Aus Linux-Magazin 08/2006

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

OpenWRT bringt Linux auf WLAN-Router und fördert damit das Entstehen großer Netze für Privathaushalte, das Derivat FreeWRT will das Ganze an professionelle Ansprüche anpassen. Wer keine eigene Compile-Farm sein Eigen nennt, findet beim Build-Service von Open Suse Unterstützung.

Wireless LANs sorgen in vielen Haushalten für Vernetzung ohne Kabelsalat. Meist kümmert sich ein Router um den gemeinsamen Internetzugang der internen Rechner. Viele DSL-Anbieter bieten Neukunden WLAN-Router preisgünstig oder sogar kostenlos an. Mit ihrem geringen Strom- und Platzverbrauch sowie ihrer Geräuscharmut kann kein als Router konfigurierter PC mithalten.

Das Manko solcher Router liegt jedoch in der eingeschränkten Flexibilität. Die mitgelieferte Firmware erfüllt in billigen Geräten nur die Kernaufgabe: das Routing zwischen Internet und internem Netz. Zusatzfähigkeiten wie Port-Forwarding gehören oft auch noch zu ihrem Repertoire, aber damit erschöpft es sich bereits. Wer weitere Software auf dem Router verwenden möchte, benötigt ein passendes Betriebssystem.

Abbildung 1: Fon möchte ein weltweites WLAN auf die Beine stellen; in vier Jahren sollen eine Million Accesspoints funken. Finanzkräftige Sponsoren sorgen für stetiges Wachstum.

Abbildung 1: Fon möchte ein weltweites WLAN auf die Beine stellen; in vier Jahren sollen eine Million Accesspoints funken. Finanzkräftige Sponsoren sorgen für stetiges Wachstum.

Zwischen PC und Embedded

Die gute Nachricht: Viele dieser Minirechner funktionieren auch mit Linux. Die Distribution OpenWRT [1] bringt das freie Betriebssystem seit 2004 auf eine wachsende Anzahl von WLAN- und Ethernet-Routern. Das OpenWRT-Projekt nahm seinen Anfang auf Basis einer Entwicklung der Firma Linksys, die ihren Router WRT54G (Abbildung 2) mit Linux als Standardfirmware auslieferte. Daraus entstand die erste Version von OpenWRT, die sich mittlerweile auch auf anderen Geräten als dem genannten von Linksys betreiben lässt [2], eine vollständige Liste führt die OpenWRT-Homepage [1].

Abbildung 2: Der Hersteller Linksys lieferte erstmals Router mit Linux als Firmware aus und schuf damit die Grundlage für OpenWRT.

Abbildung 2: Der Hersteller Linksys lieferte erstmals Router mit Linux als Firmware aus und schuf damit die Grundlage für OpenWRT.

Um mit dem begrenzten Speicherplatz auf den Minimalsystemen der Router zurechtzukommen, verwendet OpenWRT die schlanke C-Bibliothek U-Clibc [3] sowie Busybox [4], das eine Shell und einige Kommandozeilenwerkzeuge Ressourcen-schonend implementiert. Zahlreiche fertige OpenWRT-Pakete stehen zur Installation bereit, darunter ein Telnet-, ein SSH- und ein NFS-Server.

Für das Webinterface zur Router-Konfiguration ist Lighttp [5] verfügbar, das natürlich auch andere Webseiten serviert. Wer zeitkritischen Netzanwendungen Priorität einräumen möchte, verwendet unter OpenWRT Traffic Shaping, was mit herkömmlicher Router-Firmware meist ebenfalls unmöglich ist.

Freie Gemeinden

Weitere Projekte haben sich OpenWRT zunutze gemacht, um WLAN-Router für andere Aufgaben zu konfigurieren. Ein beliebter Anwendungsfall sind so genannte Mesh-Netzwerke, in denen jeder Accesspoint in einem dezentralen Netz gleichzeitig als Repeater fungiert und Anfragen anderer angeschlossener Knotenpunkte im internen Netz oder ins Internet weiterleitet.

Die Initiative Freifunk ([6], [7]) stattet die OpenWRT-Standardinstallation mit dem Protokoll OLSR aus, um Mesh-Netzwerke zu realisieren. Bei ihr handelt es sich um ein nicht kommerzielles Projekt, das das Internet als Kommunikationsmedium in Form freier Netzwerke möglichst allgemein zugänglich machen möchte. Dadurch soll eine Alternative zu kommerziellen Internetanbietern entstehen, in der sich beispielsweise die Bewohner eines Stadtteils gemeinsam eine Netzinfrastruktur aufbauen.

Für den Übergang solcher interner Netze zum Internet benötigen sie natürlich nach wie vor Internetanbieter, jedoch reichen einige wenige private DSL-Anschlüsse als Verbindungspunkte, falls das Mesh-Netzwerk eine zuverlässige Verbindung schafft.

Foneros

Einen ähnlichen Ansatz, jedoch mit wirtschaftlichem Hintergrund, verfolgt Fon [8]. Dieses Projekt verwendet wie die Freifunk-Initiative mit OpenWRT ausgestattete Router, um langfristig sogar weltweit ein System von WLAN-Hotspots aufzubauen. Gegenwärtig befindet sich Fon aber noch in der Betaphase, in der es möglichst viele Accesspoints aufstellen möchte. In den nächsten vier Jahren sollen insgesamt eine Million Fon-Router weltweit das Rückgrat des Projekts bilden. Bisher haben sich insgesamt 30000 Teilnehmer registriert.

Nach den Anfängen in Nordamerika und Spanien unterhält Fon jetzt auch in Deutschland einige Zugangspunkte (siehe Abbildung 1). Neuen Mitgliedern bietet Fon den bereits erwähnten WLAN-Router von Linksys zum Sonderpreis von 25 Euro an, bereits für die Benutzung als Fon-Hotspot vorkonfiguriert.

Die so genannten Foneros soll es künftig in drei Kategorien geben: Ein Linus stellt seinen Internetanschluss per WLAN anderen Fon-Teilnehmern kostenlos zur Verfügung. Ein Alien ist ein Fonero ohne eigenen Internetanschluss, der andere Fon-Hotspots gegen Entgelt mitbenutzt – von zwei bis drei Euro für 24 Stunden ist dabei die Rede. Das dritte Profil trägt den Namen Bill, diese Benutzer stellen ihre bestehenden Internetanschlüsse gegen einen Anteil der Gebühr zur Verfügung, den die Aliens bezahlen. Im Gegenzug entrichten Bills für den Zugang zu anderen Fon-Hotspots ebenfalls einen Beitrag. Da es allerdings noch kein Abrechnungssystem gibt, sind die Kategorieren Bill und Alien bislang noch Zukunftsmusik, es gibt gegenwärtig lediglich Linus-Foneros.

Die zurzeit verfügbaren Fon-Hotspots nützen durch die technisch bedingt geringe Reichweite jedoch nur jenen Foneros, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen oder unterwegs sind. Von flächendeckender Versorgung kann also noch lange keine Rede sein. Dank einiger finanzkräftiger Sponsoren wie Google und Skype sowie der spanischen Telefon- und Internetprovider Ya und Jazztel – sie subventionieren die Anschaffung neuer Router – scheinen aber die hochgesteckten Ziele langfristig durchaus erreichbar zu sein.

Juristische Probleme

Die rechtliche Lage für Foneros ist jedoch zumindest in Deutschland umstritten. Der gewerbliche Hintergrund könnte dafür sorgen, dass die Foneros denselben juristischen Vorschriften unterliegen wie andere Internetprovider – und bevor das Abrechnungssystem startet, ist hierzu auch noch keine juristische Klarheit zu erwarten.

Zu den Pflichten kommerzieller Internetanbieter in Deutschland gehört es unter anderem, Behörden das Abhören der Kommunikation zu ermöglichen. In der ganzen EU soll darüber hinaus künftig ein Gesetz sie dazu zwingen, den gesamten Datenverkehr mitzuschneiden und zur eventuellen späteren Strafverfolgung monatelang zu speichern. Diese für Privathaushalte unüberwindbare Hürde könnte Fon seine Teilnehmer kosten. Ob auch nicht kommerzielle Initiativen wie Freifunk unter diese Bestimmungen fallen, ist ebenfalls umstritten.

Auch von anderer Seite droht OpenWRT Ungemach: Trotz seiner respektablen Verbreitung teilt das Projekt nämlich nun das Schicksal zahlreicher weiterer Open-Source-Projekte: Unstimmigkeiten unter den Entwicklern haben zu einem Fork geführt. Der langjährige OpenWRT-Entwickler Waldemar Brodkorb nennt in einem offenen Brief an die OpenWRT-Community [9] vor allem die mangelhafte projektinterne Kommunikation und die Präsentation nach außen als jene Gründe, aus denen er auf Basis von OpenWRT das neue Projekt FreeWRT [10] starten möchte.

Zwei Wege nach Rom

Als Ziele für FreeWRT beschreibt Brodkorb neben einem informativen und professionellen Webauftritt eine höhere Zuverlässigkeit mit regelmäßigen Veröffentlichungen und möglichst kleinen Änderungen zwischen den Versionen. Künftig sollen Benutzer neue Firmware-Images für ihre Router unter Linux, Windows und Mac OS X kompilieren können und der Update-Mechanismus von FreeWRT soll zuverlässig bestehende Einstellungen beibehalten.

Neuen Entwicklern und Softwarepaketen möchte der FreeWRT-Gründer mit nachvollziehbaren Richtlinien den Einstieg leicht machen. Der Implementation neuer Features räumt Brodkorb eine niedrigere Priorität ein. So soll FreeWRT neue Hardware nur dann unterstützen, wenn der Port die Stabilitätskriterien erfüllt. OpenWRT legt dagegen großen Wert darauf, auf möglichst vielen Routertypen zu funktionieren.

Brodkorb möchte OpenWRT nicht vollständig verlassen und verspricht auch nicht, dass FreeWRT jedes der hochgesteckten Ziele erreichen wird. FreeWRT soll keine Konkurrenz, sondern eine Alternative zu OpenWRT sein, vor allem für den Einsatz im professionellen Umfeld. Als Interessenten nennt er Firmen wie Linksys und Cisco. Durch das Zurückportieren von Bugfixes profitieren die beiden dann parallel existierenden Projekte von der Arbeit der Entwickler des jeweils anderen.

Marke Eigenbau

Wer freie Software schreibt, erleichtert Interessenten mit fertigen Paketen die Installation. Ein RPM einzuspielen statt sich manuell um die Abhängigkeiten und später um die Deinstallation zu kümmern, senkt jedenfalls die Hemmschwelle zögerlicher Benutzer. Vor allem Hobbyentwicklern mangelt es allerdings an einer vollständigen so genannten Compile-Farm mit verschiedenen Architekturen und Distributionen, um saubere RPMs zu erzeugen.

Das Open-Suse-Projekt will freien Entwicklern die Arbeit erleichtern und stellt unter [11] den Open Suse Build Service zur Verfügung. Registrierte Benutzer laden hier Quellcode-Pakete und ein spezielles RPM-Specfile hoch, der Server schnürt daraus RPM-Pakete für Suse, Fedora und Mandriva.

Die Entwickler kontrollieren ihre Build-Projekte entweder über ein Webinterface (siehe Abbildung 3), über das Kommandozeilentool OSC, das auf der Build-Service-Homepage zum Download bereitsteht, oder über selbst entwickelte Tools, die sich das Build-Service-API zu Nutze machen. Die Specdatei für den Build-Service ähnelt den Specfiles, die bei einem gewöhnlichen Prozess fürs RPM-Erzeugen zum Einsatz kommen, allerdings ergänzt um Build-Service-spezifische Schlüsselwörter.

Abbildung 3: Open Suse erleichtert Projektentwicklern das Kompilieren ihrer Projekte in unterschiedlichen Umgebungen.

Abbildung 3: Open Suse erleichtert Projektentwicklern das Kompilieren ihrer Projekte in unterschiedlichen Umgebungen.

Als Ergebnis erhält der Programmierer für 32- und 64-Bit-PCs kompilierte RPMs mit automatisch definierten Abhängigkeiten für die verschiedenen Distributionen. Endbenutzer haben den Vorteil, dass sie über den Build-Service stets an aktuelle Pakete gelangen.

Alpha, Beta, los!

Der Paketdienst befindet sich allerdings noch im Alphastadium seiner Entwicklung. Trotzdem steht er Interessenten bereits jetzt kostenlos zur Verfügung und erfüllt seine Kernaufgaben. Die Registrierung erfolgt per Mail. Im dritten Quartal 2006 will Open Suse in die Betaphase übergehen, in der alle Funktionen realisiert sein und auf Fehler geprüft werden sollen.

Sobald der Build-Service wie geplant funktioniert, möchte Open Suse damit beginnen, neue Funktionen hinzuzufügen und weitere Paketformate zu unterstützen. Als Kandidaten nennt die Dokumentation LSB-Pakete sowie Klik- und Xen-Imagedateien. Zusätzliche Metainformationen in den Paketbeschreibungsdateien sollen darüber hinaus die Definition beliebiger anderer Linux-Distributionen und ihrer spezifischen Umgebungen ermöglichen. Lediglich DEB-Pakete für Debian-basierte Distributionen tauchen in den Zukunftsplänen bislang noch nicht auf.

Wurstpfannkuchen mit Gurkensalat

Zutaten für zwei Personen: Eine Gurke, zwei Zwiebeln, ein Esslöffel Essig, zwei Esslöffel Öl, Salatkräuter, 150g Mehl, 175 ml Milch, zwei Eier, eine Prise Salz, Pfeffer, Wurst nach Geschmack. Besonders gut schmecken Debreziner, zur Not tun es aber auch Schinkenwürfel.

Aus Essig, Öl, Pfeffer, Salz und Salatkräutern eine Salatsauce bereiten und die klein gehackten Zwiebeln sowie die in dünne Scheiben geschnittene Gurke hinzugeben. Den Salat gut vermischen und mindestens eine Stunde lang ziehen lassen.

Mehl, Milch und Eier in einer großen Schüssel vermischen und so lange rühren, bis ein glatter, nicht allzu flüssiger Teig entsteht. Diesen mit Salz abschmecken und danach die in Würfel geschnittene Wurst hinzugeben und einrühren. Danach pro Pfannkuchen einen Schöpflöffel Teig in eine Pfanne mit erhitztem Öl geben und die Pfannkuchen von beiden Seiten goldbraun backen.

Den Gurkensalat eignet sich als Beilage; noch besser schmeckt es, wenn man ihn in die Pfannkuchen einrollt.

Infos

[1] OpenWRT: [http://openwrt.org]

[2] Arnim Wiezer, Dirk von Suchodoletz, Mirko Dölle, “Hochgeladen”: Linux-Magazin 4/05, S. 104

[3] U-Clibc: [http://uclibc.org]

[4] Busybox: [http://www.busybox.net]

[5] Lighttp: [http://www.lighttpd.net]

[6] Freifunk: [http://freifunk.net]

[7] Jürgen Neumann, Iris Rabener, Ulrich Wolf, “Funk für die Massen”: Linux-Magazin 12/03, S. 44 und [https://www.linux-magazin.de/Artikel/ausgabe/2003/12/044_freifunk/freifunk.html]

[8] Fon: [http://www.fon.com]

[9] Offener Brief von Waldemar Brodkorb: [http://openbsd-geek.de/archives/224-An-open-letter-to-the-OpenWrt-community.html]

[10] FreeWRT: [http://www.freewrt.org]

[11] Open Suse Build Service: [http://build.opensuse.org]

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