Aus Linux-Magazin 05/2006

Neues von der Community-Distribution

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Nichts Neues bei Debian? Von wegen! Gleich zwei Debatten sorgen für Rummel: Der Streit um die GNU Free Document License ist wieder eskaliert und zudem steht die Wahl zum Debian Project Leader an.

Und täglich grüßt die GFDL

Zur Erinnerung: 2004 hatten die Mitglieder über “formale Veränderungen” am Social Contract abgestimmt. Der Social Contract schreibt Grundlegendes fest – etwa dass Debian frei ist und bleibt. Nach der Abstimmung stellte die Gemeinde fest, dass die Änderungen nicht ganz so marginal sind: Damit wäre es kaum gelungen, Sarge in absehbarer Zeit auf die Beine zu stellen, weshalb die Community die Änderungen auf die Zeit nach der Release verschob.

Schon damals gingen Entwickler auf die Barrikaden, weil sie die vom GNU-Projekt für Dokumentation entwickelte GFDL für nicht frei im Sinne der Debian-Regeln hielten. Die Positionen sind seither festgefahren: Eine Distribution fast ohne Dokumentation sei unzumutbar – und nichts anderes wäre Debian nach dem Entfernen aller unter GFDL lizenzierten Werke -, sagen die einen. Die Hardliner andererseits wollen alle GFDL-Objekte entfernen.

Neues Spiel

Im März stand erneut eine Abstimmung zum Thema an. Mehrere Entwürfe für den Kurs in Sachen GFDL treten gegeneinander an: Sind alle GFDL-Objekte für Debian ungeeignet? Soll lediglich die Dokumentation aus dem »main«-Teil in den »non-free«-Teil ausgelagert werden? Sind die Werke gar für den »main«-Zweig tauglich? Das Ergebnis stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest, es wird aber unter [1] zu finden sein.

Kandidatenflut

Im Grunde können die Entwickler nach der GFDL-Wahl ihre Mutts oder Pines gleich offen lassen: Auch die jährliche Wahl des Debian Project Leader steht an. Sieben Kandidaten haben sich selbst aufgestellt: Rekord bei der Anzahl an Kandidaten. Das Feld der Teilnehmer ist bunt gemischt.

Der Niederländer Jeroen van Wolffelaar (Abbildung 2) ist Entwickler, mit 23 Jahren sehr jung und noch nicht lange bei Debian – Anfang 2005 trat er bei. Er tritt gegen erfahrene Konkurrenten an: Ari Pollak aus den USA hat zwar keine Ämter inne, doch arbeitet er stetig unter der Debian-Haube und sorgt für viele funktionierende Teile. Ähnlich zu charakterisieren sind Steve McIntyre und Bill Alombert. Andreas Schuldei (Abbildung 1) dürfte vielen bekannt sein, er ist bei der Debian-Entwicklerkonferenz so etwas wie der Schlüsselorganisator. Auch der ehemalige Release-Manager Anthony Towns versucht erneut die Entwickler für seine Ideen zu begeistern.

Abbildung 1: Andreas Schuldei (links) ist einer der insgesamt sieben Kandidaten für das Amt des Debian Project Leader.

Abbildung 1: Andreas Schuldei (links) ist einer der insgesamt sieben Kandidaten für das Amt des Debian Project Leader.

Abbildung 2: Jeroen van Wolffelaar tritt als jüngster Kandidat und zum ersten Mal bei der Wahl zum Debian Project Leader an.

Abbildung 2: Jeroen van Wolffelaar tritt als jüngster Kandidat und zum ersten Mal bei der Wahl zum Debian Project Leader an.

Erinnern dürften sich die meisten Insider auch noch an den Kanadier Jonathan Walther, der in diesem Jahr wieder sein Glück versucht. Vergangenes Jahr hatte er unter anderem mit frauenfeindlichen Äußerungen für Trubel gesorgt [2]. Die Mitglieder quittierten das mit dem schlechtesten Ergebnis eines DPL-Kandidaten in der Debian-Geschichte.

Strukturproblem

Der amtierende DPL Branden Robinson trat mit dem Versprechen an, verhärtete Strukturen aufzubrechen. Seine Bilanz fällt diesbezüglich aber dürftig aus. Der künftige DPL wird beweisen müssen, dass er es besser kann. Das Wahlergebnis ist unter [3] zu finden. (uba)

Der Autor

Martin Loschwitz ist Schüler aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit dabei, die Debian GNU/Linux-Distribution weiterzuentwickeln.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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