Aus Linux-Magazin 06/2014

Ubuntu 14.04 Trusty Tahr, die "vertrauenswürdige Ziegenartige"

© shtanzman, 123RF

Turnusgemäß veröffentlicht Canonical im April 2014 eine neue Verson der Ubuntu-Distribution mit fünf Jahren Long Term Support. Was das neue System kann und wann sich das Upgrade lohnt.

Zweimal im Jahr kommt es bei Canonical und Ubuntu zu hektischer Betriebsamkeit: Im März und im September stehen die finalen Arbeiten an der nächsten Ausgabe der Debian-basierten Distribution auf dem Plan. In “geraden” Jahren wie 2014 legen sich die Entwickler besonders ins Zeug und produzieren eine neue LTS-Version, also mit Long Term Support.

Support bis 2019

Die bringt fünf Jahre Unterstützung in Form von Sicherheitsupdates und kritischen Fehlerkorrekturen und will Ubuntu auch für Admins attraktiv machen, obendrein können die sich bei Canonical mit Supportverträgen auch Versicherungen für die LTS-Releases kaufen, damit sie im Falle eines Problems schnell Hilfe vom Hersteller erhalten – für viele Anwender ein vorteilhafter Deal.

Ähnlich wie die Stammmutter Debian hat auch Ubuntu strenge Richtlinien für die Updates von Paketen, die zu einer LTS-Version gehören. Bisweilen läuft die erzwungene extra-stabile Release jedoch darauf hinaus, dass so manche konzeptioneller Schwäche, die vor der LTS-Veröffentlichung unentdeckt blieb, eben auch konsequent fünf Jahre erhalten bleibt. Dennoch: LTS-Releases von Ubuntu stehen besonders im Rampenlicht, 10.04 und 12.04 gehören zum Standardrepertoire von Public-Cloud- und PaaS-Anbietern. Es ist wahrscheinlich, dass Ubuntu 14.04 auch in dieser Reihe landen wird.

Viele Diskussionen

Dennoch fragen sich Admins, ob das Update auf die neue LTS-Version lohnt oder eher überflüssig ist. Dieser Artikel zeigt die neuen Features und erklärt, was sich bei Ubuntu, aber auch bei Canonical geändert hat und wie sich das auf die vertrauenswürdige Ziege auswirkt. Der Kasten “Von Precise zu Trusty” schildert die Unterschiede zu den letzten LTS-Versionen für jene Anwender, die beispielsweise von 12.04 oder gar von 10.04 kommen.

Zum Redaktionsschluss dieses Magazins war die letzte Betaversion von Ubuntu 14.04 gerade verfügbar, beim Erscheinen dieser Ausgabe wird die Ziege sicherlich fertig sein. Die dem Feature Freeze folgenden Release Candidates enthalten lediglich Bugfixes, bringen aber keine zusätzlichen Features mehr. Alle Bugs sind deshalb vor dem Hintergrund zu sehen, dass Canonical die finale Politur des Systems erst nach dem Test durch das Linux-Magazin vorgenommen hat.

Die Zentrale: Kernel 3.13, Python  3.4, Upstart 1.12

Wer den Ubuntu-Update-Trott kennt, findet die Veröffentlichung einer neuen Version vielleicht gar nicht mehr so spektakulär. Schließlich hält Ubuntu den selbst auferlegten Plan von zwei Releases pro Jahr seit Jahren zuverlässig ein und konzentriert sich an erster Stelle auf die Versionspflege. Dieses Mal bildet Kernel 3.13.6 das Fundament der neuen Distribution, wie immer erweitert um einige spezifische Patches von Ubuntu.

Python 3.4 ist die Standardversion der Skriptsprache, das Ubuntu-Desktop-Image für die Version 14.04 wird vollständig ohne den Vorgänger Python 2 daherkommen. Allerdings wird der nach wie vor über das Ubuntu-Repository verfügbar sein. Doch lässt das Projekt selbst keinen Zweifel daran, dass die Zeit gekommen ist, Python-2-Anwendungen auf Python 3 zu portieren.

Upstart 1.12 ist ebenso an Bord wie aktuelle Versionen der wichtigsten Programme rund um die Desktops KDE, Gnome, Xubuntu, aber auch die Server-Werkzeuge um Bind, Apache, MySQL oder andere typische Dienste sind in aktuellen Versionen vorhanden. Für Gnome 3.12 war der Zug allerdings abgefahren; die neueste Version der Desktop-Umgebung wird es in Ubuntu 14.04 höchstens später per Upgrade geben – aus einem PPA-Verzeichnis.

Die mittlerweile recht umfassenden Updates bringen übrigens einige angenehme Nebeneffekte mit sich. Dank dem Upgrade einiger kommerzieller Grafikkartentreiber etwa spielt Ubuntu 14.04 deutlich besser mit Nvidia & Co. zusammen. Und mehrere Updates einzelner Systemkomponenten erlauben es dem neuen Ubuntu LTS beispielsweise, Trim für Samsung-SSDs per Default zu aktivieren. Ob spätere Updates das Feature auch für andere SSDs nachrüsten werden, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Darf es der Desktop oder ein Server sein?

Ubuntu-Einsteiger sehen sich zuerst mit der Trennung zwischen Desktop- und Server-Systemen und deren Ubuntu-Varianten konfrontiert. Der jeweils mitgelieferte Satz an Paketen unterscheidet sich erheblich, auch wenn letztlich beide Systemtypen auf alle Pakete des Ubuntu-Repository zugreifen dürfen.

Funktionale Unterschiede zwischen den Server- und Desktop-Images betreffen unter anderem die Version des Ubuntu-Installers: Der mit der Desktop-Variante ausgelieferte bot beispielsweise über einige Releases hinweg nicht die Möglichkeit, Desktops mit aktiviertem LVM zu installieren. Mittlerweile ist auch im GUI-Installer dafür eine Option vorhanden.

Mir san Mir!? Streit um X11-Nachfolge

Neuester Beweis für Canonicals Bemühungen um den Desktop ist Ubuntus Konkurrenzprodukt zu X11, das auf den Namen Mir [1] hört und die grafischen Benutzeroberflächen unter Linux auf ein ganz neues Fundament stellen will. In einer kontrovers diskutierten – in den Augen anderer Desktop-Entwickler eigensinnigen – Entscheidung legte Canonical im März 2013 mit der Mir-Entwicklung los. Das lieferte der Anti-Ubuntu-Stimmung, die bereits seit dem Unity-Alleingang wuchs, weitere gute Argumente.

Obwohl den meisten Desktop-Entwicklern die vielen Probleme mit der veralteten X11-Architektur nicht verborgen blieben, überwog doch die Skepsis vor den Alleingängen eines Mark Shuttleworth. Das war dieses Mal besonders deutlich zu spüren – steht doch bereits ein Nachfolger für X11 in Gestalt des Wayland-Projekts [2] bereit, und zwar schon deutlich länger als Mir.

Doch der Südafrikaner an der Spitze von Canonical hält Wayland für nicht geeignet, um auf Laptops, Desktops und Smartphones gleichermaßen zu funktionieren. Weil das Unternehmen Ubuntu in Zukunft aber auch für Smartphones und Tablets vertreiben will, entschied er sich für einen Sonderweg, anstatt sich Wayland und dessen weiterer Entwicklung anzuschließen. Seine Gegner halten die Begründung für vorgeschoben und unterstellen dem “Benevolent Dictator for Life” Shuttleworth, lediglich ein Monopol auf- und ausbauen zu wollen.

Shuttleworth bekommt Rüffel von Intel

Und der hat’s nicht leicht: Für die Mir-Pläne kassierte Ubuntu im Vorfeld der Entwicklung von Ubuntu 14.04 eine satte Klatsche durch Intel: Ein eingebrachtes Patch für den Xfree86-Treiber, der sich um Intel-Grafikkarten kümmert und diesen Mir-kompatibel machen sollte, scheiterte an Entwickler Chris Wilson. Der bestätigte, dass Intel keinen aktiven Support für Mir leisten werde; wohl auch weil sich der Chiphersteller frühzeitig Wayland und dessen Weiterentwicklung verschrieben hat. Zwar hielt Ubuntu im Anschluss weiter an Mir fest und erklärte trotzig, man werde die Version des Treibers in Ubuntu einfach um das entsprechende Patch erweitern.

Insgesamt wurde Canonical die Sache aber dann wohl doch zu heiß. Den Plan, Mir als Display-Server in Ubuntu 14.04 einzuführen, um eine flächendeckende Plattform quer über alle Devices (Smartphones, Tablets und Desktops) zu haben, begrub Canonical im Laufe des Releasezyklus klammheimlich. Die Software wird wohl frühestens in Ubuntu 15.04 zu finden sein und LTS-Nutzer erst in zwei Jahren betreffen. Ubuntu 14.04 präsentiert sich in Sachen Desktop derart ähnlich wie die Vorgängerversion, dass man bei den Änderungen sehr genau hinschauen muss. An Bord sind nämlich Xorg und Unity 7 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Logfile verrät: Ubuntu 14.04 kommt ohne Mir und setzt weiter auf Xorg. Mark Shuttleworth hatte für den Ansatz, einen eigenen X11-Nachfolger zu etablieren, viel Schelte kassiert.

Abbildung 1: Das Logfile verrät: Ubuntu 14.04 kommt ohne Mir und setzt weiter auf Xorg. Mark Shuttleworth hatte für den Ansatz, einen eigenen X11-Nachfolger zu etablieren, viel Schelte kassiert.

Unity: Canonical reagiert auf Anwenderkritik

Wie Mir ist auch Unity seit Jahren ein Zankapfel. Nicht wenige Nutzer kehrten der Distribution deshalb den Rücken, auch Mint hat seinen Erfolg in weiten Teilen wohl der Unity-Freiheit zu verdanken. Das entging auch Canonical nicht: Ubuntu 14.04 scheint zumindest einige der Probleme zu beheben, die Nutzer von Vorversionen mit Unity immer wieder bemängelten.

Da wäre etwa der Unity-Launcher, also jene Leiste am Bildschirmrand, über die Anwender in Unity hauptsächlich Programme starten. Bis dato ließ sich dessen Größe nicht verändern, Unity in Ubuntu 14.04 erlaubt es nun, den Launcher deutlich kleiner aussehen zu lassen, als er ab Werk ist (Abbildung 2). In ähnlicher Weise lassen sich auch Fenster nahtlos vergrößern oder verkleinern.

Abbildung 2: Gut zu erkennen: Die Starter-Leiste von Unity (links) ist deutlich kleiner als ab Werk. Der Benutzer von Ubuntu 14.04 darf ihre Icons von 16 bis 48 Pixel skalieren.

Abbildung 2: Gut zu erkennen: Die Starter-Leiste von Unity (links) ist deutlich kleiner als ab Werk. Der Benutzer von Ubuntu 14.04 darf ihre Icons von 16 bis 48 Pixel skalieren.

Apropos Menüs: Ubuntu 14.04 erlaubt es wieder, die (Haupt-)Menüleiste am oberen Bildschirmrand platzsparend ins jeweilige Anwendungsfenster zu integrieren. Sobald der Benutzer mit seinem Mauszeiger über die Titelleiste eines Fensters fährt, blendet der Desktop die Leiste ein, ansonsten gehört auch dieser Platz der Anwendung mit ihren Menüs (Abbildung 3).

Abbildung 3: In Ubuntu 14.04 kann Unity die Menüleisten von Fenstern in deren Fensterbalken anzeigen statt in der zentralen Leiste oben.

Abbildung 3: In Ubuntu 14.04 kann Unity die Menüleisten von Fenstern in deren Fensterbalken anzeigen statt in der zentralen Leiste oben.

Flavors: Kubuntu, Xubuntu, Lubuntu, Ubuntugnome

Da Canonical mit Unity für Ubuntu eine Desktop-Marschrichtung vorgibt, erfreuen sich auch die anderen Ubuntu-Desktop-Flavors stetiger Beliebtheit. Diese zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie alle für einen bestimmten Desktop benötigten Pakete auf eine DVD oder einen USB-Stick packen und das System so direkt installierbar machen. Auch danach ist es mit den Iso-Images leicht, einen anderen Desktop zu installieren, liegen doch alle nötigen Pakete für Kubuntu (KDE), Xubuntu (XFCE), Lubuntu (LXDE) und Gnome ebenfalls in den Paketrepositories.

Theoretisch lässt sich der gleiche Effekt erzielen, indem Admins über die Server-Isos ein Basissystem einrichten und den gewünschten Desktop danach aus dem Netz nachinstallieren. Metapakete wie etwa »kubuntu-desktop« erleichtern die Installation.

Derart flexibel und attraktiv nicht nur für Unity-Vermeider helfen die Flavors Canonical dabei, Ubuntu auf Desktopsysteme zu bringen. Server-Admins und Desktop-Nutzer schätzen an den LTS-Versionen von Ubuntu, dass diese – verglichen mit Debian – einen berechenbaren Releasezyklus haben. Ein Admin hat so alle zwei Jahre die Wahl, ob er sein bestehendes System weiterhin nutzt oder ein Update auf die neue Version wagt.

Im Gegensatz zu Debian gibt es bei Ubuntu allerdings einen gewichtigen Unterschied: Zwischen zwei LTS-Releases liegen mehrere normale Releases mit kurzer Wartungsdauer. Upgrades klappen aber in der Regel nur dann problemlos, wenn alte und neue Distribution direkt aufeinander folgen. Oder anders formuliert: Während das Update von einer Debian-Version auf die nächste problemlos funktioniert, klappt ein Update von Ubuntu 12.04 auf Ubuntu 14.04 mehr schlecht als recht.

Von Precise zu Trusty

Wer den Ubuntu-LTS-Releases folgt, findet sich im Augenblick der Release einer neuen LTS-Version meist in einer anderen Welt wieder. Denn Ubuntu bringt jedes halbe Jahr eine neue Version seines Systems heraus, und die Features, die in Ubuntu 12.10, 13.04 und 13.10 hinzugekommen sind, sind in Ubuntu 14.04 natürlich auch enthalten.

“Performance, Finesse, Wartbarkeit”

Am meisten hat sich interessanterweise in Version 13.10 getan, also jener Version, die erst im Oktober letzten Jahres erschien – jedenfalls wenn man das Vanilla-Ubuntu betrachtet, das mit Unity arbeitet und den Standard darstellt. Shuttleworth beschrieb die Änderungen an Unity in Ubuntu 13.10 mit den Schlagworten “Performance, Finesse, Wartbarkeit”.

Unity 7 in Ubuntu 13.10 war als Grundlage für Unity 8 in 14.04 konzipiert. Aber weil das nicht funktioniert hat, bekommen LTS-Nutzer in Trusty ein besonders gut gewartetes Unity 7.

Desktops

Ebenfalls nach Precise hielt in Ubuntu die viel diskutierte Desktopsuche Einzug, die auch Resultate von Amazon einblendet; sie wird Nutzer von Unity in Ubuntu 14.04 also genauso betreffen. Wer einen Flavor von Ubuntu 12.04 mit KDE, Gnome, Xfce oder einer der anderen Desktop-Umgebungen nutzt, wird zwar im Rahmen der Versionspflege einen neuen Desktop erleben, doch handelt es sich dabei erfahrungsgemäß um eine Umsetzung, die dem Vanilla-Desktop sehr, sehr nahe kommt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Anderer Desktop, gleiches System: Mit Kubuntu und ein paar zusätzlichen Paketen wird aus dem ehemaligen Unity schnell ein KDE.

Abbildung 4: Anderer Desktop, gleiches System: Mit Kubuntu und ein paar zusätzlichen Paketen wird aus dem ehemaligen Unity schnell ein KDE.

Wer Ubuntu 12.04 auf Servern betreibt, wird in der Versionspflege übrigens den Kern-Unterschied zwischen Ubuntu 12.04 und 14.04 erkennen: Mit Ausnahme neuer Versionen tut sich für Server-Admins nur wenig.

Steiniger Upgrade-Pfad

Admins müssen sich die Frage stellen, ob sie sich in solchen Fällen den Krampf antun wollen, von Ubuntu 12.04 über 12.10, 13.04 und 13.10 schließlich bei Ubuntu 14.04 zu landen, oder ob ein Backup der persönlichen Daten mitsamt einer anschließenden Neuinstallation nicht die bessere Variante ist. Desktops werden in aller Regel deutlich schneller bei Ubuntu 14.04 ankommen, wenn der Admin sie einer Neuinstallation unterzieht.

Bei Servern hängt wiederum viel davon ab, wie gut das Setup automatisiert ist und wie viel Hirnschmalz der Admin in die Planung seiner IT investiert hat. Wer Puppet oder Chef nebst Razor einsetzt, zentrale Storages verwendet und die Datenbankeinträge für seine Hosts zuverlässig pflegt, der wird im Idealfall die vorhandenen Systeme ins PXE booten, automatisch Ubuntu 14.04 samt Agent seiner Automatisierungslösung installieren, dem System so die passende Konfiguration überziehen und innerhalb weniger Minuten ein frisch installiertes Ubuntu 14.04 haben, wo zuvor ein Ubuntu 12.04 war. Die Autoren von Chef-Cookbooks oder von Puppet-Modulen decken die Unterschiede zwischen Distributions-Versionen in den eigenen Entwicklungen meist ab.

Lieber neu installieren

Wer seine Hosts hingegen mühsam von Hand pflegt, für den wird das Update von Ubuntu 12.04 auf Ubuntu 14.04 zur Herausforderung. Falls nicht Features aus Trusty ausdrücklich verlangt sind, ist es sogar eine lohnende Überlegung, mit Ubuntu 12.04 weiterzumachen und mittelfristig die Re-Installation des eigenen Setups zu planen – entsprechende Automatisierung inbegriffen. Genau das gilt übrigens auch für Nutzer, die noch auf Ubuntu 10.04 unterwegs sind. 2015 läuft die Unterstützung für Ubuntu 10.04 aus, und Admins, die dies noch nicht getan haben, fangen besser jetzt mit der Planung für ein Upgrade auf Trusty an.

MySQL, Maria DB, Ceph, LXC, Docker

Freilich hat sich in Ubuntu 14.04 auch für Server-Admins so einiges Neue ergeben. Für viele eingespielte Tools etablieren sich zunehmend Alternativen: Wer MySQL einsetzt, hat in Ubuntu 14.04 zum Beispiel die Wahl, statt MySQL etwa Maria DB zu verwenden.

Auch für Cloud-Admins hält Canonical Tools bereit, darunter ein aktuelles Open Stack (Abbildung 5). Zwar gibt es bei Ubuntu seit jeher die Möglichkeit, Open Stack aus einem Cloud-Ordner im Nachhinein zu installieren; doch genießt die mit LTS veröffentlichte Version von Open Stack einen besseren Ruf und natürlich fünf Jahre Unterstützung.

Abbildung 5: Canonicals Cloud-Engagement hält an: Ubuntu 14.04 bringt für die aktuelle Open-Stack-Version fünf Jahre Unterstützung.

Abbildung 5: Canonicals Cloud-Engagement hält an: Ubuntu 14.04 bringt für die aktuelle Open-Stack-Version fünf Jahre Unterstützung.

Im Fahrwasser von Open Stack schwimmt übrigens auch Ceph mit, das in Ubuntu 14.04 in der Firefly-Version enthalten ist. Die versteht sowohl Erasure Coding als auch Tiering. Zudem haben die Open-Stack-Entwickler in Trusty Tahr Containerlösungen wie LXC und Docker eine bessere Unterstützung beschert.

Keine Experimente: Kein Mir, kein Wayland

Alles in allem bleiben im Hinblick auf Server bei Ubuntu 14.04 allerdings die großen Überraschungen aus. Das muss für Admins keinesfalls schlecht sein, die verlangen eh meist nur, dass ein System trotz aktueller Software berechenbar und schnörkellos funktioniert. Wer Ubuntu LTS bis dato schon als Quasi-Debian mit höherer Update-Frequenz und aktuellerer Software sieht, der wird mit der LTS-Version 14.04 jedenfalls keine bösen Überraschungen oder unangenehmen Nebeneffekte erleben.

Auch wenn sich Ubuntu 14.04 zwiegespalten präsentiert, bleibt insgesamt ein positiver Eindruck. Zwiegespalten, sogar mehr noch als seine Vorgängerversionen, ist Trusty deshalb, weil die Macher für Server und Desktop unterschiedliche Pläne verfolgen. Das öffentliche Beteuern von Mäzen Mark Shuttleworth, Ubuntu sei “Universalplattform für alle Geräte”, verleiht der Distribution einen klaren Drall in Richtung Desktop.

Wer Berichte über die neue LTS-Version im Netz studiert, wird bald feststellen, dass es beinahe ausschließlich um Unity und die Desktop-Features des Systems geht. Server, die bis heute einen beträchtlichen Teil der Ubuntu-Installationen ausmachen, bleiben bei Shuttleworths Desktop-Offensive zunächst außen vor.

Zuverlässig trotz Desktop-Wirren

Bis jetzt bleibt das für Server-Admins Gott sei Dank ohne technische Auswirkungen. Ubuntu Server 14.04 war im Test so zuverlässig wie die Vorgängerversion. Das massive Engagement, das Ubuntu in Technologien wie Ceph und Open Stack steckt, weckt die Hoffnung, dass die Server-Sparte für Ubuntu auch weiterhin ein wichtiges Standbein ist. Abgesehen von den konkreten Update-Schwierigeiten lohnt sich das Update von Servern auf Ubuntu 14.04 Trusty Tahr jedenfalls, handelt es sich doch vorrangig um eine solide Versionspflege.

Anders sieht die Sache aus für jene, die Ubuntu LTS auf dem Desktop einsetzen und nicht auf einen der Ubuntu-Flavors mit KDE, Gnome, Xfce oder einer anderen Lösung zurückgreifen. Wer tatsächlich Ubuntu mit Unity nutzt, erlebt beim Sprung von Ubuntu 12.04 auf Ubuntu 14.04 eine ganze Reihe neuer Funktionen und eine erneut – teils deutlich – umgebaute Desktop-Oberfläche, die immer noch auf Unity 7 basiert.

Zwar schreckte Ubuntu-Chef Shuttleworth offenbar vor dem ganz großen Ding zurück und traute sich nicht, die Ziegenartige gleich mit Mir und einem darauf aufbauenden Unity 8 auszustatten. Doch werden die Änderungen in den nächsten Ubuntu-Versionen kommen und spätestens über die LTS-Version in zwei Jahren alle Unity-Nutzer in Ubuntu betreffen. Für Ubuntu 14.04 wird Unity 8 samt Mir gar als Preview zur Verfügung stehen [3].

Der Autor

Martin Gerhard Loschwitz arbeitet als Principal Consultant bei Hastexo. Er beschäftigt sich dort intensiv mit den Themen HA, Distributed Storage und Open Stack. In seiner Freizeit pflegt er die Clustersoftware Pacemaker für Debian.

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