Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Manchem Debian-Entwickler mag es fast schon zu viel gewesen sein, was da am 8. April 2007 passierte. Erst gab der Projektsekretär Manoj Srivastava bekannt, dass der nächste Debian Project Leader einer sein würde, den nur wenige auf der Siegerliste hatten: Sam Hocevar hat das Rennen für sich entschieden. Wenige Stunden später lief die zweite Debian-Meldung über den Ticker: Fast schon wie eine Marginalie teilten die Entwickler mit, dass Etch fertig gestellt und als offizielle Release verfügbar sei.
Knappes Rennen
Bereits kurz nach Ende der Wahlzeit, gegen zwei Uhr am Morgen des 8. April, stellte Manoj Srivastava vorläufige Resultate der Wahl online und sorgte für eine Überraschung: Während viele Steve McIntyre als Favoriten sahen – schließlich hatte er letztes Jahr gegen Anthony Towns nur knapp verloren -, sprachen die Entwickler in der geheimen Abstimmung Sam Hocevar (Abbildung 1) das Vertrauen aus. Die nach der Wahl veröffentlichte grafische Darstellung des Wahlergebnisses hilft den komplizierten DPL-Wahlmodus nach der Condorcet-Methode [1] zu verstehen.

Abbildung 1: Der französische Landsmann Sam Hocevar ist neuer Debian Project Leader. Er hat mit seiner Wahl zum DPL selbst nicht gerechnet.
Die Wahl ist auch in diesem Jahr äußerst knapp zu Ungunsten Steve McIntyres ausgegangen. Im direkten Duell unterlag er Hocevar mit nur acht Stimmen. Etwas weiter zurück lag dann schon Raphael Hertzog als Dritter und Wouter Verhelst als Vierter. Anthony Towns, Project Leader der letzten Wahlperiode, konnte die Entwickler mit seinem Wahlprogramm, das maßgeblich aus Verweisen auf die Tätigkeit während seiner Amtszeit bestand, nicht ködern und landet mit großem Rückstand abgeschlagen auf Platz fünf. Den sechsten Platz erreichte Gustavo Franco. Keine Chance hatten Simon Richter und Aigars Mahinovs.
Überraschter Sieger
Sam Hocevar, seit dem Jahr 2000 bei Debian, gab sich nach Bekanntgabe der Ergebnisse verdutzt und erklärte, mit diesem Wahlausgang selbst nicht gerechnet zu haben. Sein Plan sei gewesen, ein tolles Wahlprogramm zu schreiben, das anderen Kandidaten Ideen und Anregungen für ihre Arbeit liefern sollte. Damit, so merkt er in seinem Blog an, werde es jetzt wohl nichts. Er schließt lapidar mit den Worten: “Also, hier bin ich.” Plangemäß fand die Amtsübergabe am 11. April statt, sodass der neue Project Leader bereits in Amt und Würden ist.
April, April
Aprilscherze sind nur lustig, wenn sie irgendwann als Scherz enttarnt sind. Von diesem Standpunkt aus war es vielleicht nicht sehr clever, dass das für die Etch-Release zuständige Komitee am 1. April erklärte, Etch werde sich wegen schwerwiegender Sicherheitsprobleme nochmals um sechs Wochen verzögern. Hält man sich vor Augen, dass Etch Weihnachten 2006 hätte fertig sein sollen, mag manchem Entwickler nicht zum Lachen zumute gewesen sein.
Es herrschte dann auch eher Erleichterung, als es hieß: Debian GNU/Linux 4.0 ist fertig. Die ISO-Images und Installer-Disks gibt es auf der Debian-Seite [2] oder auf den Mirrors. Trotz Verspätung geben sich die Projektverantwortlichen stolz und heben hervor, dass Etch erstmals mit grafischem Installer daherkommt und über aktuelle Software verfügt, von der Sarge-Benutzer nur träumen können. Erstmals unterstützt Debian offiziell AMD64-Prozessoren, im Gegenzug musste allerdings der Support für alte Motorola-Rechner weichen.
Arbeitswut
Von der Release-Euphorie mitgerissen gönnen sich die Entwickler keine Verschnaufpause und beschäftigen sich sogleich mit Fragen der nächsten Debian-Release. Lenny wird der Etch-Nachfolger heißen. Wann er erscheint, ist völlig unklar. Es ist allerdings davon auszugehen, dass erste Weichen in den nächsten Wochen gestellt werden. (uba)
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Infos |
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[1] DPL-Wahl 2007: [http://www.debian.org/vote/2007/vote_001] [2] Debian-Download-Seite:[http://cdimage.debian.org] |
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Der Autor |
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Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien. |





