Aus Linux-Magazin 08/2003

Interview mit Mårten Mickos, Geschäftsführer von MySQL

Mit der Partnerschaft zwischen SAP und MySQL sieht sich das schwedische Unternehmen zunehmend als Konkurrenz für Anbieter proprietärer Datenbanksysteme. Das Linux-Magazin befragte den MySQL-Chef MRrten Mickos über sein Verhältnis zu den Wettbewerbern und seine weiteren Pläne.

Wie in den längst vergangenen Boomzeiten der New Economy las sich die Meldung, dass die schwedische Firma MySQL, als Entwicklerin des gleichnamigen Datenbanksystems bekannt, eine Finanzierungsrunde von 19,5 Millionen Dollar abschließen konnte. Hauptinvestor ist Benchmark Capital, eine Gesellschaft, die ein Portfolio von etwa zwei Milliarden Dollar verwaltet und unter anderem bereits in Red Hat investiert hat. Kevin Harvey, Partner von Benchmark Capital, bekommt dafür einen Sitz im Board of Directors der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft. Er sieht “MySQL AB als Open-Source-Unternehmen der zweiten Welle mit einem profitablen Business-Modell”.

Seit 2001 ist MŒrten Mickos (40) Geschäftsführer der MySQL AB. Vorher arbeitete er unter anderem für die finnische Solid Information Technologies, die proprietäre Datenbanklösungen anbietet. Die beiden MySQL-Gründer Michael Widenius und David Axmark kennt er seit gemeinsamen Studienzeiten in Helsinki vor zwanzig Jahren.

Das Linux-Magazin sprach mit ihm nach dem Abschluss der Vereinbarung mit SAP, aber noch vor Bekanntwerden der Venture-Capital-Spritze.

Linux-Magazin: Zielt MySQL mit der kommenden Version 5.0 auf den Markt der 500 größten Unternehmen?

M. Mickos: Man sollte nicht denken, dass wir jetzt dort einsteigen und versuchen, jede andere Datenbank gegen MySQL auszutauschen. Wir bewegen uns stetig voran, indem wir unser Produkt schrittweise verbessern. Mit der 5er Version machen wir keinen dedizierten Sprung irgendwohin.

Linux-Magazin: Sehen Sie Oracle jetzt als Ihren großen Gegner?

M. Mickos: Oracle wird uns eher mögen. Sie sagen von sich selbst, dass ihre Datenbank Funktionen hat, die unsere nicht bietet, sie sagen, sie würden sich in einem ganz anderen Marktsegment bewegen, als wir es tun. Ich sage gewöhnlich: Wenn wir einen Kunden von Oracle wegnehmen, dann hat ihn Oracle in erster Linie nicht verdient.

Es war dann ein Kunde, der Oracle von einer falschen Ausgangsbasis her gewählt hat. Deren Verkäufer waren in der Vergangenheit zu effektiv im Verkaufen. Oracle wurde an Leute verkauft, die eine solche Datenbank überhaupt nicht brauchen. Deshalb ist es dann nur gerecht, wenn wir den Auftrag bekommen. Das ist der Grund, weshalb Oracle uns freundlich gesinnt sein sollte: Weil wir die Dinge gerade rücken.

Linux-Magazin: Vermuten Sie, dass IBM eines Tages MySQL in die Arme schließen könnte, genauso wie Big Blue es ja bereits mit Linux getan hat?

M. Mickos: Wenn Sie mich so fragen – ich denke, IBM sollte das tun.

Linux-Magazin: Aber IBM hat mit DB2 eine eigene proprietäre Datenbank, also aus welchem Grund sollten sie?

M. Mickos: Weil IBM schon klar geworden ist, dass Open Source die beste Art und Weise ist, wie man Software herstellt – das trifft auch auf MySQL zu. IBM kann immer noch DB2 dort verkaufen, wo man dessen spezielle Funktionen braucht. Ansonsten liegt der Schwerpunkt bei IBM schon seit einiger Zeit sowieso eher im Servicebereich als im Softwareverkauf.

Linux-Magazin: Ist das der nächste Schritt in Ihrer Strategie: IBM dazu bringen, MySQL ins Dienstleistungsspektrum aufzunehmen?

M. Mickos: Ja, wir hätten gerne, dass dies passiert. Allerdings sind wir auch ganz zufrieden mit der Situation, wie sie jetzt ist. Es gab bisher keine Gespräche mit IBM in dieser Richtung und wir bemühen uns nicht in besonderem Maße um eine Annäherung.

Linux-Magazin: Ist die freie Datenbank PostgreSQL eine Konkurrenz für MySQL?

M. Mickos: PostgreSQL ist für uns kein Mitbewerber auf dem Wirtschaftsparkett, denn wir stoßen niemals auf PostgreSQL-Leute, wenn wir uns um Aufträge bemühen.

In der Open-Source-Welt wird PostgreSQL natürlich eingesetzt und auch wir denken, dass es ein ausgezeichnetes Datenbank-Managementsystem ist. Allgemein finden wir es sehr gut, dass es mehrere Open-Source-Datenbanken gibt, denn es gibt dem Open-Source-Markt Glaubwürdigkeit und zwingt unser Unternehmen MySQL dazu, innovativ zu bleiben.

Linux-Magazin: Die Entwicklungszeit zwischen neuen MySQL-Versionen soll künftig verkürzt werden. Heißt das, dass Sie jetzt mehr Wert auf neue Funktionen und weniger Wert auf die Fehlerbehebung legen?

M. Mickos: Nein, wir ändern unsere Qualitätsanforderungen nicht. Wir werden nur schneller von der Alpha- über die Beta- und Gamma-Version zur stabilen Datenbank springen. Es gibt deshalb kürzere Zwischenschritte, weil wir jetzt mit mehr Mitarbeitern strengere Testläufe durchführen können, auf diese Weise finden wir Fehler schneller.

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