Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Mehrere Ereignisse verdienen bei Debian das Prädikat “Novum”. In Frankreich haben sich Entwickler zusammengetan und Debian France aus der Taufe gehoben, und zwar mit einem offiziellen Rechtsstatus. Außerdem haben die Entwickler für Sarge einen grafischen Installer eingeführt. Ganz persönliche Glückwünsche gehen überdies an Chris Halls, der aktiv beim Debian-Open-Office-Port mitarbeitet: Er bekam Nachwuchs und ist nun stolzer Vater.
Debian France gegründet
Gleich mehrere Debian-Entwickler gaben kürzlich auf der Planet-Seite von Debian [1] bekannt, dass sie das Debian-France-Projekt gegründet haben. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich nicht um einen französischen Fork, eher ist das Gegenteil der Fall: Debian France ist eine Non-Profit-Organisation, die sich um die Belange des Debian-Projekts in Frankreich kümmert, nicht zuletzt um Spenden zu sammeln.
Zwar gibt es in vielen Ländern eine Interessensgruppe zum Thema Debian, doch das Projekt in Frankreich ist ein Novum: Erstmals haben Entwickler einen eingetragenen Verein gegründet, um gezielt Debian zu unterstützen. In Deutschland gibt es den FFIS e.V., der ähnliche Ziele verfolgt, aber im Unterschied zu Debian France alle Projekte vertritt, die sich um Unterstützung bewerben.
Treffen in Frankreich
Zur Gründung des neuen Projekts kamen viele französische Entwickler in Vandoeuvre zusammen. Das Vereinsrecht in Frankreich sieht vor, dass sich an Ort und Stelle genügend Menschen treffen, um die erforderlichen Papiere auszufüllen. Gründungsmitglied ist nur, wer tatsächlich anwesend war. Einigen französischen Entwicklern blieb dieser Status verwehrt, sie hatten es nicht zur Versammlung geschafft.
Vor der Mitgliederwerbung braucht der frisch gebackene Verein allerdings noch Statuten und eine Verwaltung. Die Gründer sind aber guten Mutes, diese Strukturen bald zu schaffen. Hat das Projekt Erfolg, könnte das Beispiel in anderen Ländern Schule machen. Im Sinne der Vertretung des Debian-Projekts wäre dies wünschenswert.
Grafische Installation
Endlich findet eine große Veränderung in den Quellen des Debian-Installers statt: Es gibt ihn jetzt auch grafisch geführt (Abbildung 1), also bunt und zum Klicken, was einen heftigen Kritikpunkt an Debian weitgehend ausräumt. Wer einen Debian-Installer-Snapshot von der Website [2] lädt und am Boot-Prompt den »installgui«-Modus wählt, landet in einer grafischen Installationsumgebung.

Abbildung 1: Bunt und klickbar – den Debian-Benutzer erwartet eine grafische Oberfläche. Das Ganze arbeitet im Framebuffer.
Anders als erwartet werkelt im Hintergrund aber nicht X11. Statt eines grafischen Servers kommt eine Framebuffer-Lösung zum Einsatz. Directfb und GTK++-Directfb sorgen für die grafische Umsetzung. Das heißt jedoch, dass der grafische Modus bis jetzt nur mit Intel- und PowerPC-Prozessoren funktioniert, auf anderen Architekturen arbeitet Directfb nicht oder nicht fehlerfrei.
Der Unterschied zwischen der grafischen und der textbasierten Installation ist bis dato noch nicht allzu groß, überwiegend sind die gleichen Fragen zu beantworten. Der Benutzer wählt dazu aus vorgegebenen Antworten aus oder tippt Werte und Befehle ein.
Das soll sich aber bald ändern: Ein Entwickler arbeitet an einem grafischen Programm zum Partitionieren der Festplatte, um damit später das Installer-interne Modul zu ersetzen. Auch andere Module von Etch, das als Debian 4.0 erscheinen wird, wollen sie verbessern und optisch aufbereiten. Es sollen während der Installation sogar einige integrierte Spiele die Langeweile vertreiben. (uba)
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Infos |
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[1] Debian-Planet-Seite:[http://planet.debian.org] [2] Debian-Installer-Homepage: [http://www.debian.org/devel/debian-installer/] |
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Der Autor |
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Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und wartet auf den Beginn des Wintersemesters. Neben Pinguinen findet er auch Äpfel toll. |
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