Das Linux-Magazin bespricht zwei englischsprachige Bücher: Das erste will frischen Wind in die C-Entwicklung bringen, das zweite mehr Gesundheit in den Alltag von Programmierern.
Der Autor, Soziologe und Programmierer Ben Klemens hat nach Jahren der Abstinenz die Programmiersprache C wiederentdeckt. Das Resümee seines englischsprachigen Buches “21st Century C”: In Kombination mit den passenden Werkzeugen lässt sich damit außerordentlich effizient entwickeln.
C – neu entdeckt
Dementsprechend vermittelt Klemens nicht nur die mit den Standards C99 und C11 eingeführten Neuerungen, sondern widmet sich in fünf von zwölf Buchkapiteln der (Entwicklungs-)Umgebung vornehmlich unter Unix. Dabei thematisiert er Shellprogrammierung ebenso wie Make, Autoconf, die Versionsverwaltung mit Git sowie Debugging und den Umgang mit Bibliotheken.
In den übrigen sieben Kapiteln geht es um Pointer, Datenstrukturen, Unicode, das objektorientierte Programmieren mit C oder spezifische Bibliotheken, zum Beispiel für den Datenbankzugriff. Eines der Kapitel widmet sich C-Konstrukten, die man nach Meinung von Klemens besser außen vor lassen sollte.
Das “C-Buch des 21. Jahrhunderts” ist kein Einsteigertitel. Es richtet sich vielmehr an Programmierer, die ihre C-Kenntnisse auffrischen und erweitern wollen. Der eigentliche Wert des Buches liegt in den vielen Anwendungsbeispielen und Tipps. Allerdings offenbart es genau da auch Defizite: Switch-Case-Anweisungen durch If-else-Konstrukte zu ersetzen (Seite 123) stößt sicherlich nicht auf allgemeine Zustimmung. Das Weglassen von »return 0« am Ende der »int main()« -Funktion (Seite 116) quittiert der GCC unter Ubuntu mit einer berechtigten Warnung.
Das Buch hinterlässt einen ambivalenten Eindruck: “21st Century C” ist eine interessante Lektüre, die nicht nur dem Wiedereinsteiger, sondern auch dem versierten Programmierer immer wieder Aha-Erlebnisse vermittelt. Um Gewinn aus dem Buch zu ziehen, bedarf es allerdings eines kritischen Lesers.
Info
Ben Klemens:
21st Century C
O’Reilly, 2012
292 Seiten
25 Euro (E-Book 20 Euro)
ISBN 978-1-4493-2714-9
Gesünder arbeiten
Neben Zeitmanagement- und Karriere-Büchern erscheinen nun auch Gesundheitsratgeber für IT-Angestellte. Das hat gute Gründe, denn den Bildschirmarbeitern drohen Rücken- und Kopfschmerzen, überlastete Maus-Arme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Davor möchte sie das englischsprachige Buch “The Healthy Programmer” bewahren.
Bevor sich der Autor Joe Kutner den einzelnen Problemen widmet, erörtert er in einem eigenen Kapitel, wie der PC-Arbeiter ungesunde Gewohnheiten ablegt und zu einem gesünderen Lebensstil findet. Dabei verwendet er Entwickler-taugliches Vokabular wie iterativ, Unittest und Bootstrapping. Dann geht es aber schon los mit den Veränderungen: Der Leser soll öfter stehen, zu Fuß gehen, einen Schrittzähler kaufen und die Einhaltung seiner Gesundheitsziele mittels Checkliste oder der kostenlosen iPhone-App zum Buch kontrollieren.
Das nächste Kapitel behandelt Probleme von im Sitzen arbeitenden Menschen. Sein Rat: alle 20 Minuten die Haltung ändern, stündlich fünf Minuten bewegen und über ein Stehpult als Ergänzung nachdenken – aber nur, wer nicht an Diabetes oder Bluthochdruck leidet.
Ein weiterer Themenkomplex, den Kutner ausführlich behandelt, ist die Ernährung, denn viele Entwickler leiden an Übergewicht. Seine Ratschläge entsprechen der gängigen Ernährungslehre: mehr Obst und Gemüse essen und die Kalorien zählen, außerdem nicht aus Stress oder Langeweile futtern. Zur Illustration erzählt er Fallgeschichten von Entwicklern, die erfolgreich abgenommen haben.
Im weiteren Verlauf lernt der Leser, dass die Bildschirmarbeit unter Umständen eine spezielle Brille erfordert, welche Ursachen Kopfschmerzen haben können und welche Übungen den Rücken stärken. Bei den geplagten Handgelenken beschränkt sich der Autor leider ausschließlich auf das Karpaltunnel-Syndrom.
In die Arbeit eingeplante Pausen und Übungen, Tipps für weitere sportliche Aktivitäten sowie Fitness-Tests vervollständigen das Buch. Wer Anregungen für einen gesünderen (und damit zufriedeneren) Arbeitsalltag am PC sucht, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer jedoch bereits Beschwerden oder Schmerzen hat, sollte besser zum Arzt gehen.






