Aus Linux-Magazin 02/2002

Sharp Zaurus SL-5000D im Test

Sharp liefert mit dem Zaurus SL-5000D den ersten PDA mit Farbbildschirm und vorinstalliertem Linux. Bei spannender Hardware hakt es bei Software-Details. Und ganz ohne Windows geht's auch nicht.

Der Sharp Zaurus SL-5000 ist bis März nur in der Entwicklerversion zu bekommen, was man am nachgestellten D erkennt, die Variante für Endanwender wird ein G am Ende der Bezeichnung tragen. Damit verfolgt Sharp offenbar das gleiche Konzept wie schon Agenda mit dem VR3: Den Programmierern wird die Möglichkeit gegeben, vorab eigene Programme zu entwickeln, die bei Erscheinen der User-Edition bereits verfügbar sind; es wird eine breitere Softwarebasis geschaffen.

Gute Ausstattung

Die Hardware des Sharp Zaurus ist mit dem Compaq iPaq vergleichbar: Die CPU (StrongARM, 206 MHZ), 16 MByte Flash und 32 MByte SD-RAM sind im flachen Gehäuse untergebracht. Der Zaurus hat ein transmissives TFT-Farbdisplay mit einer Auflösung von 240 mal 320 Pixeln bei einer Bilddiagonalen von 88 mm und erreicht 16 Bit Farbtiefe.

Durch das transmissive Display kann der Bildschirm auch ohne die in mehreren Stufen dimmbare Hintergrundbeleuchtung abgelesen werden, wenn auch nicht ganz so gut wie beim iPaq. Die Beleuchtung erfolgt beim Sharp mit einer starken Lichtquelle vom rechten Rand her, bei beiden zur Verfügung gestellten Testgeräten zeigten sich jedoch leichte Schatten in der rechten oberen Ecke. Insgesamt macht das TFT-Display aber einen guten Eindruck.

Sehr praktisch ist der abnehmbare Klappdeckel: Er schützt das Display vor Kratzern und harten Gegenständen, die auch den Touchscreen beschädigen könnten. Die Abdeckung wird für den Betrieb unterwegs nach oben aufgeklappt und stört die Arbeit am PDA nicht. Ähnliches sucht man beim Compaq iPaq vergeblich.

Reichlich Anschlüsse

Das Konzept für Erweiterungen ist beim Zaurus völlig anders als beim iPaq. Sharp hat alle Anschlüsse im Gehäuse untergebracht, während bei Compaq verschiedene Erweiterungs-Jackets am PDA angebracht werden, die die Größe des iPaq leicht verdoppeln.

Neben den fast schon üblichen Schnittstellen RS-232, USB und Irda ist der Zaurus auch mit einem Compact-Flash-Slot und überraschenderweise einem Steck-platz für SD/MMC-Cards (Abbildung 1) ausgerüstet. Damit ist er der erste Linux-PDA mit Unterstützung für diesen Kartentyp. Allerdings ist die Security-Funktionalität für SD-Karten noch nicht implementiert. Ob sie nachgeliefert wird, ist noch nicht bekannt.

An der Unterseite, in Abbildung 1 rechts zu sehen, befindet sich hinter einer Abdeckung der Erweiterungs-Anschluss, der derzeit nur vom optionalen seriellen Kabel benutzt wird.

Ein weiterer Pluspunkt gegenüber dem iPaq ist der austauschbare Lithium-Polymer-Akku mit 950 mAh Kapazität und 3,7 Volt, er ist unter einer Abdeckung auf der Rückseite verstaut. Im Inneren befindet sich zusätzlich noch eine Back-up-Batterie, die allerdings nicht ausgetauscht werden kann, aber den SL-5000 bei einem Akkuwechsel vor Datenverlust schützen soll.

Abbildung 1: Als erster Linux-PDA hat der Sharp Zaurus einen SD/MMM-Card-Steckplatz. Derzeit fehlen noch die Security-Funktionen. Rechts ist die Abdeckung des Erweiterungsports zu sehen.

Abbildung 1: Als erster Linux-PDA hat der Sharp Zaurus einen SD/MMM-Card-Steckplatz. Derzeit fehlen noch die Security-Funktionen. Rechts ist die Abdeckung des Erweiterungsports zu sehen.

Technische Daten: Unbekannt

Über die Interna des Zaurus schweigt sich Sharp noch aus, mangels Dokumentation ließ sich nur wenig herausbekommen. Besonders interessant: Die Quellen des Kernels wurden bis zum Redaktionsschluss nicht vollständig veröffentlicht. Nach Auskunft der japanischen Ingenieure sollen sie aber bis zum Erscheinen dieser Ausgabe freigegeben sein. Wir konnten noch ein Stereo-Audio-Interface mit 16 Bit und 44 kHz Sampling-Rate identifizieren, das nur über eine 3,5-mm-Klinkenbuchse zugänglich ist. Auf der Oberseite befinden sich zudem noch zwei LEDs.

QWERTY-Tastatur

Unterhalb des Displays sind die bei PDAs üblichen Funktionstasten, ein Cursor-Ring (Cursor Dial), OK- und Cancel-Knopf angebracht. Doch schiebt man dieses Tastenteil nach unten, offenbart sich der Clou des Zaurus: Hier versteckt sich eine kleine amerikanische Tastatur (Abbildung 2) in der vom PC bekannten QWERTY-Anordnung!

Die Tasten wirken auf Anhieb fast zu klein, sind aber dennoch erstaunlich gut zu benutzen. Um Cursor Dial und die Tasten auf der Oberseite der Abdeckung verwenden zu können, muss sie ganz ausgezogen werden – die Schleifkontakte auf der Rückseite haben nur bei geschlossener und offener Lade Kontakt. Die Praxis wird zeigen, ob diese Lösung den Anforderungen bei häufiger Benutzung gerecht wird und nicht zu schnell verschleißt.

Zum Lieferumfang gehören ein kompaktes Netzteil sowie eine Docking-Station mit USB-Anschluss (Cradle). Das Netzteil kann entweder direkt an den Zaurus gesteckt werden oder man lädt den PDA über das Cradle auf. Praktisch ist der am Cradle herausgeführte und durchgeschleifte Erweiterungsanschluss des Zaurus. Darüber kann man RS-232-Kabel anschließen, während der PDA im Cradle steckt. Leider wird das Kabel nicht mitgeliefert, obwohl es gerade für Entwickler interessant sein dürfte. Schade auch, dass das USB-Kabel am Cradle angelötet ist: Für unterwegs wäre es praktischer, wenn sich das Kabel wahlweise direkt am Zaurus oder an eine Cradle-Buchse anstecken ließe.

Schließlich ist noch die Klappe des SL-5000 zum Schutz des Erweiterungs-Ports etwas arg pfriemelig ausgefallen und nur mit langen Fingernägeln oder einem Taschenmesser zu bedienen.

Abbildung 2: Unter dem Cursor-Dial verbirgt sich eine kleine, gut zu bedienende QWERTY-Tastatur.

Abbildung 2: Unter dem Cursor-Dial verbirgt sich eine kleine, gut zu bedienende QWERTY-Tastatur.

Kernel und Treiber

Der SL-5000 wird ausschließlich als Linux-PDA ausgeliefert – endlich hat auch ein großer Hersteller Linux als Embedded-Betriebssystem entdeckt. Auf der Developer Edition kommt Embedix von Lineo zum Einsatz sowie Qt-Embedded mit QPE als grafischer Oberfläche und Application-Suite. Einen ausführlichen Bericht über Qt-Embedded finden Sie unter[1], bleibt noch die Bewertung der Linux-Portierung von Embedded-Linux-Spezialist Lineo.

Das ROM unserer Testgeräte war bereits bei Redaktionsschluss veraltet. Ein Update ist aber übers Internet zu haben, es setzt eine mindestens 32 MByte große Compact-Flash-Karte voraus, auf die das ROM-Image kopiert wird. Führt man anschließend einen Hardware-Reset aus und hält dabei zwei Tasten der Tastatur gedrückt, wird automatisch das neue Image von der CF-Karte in das eingebaute Flash kopiert.

Beim Neustart gehen alle vorher gespeicherten Daten verloren, danach bootet der Linux-Kernel Version 2.4.6-rmk1-np2 mit der Einschränkung auf 20 MByte Speicher (mem=20M). Es wird offenbar auf dem iPaq-Kernel aufgesetzt – allerdings sind die StrongARM- und die Handhelds.org-Portierung mittlerweile schon bei Version 2.4.16 angelangt.

Dem Kernel wurde Unterstützung für die gesamte Hardware des SL-5000 hinzugefügt, inklusive SD/MMC-Card-Slot. Allerdings konnten MMC-Karten vom Pontis MPlayer3 nicht gelesen werden – weder die Flash-Karten noch die ROS-Karten (Record On Silicon – eine vorbespielte MP3-ROM-MMC-Karte) funktionierten im Test.

Das Audio-Interface lässt sich über einen neuen Treiber ansteuern, der aus dem »dmasound«-Treiber abgeleitet und leider unvollständig implementiert wurde. Eine Standard-Mixer-Applikation meldet beim Start, der I/O-Control-Aufruf »IOCTL_REC_SRCV« werde nicht unterstützt. Das Powermanagement funktioniert größtenteils, ein ordentliches Suspend und Resume schickt den StrongARM samt restlicher Hardware in den Sleep-Modus. Allerdings fehlt wohl noch die Ladestands-Anzeige des Akkus; dieser wird im Test mit konstant 100 Prozent angegeben.

Problem: Dateisysteme

Nimmt man das System unter die Lupe, kommt Lineo nicht gut weg. Beim Dateisystem wurde hier ganz offensichtlich Technologie von gestern eingesetzt. Zuerst fällt auf, dass sich das System in einem Cramfs-Image befindet. Das ist ein Read-only-Dateisystem, das bei Erstellung des Image komprimiert wird. Updates sind also nur möglich, wenn man das komplette Image neu schreibt. Wenigstens ist »/etc« symbolisch nach »/home/etc« verlinkt, so dass Einträge in Konfigurationsdateien problemlos verändert werden können.

Für die Speicherung von temporären Daten in »/var« und »/dev« kommen zwei normale RAM-Disks zum Einsatz. Mittlerweile gibt es aber auch Unterstützung für das so genannte TMP-Filesystem (beziehungsweise Virtual-Memory-FS). Hier wird nicht statisch ein bestimmter Teil des RAM für die RAM-Disk reserviert, sondern dynamisch je nach Anforderung.

Laufen wenige Applikationen, können mehr Daten abgelegt werden und die Größe ist a priori nur durch die Größe des RAM beschränkt. Statische RAM-Disks ziehen ihren Speicher immer voll vom Systemspeicher ab, ob benutzt oder nicht. Daher hat Lineo die RAM-Disks mit insgesamt 1 MByte vergleichsweise klein gehalten.

Die Benutzerdaten aus »/home« werden in einer separaten RAM-Disk gespeichet, die über einen MTD-Emulationstreiber verwaltet wird. Die dafür verwendeten 12 MByte wurden beim Booten mit dem Kernel-Parameter »mem=20M« abgespalten und sind für das System nicht sichtbar. Selbst bei einem Kernel-Absturz bleibt diese RAM-Disk unverändert, einen vollständigen Spannungsverlust bei leerem Akku und leerer Pufferbatterie überlebt sie aber nicht.

Auch diese RAM-Disk ist statisch angelegt und verringert den für Linux verfügbaren Speicher um 12 MByte, unabhängig von ihrem jeweiligen Füllstand. Mit den verbeibenden 20 MByte RAM ist die Speicherausstattung des SL-5000D recht knapp, die für März 2002 angekündigte User-Edition wird mit insgesamt 64 MByte deutlich besser ausgestattet sein.

Entwicklungsfähig

Das Konzept zur Datenspeicherung lässt sich deutlich verbessern. Daten der Benutzer wie Adressbücher und Termine, die zwar häufig erweitert, aber selten verändert werden, lassen sich über ein JFFS2-System direkt im Flash ablegen. Dort werden sie automatisch komprimiert und bleiben gleichzeitig bei Totalausfall der Stromversorgung erhalten. Auch für die Systemdateien wäre ein JFFS2-Dateisystem angebracht, lassen sich doch hier Software-Updates oder neue Programme einfach und sicher installieren, ohne ein neues Cramfs-Image erstellen zu müssen.

Zusammen mit einem Kernel-Update sollte Lineo bei den Dateisystemen aufräumen. Als RAM-Disk-Ersatz empfiehlt sich das flexiblere TMP-FS und an Stelle des Cramfs-Image sollte JFFS2 zum Einsatz kommen – das erlaubt flexiblere Updates, sicheres und schonenderes Speichern im Flash und spart möglicherweise eine Partition.

Auch den Angel-Boot-Monitor sollte Lineo gegen Red Boot von Red Hat oder den Bootloader des iPaq austauschen. Beide erlauben inzwischen die Partitionierung des Flash und das Auslesen der Partitionstabelle durch den Kernel. Der Kernel kann auch direkt aus einem JFFS2-Dateisystem gestartet werden, was Kernel-Updates vereinfacht und gerade für Entwickler interessant ist.

Ohne Windows nix los

Der Datenabgleich mit dem heimischen PC ist heute für jeden PDA obligatorisch. Wer sich aber mit dem Gedanken trägt, die Adressdaten oder Termine des Zaurus mit seiner heimischen Linux-Maschine abzugleichen, wird enttäuscht. Die einzige Synchronisations-Software, die Sharp auf die mitgelieferte CD gepackt hat, ist ausschließlich für Windows geeignet. Nicht mal ein Hinweis auf die Anbindung des Zaurus über USB oder serielle Schnittstelle unter Linux ist in der Dokumentation zu finden. Ob Linux-Programme für den Datenabgleich derzeit in Arbeit oder für die User-Edition geplant sind, war von Sharp nicht zu erfahren.

Fazit

Der Sharp Zaurus SL-5000D ist eine wirklich gelungene Hardware-Plattform. Der 206 MHz schnelle StrongARM-Prozessor bietet einige Leistungsreserven und das Gerät ist mit Compact Flash, SD/MMC, serieller- und USB-Schnittstelle gut erweiterbar.

Das Linux-System ist, obwohl von Embedded-Spezialist Lineo gefertigt, nicht auf dem Stand der Technik. Und warum Hersteller Sharp auf der einen Seite massiv mit Linux wirbt, aber nur Windows-Software zum Betrieb beilegt, bleibt sein Geheimnis. Hoffen wir, dass wie versprochen Dokumentation und Kernel-Quellen offengelegt werden, damit es die Entwickler-Gemeinde mal wieder selbst anpacken kann. (mdö)

Sharp Zaurus SL-5000D

Preis: ca. 500 Euro User-Edition ca. 700 Euro

Verfügbarkeit: Nur begrenzt nach Registrierung, User-Edition voraussichtlich ab März 2002 im Handel

Ausstattung: StrongARM-Prozessor mit 206 MHz, 32 MByte RAM, 16 MByte Flash, transmissives TFT-Farbdisplay

Anschlüsse: Compact Flash Typ II, SD/MMC, Irda, USB, seriell (optional)

Lieferumfang: PDA, Akku, Display-Schutz, USB-Cradle, Netzteil, Handbücher, Synchronisations-Software für Windows

Infos

[1] Michael Engel, “Qt/Embedded”: Linux- Magazin 3/01 ([https://www.linux-magazin.de/ausgabe/2001/03/QtEmbedded/qtembedded.html])

[2] Entwickler-Seite Sharp Zaurus: [http://developer.sharpsec.com]

[3] Trolltech Qt-Embedded: [http://www.trolltech.com/products/embedded]

[4] Entwickler-Seite Sharp Zaurus: [http://www.lineo.com/products/embedix]

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