Die Weltmeisterschaft ist zwar vorbei, hat aber offene Wunden hinterlassen. Ein Linux-Magazin-Redakteur beschreibt, wie ihn die Einrichtung eines netzweiten DVB-Streams beinahe in den Wahnsinn trieb.
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66 | Bitparade Sorgenkind PDF: Trotz offen gelegter Standards beherrscht kein Reader alle Features. 72 | Metacity-Erweiterungen Brightside und Devil’s Pie erweitern den Gnome-Fenstermanager um praktische Funktionen. 76 | Tooltipps Sechs Programme im Kurztest: Steganografie, Video-Tools und Filesharing. |
Fußballfans gibt es in unserer Redaktion zwar nicht sehr viele. Trotzdem wollen während der Weltmeisterschaft einige auf ihrem Desktop gerne das Nachmittags- und – je nach Schichtende – auch das Abendspiel sehen. Ein DVB-T-Empfänger zu Testzwecken ist vorhanden. Weil DVB nichts anderes als ein Mpeg-Strom ist, sollte es nicht allzu schwer sein, diesen Stream im lokalen Netz zu verteilen.
Nicht ohne meine Channels.conf
Eine Google-Suche nach “DVB Streaming Linux” führt schnell zu einigen Programmen, die genau das zu tun versprechen, was ich will. Den ersten Versuch starte ich mit DVB-Streamer. Dieser Streaming-Server braucht – wie die meisten Linux-DVB-Programme – eine Datei mit den Sendefrequenzen, Modulationsarten und anderen Details des lokalen DVB-Senders, also die unter Linux-DVB-Anwendern bekannte Channels.conf. Warum die Programme nicht selbst – wie die meiste Windows-Software – diese Daten herausfinden, bleibt ein Rätsel.
Mit der passenden Channels-Datei lässt sich DVB-Streamer auch ohne weiteres starten, doch schon das erste Kommando schlägt fehl. Kein Wunder, schließlich steht es auch auf der Homepage falsch geschrieben (es heißt »services«, nicht »service«). Oft lässt sich das Programm nicht einmal mehr beenden.
Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Trotz vieler Versuche, den Stream mit verschiedenen Kommandos zum Laufen zu bringen, gebe ich schließlich entnervt auf und wende mich dem nächsten Kandidaten zu. Möglicherweise liegt es daran, dass ich einen USB-DVB-Empfänger einsetze, wovor Kollege Mirko immer wieder warnt: “Die Dinger funktionieren nicht.” Unser Modell tut es eigentlich schon, nur DVB-Streamer will eben nicht.
Command Line für die Profis
Das zweite Programm heißt DVB-Stream und ist schon etwas älter. Deshalb ist seine Website auch nicht mehr erreichbar. Ohne auf langweilige Details einzugehen: DVB-Stream schafft es nicht mal, den Fernsehkanal richtig zu tunen, vom Streaming ganz zu schweigen. Auch das Videobuch von Suse-Press hilft nicht weiter, das entsprechende Kapitel gibt im Wesentlichen nur die Programmdokumentation wieder.
Selber schuld, wer sich auf solche Experimente einlässt, schließlich gibt es doch auch gute und erprobte Programme, etwa den Video-LAN-Client VLC. Dass viel Dokumentation im Netz veraltet ist, versteht sich fast von selbst, denn mittlerweile streamt man nicht mehr mit dem VLS (S steht für Server), sondern dem VLC (C steht für Client), aber das muss ja nicht stören.
Mehr Probleme macht das VLC-GUI, das es nachhaltig verhindert, die richtigen DVB-Parameter einzugeben. Aber wofür hat man schließlich eine Command Line? Die VLC-Dokumentation schlägt etwas in dieser Art vor:
vlc -v --color --ttl 12 --ts-es-id-pid
--programs=513,514 dvb: --dvb-modulation=16
--dvb-bandwidth=7 --dvb-frequency=212500000 --sout=rtp{dst=239.0.1.3,port=1234,sdp
--sout-standard-mux=ts --sout '#duplicate
{dst=std{dst=address1},select=
"program=513",dst=std{dst=address2},
select="program=514"}'
Noch Fragen? Tatsächlich kann VLC den Sender tunen und gibt auf der Kommandozeile sogar einige Programminfos aus, einen Stream bringe ich aber auch nach längerem Probieren nicht zustande. Das ist auch kein Wunder, denn die Dokumentation erklärt nur im Ansatz, was der obige Wust soll. Wie genau hängen hier die Protokolle SDP und RTP zusammen und wieso ist es nötig, den Stream zu duplizieren?
Auch eine Lösung mit Gstreamer scheidet aus, denn das Gnome-Multimedia-Framework beherrscht in der aktuellen Version kein DVB. Bleibt noch der bewährte KDE-Player Kaffeine, zu dem Kollege Marcel reflexartig rät. Tatsächlich ist es damit möglich, über einen Menü-Eintrag den empfangenen DVB-Stream weiterzuschicken. Doch was ist das? Schwere Aussetzer, Ruckeln bis zum Einfrieren des Programms: Schon mit nur einem Zuseher bricht der Stream in kurzer Zeit zusammen und blockiert auch noch den Kaffeine-Sender auf meinem Desktop. In einigen Fällen bleibt nur der Reboot als letzter Ausweg.
An dieser Stelle muss ich den wartenden Kollegen die traurige Nachricht vom Ende meines Streaming-Pilotprojekts überbringen, denn schließlich gibt es noch eine Zeitschrift zu produzieren. Ein Gutes hat die Sache aber: Das Gerät steht nun wieder beim Händler und wir sparen uns die GEZ-Gebühren.
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