Auf der Linuxcon Europe in Düsseldorf gibt sich die Linux- und Open-Source-Prominenz ein Stelldichein. Während Gastgeber und Linux-Foundation-Chef Jim Zemlin am Dienstag die Moderation übernahm, diskutieren die Kernel-Entwickler am heutigen Mittwoch auf der Bühne. Und Dirk Hohndel nahm Linus in einem halbstündigen Panel in die Pflicht.
Den Linux-Erfinder persönlich zu sehen, lockt immer noch die Massen an. Weit mehr Besucher drängten sich im Room #1, als Sitzplätze (1200 an der Zahl) zur Verfügung standen. Hohndel, der bei Intel als Linux-Evangelist arbeitet, fragte den eher öffentlichkeitsscheuen Torvalds im Zwiegespräch nach privaten-organisatorischen Sachen ebenso wie er strategisch-visionäre Themen ansprach.
“Sind die vielen Reisen denn kein Problem für Dich oder Deine Arbeit?”, lautete da eine Frage, die der Finne mit einer Anekdote aus einem seiner letzten Urlaube beantwortete, als er nur mit offener Moskitonetztür Wifi-Empfang gehabt habe. Internetzugang sei das wichtige, alles andere lasse sich lösen. Schade findet Torvalds nur, dass sein Laptop weniger Leistung habe als seine Server zuhause, was viele Sachen langsamer mache. Aber es habe noch keine Beschwerden gegeben, und er rate allen Committern, die gefühlt zu lange auf Antwort ihrer Maintainer warten, sich lauthals zu beschweren.”Speak up!”
Was denn die wichtigsten Herausforderungen seien, angesichts eines Softwareprojektes, das 50.000 Patches pro Jahr managen müsse, lautete eine der nächsten Fragen. Und Torvalds zögert nicht lange für die Antwort: “Testing. Vor allem das automatisierte Testen ist da nur bedingt hilfreich, wichtig sind menschliche Tester.” Die Community leiste da gute Arbeit, aber man brauche immer noch mehr Tester, vor allem angesichts der unglaublich verrückten Anzahl an Hardware, die Linux mittlerweile unterstütze.
Ob es denn eine Entscheidung gebe aus den letzten zwanzig Jahren, die er rückgängig machen würde, wenn er könnte? Nein, denn kein einzelner Beschluss sei so wichtig gewesen, meint der Finne. Gleichwohl waren einige Fehler dabei, die nur sehr schmerzhaft zu reparieren waren. Hohndel fragt auch nach dem Tonfall auf der Kernel-Mailingliste, ob es denn nötig sei, Entwickler als “offensichtlich von zu viel Crack verwirrte Affen” (“Monkeys on Crack”) zu titulieren. Wie zu erwarten steht Torvalds zu der allgemeinen Wortwahl: “Subtil – höflich funktioniert im Internet nicht, das kannst Du vergessen. Und irgendwann gewöhnen sich die Leute daran, und fangen an das zu mögen, das ist wie beim Stockholmsyndrom.”
Welche Vorhersagen für die Zukunft von Linux kann er geben, fragt Hohndel den Finnen. Der antwortet schlagfertig: “Ich glaube, nächste Woche kommt der erste Release Candidat des nächsten Kernel.” Zu mehr will er sich nicht hinreißen lassen. Doch er hat Wünsche an die Community: “Helft uns Testen, geht ins Git, probiert das Zeug aus! Wir sind auf dem richtigen Weg!”









