Aus Linux-Magazin 03/2014

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Fish

Abbildung 1: Solange ein angefangenes Kommando noch nicht eindeutig ist, färbt Fish den Anfang rot ein.

Bislang nur als Appetithappen im Linux-Magazin serviert, bringt Sysadmin-Kolumnist Charly jetzt als Hauptgericht “Shell-Fish” auf den Tisch. Sein Fazit: Lecker, aber nichts für alle Tage.

Die Friendly Interactive Shell (Fish, [1]) ist aufmerksamen Magazin-Lesern der “Tooltipps”-Serie vielleicht noch in Erinnerung [2]. Seither habe ich auf dem einen oder anderen Rechner damit herumgespielt – hier meine Erfahrungen. Was jedem sofort angenehm auffällt, ist die gut funktionierende Vorhersagefunktion. Solange ein angefangenes Kommando noch nicht eindeutig ist, stellt Fish es in roter Schriftfarbe dar (Abbildung 1). Gleichzeitig unterbreitet die Shell Vorschläge, wie es weitergehen könnte.

Abbildung 1: Solange ein angefangenes Kommando noch nicht eindeutig ist, färbt Fish den Anfang rot ein.

Abbildung 1: Solange ein angefangenes Kommando noch nicht eindeutig ist, färbt Fish den Anfang rot ein.

History aus Manpages

Out of the Fish-Box leiten sich die Empfehlungen aus der Historie ab. Gebe ich auf der Kommandozeile aber den Befehl »fish_update_completions« ein, wühlt sich Fish durch alle installierten Manpages – auf meinem Test-Ubuntu sind es fast 2000 – und baut daraus eine Datenbank (Abbildung 2). Aus ihr sucht sich Fish fortan bei der Auto-Vervollständigung zusätzliche Vorschläge zusammen.

Auf der Projektseite [1] kokettieren die Autoren zwar mit dem Retro-Charme: “Letztlich eine Commandline-Shell für die 90er” – von reiner Grün-auf-Schwarz-Optik darf aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Fish ist bunt wie die Bewohner eines Korallenriffs. Kommandos, Parameter, Pfade, Sonderzeichen, alles hat einen eigenen Ton aus einer Palette von 256 “herrlichen VGA-Farben”.

Selbstredend dürfte ich jede einzelne Farbzuordnung per Kommandozeile beeinflussen – so viel manuelle Tuningarbeit investieren aber nur die größten Fish-Köppe. Normale Anwender navigieren besser zu leichteren Fish-Gründen: Mit dem Kommando »fish_config« startet ein Mini-Webserver auf Port 8000, und ich kann die Farbenpracht und noch manches mehr mit dem Browser nach Gusto kalibrieren (Abbildung 3).

Abbildung 2: Mit dem Befehl wühlt sich Fish durch alle installierten Manpages und baut daraus eine Vervollständigen-Datenbank.

Abbildung 2: Mit dem Befehl wühlt sich Fish durch alle installierten Manpages und baut daraus eine Vervollständigen-Datenbank.

Abbildung 3: Aus der Farbenpracht wählt der Anwender per Browser die Fish-Highlights.

Abbildung 3: Aus der Farbenpracht wählt der Anwender per Browser die Fish-Highlights.

Fish-Gericht

Wer »help« eintippt, bekommt ebenfalls ein Browserfenster, um in der ausgesprochen umfangreichen Dokumentation zu blättern – oder auch nicht, wenn er einen Server ohne X11 vor sich hat. Was ich am meisten vermisse, ist [Strg]+[R], die Volltextsuche in der eigenen History. Diese Funktion benutze ich Dutzende Male pro Tag und klatsche mit Fish jedes Mal dabei vor die Aquarienwand.

Deshalb und weil beim Skripten die volle Bash-Syntax fehlt, taugt Fish nach meiner Ansicht nicht zur Standardshell. Aber: Das Flossentier funktioniert in seinem Biotop gut, gefällt mit seiner Farbenpracht und wartet mit einer Reihe sehr angenehmer Funktionen auf – alles Perlen, die ich in der Bash auch gern sähe.

Infos

  1. Fish: http://fishshell.com
  2. Uwe Vollbracht, “Tooltipps”: Linux-Magazin 09/13, S. 56

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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