Aus Linux-Magazin 10/2002

Daten-DVDs unter Linux brennen

DVDs treten die Nachfolge der für Videofilme oder Backups aktueller Festplatten zu kleinen CD-Rs beziehungsweise CD-RWs an. Unter Linux sind jedoch beim Brennen von DVDs ein paar Besonderheiten zu beachten.

Mit rund 700 MByte bietet die CD nur beschränkten Platz: MP3-Songs, DivX- oder MPEG-Filme und hunderte Digitalfotos lassen das Homeverzeichnis eines Benutzers schnell auf einige GByte anwachsen. Zeit für einen Wechsel: Ein DVD-R/RW-Brenner wie der DVR-104 von Pioneer (siehe Kasten) ist schon für gut 300 Euro zu haben, DVD-Medien mit 4,7 GByte Kapazität gibt es für knapp zwei Euro das Stück auf Spindel[1], das sind nur 30 Cent für 700 MByte.

Der Aufbau von beschreibbaren CDs und DVDs ist sehr ähnlich. In beiden Fällen wird ein organischer Farbstoff durch einen Laser verändert. Bei den einmal beschreibbaren Medien gibt es jeweils eine Farbschicht vor der Reflexionsschicht, bei mehrfach beschreibbaren jeweils zwei Schichten.

Während bei CDs die Reflexionsschicht unmittelbar unter dem Label liegt, hat die (einseitige) DVD oberhalb der Reflexionsschicht eine zweite, unbenutzte Scheibe aufgeklebt: Ein Kratzer auf dem Label einer CD kann sehr leicht die Reflexionsschicht zerstören, das Label einer DVD ist vergleichsweise unempfindlich. Das Zwei-Scheiben-Laminat erlaubt es auch, zweiseitige DVDs herzustellen: Es werden einfach zwei Unterseiten aufeinander geklebt, für eine Beschriftung kann dann nur der Raum um das Mittenloch dienen.

Die Schlacht der Standards

Die konkurrierenden Standards DVD-R/RW und DVD+R/RW sind technisch sehr ähnlich, DVD-ROM-Laufwerke und DVD-Player können theoretisch die Medien aller vier Standards lesen. In der Praxis machen bespielte DVD-R-Medien die wenigsten Probleme. Fast alle Laufwerke am Markt kommen mit ihnen zurecht, einerseits weil die Medien eine hohe Lichtreflexion von 45 bis 85 Prozent gegenüber einer DVD-ROM bieten, zum anderen, weil auch der einkodierte Medientyp seit langem im Umlauf und in der Firmware der meisten Laufwerke gespeichert ist.

Anders bei DVD+R: Brenner für dieses Format gibt es erst seit einigen Monaten, so dass DVD-ROMs mit älterer Firmware DVD+R verweigern. DVD+RW wiederum ist zwar deutlich älter, verwendet aber wie DVD-RW einen Rohlingstyp mit einer Lichtausbeute von nur 18 bis 30 Prozent (Abbildung 1), was neue Probleme verursacht.

Ältere Laufwerke interpretieren die geringe Reflexion nämlich so, dass eine DVD-ROM mit zwei Datenschichten (bis 9 GByte) eingelegt wurde. Die RW-Medien haben jedoch keine zweite Schicht mit Daten, weshalb der Laser nicht fokussieren kann – das Laufwerk verweigert das Medium. Als Lösung gibt es unter[6] Firmware-Updates für DVD-ROMs, die gleichzeitig Features wie Regiocode-Befreiung bieten. Auch beim NEC DV-5700A aus[7] war ein solches Update erforderlich.

Auch wenn DVD-R/RW derzeit die günstigere Lösung ist, die Schlacht um den Standard ist noch nicht geschlagen. Es wird noch einige Monate dauern, bis sich ein Typ am Markt durchgesetzt hat. Linux-Nutzer haben leider sowieso keine Wahl: Zurzeit werden nur DVD-R/RW-Laufwerke unterstützt.

Abbildung 1: Eine DVD-R (links) reflektiert deutlich mehr Licht als eine DVD-RW (rechts). Das führt bei älteren DVD-ROM-Laufwerken zu Missverständnissen.

Abbildung 1: Eine DVD-R (links) reflektiert deutlich mehr Licht als eine DVD-RW (rechts). Das führt bei älteren DVD-ROM-Laufwerken zu Missverständnissen.

Linux brennt DVDs wie CDs

Die Handhabung des DVD-Brenners ist identisch mit der eines CD-Brenners – von der IDE-SCSI-Emulation bis zu den Device-Namen. Die Brennsoftware ebenso: CDs werden auch im DVD-Brenner mit Cdrecord[2] beschrieben, nur für DVD-Medien muss es die kommerzielle Version Cdrecord-ProDVD[3] sein.

Für private Nutzung sowie Forschung und Lehre hat Autor Jörg Schilling einen Lizenzschlüssel für Cdrecord-ProDVD freigegeben, der bis Mitte Januar 2003 gilt. Danach wird es zwar auch eine kostenlose Nutzungsmöglichkeit geben, möglicherweise ist dann aber eine individuelle Registrierung erforderlich. Der Lizenzschlüssel wird als Umgebungsvariable eingebunden, eine genaue Anleitung gibt es in der README zu Cdrecord-ProDVD unter[4].

Der kommerzielle Einsatz kostet 100 Euro, dann gibt es auch keine Beschränkung der Schreibgeschwindigkeit aufs maximal Vierfache mehr. Die Bremse spielt jedoch beim Pioneer DVR-104 kaum eine Rolle, bei maximal zweifacher DVD-Geschwindigkeit gibt es keine Einbußen. Zum Brennen von CD-Rs mit achtfacher Geschwindigkeit braucht man das freie Cdrecord, die ProDVD-Version bremst auch hier.

Kein DVD-Authoring

Die Erzeugung eines DVD-Videos bereitet unter Linux große Probleme. Derzeit gibt es kein Programm, das ein DVD-Image mit Menüs generieren könnte. Die beste Anlaufstelle ist das Forum von Vcdimager unter[5]. Zurzeit diskutieren die Entwickler noch, welche Bereiche von bereits vorhandenen Tools abgedeckt sind, was sich aus dem (S)VCD-Generator Vcdimager recyceln lässt und wo noch weiterentwickelt werden muss. Der Einsatz des DVR-104 unter Linux gilt gegenwärtig also nur dem Datenbackup oder dem Speichern einzelner MPEG-Dateien.

Auf großem Fuß

Das ISO-9660-Dateisystem für eine Daten-DVD erzeugt wie auch bei CDs das Programm Mkisofs. Äußerst problematisch ist die Größe des entstehenden ISO-Image: bis zu 4,7 GByte. Auch wenn alle neueren Dateisysteme – inklusive Ext 2 – solche Dateien verwalten können, kommen die meisten Anwendungen nicht mit ihnen klar. Grund ist die C-Funktion »stat()«, deren Rückgabewert für die Dateigröße nur in einem »long int« gespeichert wird und bei 2 GByte einen Überlauf verursacht.

Im Ergebnis lässt sich eine 4,7 GByte große Datei fast nicht mehr benutzen, selbst »cat« scheitert. Immerhin: Cdrecord-ProDVD kann sie verarbeiten, so dass das übergroße ISO-Image seinen Zweck erfüllen kann. Für die Lösung sorgt der in der Manpage nicht genannte Parameter »-split-output« von Mkisofs – damit wird das ISO-Image in 1 GByte große Teilstücke aufgebrochen. Cdrecord-ProDVD fügt die Teile automatisch zu einem virtuellen Track zusammen, wenn sie beim Aufruf mittels Wildcards oder hintereinander aufgelistet angegeben werden.

Fazit

Die für Datenspeicherung und -sicherung hoch interessanten DVD-RW-Medien kommen nur in Frage, wenn die DVD-RW später wieder über den langsamen DVD-Brenner eingelesen werden kann oder ein aktuelles DVD-ROM-Laufwerk zur Verfügung steht. Das Flashen alter DVD-ROM-Laufwerke ist immer mit dem Risiko des Totalverlusts behaftet, sollte also die Ausnahme sein.

Bei Backups mit DVD-R sieht es besser aus, fast alle Laufwerke lesen die einmal beschreibbaren Scheiben ohne Probleme. Zudem schützen DVD-Rs vor versehentlichem Löschen eines Backups. Bei Medienpreisen von rund 43 Cent pro GByte sind DVD-Rs auch eine Alternative zu kleineren Bandlaufwerken.

Die Entwicklung im Bereich DVD-Video-Authoring ist noch abzuwarten, auch unter Windows und Mac OS X gibt es dafür zurzeit nur wenige brauchbare Programme. n

Pioneer DVR-104

Der günstige DVR-104 ist langsamer als moderne CD-Brenner. Auf DVD-R erreicht er maximal doppelte DVD-Geschwindigkeit, also gut 2,5 MByte/s. Das entspricht der Leistung eines 16fach-CD-Brenners. Auf den erneut beschreibbaren DVD-RWs ist es mit gut 1,3 MByte/s (1x) nur noch neunfache CD-Geschwindigkeit. Dafür entfällt der lästige Medienwechsel alle 700 MByte.

Hersteller: Pioneer [www.pioneer.de]

Cache: 2 MByte

IDE-Protokoll: UATA-33

Lesbare Medien: CD-ROM (24x), CD-R (24x), CD-RW (24x), DVD-ROM (6x bei einer Schicht, 2x bei zwei Schichten), DVD-R (2x), DVD-RW (2x)

Beschreibbare Medien: CD-R (8x), CD-RW (4x), DVD-R (2x), DVD-RW (1x)

Preis: ca. 300 Euro

Infos

[1] Bezugsquelle DVD-R/RW-Rohlinge: [http://www.dvd-medien.com]

[2] Homepage von Cdrecord: [http://www.fokus.gmd.de/research/cc/glone/employees/joerg.schilling/private/cdrecord.html]

[3] Cdrecord-ProDVD: [ftp://ftp.fokus.gmd.de/pub/unix/cdrecord/ProDVD]

[4] Lizenzschlüssel für ProDVD-Version: [ftp://ftp.fokus.gmd.de/pub/unix/cdrecord/ProDVD/README]

[5] Forum für DVD-Authoring-Entwicklung: [http://forums.vcdimager.org/viewtopic.php?t=156]

[6] Firmware für DVD-Laufwerke: [http://perso.club-internet.fr/farzeno/firmware/dvd/dvdfi.htm]

[7] Mirko Dölle: “Vorgeführt”, Linux-Magazin 03/01

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