Aus Linux-Magazin 11/2005

Boot-Beschleuniger im Vergleich (Seite 3)

Runit ist in Paketform für mehrere Linux-Distributionen erhältlich, beispielsweise für Debian, Gentoo, Mandriva, Rocklinux oder LFS. Annvix [4] verwendet es standardmäßig. Zumindest die Diensteüberwachung lässt sich auch unter Mac OS X und Solaris einsetzen.

Cinit

Cinit [5] ist ein alternatives Init-Programm von Nico Schottelius. Es bietet zwar kein Monitoring, hat aber einen anderen Trumpf im Ärmel: Es erlaubt die Definition von Profilen, die festlegen welche Services beim Systemstart zu aktivieren sind. Hier wären etwa Sätze für mehrere Umgebungen oder für mobilen und stationären Betrieb vorstellbar.

Jeder Cinit-Service residiert in einem eigenen Verzeichnis, dass zwei weitere Unterverzeichnisse enthält, die seine Abhängigkeit von anderen Diensten abbilden: Alle, die zwingend aktiv sein müssen, damit der aktuelle Service überhaupt startet, sind in den Ordner »needs« verlinkt. Auf jene Dienste, die zwar verfügbar sein sollten, die notfalls aber auch verzichtbar wären, verweist ein Link unter »wants«.

Abbildung 3: Anstelle von »init« fungiert bei Runit der Prozess »runsvdir« als Vater aller später gestarteten Dienste.

Abbildung 3: Anstelle von »init« fungiert bei Runit der Prozess »runsvdir« als Vater aller später gestarteten Dienste.

Das Skript für den Start heißt immer »on«, es wird von der optionalen Parameterdatei »on.params« begleitet. In den meisten Fällen handelt es sich bei »on« jedoch gar nicht um ein Skript, sondern nur um einen weiteren Link auf das jeweilige Systemkommando zum Aufrufen des Dienstes.

Das Verfahren, die Service-Abhängigkeiten als Links darzustellen, verursacht allerdings einen nicht unerheblichen Konfigurationsaufwand. Zunächst sind die Beziehungen aller Services untereinander zu erfassen, damit man sie anschließend als Links formulieren kann. Tools, um die bestehenden Dependencies des alten Systems zu übertragen, existieren nicht. Auch lässt sich der durch die Links gebildete Abhängigkeitsbaum nicht visualisieren. Daher können sich leicht Fehler einschleichen oder Abhängigkeiten ganz vergessen werden. Einen solchen Irrtum bringt dann erst der praktische Versuch ans Licht.

Die Fehlersuche unterstützt Cinit nicht durch besondere Hilfsmittel, auch das Logging ist eher rudimentär angelegt. Zudem ist die Dokumentation in Form einer losen Sammlung kleiner Ascii-Files ebenfalls nicht optimal. Immerhin sind auf der Webseite des Projekts zwei Beispielkonfigurationen abrufbar, die modifiziert werden können. Cinit ist im Sourcecode oder als Paket für Debian oder Gentoo verfügbar.

E Initng

“Um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, bin ich das Jahr über mit einem Eiscreme-Truck als Verkäufer unterwegs”, erzählt Jimmy Wennlund. “Aber im kalten Schweden, wo ich lebe, läuft das Geschäft im Winter nicht besonders und so blieb häufig ein wenig Zeit, um den Laptop aus der Tasche zu holen. Bis der gebootet hatte, vergingen allerdings immer zwei oder drei Minuten – und danach musste ich schon fast wieder weiter. Ich fand das sehr ärgerlich und so begann an einem kalten Dezembertag im Eiscreme-Truck das, was heute Initng ist.”

Initng [6] ist mittlerweile einer der Klassiker unter den Bootbeschleunigern. Er beherrscht den Parallelstart voneinander unabhängiger Dienste (Abbildung 4), verkürzt so die Zeit bis zum Login und bietet außerdem einen umfangreichen Servicemonitor, der es unter anderem gestattet, nachträglich die Historie des Bootprozesses zu inspizieren.

Er kann auch Dienste automatisch neu starten und kennt einen besonderen Warmstart, der alle Services beendet und erneut aktiviert, ohne dass der Rechner tatsächlich bootet – eine Funktion, die auch Cinit beherrscht. Das Programm ist modular aufgebaut und durch eigene Plugins erweiterbar.

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