Aus Linux-Magazin 02/2014

Ein Wireshark-Buch und ein funktionales Kochbuch

Die Bücherseite hat sich ein praktisch ausgerichtetes Buch zur Netzwerkanalyse mit Wireshark geangelt. Als Beifang gibt es ein exzentrisches Koch- und Programmierbuch aus dem Hause O’Reilly.

Das Open-Source-Programm Wireshark ist der Tausendsassa der Netzwerkanalyse. Wer aber zum ersten Mal davor sitzt, fühlt sich vermutlich von den vielen Ansichten und Funktionen überfordert.

Wireshark-Praxis

Abhilfe schafft das auf Deutsch erhältliche Buch “Wireshark 101” von Laura Chappell. Die etablierte Dozentin erarbeitet mit dem Leser die Bedienung des Tools in rund 50 praktischen Übungen. Dabei helfen reichlich mit Screenshots versehene Anleitungen im Buch und vorgefertigte Netzwerk-Captures, die es unter http://wiresharkbook.com kostenlos zum Herunterladen gibt.

Es handelt sich um eine Wireshark-Einführung, nicht um einen Netzwerkkurs. Das Wissen über Switches, Router und die Schichten des OSI-Modells muss der Leser bereits mitbringen. Die Lektionen reichen vom Aufzeichnen an geeigneter Stelle im Netzwerk über Filterausdrücke mit Feldbezeichnungen, Vergleichsoperatoren und regulären Ausdrücken bis zur Suche nach Latenzen.

Die Wireshark-Oberfläche ist nicht für Deutsch lokalisiert, die Menüpunkte sind im Buch daher mit den englischen Original-Beschriftungen bezeichnet. Als Lern- und Verständnishilfe folgt in der deutschen Buchausgabe allerdings in Klammern die deutsche Übersetzung. An anderer Stelle hat der Verlag eher gepatzt: Das Capture-Tool »dumpcap« taucht viel zu oft als »dumbcap« auf.

Das Buch hilft dem Leser dabei, alltägliche Netzwerkprobleme mit Wireshark zu analysieren. Dazu dienen Einfärbungsregeln für die Schlüsselwerte bestimmter Protokolle, das Erzeugen von Statistiken und Diagrammen oder die Recherche nach den geschwätzigsten Rechnern. In die Nähe der forensischen Netzwerkanalyse wagt sich die Rekonstruktion von übertragenen Dateien aus HTTP- und FTP-Traffic. Zum Abschluss gibt es ein eigenes Kapitel zu Wiresharks Kommandozeilentools Tshark, Capinfos, Editcap und Mergecap.

Für das nicht besonders dicke Taschenbuch ist der Preis von 45 Euro eigentlich zu hoch angesetzt. Der Leser erhält als Gegenwert aber eine Menge lehrreicher Trainingsstunden.

Info

Laura Chappell:

Wireshark 101

Mitp, 2013

350 Seiten

45 Euro

ISBN 978-3-8266-9713-5

Lambda-Curry

Das “Curry-Buch” von der deutschen O’Reilly-Tochter ist ein ungewöhnlicher Band, geradezu ein Buch-Experiment. Es setzt auf eine Analogie zwischen Programmieren und Kochen. Das Konzept kreist um den Namen Curry, den eine Gattung indischer Speisen mit einem amerikanischen Logiker teilt, von dem einige Grundlagen der funktionalen Programmierung stammen.

Dieser Titel macht dem Leser also das funktionale Paradigma schmackhaft, beginnend mit Funktionen höherer Ordnung und Closures, bald darauf mit der nach Curry benannten teilweisen Funktionsanwendung. Als Programmiersprache für die Beispiele verwenden die Autoren Javascript, sie implementieren damit sogar den Lambda-Kalkül. Auch Event-basierte Programme und Continuations setzen sie um. Daneben erfährt der Leser auch Wissenswertes über andere Sprachen wie C++, Haskell und Python.

Das Curry-Buch behandelt das gesamte funktionale Grundwissen, das Trio Map, Filter und Reduce ebenso wie Komposition, Rekursion, Memorization und Pattern Matching. Was aber die immer wieder gesuchten Parallelen zur indischen Küche dem Leser bringen sollen, bleibt schleierhaft – außer er kocht ebenso gerne wie er programmiert. Eine Aussage wie “ein bisschen ist Rekursion das Chicken Tikka Masala der funktionalen Programmierung” bringt kaum Gewinn. Dabei wollen die Autoren nur sagen, dass auch bekannte Features neue und interessante Seiten zeigen können.

Der fachliche Inhalt des Bands ist unbestritten, auch wenn der Schwierigkeitsgrad der Textabschnitte stark schwankt. Am ehesten eignet es sich daher für Programmierer, die schon mit dem Funktionalen in Berührung gekommen sind und mehr wissen wollen. Die Darstellungsform mit den indischen Rezepten trägt dazu allerdings mehr Verwirrung als Nutzen bei – die ursprünglich originelle Idee wirkt rasch überstrapaziert. Es bleibt dabei: Programmier- und Kochbücher sollte man zwischen separaten Buchdeckeln beziehen.

Info

Jens Ohlig, Stefanie Schirmer, Hannes Mehnert:

Das Curry-Buch

O’Reilly, 2013

210 Seiten

30 Euro (E-Book 24 Euro)

ISBN 978-3-86899-369-1

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