Aus Linux-Magazin 07/2013

Insecurity Bulletin: Die Backdoor Linux/Cdorked.A

In manch einer unscheinbaren Apache-Installation kann sich eine Backdoor verbergen. Insbesondere Admins, die den Webserver zusammen mit Cpanel verwenden, sollten nach dem Rechten sehen.

Der Apache-Webserver tut auf vielen Linux-Servern zuverlässig und wenig beachtet seinen Dienst. Doch in den Frühjahrsmonaten 2013 haben die Security-Experten des Unternehmens Sucuri vermehrt Server entdeckt, auf denen statt des friedvollen Apache eine kompromittierte Version mit integrierter Backdoor lief [1]. Betroffen waren Systeme, die das proprietäre Hosting-Controlpanel Cpanel verwenden.

Binary verändert

Die Backdoor, die den Namen Linux/Cdorked.A erhielt, hinterlässt selbst keinerlei Spuren auf der Festplatte – außer der modifizierten Apache-Binärdatei »httpd« . Der Angreifer oder seine Installationsroutine hat die Datei zudem mit dem Immutable-Flag versehen, was das Überspielen durch ein Update verhindert. Der Administrator müsste zuvor das Flag mit »chattr –ai« löschen.

Alle ihre Konfigurations- und Statusinformationen hält die Backdoor in einem rund 6 MByte großen Shared-Memory-Bereich des Hauptspeichers. Die Backdoor lässt sich nicht einfach anhand der Binärdatei entdecken, da alle verdächtigen Codeteile und Strings aufgrund einer statischen XOR-Verschlüsselung nicht direkt lesbar sind.

Zur Kontrolle über den befallenen Rechner ist in die Backdoor eine Reverse-Shell integriert, die sich über spezielle HTTP-»GET« -Anfragen an den Apache-Server starten lässt. Eine solche »GET« -Anfrage richtet sich an einen bestimmten Pfad, und ihr Query-String enthält den Hostnamen und Port für die zu startende Reverse-Shell.

Solange der Angreifer diesen Zugang geöffnet hat, hängt die HTTP-Verbindung, da die Backdoor dabei kein Prozess-Forking verwendet. Somit ließen sich im Prinzip etwaige Shellsessions auf einem kompromittierten System zwar durch lang laufende HTTP-Verbindungen entdecken. Allerdings erscheinen die speziellen HTTP-Anfragen zum Aufbau der Reverse-Shell aufgrund ihrer Struktur nicht in Apaches Logdateien.

Fernsteuerung

Neben diesem Reverse-Shell-Feature kann ein Angreifer via HTTP-»POST« auch direkt Befehle an Linux/Cdorked.A senden. Insgesamt versteht die Backdoor 23 verschiedene Befehle, die sich via »POST« ausführen lassen. Die Befehle enthalten einen Cookie-Header, der mit »SECID=« beginnt und optionale Parameter übermittelt. Die Backdoor liefert Daten über ihren Status im Etag-HTTP-Header zurück. Da die Linux/Cdorked.A einen bestimmten Speicherbereich in Beschlag nimmt, lässt sie sich anhand dessen auch identifizieren. Ein Programm der Security-Firma ESET liest den Speicher der Backdoor aus [2].

Unklar ist derzeit, wie die Backdoor in den Webserver gelangt. Die Security-Firma Sucuri vermutet, es könne sich dabei um Brute-Force-Attacken gegen den SSH-Dienst handeln. Eine detaillierte Analyse der installierten Backdoor findet sich im Blog [3] des Antivirus-Unternehmens ESET. Die Forscher haben mittlerweile auch mit Linux/Cdorked.A infizierte Binärdateien der Server Nginx und Lighttpd entdeckt. (mhu)

Infos

  1. Daniel Cid, “Apache Binary Backdoors on Cpanel-based servers”: http://blog.sucuri.net/2013/04/apache-binary-backdoors-on-cpanel-based-servers.html
  2. Programm zum Dumpen des Backdoor-Speichers: http://www.welivesecurity.com/wp-content/uploads/2013/04/dump_cdorked_config.c
  3. Pierre-Marc Bureau, “Linux/Cdorked.A: New Apache backdoor being used in the wild to serve Blackhole”: http://www.welivesecurity.com/2013/04/26/linuxcdorked-new-apache-backdoor-in-the-wild-serves-blackhole/

Der Autor

Mark Vogelsberger ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for Theory and Computation der Harvard University, wo er sich mit Simulationen zur Strukturbildung im Universum beschäftigt. Er war von 1999 bis 2010 Autor der “Insecurity News” des Linux-Magazins und schreibt nun auf https://www.linux-magazin.de die Online-Ausgabe des “Insecurity Bulletin”.

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