Aus Linux-Magazin 12/2007

Werkzeuge im Kurztest

Mrpostman 20060106


Webmail-POP3-Proxy

Quelle: [http://mrpostman.sourceforge.net/]

Lizenz: GPL 2

Alternativen: Yahoo POPs, Free POPs

Viele kostenlose Webmailer-Anbieter glänzen zwar durch zahlreiche Features, manchen fehlt aber ein POP- oder IMAP-Zugang für normale Mailclients. Der Mailproxy Mrpostman ist eine Alternative zu kostenpflichtigen Angeboten, die dies von Haus aus vorsehen.

Das Java-Programm verhält sich gegenüber dem Mailprovider wie ein Webbrowser, reicht jedoch die Mails über das POP3-Protokoll weiter statt sie anzuzeigen. Die Software erkennt verbreitete Webmailer an der Serveradresse. Für viele Maildienste wie Hotmail, Yahoo oder Gmail gibt es passende Module, die Mrpostman beim ersten Start herunterlädt. Liegt für einen Maildienst noch kein Unterstützungsmodul vor, kann der Benutzer es selbst mit relativ wenig Aufwand schreiben.

Mrpostman fühlt sich primär für den Mail-Empfang zuständig. Das Versenden über SMTP klappt nur bei manchen Providern. Außerdem konvertiert das Programm auch RSS-Feeds in E-Mails, die der Anwender nach dem Herunterladen auch offline lesen kann. Das Programm verfügt sogar über Module zum Zugriff auf Outlook Webaccess und ist damit auch für Unternehmen interessant.

**— Mrpostman schlägt die Brücke zwischen Webmail-Oberfläche und dem eigenen Mailclient.

Gnu MP3d 2.9


MP3- und Ogg-Streaming-Server

Quelle: [http://gnump3d.sourceforge.net]

Lizenz: GPL 2

Alternativen: Mp3database, Jinzora

Die meisten Jukebox-Systeme im Netz sind schwer zu konfigurieren. Bevor sie die erste Datei streamen, machen sie dem Anwender erst einmal viel Arbeit. Wer auf weniger wichtige Features verzichtet, ist daher mit dem leichtgewichtigen Gnu MP3d besser bedient. Das Programm ist eine All-in-one-Streaming-Lösung für Ogg Vorbis und MP3. Es benötigt weder Frameworks noch Java oder PHP und kommt ohne eine Datenbank oder einen externen Webserver aus. Dieser ist nämlich in Gnu MP3d bereits enthalten.

Die Kategorien, nach denen die Software die Audiodateien ordnet, entnimmt sie einem Verzeichnisbaum im Dateisystem. Der Anwender legt diese Struktur seinen Vorstellungen entsprechend an, kopiert die Audiodateien hinein und übergibt Gnu MP3d den Pfad als einzigen Parameter. Das Programm erzeugt dann Listen der Musikstücke, auf die der Benutzer über ein Webinterface zugreift.

Für die Benutzeroberfläche stehen mehrere Themes zur Auswahl bereit. Sie bestehen nur aus einfachen HTML-Dateien, sodass der Benutzer die Optik leicht anpassen kann.

Je nach Umfang der MP3-Sammlung nimmt die Indizierung durch Gnu MP3d beim ersten Start einige Zeit in Anspruch, in der der Streaming-Server nicht reagiert. Die Software liest dabei die Tags der Musikdateien aus. Ein Cronjob, wie er im Debian-Paket von Gnu MP3d bereits enthalten ist, bringt die Datenbank regelmäßig auf den aktuellen Stand. Ein »SIGHUP« an den Server genügt, um das Reindizieren auszulösen.

Egal ob der Benutzer einen einzelnen Titel oder ein komplettes Album wählt: Gnu MP3d fasst alle ausgewählten Musikstücke zu einer Playlist im M3u-Format zusammen. Sind die Einstellungen für die Dateitypen im Browser richtig gesetzt, übergibt dieser die M3u-Datei direkt an einen MP3-Player. Statt eine M3u-Playlist zu erzeugen, zeigt die Software im Webinterface wahlweise auch direkte Links auf die Musikdateien an. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass die meisten Player die Dateien erst vollständig herunterladen, bevor sie mit dem Abspielen beginnen.

Seine Konfiguration legt Gnu MP3d in einer zentralen Konfigurationsdatei im »/etc«-Verzeichnis ab. Hier konfiguriert der Anwender das Erscheinungsbild und die Titelsortierung oder beschränkt den Zugriff auf den Server. Der Zugriffsschutz sperrt auf der Basis der IP-Adressen entweder einzelne Rechner oder ganze Adressbereiche aus.

Da dies nicht sicher ist, unterstützt der Server auch eine Passwort-Authentifizierung. Die Authentifizierungsdaten liegen ähnlich wie beim Apache-Webserver als ».passwd«-Datei direkt im Datenverzeichnis. Ein PAM-Modul, das die Benutzeraccounts des Systems einbindet, gibt es allerdings nicht.

***– Wer mit wenigen Handgriffen einen Streaming-Server für MP3 und Ogg Vorbis aufsetzen möchte, ist mit Gnu MP3d richtig bedient: Die Software kommt ohne externe Komponenten wie Webserver oder Datenbank aus. Über Themes lässt sich das Webfrontend ansprechend gestalten. Die Software läuft auch unter Windows und Mac OS.

Bfilter 1.1.1


Filterproxy für Werbebanner

Quelle: [http://bfilter.sourceforge.net]

Lizenz: GPL 2

Alternativen: Junkbuster, Privoxy

Werbung überflutet das Internet. Selbst viele Betreiber privater Homepages möchten mit Google-Adds ein paar Euro verdienen. Mit Bfilter hält sich der Surfer diese Geißel vom Leibe. Zwar gibt es für den gleichen Zweck auch Plugins für Firefox und andere erweiterbare Browser. Der Vorteil von Bfilter, das sich als Proxy in die Netzverbindung einklinkt, liegt in der zentralen Konfiguration.

Die Software kann daher beispielsweise Kinder vor schädlichen Inhalten schützen, weil die Kleinen den Filter nicht einfach selbst im Browser ausschalten können. Dabei muss allerdings sichergestellt sein, dass der Internetzugang nur über den Proxy möglich ist,

Zum Filtern der Inhalte verwendet das Programm einen heuristischen Algorithmus, der auch dynamisch erzeugte Banner erkennt. Zusätzlich benutzt es Blacklists. Außerdem durchforstet es die URLs mit regulären Ausdrücke nach verdächtigen Schlagwörtern. Bfilter macht auch vor Flash-Animationen, die immer häufiger für Werbebanner zum Einsatz kommen, nicht halt. Ein Gzip-komprimierter HTTP-Transfer ist kein Problem. Nur die Inhalte einer verschlüsselten HTTPS-Verbindung kann Bfilter naturgemäß nicht einsehen.

****- Bfilter eignet sich hervorragend, um kleine bis mittlere Netzwerke von Bannern, Popups und schädlichen Inhalten freizuhalten. Es unterstützt die gängigen HTTP-Standards und lässt sich auch mit anderen Proxys kaskadieren. Gelegentlich zieht das Ausfiltern der Banner allerdings das Design der Webseiten in Mitleidenschaft.

Colordiff 1.0.6


Farbige Diff-Ausgabe

Quelle: [http://colordiff.sourceforge.net]

Lizenz: GPL 2

Alternativen: Diff, Xxdiff

Viele Linux-Benutzer haben schon mal Diff benutzt: Beim Programmieren und Anpassen von Konfigurationsdateien ist es wichtig zu wissen, was sich im Vergleich zur vorigen Version verändert hat. Da die Ausgabe von Diff jedoch reichlich unübersichtlich ist, bevorzugen viele Anwender ein grafisches Backend, das die Veränderungen statt mit kryptischen Zeichen farbig hervorhebt.

Über externe Verbindungen geht dies jedoch nur bei ausreichender Netzwerkbandbreite. Wer daher die Änderungen an der Einstellung seines Webservers über SSH überprüfen möchte, kommt meist nicht um die Konsole herum. Für mehr Übersicht sorgt dann Colordiff, ein Perl-Wrapper um das auf dem System installierte Diff-Binary.

Die Eingabeparameter gibt das Perl-Skript unverändert weiter. Die Ausgabe filtert das Tool jedoch und hebt die Änderungen mit Konsolen-Steuercodes farblich hervor. Welche Farben die Software dabei benutzt, legt der Anwender in einer Konfigurationsdatei in seinem Homeverzeichnis fest. Wer nur noch farbigen Diff-Output sehen möchte, legt in seiner Baschrc einen Alias an. Viele Distributionen bringen bereits ein Colordiff-Paket mit.

Natürlich lässt sich die Ausgabe von Colordiff auch in eine Datei umleiten. Zum Betrachten sollte der Anwender allerdings »more« verwenden, da »less« die Steuercodes für den farbigen Text nicht korrekt interpretiert.

***– Diff ist vor allem beim Remote-Einsatz über SSH praktisch: Es verbessert die Übersicht der Diff-Ausgabe, ohne dass sich dies in der Netzwerkbandbreite niederschlägt.

Synergy2 1.3.1


Maus- und Tastaturswitch per Software

Quelle: [http://synergy2.sourceforge.net]

Lizenz: GPL 2

Alternativen: X2x

Wer mehrere Rechner gleichzeitig benutzt, muss nicht gleich einen größeren Schreibtisch kaufen: Synergy2 verhindert, dass sich mehrere Tastaturen und Mäuse die Arbeitsfläche verstellen. Das Tool emuliert mit Unterstützung des Netzwerks einen Maus- und Tastaturswitch. Jeder Rechner braucht also nur noch einen eigenen Monitor.

Die Bildschirme schaltet die Software zu einem großen Panorama-Sichtbereich zusammen, auf dem der Anwender sich mit dem Mauszeiger frei bewegen kann. Die Tastatureingabe leitet Synergy2 auf jenen Rechner um, auf dem sich der Mauszeiger gerade befindet. Die Anordnung der Monitore legt der Anwender in der Synergy2-Konfiguration ähnlich wie beim Betrieb eines Zwei-Monitore-Systems unter X.org fest.

Synergy2 bietet mehr Funktionalität als ein Hardware-Switch. Es stellt eine Zwischenablage für alle verbundenen Rechner zur Verfügung. Die Software, die es neben der Linux-Version auch als Windows- und Mac-OS-Fassung gibt, avanciert damit sogar zur komfortabelsten Möglichkeit, Textdaten über die Systemgrenzen hinweg zu tauschen.

Synergie überträgt die Daten allerdings
unverschlüsselt. Wer die Software in nicht
vertrauen

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