Apache ist mehr als ein Webserver. Unter dem Dach der Apache Software Foundation (ASF) finden heute die wichtigsten Entwicklungen freier Java- und XML-Software statt, inzwischen auch für PHP. Was macht die ASF für Entwickler so attraktiv?
Als IBM im Jahre 1998 mit den Apache-Leuten einen Vertrag abschließen wollte, um den Webserver in ihr Produkt Websphere zu integrieren, waren die Konzernanwälte mehr als verblüfft. Es gab keine Organisation als Vertragspartner. Auf die Frage, wie denn nun Apache organisiert sei, kam die Antwort, es sei eine Website. “Habe ich das richtig verstanden, wir machen hier einen Vertrag mit einer Website?” Die Zeiten des kreativen Chaos sind jedoch auch bei Apache weitgehend vorbei.
Das einstige NCSA-Serverpatch (A Patchy Server) ist als eines der größten und am besten organisierten freien Softwareprojekte zum Modellfall geworden. Unter anderem aus der Erfahrung mit IBM entstand die Apache Software Foundation (ASF). Deren Aufgabe ist es, den unter dem großen Dach Apache angesiedelten Projekten rechtlich, finanziell und organisatorisch zur Seite zu stehen. Der eigentliche Webserver, Apache-intern schlicht als HTTPD-Projekt bezeichnet, ist nur noch ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil.
Webserver nur noch Namenspatron
Dazu kommen Unterprojekte, die oft noch in Unter-Unterprojekte aufgespalten sind, Modularisierung also auch hier. Die wichtigsten Java- und XML-Projekte der Open-Source-Gemeinde sind inzwischen Apache-Projekte, ebenso die beliebte Websprache PHP. Im Falle von Jakarta, dem Apache-Java-Projekt, ist die Zahl der Subprojekte auf 23 gestiegen, darunter sind Schwergewichte wie der Application Server Tomcat. Insgesamt tragen mehr als 160 Entwickler regelmäßig Code zu Jakarta-Software bei. Damit liegt Jakarta an der Spitze aller Apache-Projekte (Abbildung 1).
Bei Apache XML arbeiten 125 Stammentwickler, die sich auf 18 Unterprojekte verteilen: von A wie AxKit, einem Web-Publishing-Werkzeug, bis X wie dem XML-Parser Xerces. Auch Soap, das für Webservices immer beliebter werdende Simple Object Access Protocol, ist ein Apache-XML-Teilprojekt. Das zahlenmäßig drittgrößte Projekt ist dann endlich der Webserver, also das HTTPD-Projekt, mit 65 aktiven Entwicklern.
Auch die Web-Programmiersprache PHP mit all ihren Verästelungen ist Teil des Apache-Projekts. Zu den Kernentwicklern zählen dort derzeit etwa 15 Personen, dabei sind aber jene nicht mit eingerechnet, die regelmäßig zu verwandten Projekten wie der Dokumentation oder den Erweiterungen und Anwendungen beitragen. Diese sind in das Pear-Projekt ausgelagert (PHP Extension and Application Repository).
Bei einer Organisation von Größe und Komplexität des Apache-Projekts setzt man nahezu automatisch das Vorhandensein von Hierarchie-Ebenen, abgestuften Weisungsbefugnissen und formalisierten Entscheidungsprozessen voraus. Davon existiert wenig im Apache-Projekt. Was aber sehr wohl existiert, sind verbindliche Regeln.

Abbildung 1: Die Struktur von Apache. Die einzelnen Teilprojekte sind weitgehend autonom, das Java-Projekt Jakarta ist das zahlenmäßig größte.
Wer viel leistet, darf auch viel reden
Die Apache Software Foundation bezeichnet sich selbst als Meritokratie, wörtlich übersetzt also die Herrschaft der Verdienstvollen. Wer viel leistet, darf viel entscheiden. Nach diesem Prinzip erfolgt auf Einladung die Aufnahme in die Foundation und gegebenenfalls in deren Board of Directors. Dies wählt, wie bei einer amerikanischen Aktiengesellschaft, so genannte Officers für die Management-Funktionen, einen Chairman, einen Präsidenten, einen Schatzmeister und drei Vice Presidents.
Jedes Teilprojekt hat aber seine eigene Struktur und eigene Regeln zur Entscheidungsfindung unter den Entwicklern, sie sollen auch nicht vereinheitlicht werden. In vielen Fällen läuft es jedoch laut ASF-Mitglied Lars Eilebrecht, auf ein Lazy- oder Rough-Konsens-Modell hinaus. Erfolgt auf einen Vorschlag kein Widerspruch, gilt das als Zustimmung.
Zumindest beim HTTPD-Projekt kann aber jeder beispielsweise bei einem Patch ein Veto einlegen, das aber begründet sein muss. Im Allgemeinen geschieht das, wenn jemand einen Fehler entdeckt oder fürchtet, das ein Patch Probleme verursachen wird. Meist klärt sich das recht schnell. Nur bei generellen Design-Entscheidungen kommt es zu längeren Diskussionen. Dort entscheidet dann die Mehrheit.
Laut Lars Eilebrecht bekommt die ASF kein Geld aufgrund von Vertragspartnerschaften mit irgendwelche Unternehmen. Die ASF tritt auch nie als offizieller Partner irgendeiner Firma in Erscheinung. Es gibt jedoch so genannte Memories of Understanding, so zum Beispiel zwischen der Apache Software Foundation und Sun Microsystems.
Apache und das Geld
Geld nimmt die ASF derzeit auf zwei Wegen ein: in Form von Spenden (als Non-Profit-Organisation darf sie Spendenquittungen ausstellen), sie ist außerdem am Gewinn der Apache-Konferenzen beteiligt.
Obwohl in der ASF nur natürliche Personen und keine Firmen Mitglieder sein dürfen, gibt es dennoch Berührungspunkte mit der IT-Industrie. Fünf Mitglieder sind bei IBM, Sun ist zweimal vertreten, besonders zahlreich sind jedoch die Mitarbeiter von Brian Behlendorfs Start-up Collabnet sowie von Covalent Technologies, also einem Unternehmen, des-sen Geschäftsbereich auf Produkten und Support rund um Apache beruht.
Das Apache-Projekt ist der lebende Beweis dafür, dass in der Open-Source-Welt nicht nur ein Wettbewerb um sinnvolle Lösungen und guten Code besteht, sondern auch um erfolgreiche Entwicklungsmodelle. Die ASF trifft offenbar den Nerv der Entwicker dabei besser als viele andere Ansätze, sie ist in der Welt der freien Software zu einem Anziehungspunkt für viele Projekte geworden.
Konkurrenz der Entwicklungsmodelle
Das mag an der weit gehenden Autonomie der Teilprojekte liegen oder an der Ideologiefreiheit der entscheidenden Köpfe. Mit Sicherheit spielt auch die Attraktivität des Webservers als Aushängeschild für freie Software eine Rolle, die auf alle Apache-Projekte abfärbt. Wegen des zu hohen Koordiationsaufwands lehnt die ASF Aufnahmeanträge weiterer Projekte in der Regel ab.
Die relativ reibungslose Zusammenarbeit mit Konzernen wie IBM oder Sun ist wohl auch auf die IT-Industrie-freundliche Apache-Lizenz zurückzuführen, die anders als die GPL eine Einbindung in proprietäre Software erlaubt.
Die Beliebtheit des Apache-Projekts soll sich in diesem Herbst auch wieder bei der Tagung Apache Con zeigen, die ab dem 19. November in Las Vegas stattfindet. Im letzten Jahr musste die Tagung leider ausfallen, da der Veranstalter, die Firma Camelot, in Konkurs ging. Der neue – Security Travel – richtet unter anderem auch die Security-Konferenzen Blackhat und Def Con aus, ist also mit dem Metier vertraut. Die fachliche Betreuung übernehmen fünf Mitglieder der Apache Software Foundation.





