Auf der Mailserver-Konferenz von Heinlein Support stellte der sympathische Finne Timo Sirainen seine Pläne zur Weltherrschaft vor. Gehen diese auf, gibt es 2017 nur noch einen Mailserver: Dovecot.
In die Ironie von Sirainen mischt sich auch einiger Stolz auf die Verbreitung seines Mailservers. Laut Debians Statistik ist Dovecot der meistinstallierte Mailserver, seine eigenen Messungen machen für Dovecot einen Marktanteil von 52 Prozent aus.
Um seine Weltherrschaftspläne durchzusetzen, müsse Dovecot zum Standard-IMAP-Server in den meisten Linux-Distributionen werden, das sei aber bereits geschehen. Daneben müssten die großen ISPs und Telekommunikationsanbieter Dovecot verwenden, was einen funktionierenden 24/7-Support voraussetze und Garantien für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Servers. Nicht zuletzt müssten auch Unternehmen Dovecot intern einsetzen und sich von Microsoft verabschieden.
Dank seiner Firma Dovecot Oy und den kommerziellen Plugins sei man auf dem Weg, diese Pläne in die Tat umzusetzen. Sein Ziel sei es aber, sich eine Weile in den Urlaub zu verabschieden zu können, ohne dass die Firma ihn vermisst. Neben den allgemeinen Zukunftsplänen hob Sirainen dann in seinem Talk zwei Punkte besonders hervor: Die Unterstützung für Object Storage und die geplante Botnet-Prevention.
Dovecot Oy bietet über ein kommerzielles Plugin Support für Mailboxen in verschiedenen Cloud-Umgebungen mit Object Storage an, zu denen S3 (Amazon), Azure (Microsoft), CDMI (Scality) und Swift (Rackspace) gehören. Für bis zu 1000 Nutzern sei das Plugin zurzeit noch lizenzkostenfrei. Zu den Problemen gehöre die relativ hohe Latenz und die Begrenzung auf ein paar einfache Operationen. Auf der Haben-Seite sieht Sirainen die Skalierbarkeit und die Fähigkeit, auch in Split-Brain-Szenarios zu funktionieren. In letzten Fall könne man das Mergen später nachholen.
Daneben planen die Dovecot-Entwickler in Kooperation mit dem Spamhaus-Projekt ein Anti-Botnet-Plugin. Noch sind die Pläne nicht komplett ausgereift, im Vortrag selbst äußerten die Anwesenden Admins verschiedene Ideen. Grob geht es darum, über die Blacklisten von Spamhaus die Botnet-IPs zu blockieren. Das Problem: Über die gekaperten Mailserver läuft häufig weiterhin auch normaler E-Mail-Traffic. Das Anti-Botnet-Plugin müsste also zwischen legitimen und illegitimen Traffic unterscheiden und die Nutzer entsprechend informieren.
Ansonsten arbeiten Sirainen und sein Team daran, dass sich Dovecot auch als HTTP-Server und -Proxy verwenden lässt. Zudem wird an einer DNS-Client-Bibliothek gearbeitet, die DNSSEC unterstützen und asynchron arbeiten soll. Weiterhin soll Doveadm ein REST-API unterstützen, möglicherweise mit Support für verschiedene Ausgabeformate (Json, XML etc.) Es gibt Überlegungen zum Support für HTTP-basiertes IMAP 5 sowie für Session State Saving, um die durch einige untätige Prozesse erzeugte Last aus dem Arbeitsspeicher zu nehmen. Auch an der Volltextsuche will man arbeiten, um Normalisierung, Stemming und Stop Words für verschiedene Sprachen besser zu unterstützen.
Nicht zuletzt arbeitet das Team an einer Unterstützung für IMAP Metadaten, einem experimentellen IMAP-Annotate-Support, denkt über eine Caldav/Carddav-Implementierung nach und möchte in Zukunft eine einfach zu bedienende, webbasierte Admin-UI bauen. Große und vor allem zahlreiche Pläne also, die Folien mit ausführlicheren Details hat Sirainen ins Internet gestellt.






