich, den Spezeln eine Bildergalerie anzubieten. Darüber hinaus lassen sich auch SMS-Nachrichten auf dem Server speichern.
Der Kalender erlaubt erfreulicherweise Drag&Drop von Terminen, durchsuchbar ist er aber genauso wenig wie die Kontaktliste. Damit rangiert Zyb im hinteren Drittel des Testfelds, wenn es um die Schnittstellen und Funktionen geht. Es fehlen Suchmöglichkeiten, eine Funktion, die Duplikate aufspürt, ein vom User einsehbares Logfile oder Möglichkeiten für den Im- und Export.
Scheduleworld
Eine Spezialität von Scheduleworld ist der Abgleich mit Google Kalender und Gmail, eine andere das exklusive Thunderbird-Plugin. Je ein weiteres Extrapünktchen sammeln der nicht oft eingebaute LDIF-Import für Kontakte und der WebDAV-Export für Termine. Das Support-Forum ist das größte im Vergleich. Der Rest entspricht etwa dem Durchschnitt oder liegt eher darunter.
Auch die Usability lässt zu wünschen übrig: Vom Kalender zum Adressbuch gelangt man über eine Schaltfläche, zurück nur über einen im Menü »View« verborgenen Eintrag. Die Adressbuch-Ansicht ist völlig unübersichtlich, mehrere Einträge können in einer Zeile beginnen.
Plugins
Im Vergleich mit der Handy-Synchronisation vermitteln die Versuche, auch Desktop-Applikationen wie Mail- oder Groupware-Clients mit den SyncML-Servern abzugleichen, ein sehr viel düsteres Bild. Prädestiniert für diesen Job wäre eigentlich Open Sync [9], das den Versuch unternimmt, mit einem generischen Synchronisations-Framework alte Insellösungen überflüssig zu machen. Derzeit beherrscht es jedoch nur den SyncML-Server-Modus. Die Rolle als Client steht auf der Agenda, ist aber noch nicht implementiert.
Eine ebenfalls einigermaßen vielversprechende Papierform weist das Mozilla-Funambol-Plugin [10] auf. Es nennt auf seiner Sourceforge-Seite aber Windows XP als Zielplattform. Unter Linux lässt es sich zwar installieren, reißt aber nach den Erfahrungen der Tester im Zusammenspiel mit verschiedenen Anbietern und unterschiedlichen Plugin-, Thunderbird- und Lightning-Versionen unter zwei Ubuntu-Releases den Mailclient in jeder Kombination zuverlässig in den Tod. Wer das zugehörige Forum verfolgt, stößt auf eine große Anzahl Leidensgenossen und vereinzelte wundersame Erfolgsmeldungen.
Etwas besser geht es mit dem T-Sync-Plugin für Thunderbird [11]. Es ist allerdings sehr langsam und synchronisiert nur Kontakte, aber keine Termine. Die Verlaufsanzeige zeigt Fantasiewerte und verschwindet alle paar Sekunden vom Bildschirm. Auch wenn das die Funktion nicht gravierend beeinträchtigt, der Eindruck einer ausgereiften und sicheren Software will sich dabei aber partout nicht einstellen.
Ein weiteres Thunderbird-Plugin haben die Betreiber von Scheduleworld entwickelt [12]. Diese Version leidet unter zwei Beschränkungen: Sie synchronisiert per se ebenfalls nur Kontakte (es gibt jedoch eine Kalender-Erweiterung) und sie funktioniert nur mit diesem Anbieter, denn URLs und Namen sind fest verdrahtet. Wer sich für Scheduleworld entschieden hat, der mag damit leben können.
Auch für Evolution existiert ein Plugin namens Syncevolution [13]. Es tut sich zunächst dadurch hervor, dass es seine Konfiguration nicht wie die Konkurrenten in einen schlichten Drei-Zeilen-Dialog verpackt, sondern in einer Handvoll tief verschachtelter Konfigurationsfiles versteckt. Wer diese Hürde nimmt, wird allerdings mit einer akzeptablen Funktion belohnt.
Fazit
Eine Kombination der besten Features aller Kandidaten ergäbe eine perfekte Webapplikation für den SyncML-Abgleich mobiler Geräte und Desktop-Applikationen. Leider gibt es diese Kombination noch nicht. Man muss sich entscheiden: Wer unbedingt selektiv synchronisieren will, dem bleibt nur Anywr. Wer darauf verzichten kann, aber den Schwerpunkt beim Datenabgleich sieht, für den sind Mobical und Memotoo heiße Kandidaten. Wer auf elektronische Kontaktpflege im Bekanntenkreis Wert legt, muss sich zwischen Zyb und Anywr entscheiden. Wer mit dem Scheduleworld-Plugin klarkommt, findet darin ein bedenkenswertes Angebot.
Die Synchronisation von Desktop-Applikationen mit SyncML-Servern ist derzeit unter Linux ein rechtes Trauerspiel. Mit viel Glück ergibt sich eine halbwegs passende Kombination aus Anbieter, Plugin und Applikation. Eine universelle Lösung gibt es nicht und in vielen Fällen ist es schlicht unmöglich, seinen Mailclient und den Webanbieter der Wahl auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Jedenfalls noch – wie zu hoffen ist.
| Infos |
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| [1] SyncML-Spezifikation: [http://www.openmobilealliance.org/tech/affiliates/syncml/syncmlindex.html]
[2] Mobical: [https://www.mobical.net] [3] Memotoo: [http://www.memotoo.com] [4] Scheduleworld:[http://www.scheduleworld.com] [5] Anywr: [http://www.anywr.com] [6] Zyb: [https://zyb.com] [7] Plaxo: [http://www.plaxo.com] [8] Goo Sync: [http://www.goosync.com] [9] Open Sync: [http://www.opensync.org] [10] Funambol-Plugin: [http://sourceforge.net/projects/sync4jmozilla/] [11] T-Sync-Plugin: [http://www.topologilinux.com/syncml/] [12] SW-Plugin: [http://www.scheduleworld.com/tg/syncmlInfo.jsp] [13] Syncevolution: [http://www.estamos.de/projects/SyncML/] |






