
Abbildung 1: Yast versucht die IPtables-Konfiguration anfängertauglich zu gestalten. Doch was heißt »Firewall vor interner Zone schützen«?
Was Linux-Wechsler wirklich bewegt, ist GUI-Designern und Doku-Schreibern offenbar aus dem Radar geraten. Wahrscheinlich liegt ihre eigene Linux-Initiation zu lange zurück. Distributionen wie Suse oder Ubuntu scheinen davon auszugehen, dass Komplexität den User verschrecke und Nähe zu Windows gut sei.
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Inhalt |
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68 | Bitparade: Log-Analyzer für Apache Statistische Auswertung der Besucherzahlen einer Website. 72 | Dokumentenverwaltung mit Epiware Onlinedokumenten-Repository unter komfortabler Ajax-Oberfläche. 76 | Projekteküche: Wwwoffle sowie ein Adressbuch für Notebooks, eine komfortable Versionsverwaltung und Access-Datenbanken. 80 | Tooltips Desktopsuche à la Google, Fortschrittsbalken oder Dialogfelder auf der Kommandozeile und andere Schmankerl. |
Windows war mir schon immer zu vernagelt: Wie es funktioniert, bleibt in den Untiefen von Registry und Binärdateien verborgen. Seine Benutzerführung will alles einfach machen. Alle klicken auf Buttons – und gut. Wenn etwas klemmt, erscheinen oft Sekundär-Fehlermeldungen. Der eigentliche Ablauf gerät nie in den Blick und lässt sich folglich auch nicht nachvollziehen. Verschlossene Türen ärgern mich. Vor einem halben Jahr schließlich reichte es mir, ich wechselte zu Linux. Denn auf die Frage, wie mein Rechner eigentlich funktioniert, schien mir Linux die Antworten zu bieten.
Die Linux-WG
Anfangs war mir wichtig, jemanden zu kennen, der Erfahrung hat mit Linux. Da gab es einen WG-Mitbewohner, der einen alten Rechner im Flur aufstellte, ihn fortan “Server” nannte und verkündete, dass wir einen “Switch” bräuchten. Wir könnten dann zum Beispiel rund um die Uhr Sachen herunterladen und sie in ein gemeinsames Verzeichnis auf dem Server legen, sodass jeder was davon hätte. “Und hier, guck mal, wer alles versucht auf unseren Server zuzugreifen”, sagte er, während er einen Sniffer laufen ließ. Plötzlich war klar: Hinter der Mattscheibe, da steppt der Bär!
Zum Glück haben Linux-Begeisterte oft Spaß daran, ihr Wissen und Interesse weiterzugeben. Und ich fing an, alles Mögliche über Linux zu lesen. Ein Anlaufpunkt ist zum Beispiel die Dokumentation. Im Suse-Handbuch ist es bizarr, aber interessant, über Initrd und Vmlinuz zu lesen – auch wenn sich damit erst mal wenig erschließt. Das kommt schon noch.
Dagegen lese und staune ich über die Einrichtung der Firewall: “Um die Einstellungen Ihrer Firewall zu ändern, klicken Sie auf »Ändern«.” Da komme ich mir vor wie bei Windows. Was ist, wenn etwas nicht funktioniert (wie in Abbildung 1)? Dann hilft mir die auf einfach getrimmte Benutzerführung von Suse oder Ubuntu nicht – genau wie bei Windows. Die wollen es idiotensicher machen und trauen dem Nutzer wenig zu.

Abbildung 1: Yast versucht die IPtables-Konfiguration anfängertauglich zu gestalten. Doch was heißt »Firewall vor interner Zone schützen«?
Gestatten: Neugier
Wenn ich in Büchern oder im Web über Linux lese, frage ich mich solche Dinge: Wie funktioniert eine Open-Source-Community? Was gehört zum Linux-Kernel, was nicht und warum nicht? Was ist GNU, was ist Unix und wie hängt das mit Linux zusammen? Wie installiere ich ein Programm in der Kommandozeile? Was heißt kompilieren? Welche Sprache spricht mein Rechner? Was macht er, wenn ich Daten eingebe? Was ist der Unterschied zwischen einem Monitor, einer Konsole und einem Terminal? Was ist ein Bios und wie interagiert es mit Linux? Wie kommt es, dass unter Linux vieles anders funktioniert als unter Windows? Und, ach, früher gab es gar kein GUI? Was ist denn überhaupt ein Interface?
Klick, klick, fertig?
Mir ist klar, dass zum Beispiel eine grafische Installationsroutine keine tief greifenden Antworten bieten kann. Wenn ich mir mein erstes Linux bloß zusammenklicke, zur Laufzeit aber unerklärte Meldungen auftauchen, die ich nur wegklicken darf, wo bitte bleibt da der Spaß? Denn damit lerne ich das System auch nicht besser kennen als mein Windows früher.
Es wäre gelogen so zu tun, als sei Linux einfach. Wer umsteigt, will Transparenz gewinnen und alles ganz genau wissen. Selbst wer das nicht möchte, sollte trotzdem mehr erfahren. Denn genau das macht den Unterschied aus. (pkr)





