Aus Linux-Magazin 02/2002

Der Monat auf Linux-Community.de

Die Linux New Media AG – Herausgeberin des Linux-Magazins – betreibt im Internet die Diskussions- und News-Plattform www.linux-community.de. Wir werfen einen Blick auf die dort kontrovers diskutierten Ereignisse der letzten Wochen.

Nach wie vor ist die Umstellung der Rechnerlandschaft im Bundestag ein heißes Thema für die Mitglieder der Community. Unter der Story “Die ,Zeit` berichtet über Linux im Bundestag” [www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2541] verweist beispielsweise Jörg Fehlmann auf einen offenen Brief des Linux-Verbands, geschrieben von Daniel Riek und unter der URL [www.linux-verband.de/aktuell/News_133.de.shtml] nachzulesen

Der Brief richtet sich direkt an den Bundestags-Abgeordneten Ulrich Kelber (CDU). Der hatte zwar gefordert, in der Debatte um die künftige Ausstattung der IT-Landschaft weniger dogmatisch zu sein, selbst aber stark in Richtung Microsoft argumentiert. Als bekannt wurde, dass Kelber eine Beraterfirma mit Schwerpunkt bei Produkten gerade des Redmonder Riesen betreibt, brachen die Dämme in der Linux-Community.

In diesem Monat klingen die Töne aber wieder etwas moderater. Mats-Peter Schmitz spricht in einem sehr auführlichen Beitrag an, was allen klar sein sollte und im Brief von Riek auch deutlich gesagt wird: Der Bundestag ist nicht irgendeine Firma. Hier geht es um sicherheitsrelevante Fragen.

Mats-Peter Schmitz weist ebenfalls auf eine gewisse Verschnupftheit von Kelber hin: “Das Problem ist, dass man von Herr Kelber keine vernüftige Antwort mehr bekommt. Trotz meiner sachlich kontroversen, aber in kein Fall beleidigenden Mail, bekam ich eine lapidare Antwort, mit der ich mich irgendwie, um es mit den Worten von Herr Kelber zu sagen, abgespeist fühle.”

Alles in allem ist jedoch Verständnis angesagt: “Scheinbar sind mannigfaltige Mails an Herrn Kelber gerichtet worden, die nicht immer sachlich waren. Es ist durchaus klar, dass man bei zig Mails jeden Tag zu diesem Thema nicht auf jede einzeln eingehen kann.”

Abbildung 1: Die Umstellung der IT-Struktur im Bundestag bewegt die Mitglieder der Linux-Community.

Abbildung 1: Die Umstellung der IT-Struktur im Bundestag bewegt die Mitglieder der Linux-Community.

Griff ins Archiv

Mancher hat noch einen alten Stapel Disketten im Schrank liegen, bei dessen Anblick die Erinnerungen an durchgemachte Nächte wieder erwachen: Linux-Installation mit 30 oder mehr Floppies, von denen eine natürlich einen Fehler hatte. Andreas Striegel stellte der Community unter [www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2464] die Frage: “Wer kann mir eine SuSE-Linux-Version 4.2 überlassen?”

Auf die Frage, was mit so einer alten Distribution noch anzufangen sei, insistiert Günther Gehl: “Nun, auch alte Ausgaben von Distributionen sind interessant und können ja ein gewisses historisches Interesse beanspruchen. Ich habe mir mal meine Sammlung angesehen – und die beginnt 1994 bei SuSE Linux 1.0.9. Und ich werde sie bestimmt nicht wegwerfen. Unter anderem deshalb nicht, weil ich ein paar alte Rechner gerettet habe, zu denen solch alte Versionen ganz gut passen. Klar, es ist Hobby (um nicht zu sagen brotlose Kunst ;-)), aber es macht schon Spaß, auf einem zehn Jahre alten PS/2 mit Microchannel ein Linux zum Laufen zu bringen. Und gerade damit lernt man sehr viel über die Grundlagen – jedenfalls sehr viel mehr, als wenn man mit diesem Yast 2 sich sein System zusammenklickt.”

Matthias Petermann verweist auf eine Alternative: “Wenn es nur darum geht, ein älteres System mit Linux auszustatten, könnte Slackware-Linux möglicherweise die günstigste Wahl sein. Auch die aktuellen Versionen sind noch sehr schlank und kommen mit einer einzigen CD als Installationsmedium aus.”

Moint sagt dazu: “Ich habe Slackware 7.1 schon mal via Disketten installiert. War zwar ein ziemlicher Jonglierakt (rund 14 Disketten), dafür kriegt man aber eine wirklich schlanke und aktuelle Installation. Sollte IMHO mit der aktuellen Version 8.0 auch funktionieren. Wenn man die Installationsvariante »ZIP-Slack« wählt, kann man sogar von einem Zip-Laufwerk weg installieren (sogar das Root-FS kann man auf dem Zip-Laufwerk ablegen, wenn ich mich nicht täusche).”

Ivo Schwalbe hat eine ganze Liste von alten Distributionen: “SuSE 11/94 (da konnten die sich noch keine richtigen Versionsnummern leisten) mit Live-FS-CD. Dann eine 5.2, eine ,Linux aktuell` (mit SuSE 5.3) und eine aktuellere SuSE 6.1.” Und Martin Gruender wird ganz konkret: “Falls es unbedingt 4.2 sein muss, die habe ich noch rumliegen. Allerdings ist das Buch weg. Wenn du Interesse hast, schreib mit eine Mail.”

König reitet sein Reich ab

Das Treffen zwischen Microsoft-Gründer Bill Gates und Tony Blair, britischer Premierminister, ist nicht unbemerkt geblieben [www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2544]. Das britische Wirtschaftsministerium hatte laut darüber nachgedacht, ob es in Zukunft noch auf Microsoft setzen wird. Man werde Alternativen erkunden. Da blinkten wohl in Redmond die Alarmleuchten und Bill Gates setzte sich in Marsch.

Fast schon ein bisschen pessimistisch klingt da der Kommentar von Frank Arnold: “Ist schon eigenartig. Da reist der Gründer einer mittelmäßigen Softwarebude zu seinen Kunden, um wahrscheinlich einen Vertrag mit angepassten Lizenzvereinbarungen vorzutragen, und die Kunden fallen (voraussichtlich) um wie Pappschachteln. Irgendwie ist so ein Monopol schon eine sehr eigenartige Angelegenheit – fast wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Unter normalen Umständen würde sich ein Kunde das einmal ansehen und künftig seine Produkte bei anderen Firma kaufen.”

Konzeptlosigkeit behindert Linux

Rene Staack macht die Konzeptlosigkeit der Angebote und Strategien mit Linux verantwortlich für das PR-Defizit, das gegenüber Microsoft Windows besteht. “Was wir tun können um Linux zu stärken, ist hier die Frage. Ich denke, wenn man Firmen beziehungsweise den Eigentümern Wege aufzeigt, wie man mit Linux Geld verdienen kann, wird die Zustimmung von ganz allein kommen. Gerade Schulungsunternehmen haben in diesem Bereich heftige Probleme, was zum Teil daran liegt, dass es noch immer keine Konzepte gibt, nach denen man ausbilden kann. Es gibt keine Schulungsunterlagen, mit denen man eine vernüftige Ausbildung zustande bekommt. Es gibt zwar schon eine Reihe Bücher, die sich aber zum Teil widersprechen. Bei solchen Voraussetzungen wird sich kaum eine Firma, für die Microsoft bisher ausgebildet hat, wirklich Linux als Alternative suchen.”

Bernward sieht nach wie vor IT-Spezialisten als Propagandisten für Linux sowie die großen Firmen, die Linux als alternatives Betriebssystem auf ihrer Hardware ein setzen. Er sagt: “Insofern kann man Big Blue durchaus dankbar für die Kampagnen sein, da setzt sich zumindest erst einmal eine Alternative in den Köpfen fest. Der erste Schritt muss doch sein, als ernsthafte Alternative aufgefasst zu werden, und das kommt ins Rollen. Glaubt hier eigentlich ernsthaft irgendjemand, dass Blair sich für 15 Minuten Zeit nimmt, um dann einen Millionenvertrag zu schließen? Die Präsenz von Bill Gates himself wirkt sicher und ich glaube nicht, dass ein Besuch von Linus dasselbe bewirken würde. Im Moment muss also die Technikerschicht weitertreibend sein.”

Lockenwickler fürs Internet

Max Werner lenkt mit einem Beitrag die Aufmerksamkeit der Community auf eine zusätzliche Sprache für das Web: Curl [www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2601]. Er steht der Sache allerdings von Anfang an kritisch gegenüber. Entwickelt wurde der Standard zwar von Tim Berners-Lee, einem Pionier des World Wide Web. Werner stören aber die starke Nähe zu Microsoft sowie die fehlende Möglichkeit, andere Web-Sprachen zu integrieren.

Thomas Thanner weist auf einen anderen Umstand hin, der sich zu einem großen Hemmschuh entwickeln wird: Die Lizenzkosten für die Sprache werden über die Größe (in KByte) des verwendeten Code abgerechnet – und zwar sowohl für die Menge an Quelltext in Curl, die auf dem Server abgelegt ist, als auch für die aufgerufene Seite.

Ein kleines Rechenbeispiel von Bernd Seidler ergibt, dass selbst bei einem Preis von 0,05 US-Cent ein stolzer Preis zusammenkommen kann: Er geht dabei von 100 KByte Sourcecode aus und 1000 Hits am Tag, also eigentlich moderate Werte. Aufs Jahr umgerechnet kostet der Einsatz der Sprache aber 18250 US-Dollar, sicherlich kein Preis, den der Privatanwender locker aus der eigenen Tasche berappen möchte.

Martin Gange weist aber darauf hin, dass sich das Blatt noch mal wenden könnte: “Mal sehen, wer auf den Zug aufspringt. Es wäre jedenfalls nicht schlecht, wenn eine Referenzimplementierung unter Linux fallen würde. Wenn das Produkt nicht wirtschaftlich ausbeutbar ist, wird es bestimmt auf Druck der Community als Open Source released. Merke: Der Kram kommt aus der Wissenschaft.”

Die Linux-Community hat ein Auge darauf und wird über aktuelle Entwicklungen auch weiter berichten. Damit endet der Rückblick und wir sagen: Bis zum nächsten Mal!

Kurz notiert

Filtersysteme: [http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2543]

Wie für Linux/Open-Source spenden? [http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2488]

Linux und Indymedia: [http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2562]

Microsoft gibt Quellen für den Bundestag frei: [http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2557]

2600.com darf DeCSS nicht verbreiten: [http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=2539]

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