Aus Linux-Magazin 12/2007

Ohloh.net als Software-Evaluationstool

Abbildung 1: Firefox ist laut Ohloh.net zwar eines der größten freien Softwareprojekte überhaupt, doch der Quellcode steht unter nur schwer verträglichen Lizenzen.

Niemand kann in die Zukunft blicken – auch das Software-Evaluationsportal Ohloh.net macht da keine Ausnahme. Mit der Kombination aus maschineller Softwaremetrik und sozialem Ranking liefert die Site dennoch wertvolle Hilfestellungen für alle, die Software für den jahrelangen Einsatz evaluieren.

Inhalt

56 | Classic Line 2008 Der ERP-Platzhirsch Sage legt seine Mittelstandssoftware jetzt für Linux auf.

62 | Was bringt Blender 2.50? Nicht nur Stoff und Haare – die neuen Features der kommenden Version in der Vorschau.

66 | Bitparade: Blogs im Test Was Blogsysteme können und wie es um die Sicherheit bestellt ist.

70 | Tooltipps Banner filtern im Poxy, MP3s servieren, Maus und Tastatur mehrerer Rechner zusammenlegen.

74 | Projekteküche: Streit und Spaltung Bei Meinungsverschiedenheiten droht im Open-Source-Bereich die Spaltung – zum Schaden oder zum Nutzen?

Wenn ein Unternehmen Softwarelösungen wie eine Groupware oder ein CRM auswählt, bindet es sich für Jahre. Zu groß wäre der Aufwand der Datenmigration und der Umschulung der Mitarbeiter, als dass ein Wechsel ohne Weiteres möglich ist. Bei derart langfristigen Bindungen reicht eine Einschätzung darüber, wie der bevorzugte Kandidat aktuell im Rennen liegt, nicht aus.

Auch wenn erst nach zwei oder drei Jahren eine andere Software die ausgewählte Lösung überholt, ist der Aufwand für das Unternehmen groß, entweder muss es in eine Migration investieren oder es kann die Vorteile der überlegenen Software nicht nutzen.

Jeder, der mit der Wahl eines IT-Systems eine strategische Entscheidung trifft, muss also einen Blick in die Zukunft wagen. Bei proprietärer Software ist der Ruf des Hersteller, die hinter der Anwendung steht, ein wichtiges Kriterium. Doch auch namhafte Softwarehäuser können sich dazu entsschließen, Anwendungen nicht mehr weiterzuentwickeln. Selten sind solche Entscheidungen von außen vorhersehbar.

Wer Open-Source-Anwendungen beurteilt, kann sich oft nicht auf die Reputation einer bestimmten Marke als Auswahlkriterium verlassen. Doch quelloffene Software bietet für Zukunftsprognosen etwas Besseres als Markenprestige, das schließlich stets in vergangenen Leistungen begründet liegt. Wer freie Software evaluiert, darf einen Blick in Quellcode werfen. Schon Umfang und Verständlichkeit seiner Kommentierung sind ein Indiz für die Qualität und das Wachtumspotenzial einer Software.

Meist stehen auch die Versionsrepositorys für einen prüfenden Blick offen. Wer sich die Mühe macht, der sieht, wie viele Entwickler zum Programmcode beitragen, ob das Entwicklerteam wächst oder schrumpft, ob der Code über Jahre gewachsen oder in wenigen Monaten aus dem Boden geschossen ist.

Gut aufbereitet

Leichter als direkt an der Quelle sind Daten zum Wachstum einer Software und zur Größe des Entwicklerteams auf dem Software-Evaluationsportal [http://ohloh.net] herauszufinden. Die von den Ex-Microsoft-Angestellten Scott Collison und Jason Allen gegründete Site liefert mehr Informationen als Freshmeat. Die Server von Ohloh.net checken das ganze Repository eines Projekts und analysieren es nach vielen Aspekten.

Der Parser erkennt die Programmiersprache und trennt Code von Kommentaren. Ist das Verhältnis ungewöhnlich gut oder schlecht, ist dies auf der Ohloh.net-Projektseite zu sehen. Auch die im Code angegebenen Lizenzen entgehen der Aufmerksamkeit der maschinellen Auswertung nicht, eventuelle Inkonsistenzen wie bei Mozilla Firefox (Abbildung 1) hebt Ohloh.net hervor. Außerdem misst der Crawler den Umfang der Repositorys, zählt die aktiven Entwickler und zeigt wie ein Barometer die Tendenz bei beiden Größen an.

Abbildung 1: Firefox ist laut Ohloh.net zwar eines der größten freien Softwareprojekte überhaupt, doch der Quellcode steht unter nur schwer verträglichen Lizenzen.

Abbildung 1: Firefox ist laut Ohloh.net zwar eines der größten freien Softwareprojekte überhaupt, doch der Quellcode steht unter nur schwer verträglichen Lizenzen.

Außer dieser maschinell erzeugten Metrik integriert Ohloh.net auch ein soziales Ranking, das über einfache Abstimmungen auf Sourceforge oder Freshmeat hinausgeht: Jedes Portalmitglied fügt die Programme, die es benutzt, seinem Stack hinzu. Wie viele Bonuspunkte dies für die jeweilige Anwendung bringt, hängt von der Einstufung des Ohloh-Mitglieds ab. Sie ergibt sich aus den so genannten Kudos-Votes (Kudos heißt auf Altgriechisch Lob oder Beifall), die andere Ohloh-Nutzer vergeben.

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