In der Ausgabe 10/02 testeten wir Linux-Browser gegen Microsofts Internet Explorer auf ihre Konformität zum W3C-Standard HTML 4.0. Nun untersucht das Linux-Magazin, mit welcher Geschwindigkeit sie zu Werke gehen. Außerdem sind neue Versionen erschienen.
Die Browserszene im Zeichen des Pinguin ist in voller Bewegung. Nicht nur hat der Test vor zwei Monaten [1] gezeigt, dass sich im letzten Jahr viele Programmierer ehrgeizig an das Ausbessern von Fehlern gemacht haben, auch in den letzten Wochen wurde gebastelt.
Das spürt man besonders beim Konqueror, der mit der aktuellen Version eine große Scharte auswetzen konnte. Die Vorgängerversion weigerte sich standhaft, Radiobuttons, Checkboxes oder Texteingabefelder zu rendern, wenn sie in »FIELDSET«-Klammern standen. Das klappt jetzt und Konqueror schafft aus dem Stand elf Punkte mehr als beim letzten Mal. In die Mozilla-Klasse steigt er aber dennoch nicht auf.
Wie im letzten Test versprochen, folgen heute die HTML-4-Ergebnisse von Mozilla 1.1 und Netscape 7. Doch auch die anderen Browser haben neue Versionen herausgegeben, so dass letztlich nur der Oldie Netscape 4.79 und Beonex 0.8 unverändert im Rennen sind. Galeon ist jetzt mit 1.2.6 vertreten, Konqueror mit 3.0.3, Opera mit 6.03. Und auch aus Redmond kommt Neues: Das Service Pack 1 für den Internet Explorer 6 ist da. So haben wir eigentlich fast alles noch einmal getestet – und die Geschwindigkeitsmessungen obendrein.
Der Benchmark
Genau wie im Konformitätstest wird beim Geschwindigkeitstest mit dem i-Bench von E-Testinglabs gearbeitet, der Labortochter des US-Verlags Ziff Davis Media. Die Version 3.0 bietet eine Fülle von Geschwindigkeitsmessungen, aus der das Linux-Magazin einen Teil ausgesucht hat (siehe Kasten “So haben wir getestet”). Die wichtigste Messung ist natürlich die Geschwindigkeit beim HTML-Rendering. Dazu gesellt sich ein ähnlicher Test für XML-Dokumente. Zu beiden Tests gibt es auch ein Pendant, das HTML beziehungsweise XML im Document Object Model (DOM) untersucht.
Jeder vollständige Messdurchlauf wird achtmal wiederholt. Dabei weist i-Bench die Durchlaufzeit für den ersten Gang getrennt aus, er fließt nicht in das eigentliche Messergebnis (Subsequent) ein. Dieses errechnet sich aus dem Durchschnitt der sieben gewerteten Läufe. Die Daten aller gewerteten Durchläufe kommen aus dem lokalen Cache des Browsers, so dass der eingesetzte Webserver keinen Einfluss auf das Messergebnis hat.
Um die Seitenwechsel zu beschleunigen, wenden moderne Browser Tricks an. Der Internet Explorer arbeitet beispielsweise mit getrennten Programmteilen am Rendern der Seite und dem eigentlichen Aufbau der angezeigten Seite. Dank der Leistung moderner Prozessoren ist das Rendern längst schneller als das Pinseln der Pixel. Der IE bricht sofort ab, wenn eine aktualisierte Seite fertig gerendert ist. Das bringt Geschwindigkeit.
Mozilla geht sogar noch weiter: Seit der Version 1.1 sieht es für den Betrachter so aus, dass Mozilla das Pinseln einer Seite gar nicht erst anfängt, wenn das Rendern einer aktualisierten Seite beginnt. Das bringt noch mehr. Dadurch ist es aber leider nicht mehr möglich, beim Benchmarken zu kontrollieren, ob die Seiten überhaupt gerendert werden.
Daher hat das Linux-Magazin eine vom üblichen i-Bench-Verfahren abweichende Kontrolle eingeführt. Nach der erfolgten Messung wird ein neuer Messlauf gestartet. Bei ihm wird der Browser immer wieder durch willkürliches Abschalten der Javascript-Unterstützung (die Benchmark-Kontrolle arbeitet in Javascript) abgewürgt. Dabei lässt sich prüfen, ob das Rendern noch stattfindet. Beanstandungen haben sich daraus übrigens nicht ergeben, offenbar schummelt noch keiner der Browser.
Hürdenlauf
Das untersuchte Javascript erwies sich für Opera und Konqueror als echte Hürde. Was auf dem IE nur fünf Sekunden dauert, quält sich hier 97 beziehungsweise geschlagene 189 Sekunden durch den Prozessor. Hier schlug die große Stunde von Oldie Netscape 4.79: Mit acht Sekunden deklassiert er alle modernen Pinguin-Browser.
Zum Schluss wird noch einigen Plugins und natürlich Java auf den Zahn gefühlt. Gerade der Flash-Player von Macromedia machte erheblichen Ärger. Macromedia liefert den aktuellen Player als Netscape-4-Plugin. Diese Schnittstelle ist jedoch veraltet und wird von moderneren Browsern nur noch nachgemacht.
Hinzu kommen Probleme mit Glibc-Symbolen aus frühen Versionen, auf deren Existenz sich Macromedia wohl verlässt, was beim Einsatz mit aktuellen Browsern zum Absturz des Plugins in bestimmten Situationen führt. Eine offizielle Anfrage an Macromedia Deutschland blieb unbeantwortet. So kam es auch in diesem Test immer wieder dazu, dass der Flash-Player zwar von Browsern korrekt angeworfen wird – zu sehen am korrekten ersten Bild -, die Animation aber tot ist.
Bei Java scheint es andere Probleme zu geben, die aber ähnliche Auswirkungen haben. Das Java Runtime Environment von IBM, das SuSE mitliefert, scheint manchem Browser nicht ganz geheuer, denn mitunter löste nur ein Umstieg auf die JRE von Sun das Problem. Ein System war nicht zu erkennen, welche Browser jetzt welche JRE haben möchten. Mysteriös: Mitunter verschwanden Java-Probleme scheinbar von selbst oder traten überhaupt erst nach längeren Testsessions auf.
Beonex 0.8 stable
Seit dem Test vor zwei Monaten[1] ist kein neuer Beonex erschienen, seine Kompatibilität musste daher nicht erneut getestet werden. Sie ist ohnehin Mozilla-bedingt ausgezeichnet.
Beonex sieht man die Mozilla-Abstammung an, sie macht das Umsteigen leicht. Er implementiert alle Features vom Original, kann also auch mit einem E-Mail/ News-Client aufwarten, der IMAP beherrscht und multiple POP-3-Accounts ebenso wie das immer öfter von Providern verwendete SMTP-Auth-Verfahren. Chatten kann Beonex auch.
Doch das Alleinstellungsmerkmal im Test ist die Security: Wie kaum ein anderer Entwickler legt Ben Bucksch Wert auf Sicherheit. Beonex petzt beim Browser nicht mit dem Referrer-String, wo der Anwender zuletzt rumgesurft hat. Beonex löscht bei Programmende gespeicherte Cookies. Einige Javascript-Features, die auf das System zurückgreifen, sind gesperrt. Im E-Mailer sind problematische HTMLs ebenso abgeschaltet wie die komplette Javascript-Unterstützung.
Bei der Geschwindigkeit ist Beonex, ebenfalls Mozilla-bedingt, zwar flott, aber in der Geschwindigkeitswertung nicht vorneweg. Dazu muss jedoch angemerkt werden, dass es im Vergleich zum letzten Jahr bei HTML keine langsamen Browser mehr gibt, so dass trotz guter Zahlen die Browser mit Mozilla-Leistung auch auf hinteren Rängen landen. Zudem: Beonex hat durch das Verwenden des Final-Mozilla seine Geschwindigkeit im Vergleich zum Linux-Magazin-Test 8/01 fast verdreifacht.
Unter XML überflügelt Beonex einen Mozilla-Abkömmling und sogar das Original, nur der IE und Opera sind schneller. Den Benchmark im Document Object Model beendet Beonex wie alle Mozilla-Derivate nicht. Der Test läuft an, passiert ein paar Stationen und hört dann einfach auf. Beim XML/DOM-Test passiert das Gleiche. Diesen Test absolvierte Beonex letztes Jahr als einziger Mozilla-Browser – jetzt läuft er nicht mehr.
Bei Java war Beonex auf SuSE-Linux 8 nicht zur Zusammenarbeit mit der mitgelieferten IBM JRE zu bewegen, mit Suns Java Runtime Environment klappte es sporadisch. Javascript läuft Mozilla-üblich mit Mittelklasse-Geschwindigkeit. Macromedias Flash-Player startet auf Beonex wie auf allen Mozilla-Derivaten zwar, will aber nicht durchlaufen.
Fazit: Beonex ist ein sehr guter Browser für sicherheitsbewusste Surfer, die auf das Look & Feel von Mozilla (und auf dessen Kompatibilität) nicht mehr verzichten wollen.
Galeon 1.2.6
Auf dem Gnome-Desktop hat sich viel getan. Nicht nur, dass sich Galeon seit dem Test vor einem Jahr dramatisch weiterentwickelt hat[2], auch in den letzten Wochen ist eine Release erschienen. Deren Test auf Konformität zeigt, dass ein Bug im Mozilla-Renderer, der Linien um Tabellenelemente (Table Rules) betrifft, gefixt ist[1].
Bei Galeon fällt vor allem eins auf: die Vereinfachung. Galeon will ein schlanker Browser sein, nichts weiter. Daher implementiert er, anders als die anderen Mozilla-Derivate, nur die Render-Engine Gecko und die grafische Benutzerschnittstelle, aber nicht Mailer, Newsgroups und Chat-Engine. Die Homepage vermerkt zudem, dass Galeon auch keinen Kaffee kochen kann.
Im Zusammenspiel mit Gnome beschert dies Galeon viele Einsatzmöglichkeiten als Surfstation. Gnome loggt den Benutzer viel schneller ein als KDE, zudem startet Galeon schneller als Mozilla. Sofort surfen – Galeon macht es möglich. Dafür verzichtet Galeon auch auf Architekturbestandteile von Mozilla wie die XUL-basierte, Skin-fähige Oberfläche. Galeon integriert sich lieber gut in Gnome. Die Anbindung an Corba und Bonobo sorgt dafür, Downloads werden dem Gnome Transfer Manager GTM auferlegt. Sogar ein Kommandozeilen-Interface wird versprochen.
Die Kargheit hat auch Einfluss auf die Geschwindigkeit der Webseiten-Darstellung. Im HTML-Teil des Benchmarks ist Galeon der schnellste Mozilla-basierte Browser im Testfeld. Nur Opera ist schneller – und der alte Netscape 4.79, der Webseiten jedoch grottenschlecht darstellt. Bei XML muss Galeon passen, als einziger mit Gecko arbeitender Browser geht hier gar nichts.
Im Document Object Model laufen weder HTML noch XML und die Zusammenarbeit mit der JRE von IBM verweigerte Galeon nach dem ersten Probelauf. Unter Javascript kann die schlanke Engine jedoch wieder auftrumpfen, hier hängt er seine Mozilla-Kollegen teilweise deutlich ab. Wie bei allen Linux-Browsern (mit Ausnahme von Netscape 4.79) war Flash unter Galeon nicht zu einem kompletten Testdurchlauf zu überreden, nach dem anfänglichen Startbildschirm ist schon wieder Schluss.
Fazit: Galeon ist superschlank. Wer eine schnelle Surfstation bauen will oder wenig Ressourcen zur Verfügung hat, kann mit Galeon im Internet flott und mit guter HTML-Konformität surfen.
Konqueror 3.0.3
Den größten Sprung nach vorn macht eindeutig der in KDE eingebaute Browser Konqueror. Noch vor zwei Monaten gab sich die Version 3.0.2 die Blöße, alle Arten von Inputs (Radiobuttons, Checkboxes, Texteingabefelder, Buttons) zu ignorieren, wenn sie zwischen »FIELDSET«-Tags standen. Daher konnten diese nicht bewertet werden, was zu großem Punktverlust führte.[1]
Die Scharte ist nun ausgewetzt, Konqueror rendert jetzt alle Inputs. Aus dem Stand gewinnt er so elf Punkte gegenüber dem letzten Test. Aber so ganz ausgereift scheinen einige Buttons nicht zu sein, wie der Screenshot in Abbildung 3 zeigt: Zwei davon pinselt er aus unerfindlichen Gründen seitenbreit. Von dieser Fehlleistung abgesehen kann Konqueror aber weitere Verbesserungen aufweisen. So funktioniert jetzt die Intrinsic Function »ONCHANGE«, aber leider immer noch kein »ONDBLCLICK«, »ONKEYDOWN« und so weiter.
Konquerors Stärke ist die nahtlose Integration in KDE. Ob man sich den Inhalt seines Home-Directories oder eine Webseite ansieht, stets arbeitet Konqueror mit seiner Render-Klasse KHTML (zur (Un-)Möglichkeit diese auszubauen, siehe Kasten “Außen Konqui, innen Gecko”). Man kann auch jederzeit zwischen beiden wechseln, komfortabler geht’s kaum. Die HTML-Konformität ist jedoch eher mittelprächtig. Mail wird nicht angeboten, dafür gibt es andere KDE-Programme.
Bei der Geschwindigkeit des HTML-Renderings ist Konqueror inzwischen bis nach vorn zu Mozilla vorgedrungen, nur Opera ist signifikant schneller. Den XML-Bench mag Konqueror jedoch überhaupt nicht und verweigert diese Zusammenarbeit ebenso wie mit den beiden DOM-Testbausteinen.
Kurios verlief der Java-Test: Der Benchmark ließ sich mit keinem Java Runtime Environment starten. Schaltete man die Java-Konsole an, wird dort vermerkt, dass das Applet fehlerhaft sei. Gleichzeitig produzierte Konqueror Fehlermeldungen in Mengen, einmal wuchs die ».xsession-errors«-Datei auf stolze 47 MByte an. Doch das wirklich schlechteste Ergebnis fährt Konqueror bei Javascript ein. Mit 189 Sekunden braucht er fast 36-mal so lange wie der IE.
Fazit: Konquerors Stärke ist die Integration in KDE. Der stehen eine mittelprächtige Konformität und einige Stabilitäts- und Performanceprobleme entgegen. Wer nur gelegentlich surft, den dürfte das aber nicht sonderlich stören.
Mozilla 1.1
Kurz nach dem letzten Test brachte das Mozilla-Team die Release 1.1 auf den Markt. Obwohl im Internet viel die Rede davon war, dass mit 1.1 Schwächen in der Konformität behoben werden, konnten wir in dem mit i-Bench getesteten Bereich nur eine einzige Verbesserung diagnostizieren: Umrandungslinien um Tabellenelemente (Table Rules) funktionieren nunmehr.
Nach wie vor patzt Mozilla aber bei nicht gekachelten Texthintergründen und das Skalieren von Bildern – das per HTML ohne Probleme läuft – geht via Cascading Style Sheets noch immer nicht, wie die Abbildung 4 belegt. Trotz dieser Kritik sei gesagt, dass Mozillas Konformität nach wie vor (oder mehr denn je) beispielhaft für die Linux-Welt ist. Der IE ist laut i-Bench nur ein bisschen besser.
Mozilla ist ein Allround-Internet-Client. Neben der Browserfunktion bietet er einen sehr komfortablen Mailer, der weder mit IMAP noch mit mehrfachen POP-Accounts Probleme hat. Auch SMTP-Auth beherrscht er. Chatten kann man mit Mozilla genauso wie in Newsgroups stöbern. Komfortabel ist das Tabbed Browsing, bei dem zusätzliche Webseiten nicht in neuen Fenstern, sondern über Reiter umschaltbar im gleichen Fenster betrachtet werden, was massiv Ressourcen einspart. Seit der Release 1.1 öffnet Mozilla neue Tabs standardmäßig im Hintergrund.
Auch die in der Sidebar integrierte Suchfunktion ist komfortabel – nie mehr Pendeln zwischen Suchmaschinenergebnis und den verlinkten Inhalten. Aber auch die History und What’s Related lassen sich via Sidebar bequem erreichen.
In Sachen Geschwindigkeit hat sich Mozilla interessanterweise ein wenig zurückentwickelt verglichen mit Release 0.91, wenn auch nicht viel. Trotz des Tricks (siehe Einleitung) mit nicht angefangenen Zeichenaufträgen ist Mozilla im Mittelfeld zu finden, wenn auch mit einem guten Ergebnis. Unterhalb von Opera drängeln sich die Mozilla-Verwandten dicht an dicht.
Bei XML ist Mozilla langsamer als Beonex, jedoch schneller als Netscapes Super-Release 7. Das Document Object Model liegt Mozilla gar nicht, nach dem Start läuft hier nichts mehr. Interessant ist, dass Mozilla – anders als alle Derivate – keine Schwierigkeiten mit SuSEs Auswahl der JRE hat, das eingebaute IBM Java Runtime Environment läuft vom Stand weg reibungslos.
Bei Javascript ist Mozilla wieder im guten Mittelfeld; aber das Mozilla-Team wäre gut beraten, mal die Hüter des Netscape-4.7-Codes (AOL) zu bitten, ein paar Tipps zur Beschleunigung von Javascript rauszurücken, immerhin ist der Ahne mehr als doppelt so schnell wie der Nachfahre. Flash war unter Mozilla nicht zu überreden.
Fazit: Mozilla ist Spitze in Sachen Kompatibilität. Bei der Geschwindigkeit ist er im Mittelfeld – aber auf hohem Niveau. Wer keinen langsamen Rechner hat, der kann hier seinen Lieblings-All-in-One-Internet-Client entdecken.
Netscape 4.79
Aus dem Hause AOL kommt der dienstälteste Browser, der Netscape 4.79. Der Methusalem wurde seit dem Test vor zwei Monaten mit keiner Frischzellenkur bedacht, daher ist ein Nachtest in Sachen Kompatibilität überflüssig.
Der 4.79 ist nun hoffnungslos veraltet. Was dem Anwender vor fünf Jahren als Monster vorkam, ist heute ein superschlanker Browser für magere Hardwareplattformen. Das ist auch die letzte Nische, in die dieser Browser sich retten kann. Selbst auf einem 486er ist er annehmbar zu betreiben. Das Problem ist, dass er mit immer weniger Webseiten zurechtkommt, da er den HTML-4.0-Standard sehr selektiv unterstützt, Cascading Style Sheets (CSS) sogar nur fallweise. In Intranets kann das aber ausreichen, etwa um Masken einer Datenbank zum Ausfüllen zu präsentieren.
Der Mailer von 4.79 ist komfortabel, aber auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Er beherrscht keine verschachtelten Attachments und erlaubt nur einen POP-3-Account pro Benutzer. Er beherrscht zwar SMTP/Auth, merkt sich aber im Gegensatz zu POP und IMAP das Passwort nur bis zum Programmende, nach dem nächsten Start fragt er wieder danach, was nervt. Newsgroup-Lesen unterstützt er, nicht aber Chat.
Die Einfachheit bringt natürlich Power. Da er viele Features nicht unterstützt, muss er sie nicht berechnen. Die Folge: Netscape 4.79 drängelt sich zwischen Opera und den IE. Dabei ist aber daran zu erinnern, dass die Seiten nicht korrekt dargestellt werden, wie man auch an Abbildung 5 sehen kann. XML kann der Oldie ebenso wenig wie irgendein Document Object Model.
Bei Java leistet sich der Browser eine Schrulle, die kaum zu erklären ist. Auf der fast identischen Release 4.77 war kein Java zu starten, auf 4.79 schon. Nur ist die JRE offenbar nicht in der Lage, Bilder einzublenden und einen korrekten Font zu verwenden – kein anderer Browser hat so ein Problem. Dazu lief Java auch noch mit etwa halbem Dampf, 54 Sekunden sind kein Rekord.
Doch die große Stunde des Alten schlägt beim Javascript-Test. Mit acht Sekunden kann er als einziger Linux-Browser dem Internet Explorer (fünf Sekunden) etwas entgegensetzen. Der Zweitschnellste, Galeon, erreicht nur 17 Sekunden. Nicht überrascht hat, dass Flash ohne Probleme lief und mit 21 Frames pro Sekunde auch annehmbar schnell. Schließlich ist der Flash Player als Netscape-4-Plugin geschrieben.
Fazit: Ein altgedienter Browser, der nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist und sein Gnadenbrot im Intranet finden kann. Bei Javascript läuft dieser Opa aber seinen Enkeln noch mal so richtig davon.
Netscape 7
Ganze zwei Tage nach dem Redaktionsschluss für das Linux-Magazin 10/02 kam der lang erwartete neue Netscape mit der Final-Release von Mozilla unter der Haube heraus. Wir versprachen damals einen Nachtest – und tatsächlich hat sich einiges getan.
Auch wenn der technische Unterschied von Netscape 6.0 auf 6.2.3 viel größer war als der von Netscape 6.23 auf 7, hat AOL eine neue Versionsnummer springen lassen, wohl auch um Erzfeind Microsoft wieder voraus zu sein und sich vom Image des lahmen und Bug-verseuchten Sechsers zu lösen. Jetzt gibt es keine Probleme mehr mit Textgrößenangaben, auch Indizes und Exponenten sind per CSS anweisbar. Die Engine unterstützt endlich das Windows-BMP-Bildformat und Linien um Tabellenelemente sehen so aus, wie sich das gehört (Table Rules, Row Group Rules).
Ein paar Punkte besser steht er jetzt da und hat zum Mozilla aufgeschlossen – kein Wunder. Netscape 7 ist wie die Sechser-Reihe ein aufgebohrter Mozilla mit Extras, die nur AOL-Kunden richtig nutzen können, etwa der Instant Messenger oder die Buddy-Listen. Der Mailer ist Mozilla-like und kann daher IMAP, multiple POP und SMTP/Auth. Newsgroups und Chat sind selbstverständlich. Die Features kosten Platz: Im Vergleich mit den 12 von Mozilla verschlingt Netscape 44 MByte.
Beim Geschwindigkeitstest sitzt Netscape 7 nominell auf dem letzten Platz. Doch hier drängeln sich alle Mozilla-Derivate sehr dicht aneinander. Die Leistung ist gut, auch wenn der Internet Explorer ihm auf und davon browst. Das gilt auch für die Performance im XML-Test, die in Ordnung ist. HTML Document Object Model wollte der Browser partout nicht zu Ende bringen, wohl aber XML/DOM – etwas, was das Original nicht vermag. Man gewinnt den Eindruck, dass AOL noch einmal über den Code von Mozilla gegangen sein könnte.

Abbildung 6: Netscapes neuer Stern am Browser-Himmel, die Mozilla-getriebene Release 7, hier auf der Benchmark-Steuerseite von i-Bench.
Das hätte der Hersteller besser auch bei der Integration des Java Runtime Environment gemacht, denn hier gibt es immer wieder Verweigerer. Erst baut man eine neue JRE ein und testet sie, aber schon im zweiten Anlauf streikt sie wieder. Javascript hingegen läuft, die Geschwindigkeit ist im Mittelfeld angesiedelt. Flash war nicht zu haben.
Eigentlich sollte es Netscape doch möglich sein, die Unterstützung für Netscape-4-Plugins zum Laufen zu bekommen, aber wie bei den anderen auch war gleich nach dem Startbildschirm schon wieder Schluss.
Fazit: Netscape 7 ist ein vollwertiger Mozilla-Derivat-Browser. Wer gerne Sonderfeatures von AOL nutzt, ist mit diesem Browser sehr gut beraten.
Opera 6.03
Aus dem Hause Opera kam ebenfalls eine neue (Minor-)Release. Und siehe da, einige Sachen gehen jetzt besser. So funktioniert die Intrinsic Function »ONKEYUP«. Unverständlicherweise versagt die korrespondierende Funktion »ONKEYDOWN« aber noch immer. Single Selections in Drop-down-Menüs werden jetzt beim Klick auf »Reset« korrekt in die Ursprungslage zurückversetzt, auch die Funktion »ONCHANGE« arbeitet, »ONSELECT« aber nicht. Um ein paar Punkte verbessert Opera so sein Konformitäts-Ergebnis – zum Aufstieg in die Mozilla-Klasse reicht es aber nicht.
Opera möchte sich als dritter Hersteller neben Microsoft und AOL etablieren und bietet seinen Browser für viele Plattformen an, darunter auch Solaris, OS/2, QNX, Windows, BeOS und Symbian. Die Nicht-Windows-Versionen sind reine Browser, während die Windows-Version auch E-Mail-Clients sind. Die Linux-Version greift auf externes Java zurück, für Windows ist es eingebaut.
In der neuen Version wird der Benutzer nunmehr beim Start gefragt, ob er wie beim alten Netscape mehrere Fenster haben oder mit Tabbed Browsing alles in einem Fenster zusammen haben möchte. Wie gewohnt bietet Opera ausladende Konfigurationsmöglichkeiten; in keinem anderen Browser kann man so viel einstellen. Zum Beispiel Fontgrößen: ideal für Leute mit Sehschwierigkeiten oder schlechten Notebook-Displays, auch wenn es pixelgenau arbeitende Webseiten aus dem Tritt bringen kann.
Bei der Messung der Geschwindigkeit zeigt sich jedoch, wo die wahren Stärken von Opera liegen. Mit 22,25 Sekunden pro Durchgang rennt Opera allen anderen Pinguin-Browsern auf und davon, nur Netscape 4.79 ist schneller – aber der rendert ja nicht alles. Opera muss sich nur einem geschlagen geben, Microsofts Internet Explorer. Beim XML-Test kehrt sich das Blatt gar um: Hier kann Opera den Browser aus Redmond ganz klar schlagen, mit fabelhaften 1,10 Sekunden gegenüber 1,39.
Erstaunlich ist, dass die Document Object Models nicht funktionieren wollen. Java macht hingegen keinen Ärger. Es musste zwar von Hand eingerichtet werden, läuft danach aber reibungslos und akzeptabel schnell. Von Javascript kann man das leider nicht sagen: 97 Sekunden für eine Aufgabe, die der IE in fünf schafft. Da ist es auch nur wenig tröstlich, dass Konqueror sogar nur die Hälfte dieser Geschwindigkeit erreicht.
Fazit: Opera ist ein superflotter Browser, dessen Konformität gesteigert werden kann. Seine Vielseitigkeit wird ihm viele Anhänger bescheren.
Außer Konkurrenz: Internet Explorer 6.0 SP1
Der Platzhirsch im Internet ist – seit dem vergangenen Browser-Krieg – der Internet Explorer aus dem Hause Microsoft. Er dominiert den Client-Bereich so stark, dass kein Vergleichstest ihn übergehen kann. In den letzten Wochen hat Redmond auch ein bisschen gefeilt, das Service Pack 1 ist erschienen, so dass wir auch den Standard-Windows-Browser neu auf Konformität untersuchten. Doch war kein Unterschied feststellbar, SP1 dient offenbar nur der Behebung einiger (Sicherheits-)Probleme.
Der Internet Explorer ist ein reiner Browser. Er stellt keine E-Mail-Services zur Verfügung, unter Windows gibt es dafür Outlook (Express). Doch als Browser kann er auch gefallen, ausgefeilte Sidebar-Funktionen, in die auch Plugins eingesetzt werden können, machen das Surfen komfortabel.
Doch nicht nur komfortabel ist der IE, er ist auch sehr schnell: Im Test hängt er den schnellsten Linux-Browser, der vollständig rendert, Opera, beim HTML-Rendern um den Faktor zwei ab. Nur beim Thema XML kann ihn Opera schlagen. Der IE hat keine Probleme mit dem Document-Object-Model-Test, sowohl bei HTML als auch bei XML.
Auch Java läuft schneller ab, was allerdings kein Verdienst des IE ist. Windows XP enthält kein Java Runtime Environment, jedoch wird beim ersten Antreffen eines Java-Applets der Download eines solchen sofort per Popup-Fenster angeboten. Zudem kann man eine JRE von Sun installieren oder das ebenfalls gerade erschienene Service Pack 1 für Windows XP, das einer Forderung amerikanischer Gerichte nachkommend eine JRE in XP einbaut.
Bei Javascript dreht Redmonds Browser ebenfalls auf. Mehr als die Hälfte schneller als der schnellste unter Linux (Netscape 4) und gut und gern 36-mal so schnell wie der langsamste (Konqueror). Flash bereitet auch keine Probleme und bringt um die Hälfte mehr Frames pro Sekunde, als der Player unter Linux schafft – obwohl der vom gleichen Hersteller ist (Macromedia).
Fazit: Der Internet Explorer ist der Maßstab bei Konformität und Geschwindigkeit aus der Windows-Welt. Er hat auch seine Schwächen, etwa das omnipotente Active X, aber das gibt’s inzwischen ja auch schon unter Linux. Ein direkter Geschwindigkeitsvergleich ist nicht möglich, da es keine Linux-Version gibt. Für Solaris ist er schon portiert.
Fazit
Die Tests der vorletzten und dieser Ausgabe zeigen: Die Browser-Tektonik unter Linux ist heftig. Die Jagd auf den IE läuft und die Chancen stehen nicht schlecht. Die Projekte sollten aber zusehen, dass sie mehr an den Problemen arbeiten als an immer neuen Features. Die Javascript-Performance von Konqueror etwa ist so grottenschlecht, dass ein paar Manntage nicht ausreichen werden, um Jagdteilnehmer zu bleiben.
Die Document-Object-Model-Unterstützung ist ein Trauerspiel. Flash: Wenn Macromedia keine neueren APIs herausbringen mag, dann muss eben die Netscape-4-Plugin-Unterstützung besser werden. Java sollte entweder integriert oder die Anbindung besser ausgetestet werden. Und es fehlen noch Multimediaformate unter Linux, etwa Shockwave, Quicktime oder Div X. Und während das strahlende Zukunftsprojekt Mozilla mit wirklich guten Konformitätswerten glänzt und ein modernes, intuitives GUI vorweisen kann, ist es Opera 6.03, der ihm auf und davon rennt.
So kann es keinen klaren Testsieger geben: Opera ist der schnellste, Mozilla der konformste, Beonex der sicherste, Galeon der schlankste, Netscape 4.79 der älteste, Netscape 7 ist der beste Chatter und Konqueror der bestintegrierte Browser. Vielleicht werfen die Projekte mal all ihre Stärken zusammen? Ein Mozoperaleonexcaperor 8.0 Pro, auch für Windows verfügbar, hätte alle Chancen, dem IE gefährlich zu werden. (jk)
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Außen Konqi, innen Gecko? |
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Kurz vor Redaktionsschluss entdeckten die Tester, dass SuSE auf den Seiten des KDE-Update-Service ein besonderes RPM-Paket bereitstellt mit Namen »kdebindings3-mozilla.rpm«. Die Beschreibung verheißt Aufregendes: Das Paket soll Konqueror entkernen und die KHTML-Klasse durch den Mozilla-Renderer Gecko ersetzen. Vor der Installation muss noch das Paket »kdebindings3.rpm« eingebaut sein, dann ist das Aktivieren ein Klacks. Doch Erstaunen beim Ausprobieren: Kdebindings3-mozilla bringt – nichts. Nach der Installation zeigte ein Lauf mit Konqueror auf dem HTML-4.0-Konformitätsteil von i-Bench, dass weiterhin KHTML fürs Rendern verantwortlich zeichnet. Denn die Fehler, die KHTML und Mozilla/Gecko beim Rendern machen, sind charakteristisch. Die Tester hatten nur den Eindruck, dass das Einloggen in KDE per KDM auf der Testmaschine einige Sekunden schneller ging. In der Kürze der Zeit bis zum Redaktionsschluss konnte leider weder bei SuSE noch beim KDE-Team geklärt werden, wo der Fehler liegt. Das Linux-Magazin wird über die weitere Entwicklung berichten. Bis dahin kann aber nur konstatiert werden, dass die Idee gut ist, aber leider nicht funktioniert. |
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So haben wir getestet |
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Zwei Computer bildeten die Plattform für diesen Test. Auf dem einen, einem Dual-Athlon mit zwei 1800er CPUs, wurde Windows 2000 Server mit Internet Information Server und SQL Server sowie MySQL und MyODBC installiert – hier läuft i-Bench. Auf dem zweiten PC, einem 600er Athlon hat eine nagelneue Installation der SuSE 8.0 mit KDE und Gnome (beziehungsweise Windows XP für den IE-Test) ein Zuhause gefunden. 256 beziehungsweise 128 MByte war die Hauptspeicher-Ausstattung. Verbunden waren beide über ein Netzwerk von 100 MBit/s über einen Switch, so dass eine satte Bandbreite zur Verfügung stand. Der verwendete Benchmark ist der i-Bench von Ziff Davis Media in der Version 3.0 [3]. Während die bisherige Version 2.0 als Datenbank den IIS-SQL-Server von Microsoft einsetzte, arbeitet 3.0 jetzt mit MySQL und MyODBC. Übrigens gibt es den Benchmark Ziff-intern auch in einer Apache-Version, aber leider nur für Solaris. Der Kompatibilitätsteil von i-Bench ist nach stichprobenartiger Untersuchung zur in [2] verwendeten 2.0-Version nicht verändert; nur ein paar kleinere Bugs sind bereinigt. Die Ergebnisse sind also guten Gewissens eins zu eins mit denen des letzten Jahres vergleichbar. Bei [1] kam sowieso der gleiche Test zum Einsatz wie beim vorliegenden. Der Geschwindigkeitstest ist neu gestaltet und arbeitet mit anderen Webseiten als die 2.0-Version. Im Gegensatz zum Konformitätstest wird bei der Ermittlung der Performance mit echten, konservierten Webseiten gearbeitet. Mit Hilfe von Referenzmessungen wurden die Ergebnisse von i-Bench 3.0 mit denen der in [2] verwendeten 2.0-Version verglichen, für die Geschwindigkeitsmessungen wurden hieraus Korrekturfaktoren errechnet, auch um den Einfluss der etwas veränderte Hardwareplattform herauszurechnen. Die Ermittlung der erwähnten Korrekturfaktoren zeigte bei der Gegenprobe mit einem alten Netscape 4.77, dass der neue i-Bench auch bei der Geschwindigkeitsmessung vergleichbare Resultate liefert und der Wechsel der Hardwareplattform die Messgenauigkeit nicht wesentlich beeinflusst hat. Die Grundgenauigkeit ist besser als fünf Prozent. |
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Infos |
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[1] “Konform gehen! – HTML-Konformität: Sieben Linux-Browser gegen den IE 6.0”; Oliver Kluge; Linux-Magazin 10/02, S. 51ff. [2] “Halbe Sachen – Acht Browser im Vergleich”; Oliver Kluge; Linux-Magazin 8/01, S. 62ff. [3] World Wide Web Consortium: [http://www.w3.org] [4] Ziff Davis i-Bench: [http://www.i-bench.com] |















