Aus Linux-Magazin 09/2001

Portrait der Linux-Usergroup Augsburg

LUG-Camp im Nördlinger Ries.

Dieses Mal nehmen wir die LUG Augsburg unter die Lupe. Bei der Gründung wussten die Mitglieder nichts von anderen Usergroups, taten aber (instinktiv) das Richtige.

Im Spätsommer 1995 – mein PC-begeisterter Freund Jörg und ich analysierten gerade das Konzept von X-Server und X-Client – hatten wir aus einer Bierlaune heraus die Idee, eine Art Interessengemeinschaft für Linux-Benutzer zu gründen. Wir wollten andere Gleichgesinnte kennen lernen. Damals wussten wir nicht, dass es so etwas wie Linux-Usergroups überhaupt schon gab.

Nägel mit Köpfen

Gesagt, getan – und wenn schon, denn schon, wollten wir gleich einen richtigen, eingetragenen Verein gründen. Dazu mussten wir uns zwar erst ins Vereinsrecht einlesen, aber am 5. November 1995 fand unsere Gründungsversammlung mit den dafür zusammengetrommelten notwendigen sieben Gründungsmitgliedern in unserer Stammkneipe in Augsburg statt. Der Rest (Satzung, Konto, Anmeldung) war nur noch Formsache.

Unsere ersten monatlichen Treffen im Nebenraum einer Gaststätte fanden sofort sehr große Resonanz und wir merkten bald, dass die Lokalität schon wegen der von Anfang an regelmäßig stattfindenden Vorträge nicht geeignet war. Leider war damals die Bereitschaft vieler Einrichtungen, in Sachen Linux als Sponsor aufzutreten, nicht sehr groß.

Doch wir hatten Glück: Aufgrund guter privater Kontakte zu einem großen lokalen Computerclub – dem Augsburger Computer Forum e.V. (ACF) – konnten wir gegen ein geringes Entgelt dessen Räume mitbenutzen. So residieren wir heute in den relativ komfortabel eingerichteten Räumen des ACF in der Augsburger Innenstadt.

Hier ist es sehr gut möglich, Vorträge oder Vorführungen abzuhalten. Schließlich ging es uns von Beginn an darum, zum gegenseitigen Austausch von Wissen rund um Linux einzuladen. Zu diesem Zweck haben wir uns mit der Zeit eine kleine, aber hochwertige Bibliothek angelegt. Um das alles finanzieren zu können, verlangen wir von Mitgliedern einen kleinen Monatsbeitrag.

Seit 1999 sind wir vom Finanzamt als gemeinnütziger Verein (Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung) anerkannt, so dass wir für Spenden und Mitgliedsbeiträge Spendenquittungen ausstellen können.

LUG-Camp im Nördlinger Ries.

LUG-Camp im Nördlinger Ries.

Events, Events, Events …

Weitere Aktivitäten waren verschiedene Messeauftritte (beispielsweise Linux Park, Systems), dann Installpartys mit manchmal bis zu 120 Besuchern, unser obligatorisches Sommer-Grillfest und die jährliche Weihnachtsfeier.

Ein Höhepunkt war bisher der Internationale Linux-Kongress im Herbst 1999, den wir mit der Unterstützung der Universität Augsburg als Partner der GUUG vor Ort organisierten. Etliche Mitglieder der Luga waren in diesen Tagen nahezu pausenlos im Einsatz, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Durch unser Engagement auf dem Linux Park der Systems 99 lernten wir die Kollegen von der Linux-Usergroup Allgäu (Lugal) auch persönlich kennen. Da diese Gruppe im Rahmen der LUG-Reihe im Linux-Magazin auch noch vorgestellt wird, will ich weiter nicht viel dazu sagen – nur dies: Bei gemeinsamen Events oder Treffen haben wir regelmäßig verdammt viel Spaß mit den Leuten!

Facts

Gründung: November 1995

Web:http://www.luga.de

Mail:info@luga.de

Mailingliste: zu finden unter http://www.luga.de/Angebote/Mailinglisten

Mitgliederzahl: insgesamt rund 85, zirka 30 bei den Treffen

Ort und Uhrzeit der Treffen: jeden ersten Mittwoch im Monat, 19.30 Uhr in den Räumen des Augsburger Computer Forums (ACF) (Bahnhofstraße 12 1/2, 86150 Augsburg), zirka 500 Meter vom Hauptbahnhof Richtung Innenstadt

… und das LUG-Camp

Unser jüngstes Kind ist das LUG-Camp, das in diesem Jahr in zweiter Auflage stattfand. Auf Anregung von Tom Schwaller organisierten wir zusammen mit der Lugal im letzten Jahr das LUG-Camp 2000. Ziel war ein Treffen von Linux-Interessierten, weniger als Informationsaustausch, eher mit Schwerpunkt auf Spaß.

Bei unseren monatlichen Treffen finden sich um die 30 Leute ein. Neben einem Newsflashwerden im offiziellen Programm – mehr oder weniger regelmäßig – Vorträgeangeboten. Dabei sind die Treffen natürlich nicht nur auf Mitglieder beschränkt, regelmäßig begrüßen wir einige Linux-Anfänger und Luga-Neulinge. Vor allem für diese Gruppe wollen wir in Zukunft die Treffen durch Einsteigervorträge und gezielte Beratung attraktiver machen. ( agr) n

Interview mit Alexander Rahmeier, Gründungsmitglied der LUG Augsburg

Linux-Magazin: Wie bist du mit Linux in Berührung gekommen?

Alexander Rahmeier: Es war 1994, als ich beim Klaus eine Linux-CD gesehen habe. Ich lernte in der Uni Unix, um die Workstations im Rechnerpool zu bedienen. Da habe ich ihn gefragt, ob er mir die CD mal leihen könnte. Mein erster Kontakt war also eigentlich ganz leidenschaftslos. Das hat sich aber ziemlich schnell geändert …

Linux-Magazin: Was hat dich an Linux als Betriebssystem fasziniert?

Alexander Rahmeier: Am Anfang war es sicherlich die Befriedigung des Spieltriebs: hier was ausprobieren, dort was installieren. Nachdem die Aha-Effekte immer schneller und häufiger gekommen sind, habe ich Linux zu meinem Hobby auserkoren. Heute finde ich am faszinierendsten, wie viel Einblick ich in die Computerwelt, möglicherweise in die gesamte Technikwelt durch Linux bekam.

Linux-Magazin: Warum hast du dich entschlossen eine LUG zu gründen?

Alexander Rahmeier: Anfänglich nur, weil es eine verrückte Idee war. Wir wussten damals gar nicht, dass es so was wie Linux-Usergroups überhaupt gibt. Wir sind zufällig auf einen konformen Namen gestoßen, ehrlich!

Linux-Magazin: Was findest du in einer LUG, das es nicht im Netz gibt?

Alexander Rahmeier: Den persönlichen Kontakt. Kommunikation beschränkt sich auch im Computerzeitalter nicht auf das geschriebene Wort. Im Gespräch fällt es mir leichter, blöde Fragen zu stellen. Es macht viel Spaß. Und Spaß heißt Motivation.

Linux-Magazin: Beschreib’ mal die Atmosphäre beim ersten LUG-Treffen.

Alexander Rahmeier: Schwierig, weil sie in der Tat sehr eigenartig war. Dort waren so um die 20 Leute unterschiedlichsten Alters und aus verschiedensten Berufen – und warteten, was da so passiert. Gekommen waren sie, weil ein Artikel in der lokalen Presse veröffentlicht wurde. Im Wesentlichen haben wir bei diesem Treffen die Erwartungen abgesteckt, die die Einzelnen hatten.

Linux-Magazin: Was ist dir im Rahmen der LUG-Mitgliedschaft besonders wichtig und warum?

Alexander Rahmeier: Mein Steckenpferd war schon immer die Gemeinnützigkeit. Aus anderen Vereinen im Bereich der Jugendarbeit habe ich gelernt, welchen Unterschied es beim öffentlichen Auftreten macht, wenn man sich als gemeinnützig bezeichnen kann. Als wir das erreicht hatten, war ich wirklich froh. Die beiden wichtigsten Veranstaltungen waren der Internationale Linux-Kongress und die beiden LUG-Camps, weil wir damit über den Tellerrand geschaut haben.

Linux-Magazin: Verdienst du dein Geld mit Linux und freier Software?

Alexander Rahmeier: Ja. Ich bin Projektleiter bei der Tuxia GmbH in Augsburg. Wir entwickeln Software für internetfähige Endgeräte – so genannte Internet Appliances wie Thin Clients, Set-top-Boxen und Webpads – auf Basis unserer eigenen Embedded-Linux-Distribution TSE. Dazu ist ein Überblick über die Funktionsweise eines Linux-basierenden Systems unabdingbar.

Linux-Magazin: Konntest du aus der LUG-Mitgliedschaft andere Vorteile ziehen, eventuell im Beruf?

Alexander Rahmeier: Ich habe meinen jetzigen Job sicherlich auch durch mein Engagement bei der Luga bekommen. Das Studium alleine hätte mich anfänglich nicht befähigt.

Linux-Magazin: Wie sieht die ideale Linux-Usergroup aus?

Alexander Rahmeier: Wie die Luga natürlich! Nee, im Ernst: Das Wichtigste, aber auch Schwierigste ist es, die LUG für alle Mitglieder, egal welchen Kenntnisstand sie haben, attraktiv zu machen. Idealerweise funktioniert das dadurch, dass die alten Hasen ohne jede Arroganz den Neuen die Vorzüge von Linux näher bringen. Das kann durch Vorträge, Installationspartys oder durch Gespräche passieren.

Linux-Magazin: Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft von Linux aus?

Alexander Rahmeier: Wenn man Linux als Gesamtsystem sieht und nicht nur den Kernel, glaube ich, dass es in Zukunft mehr auseinander gehen wird. Es ist faszinierend, ein Betriebssystem zu haben, das vom Handheld bis zur S390 alles abdeckt. Die Frage ist nur, ob das wirklich Sinn hat. Es wird in Zukunft Embedded-Linux geben, Server-Linux, Desktop-Linux und so weiter. Wenn die Trennung in koordinierten Bahnen läuft, sehe ich kein Problem.

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