Aus Linux-Magazin 10/2001

Tux und BSD-Teufel geben sich die Hand

Wir arbeiten uns am Rhein entlang weiter nach Norden vor mit unseren Linux-Usergroups-Porträts. Diesmal sind wir zu Gast bei der Unix-Usergroup im Rhein-Neckar-Gebiet. Der Name lässt vermuten, dass die Mitglieder sich nicht nur mit Linux beschäftigen.

Die Unix-Usergroup Rhein Neckar (UUGRN) wurde als LUG Rhein Neckar im Juni 1998 nach einem Aufruf im Usenet (de.comp.os.linux.misc) gegründet. Das erste Treffen fand am 17. Juni 1998 in Mannheim im Flic-Flac statt. Alle Anwesenden befürworteten damals die Gründung. Auf dem zweiten Treffen am 8. Juli 1998 wurde beschlossen, die LUG in Unix-Usergroup Rhein Neckar (UUGRN) umzubenennen, um auch die User anderer Unixe anzusprechen. Seither halten wir zweimal im Monat Stammtische ab, abwechselnd in Mannheim und Heidelberg (siehe Kasten “Facts”).

Installpartys

Anfang 1999 und wieder 2000 fand jeweils eine Installparty statt. Es waren neben den etwa zehn Helfern und Referenten auch etwa 20 Teilnehmer und weitere 20 bis 30 Zuhörer dabei. Das Konzept der Veranstaltung war ganz einfach: Erfahrene User begleiten die Linux-Installation via Netzwerk oder über andere Medien. Das Rahmenprogramm bestand aus Einführungsvorträgen zur Struktur von Betriebssystem und Anwendungen.

Im Mai 2001 fand unsere dritte Installparty statt, diesmal aber mit einem veränderten Konzept: Die eigentliche Installation trat in den Hintergrund, die Vorträge in den Vordergrund. Die Vorträge sollten sich dabei an ein Publikum mit mittleren bis gehobenen Ansprüchen richten. Wenn die Ausführungen bei den unerfahrenen Teilnehmern dabei teilweise an Verständnisgrenzen stieß, wurde doch wenigstens den erfahreneren Teilnehmern ein recht tiefer Einblick in ganz unterschiedliche Felder ermöglicht. Es drehte sich damals um das große Überthema Netzwerk.

Vereinsgründung

Anfang 1999 wurde der Wunsch laut, die UUGRN in einen Verein zu wandeln. Damals sprach (und spricht weiterhin) dafür:

  • Vereinseigentum wird ermöglicht (im Sinne des BGB also eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts).
  • Haftung bei Veranstaltungen (der Verein haftet, nicht die teilnehmenden Privatpersonen).
  • Sponsoren geben einem Verein bereitwilliger Geld als einigen Privatpersonen.
  • Die Strukturen und Kompetenzen im Verein sind klar und vereinfachen die Diskussion mit Verhandlungspartnern, wenn es etwa um Event-Planungen geht.

Am 19. Mai 1999 kam es schließlich zur Gründungssitzung des Vereins. Auch wenn wir seither ein Verein sind, halten wir diese Tatsache weitgehend im Hintergrund und beschränken die berüchtigte Vereinsmeierei auf das Notwendigste. Wichtig ist die Community, nicht der Verein. Das soll nicht heißen, dass wir neue Mitglieder nicht gern sehen, die den Verein (auch finanziell) unterstützen, aber wichtiger als eine formale Mitgliedschaft im Verein ist es, wenn jemand inhaltlich zur Gruppe beitragen kann. Einige Mitglieder sind recht aktiv an der Entwicklung von Open BSD oder zum Beispiel KDE beteiligt.

Ein großer Teil kommt aus dem universitären Umfeld, sprich der Uni Heidelberg sowie der Uni Mannheim. Zunehmend aber auch aus den EDV-Bereichen diverser Unternehmen im Rhein-Neckar-Raum. Das Alter der Mitglieder liegt breit gestreut so zwischen etwa 20 und 60 Jahren.

Heute gibt es einen harten Kern in der UUGRN, der seit Anbeginn dabei ist. Dann gibt es auch zahlreiche Leute, die zwar auf der Mailingliste aktiv sind, aber nicht oder nur sporadisch zu den Stammtischen erscheinen. (agr)

Facts

Webpage:http://www.uugrn.org/

Kontakt-E-Mail:info@uugrn.org

Mitgliederzahl: Mitglieder im Verein sind aktuell etwa 25, auf der Mailingliste stehen aber weit mehr (rund 130)

Regelmäßige Treffen: Jeden zweiten Mittwoch des Monats: Mannheim, “Eichbaum Brauhaus”, Käfertaler Straße 168; jeden vierten Donnerstag des Monats: Heidelberg, “Vater Rhein”, Untere Neckarstraße 20

Aktivitäten: Unregelmäßig, ein- bis zweimal pro Jahr neben den regelmäßigen Stammtischen

Interview mit Michael Lestinsky

Michael Lestinsky, Gründungsmitglied und 1. Vorstand der UUGRN, ist Physikstudent an der Uni Heidelberg und außerdem nebenher bei einem Mannheimer Internet-Provider in der Entwicklung tätig.

Linux-Magazin: Wie bist du das erste Mal mit Linux in Berührung gekommen beziehungsweise woher hast du von dem freien Betriebssystem erfahren?

Lestinsky: Im Rechenzentrum der Uni Heidelberg standen X-Terminals, an denen man sich auf RS/6000-Rechnern unter AIX anmelden konnte. Mich hat das Konzept von Unix fasziniert und dann habe ich mich bei meinen Kommilitonen umgehört, ob und wie man damit auch zu Hause arbeiten kann. Da wurde mir Linux empfohlen. Das war so im Sommer 1997. Ein paar Tage später sah ich bei Lehmanns Debian 1.3.1 liegen, die CDs kosteten nur knapp 20 Mark und ich dachte mir, dass ich da nicht viel falsch machen könnte, also nahm ich sie mit und installierte sie auf dem Rechner meines Vaters. Ich fühlte mich wie ein König, als mir zum ersten Mal X11 mit Fvwm entgegenblickte – xeyes.

Linux-Magazin: Was hat dich an Linux als Betriebssystem fasziniert?

Lestinsky: Es war ein Unix und lief auf meinem Rechner zu Hause.

Linux-Magazin: Warum hast du dich entschlossen eine LUG zu gründen beziehungsweise ihr beizutreten?

Lestinsky: Erfahrungsaustausch mit anderen Usern, sich mit ein paar Gleichgesinnten abends in eine Kneipe zu setzen und sich einfach zu unterhalten.

Linux-Magazin: Informationen über Linux gibt es im Internet. Was findest du in einer LUG, was es nicht im Netz gibt?

Lestinsky: Den direkten Kontakt zu anderen Usern. Durch unsere Stammtische hat sich innerhalb der UUGRN mittlerweile eine Stimmung ergeben, die es in einer rein virtuellen Community so nicht gibt. Das liegt sicherlich vor allem daran, dass man sich halt kennt. Zum anderen dürfte der direkte Kontakt zu Leuten mit unterschiedlichem Erfahrungsniveau die Kommunikation deutlicher vereinfachen als zum Beispiel eine Mailingliste oder eine Newsgroup.

Linux-Magazin: Kannst du die Atmosphäre bei deinem ersten LUG-Treffen beschreiben?

Lestinsky: Sehr locker. Wir sitzen alle an einem Tisch, unterhalten uns. Es gibt kein Programm, keine Tagesordnung. Es wird über alle möglichen Themen geredet, die oft nicht mal etwas mit Unix zu tun haben, etwa Energietechnik oder Traktoren. ;-)

Linux-Magazin: Welches Ereignis oder welche Veranstaltung war dir im Rahmen der LUG-Mitgliedschaft besonders wichtig und warum?

Lestinsky: Unsere letzte Linux-Installparty (Mai 2001). Ich war in der Vorbereitung mit meiner Motivation an einem Tiefpunkt. Die Installparty hat mir wieder einen richtigen Kick gegeben, da organisatorisch alles weitgehend einwandfrei klappte und die Stimmung dabei ziemlich geil war. Es gab eine Reihe von hochwertigen Vorträgen die sich teilweise auch an fortgeschrittene Teilnehmer wandten. Insgesamt hat IMO jeder Teilnehmer und Helfer von diesem Event profitiert.

Linux-Magazin: Verdienst du dein Geld mit Linux und freier Software

Lestinsky: Nein, zumindest nicht direkt.

Linux-Magazin: Konntest du aus der LUG-Mitgliedschaft Vorteile für einen anderen Bereich ziehen, eventuell im Beruf?

Lestinsky: Ja. Ich habe meinen jetzigen Vorgesetzten bei der UUGRN kennengelernt. Irgendwann war ich auf Jobsuche …

Linux-Magazin: Wie sieht die ideale Linux-Usergroup aus?

Lestinsky: Es sollte genügend aktive Mitglieder mit unterschiedlichem Erfahrungsniveau geben. Der totale Newbie hat dann weniger Angst davor, seine Fragen loszuwerden, da er sich nicht in eine Gruppe aus lauter Gurus setzt, und der Guru langweilt sich ebenfalls nicht, da auch er mit anderen über ihn interessierende Themen reden kann.

Linux-Magazin: Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft von Linux aus?

Lestinsky: Hmm, es wird sicherlich eine Konsolidierung geben. Wenn einmal der Hype um Linux weg ist, wird man das OS einsetzen, weil man es aufgrund seines Profils braucht, und nicht, weil es cool ist.

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