Aus Linux-Magazin 02/2005

Novell Open Enterprise Server Pre-Beta

Abbildung 1: Pro Netware-Service bedarf es mindestens eines Yast-Moduls.

Novells Open Enterprise Server soll die Flexibilität von Linux und die von Netware bekannten Dienste vereinen. Dem Linux-Magazin gelang es, vor dem öffentlichen Betatest einen Blick auf die Software zu werfen.

Abbildung 1: Pro Netware-Service bedarf es mindestens eines Yast-Moduls.

Abbildung 1: Pro Netware-Service bedarf es mindestens eines Yast-Moduls.

Die für November 2004 angekündigte Betaversion stand Mitte Dezember immer noch nicht zur Verfügung, daher besorgte sich das Linux-Magazin einen inoffiziellen Open Enterprise Server (OES). Obwohl sich die Software noch im frühen Betastadium befindet, bietet sie schon Gelegenheit für einen ersten Eindruck. Das Grundsystem unterscheidet sich nicht vom aktuellen Suse Linux Enterprise Server (SLES).

Hierauf setzen die Novell-Dienste auf. Der Hersteller hat dazu die Installationsroutine des SLES um einen Punkt zur Einrichtung des OES erweitert. Leider funktionierte gerade dieses Modul bei der Installation noch nicht zufriedenstellend. Aber nach einigen Eingriffen in die voreingestellte Paketauswahl klappte es.

Installieren ohne Wechseln

Ein Set besteht aus drei OES-CDs und denen des Suse Linux Enterprise Server. Der Installer kopiert zuerst die ausgewählten Pakete vom ersten OES-Medium auf die Festplatte und fordert danach die SLES-CD 1 an – fertig. Die Installation auf ein bereits bestehendes SLES- 9-System scheint nicht vorgesehen zu sein.

Die Kernkomponente des OES besteht aus dem E-Directory Service ([1] und[2]). Der Novell-Verzeichnis-dienst basiert auf LDAP. OES realisiert E-Directory durch Erweiterungen zu den Suse-LDAP-Paketen. Jedoch dürfte trotz LDAP der Umstieg auf den OES auch erfahrenen Linux-Administratoren schwer fallen, da der NDS eine etwas andere Syntax verwendet. Alle weiteren Dienste des Servers bauen aber auf dieser Komponente auf: Eine Installation ohne E-Directory ist unmöglich. Der OES muss den Service allerdings nicht selbst bereitstellen. Er kann hierfür auch auf eine bestehende Netware-Installation zurückgreifen.

Novells OES beinhaltet alle Dienste der Linux Nterprise Services, einschließlich I-Manager (Management-Webkonsole), I-Folder (Datensynchronisation) und I-Print (Novells IPP-Implementation). Für jeden Service bietet Yast ein separates Modul an, sodass auch Netware-Umsteigern das Einrichten eines I-Folder-Dienstes oder des für E-Directory angepassten Samba-Servers nicht allzu schwer fallen dürfte. Für den Netware-Ersatz hat Novell zudem folgende Funktionen implementiert:

  • Netware Core Protocol (Netzwerkprotokoll, das auf IP oder IPX
    aufsetzt)
  • Cluster Services (SAN-Management, HA und Load Balancing)
  • Storage Services (ein Dateisystem)
  • Net Storage (Zugriff auf entfernte Dateisysteme per
    Browser)
  • Virtual Office (Web-basierte Collaboration-Software)

Mit Ausnahme des Extend Application Server bietet damit der Open Enterprise Server die gleichen Dienstleistungen wie das aktuelle Netware 6.5: eine gute Alternative für Netware-Kunden. Die Extend-Software stellt Novell als separates Produkt zur Verfügung.

Ebenfalls nicht unter den Paketen befindet sich Zenworks, Novells System- und Konfigurationsmanagement-Tool. Lediglich Red Carpet, das Paketmanagement-Tool der Novell Firma Ximian, taucht in der OES-Paketliste auf. Es gehört allerdings bei der Pre-Beta nicht zur Standardinstallation. Auch ist es eher eine Konkurrenz zum Yast-Paketmanager als eine Ergänzung.

OES könnte für SLES das Sterbeglöckchenläuten

Die Vorabversion von Open Enterprise Server kündigt einen weiteren Schritt in die Richtung an, Netware durch eine Linux-Lösung zu ersetzen. Für die Linux-Fraktion bleibt das freilich auch nicht ohne Folgen: Nachdem Novell die Suse-Linux-Webseite eingestellt hat, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch der Suse Enterprise Server aus dem Portfolio von Novell verschwindet. Der Open Enterprise Server erhält dann die Rolle des Alleinerben. (jk)

Infos

[1] M. Kuppinger, “Novell E-Directory 8.7 für Linux”: Linux-Magazin 03/04, S. 68

[2] M. Kuppinger, “Novell E-Directory als LDAP-Verzeichnis”: Linux-Magazin 05/04, S. 46

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