Linux und freie Software bilden immer öfter die Basis geschäftskritischer Anwendungen. Die Linux-Migration eines mittelständischen Ersatzteilehändlers ist dafür ein gutes Beispiel.
Oft sind es die unspektakulären kleinen Erfolge, an denen sich zeigt, wo die Dinge in Bewegung sind. Linux als Plattform für herkömmliche Business-Anwendungen ist ein gutes Beispiel dafür. Immer wieder migrieren kleine und mittelständische Unternehmen auch ihre kritischen Unternehmenslösungen wie Buchhaltungs- und Warenwirtschaftssysteme auf Linux. Probleme gibt es dabei meist nur wenig, trotzdem glauben viele IT-Entscheider immer noch, Linux sei nur etwas für Webserver.
Komplexe Aufgaben
Die Firma Grüning, Loske und Rahlfs aus Hannover-Laatzen ist ein gutes Beispiel für ein traditionelles kleineres Unternehmen der Old Economy, das mit Hilfe von Linux neue Herausforderungen bewältigt. Das Unternehmen ist im technischen Handel tätig und verkauft Schläuche, Förderbänder, Arbeitsschutztechnik und ein breites Sortiment an Industriebedarf.
Das fällt in der Fachsprache der Beschaffer in den Bereich so genannter C-Teile. Darunter fasst man Gegenstände mit einem geringen Einzelpreis zusammen, bei denen das Verhältnis zwischen Beschaffungskosten und Stückpreis besonders ungünstig ist. Die Gründe dafür liegen einerseits in einem riesigen Sortiment, das eine komplizierte Lagerhaltung erforderlich macht, und andererseits in den üblicherweise kleinen Bestellmengen.
Um ihre Kunden trotzdem gut zu bedienen und damit an sich zu binden, müssen die Anbieter von C-Teilen die Beschaffungskosten der Besteller minimieren. Ein effizientes und flexibles Warenwirtschaftssystem ist deshalb das Herzstück eines solchen Unternehmens.

Der Intel-basierte LC2000-Server von Hewlett-Packard bildet zusammen mit Linux eine solide Grundlage für das Warenwirtschaftssystem DBtron/A.
Neue Infrastruktur in zwei Tagen
Bei Grüning, Loske und Rahlfs platzte allerdings die Infrastruktur schon bald aus allen Nähten, sie beruhte auf HPUX, Oracle 7, der Warenwirtschaft Dbtron/A und der Finanzbuchhaltung DBtron/F des Münchner Systemhauses XR Systems. Der Server war inzwischen sieben Jahre alt. Vor allem ein anstehendes Upgrade von Oracle auf Version 8i und die ersten Schritte in Richtung E-Business hätten ihn schnell in die Knie gezwungen. XR Systems entschloss sich zur Installation eines HP-Netservers LC 2000 bei gleichzeitiger Migration auf Linux. Der Server wurde bereits in München im Systemhaus vorbereitet und musste in Hannover lediglich ans Netz angeschlossen werden.
Der Zeitaufwand für die Implementierung vor Ort betrug so nur einen Tag. Alle weiteren Einstellungen wurden vom Systemhaus per Fernzugriff durchgeführt – Zeitaufwand wiederum nur ein einziger Manntag.
Mit der neuen Plattform ist es darüber hinaus auch einfacher möglich, B2B-E-Commerce-Lösungen aufzusetzen, die Bestellvorgänge ins Netz zu verlagern und damit weitere Bearbeitungskosten zu sparen. Nicht zuletzt aus diesem Grund erweist sich Linux hier als eine gute Lösung, die Investitionen schützen hilft. (uwo)
Interview mit Michael Schmidt, Geschäftsführer von XR Systems |
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Linux-Magazin: XR Systems vertreibt Komplettsysteme aus Hardware und dem Softwarepaket DBtron. Seit wann gibt’s DBtron? M. Schmidt: Die Programmfamilie DBtron gibt es seit 1988. Von Anfang an stand bei uns HPUX im Vordergrund. Die Linux-Version haben wir seit zwei Jahren. Linux-Magazin: Wie viele Installationen sind im Einsatz und wie viele laufen unter Linux? M. Schmidt: Insgesamt haben wir etwa 40 produktive Installationen. Zwei Drittel davon laufen unter HPUX; die Tendenz bei Linux ist jedoch deutlich steigend, seit 1999 haben wir keine HPUX-Server mehr ausgeliefert. Linux-Magazin: Warum haben Sie das System des Kunden auf Linux portiert? Wäre es nicht günstiger gewesen, bei HPUX zu bleiben? M. Schmidt: Für die Mehrzahl der Unternehmen mit 100 Beschäftigten und darüber hinaus ist eine Intel-Plattform mit Linux günstiger. Verlässlich ist diese auch. Für größere Installationen mit Vierfach-Servern und mehr halten wir HPUX eher für angebracht. Linux-Magazin: Ist der Einsatz mit einer freien Datenbank wie Postgres statt Oracle eine Alternative? Immerhin gelten Oracle-Lizenzen nicht gerade als Schnäppchen. M. Schmidt: Nein, der Aufwand wäre zu groß, Solche Projekte kämen einer Neuentwicklung gleich, da unsere Systeme sehr stark auf Oracle-spezifische SQL-Erweiterungen und Stored Procedures aufbauen. Linux-Magazin: Ein Einwand gegen Linux ist angeblicher Mangel an Software. Was setzen Sie beispielsweise zum Backup ein? M. Schmidt: Derzeit Arkeia. Wir halten das unter Linux für eine sehr gute Lösung, allerdings ist sie in Europa nicht so verbreitet, was uns manchmal Probleme macht. Daher evaluieren wir auch andere Backup-Software. Linux-Magazin: Ein weiteres Argument ist, dass keiner für Fehler verantwortlich gemacht werden kann. Woher holt sich XR Systems seinen Back-End-Support für Linux? M. Schmidt: Da wir nach wie vor Hardware von Hewlett-Packard verwenden, können wir im Fall der Fälle auch dort den Linux-Support in Anspruch nehmen. Außerdem sind wir Mitglied im Red Hat Network. Linux-Magazin: Hat sich mit der Portierung auf Linux aus Sicht des Kunden irgend etwas geändert? M. Schmidt: Außer dass die Applikationen schneller laufen, eigentlich nichts. |







