Aus Linux-Magazin 07/2005

Aus dem erschwerten Alltag eines Sysadmin: HTPDate

Selbst unter dem LUG-typischen Einfluss zyklischer Störungen gelingt es dem Magazin-Kolumnisten Charly zu beschreiben, wie er trotz gesperrten NTP-Ports zu einer vernünftigen Systemzeit kommt.

Inhalt
62 Sicheres Programmieren
Teil 3 der Reihe beschreibt, wie der Admin seinen Programmen nahe
legt, welche Daten sie abzulehnen haben.
70 Simple Security Policy Editor
Mit dem SSPE behalten Admins die Kontrolle über die
Sicherheitsrichtlinien mehrerer Firewalls.
74 Solaris 10
Suns Antwort auf Linux’ Popularität ist Solaris 10.
Tatsächlich hat der neue Container-Mechanismus einigen
Charme.
78 Admin-Workshop
Manpages sind Informationsquelle Nummer eins. Wir erklären das
Funktionieren der einzelnen Spielarten.

Ich schreibe diesen Text während des LUG-Camps in Wuppertal [1]. Es ist jetzt… – egal wie spät. (Jemand von der LUG Flensburg bringt mir ein Flens. Danke!) Vorhin hatte ich ein Manuskript zum Thema Syslog-NG zur Hälfte fertig. Dann wies mich Google dezent auf die Tatsache hin, dass das Linux-Magazin dieses Thema bereits Ende 2003 behandelt hat. Super. Also schreibe ich von einer anderen Schweinerei.

Zum Thema Zeitsynchronisation per Network Time Protocol ist eigentlich genug geschrieben worden. Auch ich bekenne mich in der Hinsicht schuldig [2]. Heute geht’s um Zeitsynchronisation ohne NTP: Vorhang auf für HTPDate [3]. (Gerade dreht jemand eine Webcam in meine Richtung. Danke.) Klar, NTP ist erste Wahl beim Synchronisieren. Manchmal scheitert NTP aber; etwa wenn der auszugleichende Rechner hinter einer total zugenagelten Firewall samt vernageltem Admin steht: NTP? Kenn’ ich nicht, brauch’ ich nicht.

HTPDate reicht Port 80 nach draußen, und sei es über einen Proxy. Das geht so: Es holt per Telnet eine beliebige Seite eines Webservers (»GET / HTTP/1.0«). Dabei liefern viele Server neben dem HTML-Code zusätzliche Informationen wie die HTTPD-Versionsnummer und eben das aktuelle Datum samt Uhrzeit:

HTTP/1.1 200 OK
Date: Sat, 07 May 2005 17:53:46 GMT
Server: Apache/2.0.53 (Linux)
X-Powered-By: PHP/4.3.10

(Ich muss niesen. Jemand sagt, ich möge bitte etwas leiser verrecken. Danke.) HTPDate kommt in zwei Varianten vor: eine ist in Perl, die andere in C geschrieben. Ich nehme die C-Variante in der Version 0.7.2, handelbar als Tarball oder als RPM-Paket.

Vorfühlen

HTPDate ist angenehm übersichtlich zu bedienen. Es gibt zwei Modi, den interaktiven und den Daemon-Modus. Im interaktiven probiere ich, ob ein Server überhaupt als Zeitquelle taugt:

htpdate -d google.com web.de yahoo.com

Das »-d« aktiviert den Debug-Modus, damit gibt HTPDate wie in Listing 1 neben dem Zeitstempel auch die Antwortzeit aus. (Jemand in der Nähe hat eine Vorliebe für Iron Maiden. Kopfhörer mag er leider vernehmlich nicht. Danke!)

Listing 1: »htpdate
-d«
01 google.com     07 May 2005 18:18:15 GMT (0.223) => -4
02 web.de         07 May 2005 18:18:15 GMT (0.023) => -4
03 yahoo.com      07 May 2005 18:18:19 GMT (0.188) => -3
04 #: 3, mean: -4, average: -3.667

Der Wert in Klammern ist die Antwortzeit. Sie ist beim Web.de-Server vergleichsweise niedrig und garantiert ein präzises Zeitsignal. HTPDate akzeptiert bis zu 16 Webserver pro Anfrage. Nun kann ich als Root HTPDate im Daemon-Modus (»-D«) starten:

htpdate -D -x web.de [Server2 Server3 ...]

Der Parameter »-x« weist HTPDate an, die Zeit nicht auf einen Schlag zu aktualisieren, sondern sie nach und nach anzugleichen. Das versöhnt Applikationen mit dem Timewarp, die auf ein gleichmäßiges Zeitsignal angewiesen sind, zum Beispiel RRDTool. (jk)

Infos
[1] LUG-Camp in Wuppertal: [http://www.lug-camp-2005.de]

[2] Charly Kühnast, “Aus dem Alltag eines Sysadmin: OpenNTPD”: Linux-Magazin 01/05, S. 61

[3] HTPDate: [http://www.clevervest.com/htp/]development.html]

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.
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