Aus Linux-Magazin 05/2007

Aus dem Alltag eines Sysadmin: CGI::IRC

Abbildung 1: Reden ist Silber – das Tool CGI::IRC macht den eigenen Webserver zum von überall per Browser erreichbaren IRC-Client.

Nicht überall hat der leidenschaftliche Chatter einen Client zur Hand, wenn ihn die Sehnsucht packt. Firewalls oder die Abwesenheit des eigenes Rechners können Ursache dieses Missstands sein. Mit CGI::IRC und einem Webserver reicht aber auch ein Webbrowser fürs IRCen.

Inhalt

76 | Cluster mit IPtables Cluster helfen die ständige Verfügbarkeit wichtiger Applikationen sichern, IPtables verteilt die Last.

80 | Inventur im Netz Ob Hard-, ob Software: Centennial Discovery übernimmt die Bestandsaufnahme.

84 | LPI-Kompendium, Teil 10 Topic 111 und behandelt die Benutzer- und Gruppenverwaltung. Zudem geht es um Cron, At und systemweite Variablen.

Es gibt Menschen mit derart schriller Stimme, dass ich mit ihnen lieber chatte als telefoniere. Mein bevorzugter IRC-Client ist Irssi [1]. Er läuft innerhalb einer Screen-Session auf einem meiner Server, auf den ich mich von überall her per SSH verbinde. Schrill auch und leider gar nicht selten sind Situationen, in denen mir kein SSH zur Verfügung steht. So etwas passiert mir bei Kunden mit vernagelter Firewall oder im Bildungsurlaub, wenn ich ein Internetcafé aufsuche. Eine einfache Lösung für mein Problem trägt den typografisch interessanten Namen CGI::IRC [2].

Die Software stellt ein Webinterface bereit, das die Eingaben an meinen IRC-Server weiterreicht (Abbildung 1). An CGI::IRC gefällt mir besonders gut, dass es einfach und schnell aufzusetzen ist, aber dennoch genug Konfigurationsmöglichkeiten bietet, mit denen sich auch komplexere Setups umsetzen lassen. Die Installation setzt einen CGI-fähigen Webserver und Perl in Version 5 voraus. Danach lade ich das Skript auf den Server hoch und lege die Konfigurationsdateien ins CGI-Verzeichnis des Webservers. Einsteiger finden Tipps dazu bei [3].

Abbildung 1: Reden ist Silber – das Tool CGI::IRC macht den eigenen Webserver zum von überall per Browser erreichbaren IRC-Client.

Abbildung 1: Reden ist Silber – das Tool CGI::IRC macht den eigenen Webserver zum von überall per Browser erreichbaren IRC-Client.

CGI::IRC geht mit seinen zwei Konfigurationsdateien einen ungewohnten, aber sinnvollen Weg: Eine enthält nur die wichtigsten Einstellungen, die ich in Minutenschnelle anpasse, um sofort loslegen zu können. Die andere, »cgiirc.config.full«, enthält Beispiele für komplexere Einstellungen. Zuerst schaue ich mir die Basiskonfiguration an: »default_server« enthält den Namen meines IRC-Servers, »default_port« die Portnummer »6667«. Aber immer öfter tauchen Server mit anderen Portnummern auf, weil manche Hosting-Provider IRC blocken.

In »default_channel« steht eine mit Kommata getrennte Liste von Channels, in die sich der CGI::IRC-Benutzer verbinden darf. Der Zutritt zu anderen als den hier aufgeführten bleibt ihm verwehrt. Wer sich anmeldet, darf sich natürlich einen Spitznamen (Nickname) aussuchen. Wer keinen angibt, dem verpasst CGI::IRC einen nach dem Schema, das in »default_nick« eingetragen ist. Voreingestellt ist »CGI???«, wobei die Fragezeichen beim Einloggen einer Ziffer weichen.

Drum prüfe, wer sich da verbindet

Für die Zugriffskontrolle gibt es die Datei »ipaccess«. Damit CGI::IRC sie für voll nimmt, muss ich in die »cgiirc.config«-Datei die Zeile

ip_access_file = ipaccess

einfügen. Um nun beliebig viele Verbindungen vom Localhost zuzulassen, schreibe ich einfach »127.0.0.1« in die »ipaccess«-Datei. Will ich die Anzahl der gleichzeitigen Verbindungen auf 50 beschränken, lautet die Zeile stattdessen »127.0.0.1 50«. Um aus einem bestimmten Netz, zum Beispiel 10.0.0.0/8, jede Verbindung zu verhindern, schreibe ich »10.0.0.0/8 0«.

So ausgerüstet ist mein nächster Chat gesichert – auch in der Fremde. Es geht ja nicht an, auf einen Plausch unter Freunden zu verzichten, nur weil die Schinkenstraßen-Internetcafés auf Mallorca kein SSH anbieten. (jk)

Infos

[1] Irssi: [http://www.irssi.org]

[2] CGI::IRC: [http://cgiirc.sourceforge.net]

[3] Installationstipps: [http://cgiirc.sourceforge.net/docs/install.php]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.

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