Verteilte und Cluster-Dateisysteme gelten als Überflieger in Sachen Fileserver. Die Newcomer sollen die Lücke zwischen NFS und SMB einerseits und teuren SANs andererseits schließen. Selbst Microsoft, ein bei allen wichtigen Themen zuverlässiger Hinterher-Spinger, entwickelt mit SMB 3.0 ein Faible für Infrastruktur.
Das neue Jahr startet das Linux-Magazin mit dem Thema Netzwerk-Dateisystemen. Was sich vermeintlich nach dem Duell zweier alter Herren, NFS und Samba, anhört, erweist sich als Getümmel hochmotivierter Nachwuchskräfte. Die haben mit dem Start ihrer Karrieren bereits Features eingebaut, die man bei NFS oder Samba erst aufwändig nachrüsten muss. Wie sich das Mehr an Funktion der Nachwuchskader und das Weniger an Erfahrung in der Geschwindigkeit niederschlagen, versucht der letzte Artikel des Schwerpunkts herauszufinden.
Dass das bislang in Sachen Innnovation eher schlurfig daherkommende Infrastruktur-Thema in den letzten Jahren tatsächlich Fahrt aufgenommen hat, lässt sich an einem verlässlichen Spätindikator messen: Microsoft. Bei allen wichtigen Themen wie Internet, Application Service Providing oder Smartphone-Betriebssystemen ist die umsatzstärkste Softwarefirma der Welt zuverlässig auf jeden fahrenden Zug aufgesprungen – aber jedesmal erst auf den letzten Wagon. Mit Windows Server 2012 läuft das offenbar nicht anders. Während Linux- und andere Systeme bereits in der 1. Klasse speisen, beginnt Microsoft das neue Netzwerk-Dateisystem SMB 3.0 mühsam zu propagieren, zumal es sich technisch um ein umbenanntes SMB 2.2 handelt [1].
Bei dem Dateisystem stehen zwei Neuerungen beim Failover-Clustering im Vordergrund: SMB Transparent Failover und das SMB Scale-Out. Keine richtige Ausfallzeit, sondern nur eine geringe Verzögerung verspricht Windows Server 2012 mit SMB Transparent Failover mit zwei Knoten. Ist für die beteiligten Freigaben »Continuous Availability« aktiviert, stellt ein SMB-3.0-Mechanismus Verbindungen und Dateihandler automatisch um, sobald einer der Rechner ausfällt.
Die Skalierbarkeit in früheren Windows-Dateiserver-Clustern war nicht wirklich erfrischend. Nun erweitert Microsoft das vorhandene Konzept der Cluster Shared Volumes (CSVs) um die so genannten SMB-Scale-Out-Dateiserver. Legt ein Admin einen solchen Dateiserver an, platziert er die Freigaben auf Verzeichnisse, die auf gemeinsamen Volumes eines CSV liegen. Die erhalten dadurch das Label »CSVFS« , obwohl sie weiterhin lokal mit NTFS formiert sind.
Mühsame Aufholjagd
Die Kombination aus Scale-Out und Transparent Failover schafft eine Plattform, bei der mehrere Server gleiche Freigaben identischen Inhalts nutzen, was die Ausfallsicherheit erhöht und zugleich die Arbeitslasten verteilt. Beides war mit Windows-Bordmitteln bislang so nicht möglich. Wer den Schwerpunkt dieses Magazins studiert, kann ermessen, wie sehr Linuxer besser gestellt sind.
Der Zustand wird zweifellos auch noch eine Weile anhalten, da in Microsoft-dominierten Umgebungen auch noch die Clients mitspielen müssen. Un die ganze Pracht von SMB 3.0 entfaltet sich erst mit Windows 8. Clients, die SMB 1 und SMB 2 sprechen, profitieren nicht von der SMB-Transparent-Failover-Funktion. Fällt ein Clusterknoten aus, auf den ein solcher Client zugreift, verliert der seine aktive SMB-Sitzung und damit alle offenen Handles auf Dateiserver.
Ein ganz ähnliches Bild bietet sich dem Admin beim Skalieren: SMB-1.0-Clients können nichts mit SMB-Scale-Out-Freigaben anfangen (“Zugriff verweigert”). SMB-2.0-Clients kommen nicht in den Genuss der ebenfalls neuen SMB-Mehrkanal-Funktionalität, der Schattenkopien, von SMB over Remote Direct Memory Access und der SMB-Verschlüsselung. Der Weg vom letzten Wagon in den Salonwagen erscheint weit.
Infos
- Jeffrey Snover, “SMB 2.2 is now SMB 3.0”: http://blogs.technet.com/b/windowsserver/archive/2012/04/19/smb-2-2-is-now-smb-3-0.aspx





