Aus Linux-Magazin 01/2014

Ein Band über performante Webanwendungen sowie Koflers Handbuch

Performanceprobleme bei einer Webanwendung können sich an vielen Stellen verstecken. Ein Buch aus dem Dpunkt-Verlag klopft sie alle gründlich ab und schlägt Lösungen vor. Daneben ist Michael Koflers dickes Linux-Handbuch erstmals bei Galileo Computing erschienen.

Ist eine Website langsam, meckern die Benutzer und potenzielle Kunden ziehen weiter. Abhilfe möchte das Buch “Performante Webanwendungen” von Daniel Kuhn und Michael Raith schaffen.

Gezielt optimieren

Der Band wendet sich an Webentwickler und Sysadmins und nimmt sie mit auf eine Tour durch alle relevanten Anwendungsschichten und Subsysteme. Statt einfach eine SSD in den Server zu stecken, forschen die Autoren zunächst nach, wo es klemmt.

Schon diese Diagnose zeigt, dass Kuhn und Raith vom Fach sind. Nach grundlegenden Überlegungen zu den Messgrößen für Webserver, Datenbank und Cache stellen sie Open-Source-Tools wie Apachebench, Jmeter und Tsung vor. Auch Monitoring-Tools wie Collectd, Cacti, Munin und das proprietäre New Relic dienen ihnen zur Analyse. Der Server-seitige Anwendungscode muss sich Prüfungen durch Profiler wie Xdebug unterziehen, die Darstellung im Browser untersuchen Firebug und Selenium.

Auf das Ermitteln der Engstellen folgt das Ausbessern. Das Datenmodell lässt sich möglicherweise optimieren, genauso die Datenbankabfragen, vielleicht mittels Stored Procedures. Daneben behandelt das Buch Skalierung, Partitionierung und Sharding von Datenbanken und zeigt sich mit Mongo DB up to date.

Der nächste Abschnitt nimmt das Thema Caching gründlich durch, von Bytecode-Caches für Ruby und PHP, über Memcached und reverse Proxyserver bis zu den unterschiedlichen Cache-Arten in modernen Webbrowsern.

Auch beim Ausliefern der Daten gibt es Optimierungspotenzial: Die Anzahl der einzelnen HTTP-Anfragen lässt sich durch Zusammenfassen von HTML, CSS und Javascript verringern, Webserver können komprimieren und Daten lassen sich auf Subdomains verteilen. Zudem gibt es die Möglichkeit, ein Content Delivery Network einzusetzen oder alternative Protokolle wie Websockets oder Googles SPDY zu verwenden. An den letzten beiden Beispielen zeigt sich, wie aktuell dieses Buch ist.

Auf rund 300 Seiten arbeiten die Autoren ein großes Feld ab. Stellenweise mag der Tiefgang fehlen, doch der Leser erhält Fingerzeige, wo er sich näher informieren kann. Selten dürfte ein einzelnes Buch derart großes Potenzial besitzen, dem Unternehmen Kosten zu sparen und seine Kunden glücklicher zu machen.

Info

D. Kuhn, M. Raith:

Performante Webanwendungen

Dpunkt, 2013

320 Seiten

37 Euro (E-Book 30 Euro)

ISBN 978-3-86490-008-2

Galileo-Kofler

Schon seit 1996 gibt es das Linux-Handbuch des Österreichers Michael Kofler. Der dicke Band wird unter Linuxern kurz und liebevoll “Der Kofler” genannt. Im Jahr 2013 hat allerdings sein Verlag Addison-Wesley die deutschsprachigen Computerbücher eingestellt. Kofler schreibt jetzt bei Galileo Computing, wo sein Linux-Buch nun erstmals erschienen ist. Blickt man ins Inhaltsverzeichnis, so sieht der erste Galileo-Kofler der vorhergegangenen Auflage sehr ähnlich. Die Installationsanleitungen sind sinnvollerweise nach vorne gerückt, dazugekommen ist Ubuntu Server. In der Abteilung Desktopumgebungen ist Ubuntus Unity ein berechtigter Neuzugang, im Netzwerk-Kapitel IPv6.

Mit 60 Seiten zum Raspberry Pi entspricht die neue Ausgabe zudem der Begeisterung der Linux-Community für den preiswerten Minicomputer. Kofler behandelt das Modell B, erklärt die Unterschiede zum Desktop-PC und führt den Leser durch die Raspian-Installation. Kurz zeigt der Autor den Einsatz als Mediacenter mit XBMC und legt mit einer LED-Steuerung die Grundlagen für weitere Hardware-Basteleien.

Daneben bleiben die vielen bewährten Kapitel auf den über 1400 Seiten. Der Kofler bleibt sich auch im Hause Galileo treu. Es gibt kaum ein anderes Buch, das gleichermaßen bei der ersten Linux-Installation neben Windows hilft, in die Bedienung von Vim und Emacs einführt, die Konfiguration von NFS und Samba erklärt und auch noch beschreibt, wie der Firefox-Nutzer das lästige US-Papierformat Letter beim Drucken loswird. Dürfte man einem Linux-Einsteiger nur ein einziges Buch in die Hand drücken, sollte es der Kofler sein.

Info

Michael Kofler:

Linux: Das umfassende Handbuch

Galileo Computing, 2013

1440 Seiten

50 Euro (Online-Ausgabe 45 Euro)

ISBN 978-3-8362-2591-5

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