Aus Linux-Magazin 06/2014

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Miniflux

40 bis 50 RSS-Feeds folgt Sysadmin-Kolumnist Kühnast meistens. Früher stocherte er mit einem lokal installierten RSS-Reader darin herum, später mit Tiny Tiny RSS auf dem eigenen Server. Nun geht die gemeinsame Zeit mit der treuen Tiny zu Ende. Hier erzählt Charly die ganze Geschichte exklusiv.

Gefühlte zweimal pro Woche lese ich irgendwo, RSS sei tot. Ich für meinen Teil kann das nicht bestätigen. Täglich erwarten mich in Tiny Tiny RSS 200 bis 300 neue Einträge. Gut, von den meisten überfliege ich nur die Überschriften, aber ich muss nicht auf der Webseite meiner Onlinetageszeitung nach den Inhalten suchen, die ich lesen möchte, ich abonniere nur den Feed der für mich interessanten Ressorts – und gut ist’s.

Ab und zu probiere ich aus Neugier die eine oder andere Alternative zu meiner treuen Tiny aus. Auf diese Weise landete zuletzt Miniflux auf dem Server. Der kleine Flux stand schon auf der “Muss mir mal anschauen”-Liste, seit mein geschätzter Kollege Dmitri Popov letztes Jahr darüber gebloggt hat [1]. Mein Zögern wurmt mich ein bisschen, denn dieser RSS-Reader ist wirklich gut.

Schon die Installation dauert weniger als 2 Minuten: Zip-Datei von [2] runterladen, auf dem Server entpacken, Schreibrechte anpassen – fertig und bereit zum Einloggen. Das Tool verlangt keinerlei Apache- oder SQL-Kung-Fu-Künste. Hinten werkelt SQlite, das ich aber abseits der Installation nicht anfassen muss.

Mehr oder minder bunt

Dann ist da das Design (Abbildung 1). Ludwig Mies van der Rohe, der Architekt, dem der Ausspruch “Weniger ist mehr” [3] zugeschrieben wird, wäre hemmungslos begeistert. Wer mehr auf Friedensreich Hundertwasser steht, darf auf buntere Themes zurückgreifen, darunter eines, das »no style« heißt und auch so aussieht. Alle Themes sind so gestaltet, dass sie auch auf mobilen Geräten übersichtlich bleiben.

Auf Miniflux’ Feature-Liste fehlt – mit Absicht – die Unterstützung für Kategorisierung oder soziale Netzwerke. Überhaupt verhindert Miniflux das Tracking des Benutzers, wo immer es geht. Klicke ich einen Link an, öffnet ihn das Tool in einem neuen Tab mit »rel=”noreferrer”« . So erkennt die abgesaugte Site nicht, dass ein RSS-Aggregator sie geöffnet hat. Besonders leicht macht mir den Umstieg, dass Miniflux Feedlisten im OPML-Format mit einem Klick importiert.

Den entscheidenden Anstoß, Tiny zu verlassen, gab der Humor des Programmautors. Hier ist ein Ausschnitt aus der FAQ: “Ich habe 600 Abonnements, kann Miniflux damit umgehen?” – “Wahrscheinlich ja, aber dein Leben ist unübersichtlich.” Wo er recht hat, … (jk)

Abbildung 1: Mies van der Rohes "Weniger ist mehr" könnte Pate gestanden haben für das Miniflux-Design.

Abbildung 1: Mies van der Rohes “Weniger ist mehr” könnte Pate gestanden haben für das Miniflux-Design.

Infos

  1. Dmitri Popov, “Miniflux, ein schnörkelloser RSS-Aggregator”: http://www.linux-ma-gazin.de/Blogs/Dmitri-Popov/Miniflux-ein-schnoerkelloser-RSS-Aggregator
  2. Miniflux: http://miniflux.net
  3. Charly Kühnast, “Architektur: Mies van der Rohe”: http://charly.in/rohe

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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