Aus Linux-Magazin 12/2013

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Go Access

Abbildung 1: Das echtzeitfähige Go Access zeigt hier nur vier der elf Module und deren Top-6-Listen an.

So wie ein Handwerker sich nicht jeden Monat einen anderen Winkelschleifer kauft, wechselt ein Sysadmin nicht dauernd seine eingespielten Tools. Kolumnist Charly Kühnast pfeift diesmal auf den konservativen Grundsatz, denn der Wechsel zu einem neuen Logfile-Tool scheint zu attraktiv.

So kurzlebig die Duelle des Sysadmin mit dem Alltag sind, so konservativ fällt oftmals die Wahl der Waffen aus. Die Log-Auswertungen meiner Webserver beispielsweise erledigt seit einer gefühlten Ewigkeit Webalizer. Alternativen gäbe es schon: Awstats, Awffull und einige andere. Doch warum experimentieren? Die anderen bauen auch nur wie Webalizer aus der Logdatei des Webservers übersichtliche Auswertungen.

Abzuweichen lohnt, wenn ich sekundengenaue Zusammenfassungen in Echtzeit brauche. Einen Ansatz liefert Apachetop, über das ich hier vor langer Zeit geschrieben [1] habe. Mittlerweile geht es aber besser: mit Go Access [2]. Das Tool liest die Logdatei des Webservers, wertet sie bis zum aktuellen Zeitpunkt aus und zeigt die Ergebnisse auf der Konsole an. Go Access liest die üblichen Logdateien im Common Logfile Format, auch im Combined Logfile Format. Wer etwas Exotischeres hat, kann Go Access auch dies beibringen.

Go Access schreibt seine Ausgabe kontinuierlich fort, sodass ich live verfolgen darf, wie der Webserver arbeitet. Im einfachsten Fall übergebe ich beim Start einen einzigen Parameter, der den Pfad zum Logfile angibt:

goaccess -f /var/log/apache2/access.log

Als sehr praktisch erweist sich die Möglichkeit, gleich eine IP-Adresse dazuzupacken, deren Zugriffe Go Access ignorieren soll:

goaccess -f /var/log/apache2/access.log-e 10.50.1.25

Auf diese Weise bleiben Zugriffe von Überwachungssystemen (Nagios, Icinga oder Loadbalancer) bei der Kalkulation außen vor, die zyklisch nachschauen, ob der Server noch lebt.

Rolle vorwärts

Die Anzeige auf der Konsole ist in Abschnitte unterteilt, Go Access nennt sie Module. Die Module reihen sich von oben nach unten, sodass ich scrollen muss, um alle zu sehen. Glück hat, wer seinen Monitor im Hochformat betreiben kann – ich gehöre leider nicht dazu.

In Abbildung 1 sind nur die ersten vier Module und die erste Zeile des fünften zu sehen, tatsächlich stellt Go Access aber elf Module dar, darunter Übersichten über die meistverwendeten Browser und Betriebssysteme der Clients, die häufigsten Referrer-Seiten und Suchbegriffe, anhand derer Suchmaschinen ihre User auf meine Webseite gelotst haben. Praktischerweise unterscheidet Go Access beim Auflisten der Clients penibel zwischen Crawlern und richtigen Browsern.

Ein Modul zeigt nur die Top-6-Liste seiner Kategorie an. Mehr Details sind jedoch schnell zur Hand: Jedem Modul ist eine Zahl zugeordnet, sie steht in der Überschrift, zum Beispiel »6 – Operating Systems« . Tippe ich die Zahl auf der Tastatur und danach [O] (für Open Detail View), bekomme ich die vollständige Liste angezeigt. Weitere interaktive Tastenkürzel blendet [F1] ein.

Aussagekräftige Reports über abgeschlossene Logdateien, mithin die Paradedisziplin klassischer Logauswerter wie Webalizer & Co., beherrscht Go Access natürlich auch. Sieht aus, als ob ich Webalizer und Apachetop Tickets in die ewigen Jagdgründe ausstellen muss.

Abbildung 1: Das echtzeitfähige Go Access zeigt hier nur vier der elf Module und deren Top-6-Listen an.

Abbildung 1: Das echtzeitfähige Go Access zeigt hier nur vier der elf Module und deren Top-6-Listen an.

Infos

  1. Charly Kühnast, “Aus dem Alltag eines Sysadmin: Webalizer Xtended”: Linux-Magazin 02/06, S. 65
  2. Go Access: http://goaccess.prosoftcorp.com

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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