Aus Linux-Magazin 06/2006

Tooltipps

Change 1.31

Kommandozeilenwerkzeug

Quelle: [ftp://ftp.berlios.de/pub/change]

Lizenz: GPL

Alternative: Sed

Wer schnell Texte in einer oder mehreren Dateien ersetzen will, ohne sich in die komplizierte Sed-Syntax einzuarbeiten, findet bei Change von CD-Record-Autor Jörg Schilling Hilfe. Die Anwendung installiert sich standardmäßig ins Verzeichnis »/opt/schily/bin«. Die einfachste Form des Aufrufs lautet

change Haus Hütte test.txt

und tauscht in der Datei »test.txt« jedes Vorkommen von »Haus« gegen »Hütte« aus. Standardmäßig ersetzt der »change«-Aufruf den Begriff jedes Mal; die Option »-« gefolgt von einer Zahl legt jedoch eine maximale Anzahl von Ersetzungen pro Zeile fest. Zusätzlich arbeitet das Tool mit »-i« im interaktiven Modus, in dem es vor jeder Änderung beim Benutzer um Erlaubnis fragt.

Tippfehler bleiben ohne Folgen, da Change immer eine Sicherheitskopie der Originaldatei mit der Endung ».bak« anlegt, sofern die Option »-nobak« es ihm nicht untersagt. Auch im Standardmodus zeigt das Programm auf Wunsch alle Treffer vor oder nach dem Ersetzen zur Kontrolle an.

***– Change erweist sich dank seiner einfachen Syntax als ausgesprochen handliches Werkzeug zum schnellen Ändern von Textstellen. Mit der Vielseitigkeit von Sed kann das Programm zwar nicht mithalten, es ist jedoch wesentlich einfacher zu bedienen und den meisten Ersetzungsaufgaben des Alltags gewachsen. #(Andrea Müller)

Meld 1.1.3

Grafischer Diff- und Merge-Ersatz

Quelle: [http://meld.sourceforge.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Diff und Merge, TK-Diff

Diff in allen Ehren, aber bei größeren Änderungen in einer Textdatei gerät die Ausgabe schnell unübersichtlich. Meld bekommt das Chaos in den Griff. In seiner grafischen Oberfläche sieht der Anwender die optisch hervorgehobenen Unterschiede sofort und schiebt die passenden Textbausteine bequem mit der Maus hin und her.

Das in Python und GTK entwickelte Programm hebt Differenzen zwischen verschiedenen Versionen eines Texts farbig hervor; es vergleicht bis zu drei Dokumente zugleich. Mit Hilfe von Regular Expressions filtert es unliebsame Teile aus dem Quelldokument automatisch heraus, es prüft Neuzugänge in einem CVS-Repository und stellt auf Wunsch Zeilennummern ein. Manuelle Änderungen nimmt der Anwender direkt im eingebauten Texteditor vor.

Meld vergleicht auch die Inhalte von Verzeichnissen, in denen es abwesende Dateien und Neuzugänge markiert. Es beschränkt sich wie Diff auf das Textformat, als Allheilmittel beispielsweise für Open-Office-Dokumente oder andere Formate ist es aber nicht konzipiert.

***– Meld ersetzt natürlich kein echtes Versionskontrollsystem wie CVS oder SVN, unterstützt aber durchaus den täglichen Kampf gegen das Versionschaos. (Kristian Kißling)

Dia 0.94

Diagrammzeichnungen

Quelle: [http://www.gnome.org/projects/dia]

Lizenz: GPL

Alternativen: Open Office Draw, Incscape

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, egal ob es um Netzwerk-Topografien oder Prozessabläufe geht. Das Programm Dia ist Teil praktisch jeder Distribution und zeichnet ansprechende Skizzen. Aus vorgegebenen Vektorgrafiken und frei einsetzbaren Werkzeugen stellt der Nutzer Flussdiagramme her und entwirft Schemata in beliebiger Größe. Er konfiguriert die Farben frei, zeichnet kurvige Figuren und untertitelt sie mit passenden Textkästen.

Ein paar Kleinigkeiten stören bei der Bedienung: Um Linien zu zeichnen, muss man jedes Mal das entsprechende Werkzeug neu aufrufen. Zudem verabschiedet sich das Werkzeugfenster in den Hintergrund, wenn der Konstrukteur es nicht gezielt auf der Oberfläche festpinnt.

Anders als Open Office Draw bringt Dia auch spezielle Symbole mit: Sysadmins werden ebenso fündig wie Elektrotechniker und Software-Entwickler. Fertige Grafiken druckt der Anwender aus oder exportiert sie unter anderem in die Formate PNG, SVG, EPS oder XFIG.

***– Dia enthält noch Bugs und stürzt mitunter sogar ab. Auch zeigen andere Programme die in Dia erzeugten Dokumente teilweise falsch an. Wer die Mängel akzeptiert und ein wenig probiert, kann mit Dia trotzdem produktiv arbeiten. (Kristian Kißling)

Wengophone 0.99/NG
0.958m

VoIP-Telefon

Quelle: [http://www.openwengo.com]

Lizenz: GPL

Alternativen: Skype, Ekiga, X-Lite

Die Entwickler des Openwengo-Projekts wollen mit ihrer selbst entwickelten freien VoIP-Software Wengophone wohl dem proprietären Skype Konkurrenz machen. Der französische Voice-over-IP-Provider Wengo, ein Partner der französischen Telekommunikationsfirma Neuf Telecom unterstützt sie dabei. Das Design der Software macht sich auch schon recht gut: Es scheint zwar von Skype abgekupfert zu sein, ist aber nicht so überfrachtet.

Es gibt zwei Versionen der VoIP-Lösung: Wengophone Classic und Wengophone NG. Bei der ersten handelt es sich um eine als stabil firmierende Release, die seit Version 0.99 nur noch Bugfixes erhält. Im Test mit den aktuellen Versionen von Suse, Fedora und Ubuntu verabschiedeten sich jedoch beide Wengophone-Varianten regelmäßig mit Speicherzugriffsfehlern; außerdem funktionierte der Sound nicht oder kam stark verzerrt beim Gesprächspartner an.

Bei Wengophone NG (Next Generation) handelt es sich um den Nachfolger von Classic. Neue Features fließen nur noch in seinen Quellcode ein, bisher verhält sich NG aber wie der Vorgänger.

*—- Die ansprechende Oberfläche kann der Benutzer angesichts der häufigen Abstürze beider Wengophone-Ausgaben nicht genießen: Der Linux-Desktop muss auf eine leicht zu bedienende und freie Skype-Alternative wohl noch warten. (Kristian Kißling)

Crossover Office
5.0.1

Wine-Benutzungsumgebung

Quelle: [http://www.codeweavers.com/products/cxoffice]

Lizenz: Proprietär

Preis: 40 US-Dollar (inkl. sechs Monate Installations-Support) oder 70 US-Dollar (12 Monate voller Support); Mengenrabatte

Alternativen: Wine, Cedega

Eine einzige unentbehrliche Anwendung macht oft die Desktop-Migration von Windows zu Linux unmöglich. Dank Wine (Wine is not an Emulator) laufen aber viele Windows-Programme unter Linux. Leider ist das Programm auch nach zehn Jahren Entwicklungszeit noch nicht ganz fertig. Zwar funktioniert es bereits mit vielen Anwendungen, aber ein häufig erheblicher Konfigurationsaufwand steht vor dem Erfolg.

Diese Lücke kittet die Firma Codeweavers mit Crossover Office. Es besteht aus einem Frontend für die Wine-Konfiguration sowie aus einer Datenbank, die als Flaschen bezeichnete Einträge für Applikationen wie alle MS-Office-Ausgaben von 97 bis 2003, I-Tunes 4.9 und viele mehr verzeichnet. Ein Klick auf einen Eintrag richtet eine Anwendung vollständig ein, inklusive Sound und Netzwerk. Die bei der Wine-Konfiguration sonst oft fälligen Experimente mit verschiedenen Wine- und Applikationsversionen entfallen ebenso wie die Suche nach passenden DLL-Dateien.

Für nicht vorbereitete Anwendungen stellt Crossover Office auf verschiedenen Konfigurationen basierende Umgebungen zur Wahl, mit denen ebenfalls viele Programme umstandslos laufen. Eine kostenlose Schnupperversion erlaubt einen 30-tägigen Test vor dem Kauf.

****- Für Wine-Experten ist Crossover Office überflüssig, wer aber ohne lange Einarbeitung Windows-Programme unter Linux verwenden möchte, spart viel Zeit. (Carsten Schnober)

SSH-Eater 1.1

Abhörschnittstelle für den SSH-Daemon

Quelle: [http://www.gotfault.net/research/tool/ssheater/ssheater-1.1.tar.gz]

Lizenz: GPL

Alternativen: Ettercap

Cracker, die sich Root-Rechte verschafft haben, sammeln gern Informationen über Netzwerk und Accounts. Dabei behindert SSH ihre Neugierde. Der SSH-Eater gibt Datenspionen (und Admins) wieder freie Sicht: Er modifiziert einen laufenden OpenSSH-Daemon so, dass er die Sessions der sich einloggenden Benutzer im Klartext preisgibt.

SSH-Eater klinkt sich in das EVP-Interface der OpenSSL-Bibliothek ein. Diese wählt einen Cipher-Algorithmus über die interne Struktur »EVP_CIPHER«. Das Makro »EVP_Cipher« erhält diese Struktur als Parameter und darin einen Zeiger auf die »do_cipher()«-Funktion, die sich um das Ver- und Entschlüsseln kümmert. Hier setzt SSH-Eater an und verbiegt alle »do_cipher()«-Zeiger auf seinen Code, fängt die unverschlüsselten Daten ab und speichert sie in einer Datei.

Ein einfaches »make« kompiliert den Quellcode ohne Murren. Alles Weitere verlangt Root-Rechte: »./ssheater -p PID« sabotiert den SSH-Daemon. Standardmäßig legt er die Logs in »/tmp/.sshd_log« ab. Feste Dateinamen in »/tmp« sind aus Sicherheitsgründen keine gute Wahl; die Option »-f File« ändert dies.

Praktisch: Das beiliegende Tool »parser« analysiert
den Inhalt der Logdatei. Der Aufruf »./parser -f
/tmp/.sshd_log -a session« listet die Sitzungen aller User,
die in die Falle getappt sind, samt Benutzername,
Authentifizierungstyp und Passwort. Richtig Spaß macht die
Kommandozeilenoption »-p session«: Sie spielt

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