Aus Linux-Magazin 08/2006

Neues bei Debian

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Neue Pakete in Debian gehen einen festgelegten Weg: hochladen ins Archiv, Ankunft im Entwicklerzweig Sid, Weiterleitung zum Testing-Zweig, Landung in der stabilen Variante. Lädt ein Entwickler ein Paket hoch, das so zuvor noch nicht existierte oder gänzlich neu ist, muss es zunächst durch die New-Queue.

Das ist schon aus juristischer Sicht nötig. Einige Leser erinnern sich sicher noch an das so genannte “Non US”-Archiv, in dem bis vor einigen Jahren Software mit kryptographischen Funktionen aller Art untergebracht war. Grund war, dass Verschlüsselungs-Software damals in den USA Exportbeschränkungen unterlag.

Sisyphusarbeit

Offiziell zeichnen die FTP-Master für die New-Queue verantwortlich, sie prüfen die dort aufgelaufenen Pakete und winken sie günstigenfalls durch. Dieser Prozess lässt sich nicht automatisieren. Genau darin liegt das Problem: Weil viele FTP-Master nicht genügend Zeit haben, stapeln sich in der New-Queue (Abbildung 1) oft 250 oder mehr Pakete. Das ärgert betroffene Entwickler, weil ihre Resultate über Wochen und Monate Schimmel angesetzt haben, wenn sie in die Distribution kommen.

Abbildung 1: Schlange stehen in der New-Queue zählt zur leidigen Wegstrecke der neu eingereichten Pakete.

Abbildung 1: Schlange stehen in der New-Queue zählt zur leidigen Wegstrecke der neu eingereichten Pakete.

Andererseits winken die FTP-Master auf explizite Anfrage des Release-Teams wichtige Schlüsselpakete außerhalb der Reihe durch. Das Gros der Pakete hängt aber fest, der Paketfluss für den Unstable-Zweig versiegt und damit auch der für Testing. Neuerungen gibt es dann oft über Wochen hinweg nicht.

Erst kürzlich hat Debian-Entwickler Jörg Jaspert, der letztes Jahr eigens als Entlastung für die bisherigen FTP-Master dem Projekt beigetreten war, diesen Berg zwar teilweise abgetragen. Auf Dauer kann aber nicht die komplette Verantwortung für die New-Queue auf seinen Schultern liegen. Viele Debian-Entwickler bemängeln auch, dass das FTP-Master-Team auf dem Papier zwar viele Mitglieder habe, sich einige davon aber vornehm zurückhielten. Das New-Problem wird damit zur Betriebsbremse.

Ärger zur Debconf

Jonathan alias Ted Walther ist in der Debian-Gemeinschaft kein unbeschriebenes Blatt: Durch frauenfeindliche Äußerungen war er in der Vergangenheit, auch als er für den Posten des Debian Project Leader kandidierte, unangenehm aufgefallen. Beim diesjährigen Debian-Entwicklertreffen Debconf 6 in Mexiko kam es jetzt zum Eklat.

Es ist bewährter Brauch bei den Entwicklertreffen, ein gemeinsames, formelles Abendessen abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit bekommt auch der neu gewählte Debian Project Leader symbolisch eine Krone aufgesetzt. Auch Ted Walther nahm an dem Essen teil. Die Ereignisse dieses Abends füllten dann in einigen Foren die Spalten, auch beim Debian-Blog-Sammler [1] meldeten sich Entwickler und gaben zu Protokoll, was sich ereignet haben soll.

Ted Walther war demnach zum Essen nicht alleine erschienen, sondern mit einer Dame im Schlepptau, die er Hilda nannte und in der Runde als Geschäftsfrau vorstellte. Die Entwickler hatten, wie in Kommentaren zu lesen ist, an dieser Vorstellung ihre Zweifel, auf sie wirkte die mitgebrachte Dame wie eine Prostituierte.

Was dann genau passierte, ist nicht vollständig rekonstruierbar. Tatsache ist, dass einige Entwickler kurze Zeit später Ted Walther des Saales verwiesen haben. Am folgenden Tag gab das Debconf-Organisationskomitee bekannt, es habe einen Teilnehmer der Konferenz zur Abreise aufgefordert. Offiziell gab es keine Namensnennung. Viele Teilnehmer neigen aber dazu, eins und eins zusammenzuzählen. (uba)

Infos

[1] Debian-Blog-Seite Planet Debian:[http://planet.debian.org]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Schüler aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit dabei, die Debian GNU/Linux-Distribution weiterzuentwickeln. Momentan arbeitet er am Debian-Desktop-Projekt.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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