Aus Linux-Magazin 01/2006

Neues von der Community-Distribution

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Ab sofort berichtet das Linux-Magazin regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Abbildung 1: Die kommende Debian-Release Etch hat noch einen straffen Terminplan vor sich, bevor eine stabile Version auf den FTP-Mirrors liegt.

Abbildung 1: Die kommende Debian-Release Etch hat noch einen straffen Terminplan vor sich, bevor eine stabile Version auf den FTP-Mirrors liegt.

Die Vorbereitungen für die GPLv3, die seit 1991 erste maßgebliche Neuerung der GNU General Public License, schreiten voran. Debian-Entwickler Florian Weimer schlug auf der Debian-Project-Mailingliste [1] vor, dass das Debian-Projekt sich aktiv an der Diskussion um die neue Lizenz beteiligen sollte. Dazu bietet sich Gelegenheit, sobald die Free Software Foundation den ersten Entwurf zur Diskussion stellt.

Pläne für Etch

Wer nach der Release von Debian GNU/Linux 3.0 alias Woody im Jahr 2002 glaubte, in Sachen Verzögerung könne es angesichts der verstaubten Potato-Version nicht schlimmer kommen, sah sich mit Debian GNU/Linux 3.1, Codename Sarge, eines Besseren belehrt: Die brauchte noch länger. Bei der nächsten Version “Etch” soll alles anders werden.Um Release-Pläne zügiger umzusetzen und die Zeit zwischen den Veröffentlichungen effektiv zu verkürzen, kündigte Steve Langasek [2], ständiges Mitglied im Debian-Release-Team, straffere Regeln an. Er legte einen Fahrplan vor, nach dem die Arbeit ablaufen soll. Der Zyklus beginnt am 30. Juli 2006 mit dem Einfrieren der wichtigen Systemkomponenten (Compiler-Toolchain und Kernel), eine Woche später folgt das Freeze des kompletten Basissystems.

Die Entwicklung des Etch-Debian-Installers soll gleichzeitig fertig sein, damit er als Release Candidate ausführliche Tests absolvieren kann. Am 18. Oktober ist das Freeze des kompletten Systems geplant. Pünktlich zum Nikolaus am 6. Dezember 2006 will Debian Etch freigeben.

Abwarten und Tee trinken

Steve Langasek räumt aber selbst ein, dass viele Stolpersteine auf dem Weg zu Etch liegen. Diverse Umstellungen, die im Moment den Debian-Zweig namens “Sid” für Entwickler mehr oder minder unbenutzbar machen, sind nur ein Beispiel. Langasek appellierte an die Entwickler, sich bei den größten Veränderungen ranzuhalten, damit genügend Zeit bleibt, um kommende Probleme der Etch-Release anzupacken.

Debian GNU/Solaris

Der erste Kontakt mit dem Begriff “Debian GNU/Solaris” lässt fast schon einen Fall für die Mailingliste Debian-Curiosa [3] vermuten. Dem ist aber nicht so. Anfang November gründete sich offiziell das Nexanta-Projekt. Es will ein Betriebssystem auf Basis des Solaris-Kerns mit dem Debian-Userland produzieren und verteilen.

Ermöglicht hat das Projekt Sun selbst: Vor einigen Monaten machte der Betriebssystem-Hersteller aus Solaris Open Solaris, stellte den Quelltext unter eine freie Lizenz und hofft seither, dass sich die FOSS-Szene des Systems annimmt und tolle Dinge damit anstellt. Jörg Schilling, Cdrecord-Autor und seit Jahren prominenter Verfechter von Solaris, veröffentlichte bald sein Schillix, das zurzeit aber vorrangig für Entwickler interessant ist. Nexanta soll nun Debian GNU/Solaris für alle benutzbar machen.

Mit großen Schritten voran

Dass die Nexanta-Entwickler nicht spaßen, macht bereits die erste Ankündigung des Produkts Anfang November klar: Da gab es eine Version Alpha 1 zu sehen, die bereits mit Features wie Open Office, Gnome und vollständiger Netzwerkunterstützung glänzt. Zwar findet dort der Debian-Installer noch keine Verwendung, er soll aber in Kürze für Solaris umgestrickt werden. Für Interessierte gibt es auf [4] Details. (uba)

Infos

[1] Mail von Florian Weimer: [http://lists.debian.org/debian-project/2005/11/msg00035.html]

[2] Mail von Steve Langasek: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2005/10/msg00004.html]

[3] Debian-Curiosa-Mailingliste: [http://lists.debian.org/debian-curiosa/]

[4] Nexanta-Projektseite:[http://www.gnusolaris.org/gswiki]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Schüler aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit dabei, die Debian GNU/Linux-Distribution weiterzuentwickeln. Momentan arbeitet er am Debian-Desktop-Projekt.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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